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Waldfenster ist Ortsteil des unterfränkischen Marktes Burkardroth im bayerischen Landkreis Bad Kissingen. Der Ort liegt direkt an der B 286. Mit der Gemeindegebietsreform 1972 verlor Waldfenster seine Unabhängigkeit.

Waldfenster
Koordinaten: 50° 15′ 40″ N, 9° 57′ 26″ O
Höhe: 435 m ü. NHN
Einwohner: 754 (31. Dez. 2018)[1]
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 97705
Vorwahl: 09734
Waldfenster (Bayern)
Waldfenster

Lage von Waldfenster in Bayern

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Waldfenster liegt westlich von Burkardroth.

Die durch den Ort verlaufende B 286 führt in nordwestlicher Richtung nach Platz, einem Ortsteil von Geroda, und in südöstlicher Richtung, die St 2290 kreuzend, über den Bad Kissinger Stadtteil Poppenroth nach Bad Kissingen.

GeschichteBearbeiten

Die Namensbedeutung lässt sich nicht genau festsetzen, jedoch gibt es mehrere mögliche Erklärungen:

  • Der Name kommt vom Wort Venn gleich Sumpf also ursprünglich Waldvenn
  • „Das Dorf mit seiner Gemarkung ist eine kreisrunde Lichtung inmitten endloser Wälder. Es verdient seinen Namen mit Fug und Recht“[2]
  • Der Name könnte auch seinen Ursprung in der Person Waltemann haben, da ein Ritter Waltmann in Frauenroth begraben ist und in späteren Aufzeichnungen findet sich der Name Waldmannslohe. Da Lohe Wald bedeutet, dürfte es also als Waldmanns Wald zu deuten sein, denn Waldfenster ist ringsum von Wald umgeben.

Der älteste Nachweis menschlicher Kulturarbeit ist eine Bootsaxt aus der Zeit um 1800 v. Chr., jedoch ist die genaue Gründungszeit unbekannt, doch wahrscheinlich zählt der Ort aufgrund diverser Quellen in der näheren Umgebung zu den ältesten Siedlungen im Salzforst. Der Besitz des Ortes änderte sich im Laufe der Zeit so oft wie auch sein Name. Die historischen Nachweise:

MittelalterBearbeiten

Eine Aufzeichnung des Klosters Aura aus dem Jahre 1167 führt an:

Abt Conradus tauschte im Jahre 1167 das Gut Waldemannesroth mit dem Walde und allen Zugehörigen von drei Brüdern ein. Und zwar einen Teil von Warmund von Fuchsstadt, welchem er dagegen 5 Talente und 2 Mausen gab. Die beiden anderen Teile des Gutes ertauschte er von dessen Brüdern, Dietherich von Heustreu und Hartung von Nüteligen, denen er die Güter, welche das Kloster zu Nütelingen besaß abtrat.“

Dass es sich bei diesem Tausch um Waldfenster handeln kann, geht aus späteren Aufzeichnungen des Klosters Aura hervor.

Waldfenster zu Beginn der NeuzeitBearbeiten

1564 fand sich im Kloster Aura folgende Aufzeichnung: „Das Dorf Waldfenster gehört mit Zinsen, Gülten, Frohndienst samt dem Wald und allen Gerechtigkeiten zu den Besitzungen des Klosters Aura“. Der halbe Teil dieses Besitztums gehörte, laut einer Aufzeichnung vom 15. Juli 1564, denen von Hutten und denen von Steinau genannt Steinrück und wurde etliche Jahre vorher an diese durch den Abt übergeben, mit der Verpflichtung, das Kloster im Besitz der anderen Hälfte zu schützen. Kunz von Steinau maßte sich die Herrschaft über das Dorf an und erlaubte dem Kloster, so viel Holz zu schlagen „wie es Notdürftig benötigt, als halben Teil der Zinsen, Gülten und Lehnschaft“.

Abt Leonard verkaufte dieses Recht für 120 Gulden unter der Bedingung, dass wenn der Betrag bis Petri cathedra 1565 nicht von Kunz von Steinau oder dessen Erben gezahlt sei, der Abt die Zinsen, Gülten, Lehnschaften und Wald nutzen darf, bis die gesamte Summe gezahlt ist.

