Wschowa

Stadt in Polen

Wschowa (Audio-Datei / Hörbeispiel anhören?/i), deutsch Fraustadt, ist die Kreisstadt des Powiat Wschowski in der polnischen Woiwodschaft Lebus.

Wschowa
Wappen von Wschowa
Wschowa (Polen)
Wschowa
Wschowa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Powiat: Wschowa
Fläche: 8,38 km²
Geographische Lage: 51° 48′ N, 16° 18′ OKoordinaten: 51° 48′ 0″ N, 16° 18′ 0″ O
Höhe: 93 m n.p.m.
Einwohner: 13.875
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 67-400
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: FWS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: GłogówLeszno
Nächster int. Flughafen: Poznań-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 23 Ortschaften
Fläche: 198,30 km²
Einwohner: 21.162
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 107 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0812033
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Danuta Patalas
Adresse: Rynek 1
67-400 Wschowa
Webpräsenz: www.wschowa.pl



Geographische LageBearbeiten

 
Fraustadt nordöstlich der Stadt Glogau und südwestlich der Stadt Posen, auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Die Stadt liegt in der historischen Region Posen, etwa 80 Kilometer östlich der Stadt Zielona Góra (Grünberg in Schlesien). Benachbarte größere Ortschaften sind im Osten Leszno (Lissa) und im Südwesten Głogów (Glogau).

GeschichteBearbeiten

 
Mittelalterliche Stadtbefestigung mit der St.-Stanislaus-Kirche
 
Barocke Bürgerhäuser am Schlossplatz

MittelalterBearbeiten

Die Stadt wurde um 1250 nach Magdeburger Recht in einem zwischen Schlesien und Großpolen (Wielkopolska) umstrittenen Gebiet von deutschen Kolonisten gegründet. Schon im 12. Jahrhundert war die Bevölkerung der Ortschaft deutsch.[2] Ursprung war vermutlich eine Grenzburg, aus der eine Siedlung entstand. Nach Meyers Lexikon wurde Fraustadt von Schlesiern angelegt und gehörte dann zum Fürstentum Glogau.[3]

Die erste nachweisliche Nennung des Ortes als „Veschow“ datiert auf das Jahr 1248. Die erste Nennung als „Frowenstat Civitas“ stammt aus dem Jahre 1290.

Bis 1343 wechselte der Besitz häufig, dann wurde das Fraustädter Land von König Kasimir dem Großen erobert und Fraustadt als unmittelbar dem König unterstellte Immediatstadt privilegiert. Das Fraustädter Land wurde ein eigenständiges Verwaltungsgebiet (Ziemia). Dennoch kam es zu wiederholten Versuchen der von Deutschen bewohnten Stadt, wieder mit dem benachbarten schlesischen Herzogtum Glogau vereint zu werden.[4] König Władysław II. Jagiełło gewährte 1426, dass gegen Fraustadt „kein polnisches Recht gelten“ sollte.[4]

Frühe Neuzeit und ReformationBearbeiten

Im 16. Jahrhundert gehörte Fraustadt durch seine weitgehend deutsche Bürgerschaft zu den Hochburgen des Protestantismus in Polen. 1555 war nach der Erklärung des Kaisers Ferdinand I. die erste deutsche Messe gefeiert worden. Seit 1552 war die Stelle des deutschen Predigers einem Protestanten übertragen worden.[5] Die wichtigsten Vertreter des Protestantismus in Fraustadt waren die Pastoren Valerius Herberger (1562–1627) und Samuel Friedrich Lauterbach (1662–1728) und der Schriftsteller und Schulleiter Christian Gryphius (1649–1706). Als königliche Stadt unterstand sie einem königlich polnischen Starosten. Nach der lutherischen Familie von Gorka wurden nur noch Katholiken Starosten, die Stadtpfarrkirche musste auf königlichen Befehl 1604 wieder an die katholische Kirche zurückgegeben werden, mit der Erlaubnis für die Lutheraner eine eigene Kirche zu erbauen. Davon machte Pastor Valerius Herberger Gebrauch und ließ als neue Kirche das „Kripplein Christi“ errichten.[6]

Trotz der Gegenreformation blieb Polen tolerant und nahm protestantische Glaubensflüchtlinge aus Schlesien auf. Der Starost Hieronimus Radomicki stiftete 1633 wegen des großen Andrangs die Neustadt nach Magdeburger Recht. Damit bestand Fraustadt aus der Altstadt mit zwei Vorstädten (Glogauer und Polnische), der Neustadt und zwei Kämmereidörfern, Nieder- und Oberpritschen. Im Großen Nordischen Krieg trafen in der Schlacht bei Fraustadt am 2. Februarjul./ 13. Februar 1706greg. die schwedische und die sächsisch-russische Armee aufeinander. Die Schlacht, die nur zwei Stunden dauerte, kostete die sächsisch-russischen Verbündeten über 6000 Mann Tote und Verwundete, 8000 Mann Gefangene und 29 Kanonen, während die Schweden nur 400 Tote und 1000 Verwundete zu beklagen hatten.[3] Während der Herrschaft des sächsischen Hauses Wettin in Polen fanden in Fraustadt Sitzungen des Senates der Republik statt (die erste 1699), zweimal (1755, 1773) wurde hier eine türkische Gesandtschaft empfangen.

Mehrmals wurde Fraustadt durch die Pest heimgesucht: 1568 fielen ihr 1100 Menschen zum Opfer, 1613 sogar 2.125 Menschen.[7]

Preußische HerrschaftBearbeiten

 
Fraustädter Rathaus

Mit der Zweiten Teilung Polens von 1795 kam Fraustadt an Preußen und wurde 1816 Kreisstadt für den Landkreis Fraustadt an der südwestlichen Grenze der Provinz Posen. Ab 1826 gab es eine lutherische, eine katholische und eine israelitische Elementarschule, um allen Bedürfnissen zu entsprechen. Unterrichtssprache war in allen drei Deutsch.[8] Eine polnische Schule gab es mangels polnischer Bevölkerung nicht. 1840 zählte die Stadt 5303 Einwohner, von denen 568 Juden waren. Obwohl es für sie ein Niederlassungsverbot gab, das zuletzt 1768 von König Stanislaus II. August bekräftigt wurde, konnten sich einige Familien im Ort festsetzen. Mit der Angliederung an Preußen fielen alle Niederlassungsbeschränkungen für Juden, was zu einem raschen Zuzug führte. Die Zahl fluktuierte jedoch stark.[9]

Während der polnischen Erhebung in anderen Teilen der preußischen Provinz Posen im Frühjahr 1848 verlangte die Stadt, für den Fall einer Abtrennung der von Polen bewohnten Teile der Provinz, ihre weitere Zugehörigkeit zum Deutschen Bund eventuell durch Beiordnung zur angrenzenden Provinz Schlesien sicherzustellen.[10] Fraustadt wurde auch preußischer Garnisonsstandort. Sein berühmtester hier stationierter Soldat war Paul von Hindenburg, der hier von 1884 bis 1885 als Kompaniechef diente.

Nach 1820 brach der Tuchhandel durch die russische Zollpolitik zusammen, und die Stadt musste sich andere Betätigungsfelder suchen. So erhielt Fraustadt 1881 eine Zuckerfabrik, die bis 2003 als deutsch-polnisches Franchiseunternehmen in Betrieb war. 1857 erhielt die Stadt Eisenbahnanschluss (Strecke Glogau–Lissa).

Unter Preußen setzte im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung auch ein Zuzug von Polen ein: 1871 zählte Fraustadt 6515 Einwohner (4100 Evangelische, 2050 Katholische, 350 Juden), darunter 410 (oder 6,3 %) Polen.[11] Bis 1901 war der deutsche Bevölkerungsanteil auf 72,2 Prozent zurückgegangen, während der polnische Anteil durch Zuzug und eine höhere Geburtenrate auf 27,8 Prozent angewachsen war.[12]

Mit der Grenzziehung von 1920 verlor Fraustadt sein Hinterland, und ein wirtschaftlicher Niedergang setzte ein. Nach 1938 gehörte die Stadt zur Provinz Niederschlesien. 1939 wurde Fraustadt als einziger Grenzort von polnischer Artillerie beschossen, ohne dass große Schäden angerichtet wurden.

Nach dem Zweiten WeltkriegBearbeiten

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt von der Sowjetunion unter die Verwaltung der Volksrepublik Polen gestellt. Für Fraustadt wurde der Name Wschowa eingeführt. Danach begann die allmähliche Zuwanderung polnischer Migranten, die zum Teil aus an die Sowjetunion gefallenen Gebieten östlich der Curzon-Linie kamen sowie aus dem polnischen Teil Oberschlesiens und anderen Regionen Polens. In der Folgezeit wurde die einheimische deutsche Bevölkerung von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Seit 2001 ist die Stadt wieder Kreisstadt in der Woiwodschaft Lebus.

DemographieBearbeiten

Bevölkerungsentwicklung bis 1921
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1700 ca. 7000 [2]
1797 4579 davon 3097 Lutheraner, 1049 Katholiken, 418 Juden, 15 Reformierte[2]
1800 5100 [2]
1816 5465 davon 4803 Einwohner in der Altstadt und 662 in der Neustadt, ohne das königliche Vorwerk Fraustadt (sechs Einwohner);[13] nach anderen Angaben 5222 Einwohner[2]
1826 5800 in 742 Privatwohnhäusern[14]
1837 5541 [2]
1840 5303 darunter 568 Juden[2]
1843 5404 [2]
1858 6763 [2]
1861 6598 darunter 560 Militärpersonen[2]
1867 6595 am 3. Dezember[15]
1871 6515 mit der Garnison (ein Bataillon Nr. 58), darunter 4100 Evangelische, 2050 Katholiken, 350 Juden (410 Polen);[16] nach anderen Angaben 6513 Einwohner, darunter 4053 Evangelische, 2146 Katholiken, 314 Juden[15]
1875 6394 [17]
1880 6755 [17]
1890 6873 darunter 3814 Evangelische, 2769 Katholiken, 288 Juden (500 Polen)[17]
1905 7462 mit der Garnison (ein Infanteriebataillon Nr. 58), meist Evangelische[3]
1910 7538 [18]
1925 7548 [17]
1933 7507 [17]
1939 7739 [17]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Ehemalige evangelische Kirche Kripplein Christi
 