Waldfenster nach 1945Bearbeiten

Am 1. Januar 1972 wurde Waldfenster in den Markt Burkardroth eingegliedert.[3] Ursprüngliche Pläne einer Eingemeindung Waldfensters nach Bad Kissingen scheiterten an der räumlichen Entfernung zwischen beiden Orten.[4]

Bauwerke und AnlagenBearbeiten

Pfarrkirche Mariä HimmelfahrtBearbeiten

Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt entstand im Jahr 1804 und ersetzte einen steinernen Vorgängerbau am gleichen Standort. In den 1960er Jahren entstand die Waldfensterer St.-Pius-Kirche.

St.-Pius-KircheBearbeiten

Die St.-Pius-Kirche entstand in den 1960er Jahren als Anbau an die 1804 errichtete Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Der Durchgang zur alten Pfarrkirche befindet sich links neben dem Altar der St.-Pius-Kirche. Diese wurde nach den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils gestaltet. Da sich die Kirche in einem renovierungsbedürftigen Zustand befindet und die Renovierung höhere Kosten als ein Kirchenneubau verursachen würde, wurde für das Jahr 2010 zunächst der Bau einer neuen Kirche und der Abriss des bisherigen Kirchbaus beschlossen.[5][6] Im August 2018 wurde die bisherige St.-Pius-Kirche abgerissen; bis zum Jahr 2020 soll sie an die Mariä-Himmelfahrt-Kirche angebaut werden.[7]

WendelinuskapelleBearbeiten

Die Wendelinuskapelle wurde im Jahr 1965 am Standort der alten Kreuzwegkapelle errichtet. Sie enthält unter anderem auch Teile der Ausstattung der Vorgängerkapelle. Um die Wendelinuskapelle herum befinden sich ein Kreuzweg und eine Darstellung der fünf Wunden Christi.

BaudenkmälerBearbeiten

Siehe: Liste der Baudenkmäler in Waldfenster

BürgermeisterBearbeiten

Die Bürgermeister von Waldfenster
Name Amtsbezeichnung Amtszeit
Hans Fell Schultheiß 1736–1762
Michael Schlereth 1762–1782
Michael Wehner 1782–1793
Lorenz Schlereth 1793–1801
Jörg Herold 1804–1818
Bastian Wehner Ortsvorstand 1818–1819
Kaspar Pfülb 1819–1827
Johann Schlereth Vorsteher 1827–1831
Michael Schlereth 1831–1839
Michael Straub 1839–1856
L. Albert 1856–1872
Johannes Pfülb Bürgermeister 1872–1875
Müller 1875–1881
Amrhein 1882–1893
Burkard Schlereth 1894–1916
Kleinhenz Beigeordneter 1916–1917
Theodor Kleinhenz 1. Bürgermeister 1918–1924
Siegfried Schlereth 1925–1944
Markus Wehner 1945–1950
Siegfried Schlereth 1950–1956
Eugen Voll 1956–1966
Ehrenfried Schlereth 1966–1971
Ludwig Mortiz 1. Bürgermeister
(nach der Gebietsreform)
1972–1978
Rudolf Rost 1978–1990
Emil Müller 1990–2008
Waldemar Bug seit 2008

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Gisela Schmitt: Dorfchronik Waldfenster. Selbstverlag, Waldfenster 1992.
  • Josef Wabra: Führer durch die Kissinger Rhön. (= Landeskundliche Schriftenreihe für das nördliche Unterfranken, Heft 10). Herausgegeben vom Landkreis Bad Kissingen und dem Bezirksheimatpfleger von Unterfranken. Bad Kissingen 1968, S. 277–285.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Einwohnerzahlen in Burkardroth. In: Burkardroth.de. 31. Dezember 2018, abgerufen am 24. Mai 2019.
  2. Version von Bezirksschulrat Nicolai, Bad Kissingen
  3. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 426.
  4. „Nicht jeder Kissinger wollte seit jeher einer sein – 40 Jahre Große Kreisstadt: Gebietsreform von 1972 feiert Jubiläum“. In: Main-Post vom 27. Januar 2012.
  5. Kathrin Kupka-Hahn: Kirche "St. Pius" in Waldfenster. In: Burkardroth.de. Abgerufen am 8. März 2018.
  6. Sigismund von Dobschütz: Kirchenumbau in Waldfenster verzögert sich weiter. In: inFranken.de. 29. Juli 2015, abgerufen am 8. März 2018.
  7. Sigismund von Dobschütz: Bauarbeiten: Die Kirche in Waldfenster wurde jetzt entweiht. In: inFranken.de. 22. Juli 2018, abgerufen am 22. August 2018.