Franziskanerkloster
  • Rathaus aus dem 16. Jahrhundert, 1860 umgebaut
  • Pfarrkirche unter dem Patrozinium des hl. Bischofs und Märtyrers Stanislaus und der Mariä Himmelfahrt, gotisch, aus dem 15. Jahrhundert, nach dem Brand von 1685 zwischen 1720 und 1726 umgebaut
  • Ehemalige evangelische Kirche Kripplein Christi von 1604, nach einem Brand 1647 wieder errichtet
  • Gebäudekomplex des Franziskanerklosters, 1638–1646 erbaut, später mehrfach umgebaut
  • Evangelischer Friedhof von 1609
  • Stadtmauern aus dem 15. und 16. Jahrhundert

Gemeinde (Gmina Wschowa)Bearbeiten

Zur Landgemeinde Wschowa gehören folgende Ortschaften (deutsche Namen bis 1945) mit Schulzenamt (sołectwo):

  • Łęgoń (Vorwerk Langenau)
  • Łysiny (Lissen)
  • Nowa Wieś (Neudorf)
  • Olbrachcice (Ulbersdorf)
  • Osowa Sień (Röhrsdorf)
  • Przyczyna Dolna (Nieder Pritschen)
  • Przyczyna Górna (Ober Pritschen)
  • Siedlnica (Zedlitz)
  • Tylewice (Tillendorf)
  • Wygnańczyce (Weigmannsdorf)

Weitere Ortschaften der Gemeinde ohne Schulzenamt sind:

  • Buczyna
  • Czerlejewo
  • Klucz
  • Mały Bór (Klein Heyde, 1938–1945 Klein Heide)
  • Nowe Ogrody (Neugrätz)
  • Pszczółkowo
  • Wincentowo (Wiesenthal)

VerkehrBearbeiten

Durch den Ort führt die Landesstraße Droga krajowa 12.

Wschowa liegt an der Bahnstrecke Łódź–Forst (Lausitz). Im heutigen Dienstbahnhof Wschowa zweigte die Bahnstrecke Wschowa–Lipinka Głogowska von der Bahnstrecke Łódź–Forst (Lausitz) ab.

PersönlichkeitenBearbeiten

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Nach Geburtsjahr geordnet

LiteraturBearbeiten

  • Johann Daniel Ferdinand Neigebaur: Urkundliche Nachrichten über die frühere Geschichte von Fraustadt. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. Band 15, Berlin/ Posen/ Bromberg 1834, S. 82–89. (Volltext)
  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 294–310.
  • August Gustav Wilhelm Braune: Geschichte der Stadt Fraustadt. Fraustadt 1889.
  • Martin Sprungala: Kronika Wschowy/ Chronik der Stadt Fraustadt (Wschowa). Towarzystwo Przyjaciół Sławy, Sława 2016, ISBN 978-83-932235-1-0.

WeblinksBearbeiten

Commons: Wschowa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. a b c d e f g h i j Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 294–310.
  3. a b c Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 7, Leipzig/Wien 1907, S. 49.
  4. a b Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 296 (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  5. Verband der Historiker Deutschlands. Sektion für Kirchengeschichte, Gesellschaft für Kirchengeschichte (Hrsg.): Zeitschrift für Kirchengeschichte. Nr. 84-85. W. Kohlhammer, 1973, S. 115 (google.at [abgerufen am 8. März 2018]).
  6. Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 303 (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  7. Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 302 (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  8. Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 310 (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  9. Heinrich Wuttke: Codex diplomaticus magni ducatus Posnaniensis. Fries, 1864, S. 308 ff. (google.de [abgerufen am 8. März 2018]).
  10. L. v. J.: Die polnische Insurrektion in Posen im Frühjahr 1848. Glogau 1849, S. 41.
  11. Gustav Neumann: Das deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. 2. Auflage. Band 2. Müller, Berlin 1874, S. 145 (google.at [abgerufen am 8. März 2018]).
  12. Königliches Preussisches Statistisches Landesamt in Berlin (Hrsg.): Preussische Statistik: (Amtliches Quellenwerk). Verlag der Königlichen Geheimen Ober-Hofbuchdruckerei (R. Decker), Berlin 1905, S. 142 (google.at [abgerufen am 8. März 2018]).
  13. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 1, A–F, Halle 1821, S. 383, Ziffer 1026-1028.
  14. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der preußischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III.. Band 2, Teil 1, Berlin 1828, S. 95, Ziffer V.
  15. a b Königliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen, Berlin 1874, S. 102–103, Ziffer 1(E-Kopie, S. 109-110).
  16. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 145-146, Ziffer 4.
  17. a b c d e f Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. fraustadt.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  18. Gemeindeverzeichnis Landkreis Fraustadt – gemeindeverzeichnis.de