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Geroda (Unterfranken)

Gemeinde im Landkreis Bad Kissingen in Deutschland
Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Geroda
Geroda (Unterfranken)
Deutschlandkarte, Position des Marktes Geroda hervorgehoben
Koordinaten: 50° 17′ N, 9° 54′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Unterfranken
Landkreis: Bad Kissingen
Verwaltungs­gemeinschaft: Bad Brückenau
Höhe: 442 m ü. NHN
Fläche: 16,8 km2
Einwohner: 813 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 48 Einwohner je km2
Postleitzahl: 97779
Vorwahl: 09747
Kfz-Kennzeichen: KG, BRK, HAB
Gemeindeschlüssel: 09 6 72 126
Marktgliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Kirchberg 2
97779 Geroda
Website: www.geroda.de
Bürgermeister: Alexander Schneider (FWG)
Lage des Marktes Geroda im Landkreis Bad Kissingen
Dreistelzer ForstForst Detter-SüdGeiersnest-OstGeiersnest-WestWaldfensterer ForstKälberberg (Unterfranken)Mottener Forst-SüdNeuwirtshauser ForstOmerz und Roter BergRömershager Forst-NordRömershager Forst-OstRoßbacher ForstWaldfensterer ForstGroßer AuersbergMünnerstadtThundorf in UnterfrankenMaßbachRannungenNüdlingenOerlenbachBad KissingenAura an der SaaleBad BockletEuerdorfSulzthalRamsthalElfershausenFuchsstadtHammelburgElfershausenWartmannsrothOberthulbaOberthulbaOberthulbaBurkardrothBurkardrothZeitlofsZeitlofsBad BrückenauBad BrückenauOberleichtersbachGeroda (Unterfranken)SchondraSchondraSchondraRiedenbergMotten (Bayern)WildfleckenHessenLandkreis Rhön-GrabfeldLandkreis Main-SpessartLandkreis SchweinfurtLandkreis HaßbergeLandkreis HaßbergeSchweinfurtKarte
Über dieses Bild

Geroda ist ein Markt im unterfränkischen Landkreis Bad Kissingen und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Bad Brückenau.

Inhaltsverzeichnis

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Geroda liegt im Naturpark Bayerische Rhön, im Thulbatal, an den südlichen Ausläufern der so genannten Schwarzen Berge.

GemeindegliederungBearbeiten

Geroda gliedert sich in drei Ortsteile:[2]

GeschichteBearbeiten

Der Ort "Geroda" wird erstmals 1167 als "Gerrode" erwähnt, was wohl mit "Rodung des Gero" ins Neuhochdeutsche zu übersetzen ist.[3] Da in den offiziellen Dokumenten vor dieser ersten urkundlichen Erwähnung von Geroda noch nicht die Rede ist, dürfte der Ort wohl erst um das Jahr 1150 entstanden sein. Nach 1167 wurde von Brend aus eine Kapelle in Geroda errichtet.[4]

Die Herrschaft der von Bibras und die ReformationBearbeiten

Im Jahre 1327 kaufte der Adlige Kaspar von Bibra den halben Ort Geroda, sowie weitere Orte aus der Umgebung als Lehen vom Bistum Würzburg. Der Ort blieb dann lange Zeit in der Hand derer von Bibra. Im Zeitalter der Reformation nahm vermutlich erst Hans von Bibra (gestorben 1581) den protestantischen Glauben an, auch wenn schon sein Vater Georg von Bibra (gestorben 1549) lutherfreundlich gesinnt war. Vermutlich kann die Einführung der Reformation in Geroda für das Jahr 1550 angesetzt werden. 1606 mussten die von Bibras ihre Besitzungen in Geroda aufgrund von Schulden verkaufen. Der wohl größte Teil des Ortes wurde nun an die Herren von der Tann verkauft.[5]

Die Herrschaft der von der Tanns und der Dreißigjährige KriegBearbeiten

Der nun der Familie von der Tann gehörende Ort wurde im Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 von durchziehenden Heeren massiv in Mitleidenschaft gezogen.[6] Nach dem Krieg kam es zwischen den protestantischen Lehensnehmern derer von der Tann und dem katholischen Bistum Würzburg als dem Lehensgeber zu Streitigkeiten um die Oberhoheit über den Ort. Erst eine Klage vor dem kaiserlichen Kammergericht brachte am 28. April 1666 die Gewissheit, dass die Adelsfamilie derer von der Tann im Sinne des Westfälischen Friedens Besitzer des Ortes bleiben – womit der Ort nun den protestantischen Glauben behielt.[7]

Geroda in seinem langen 18. JahrhundertBearbeiten

Zwischen den 1680er Jahren und der „Franzosenzeit“ der 1790er Jahre wird Geroda immer wieder zum Quartier von durchziehenden Heeren, die den Ort an seine finanziellen und zivilisatorischen Grenzen brachten.[8]

1692 verkaufte Heinrich von der Tann den Ort an das katholische Bistum Fulda, vergaß aber, im Vertrag die geistlichen Dinge zu regeln. Auch wenn dies 1698 zugunsten der Lutheraner nachgeholt wurde, blieb diese vormalige Unklarheit Grund für die Streitigkeiten des gesamten 18. Jahrhunderts: Der katholische Lehensgeber Würzburg trat hier mit seinem katholischen Lehensnehmer Fulda gegen die protestantische Familie von der Tann auf, die zum Zeitpunkt des Westfälischen Friedens die weltliche Herrschaft innehatte.[9]

1797 - 1802 verhandelten die von der Tanns über den größten Teil ihres (juristischen) Lehens mit Würzburg, weil sie des ewigen Streites müde waren. Im Mai 1802 wurde Geroda dann sowohl geistlich, als auch weltlich katholischer Besitz.[10] Doch bereits im Oktober 1802 verlor das katholische Bistum Fulda seinen gesamten, weltlichen Besitz auch in Geroda an den Erbprinzen von Oranien Nassau.[11] Nach einer weiteren, kurzen Regentschaft Napoleons (1806–1815) kam Geroda 1816 zu Bayern.[12]

19. und 20. JahrhundertBearbeiten

Im Krieg von 1866 zwischen dem deutschen Reich und Österreich wäre Geroda beinahe Schauplatz eines Gefechtes geworden, doch erreichte die bayrische Artillerie nicht rechtzeitig das naheliegende Dorf Platz, weshalb das Aufeinandertreffen zwischen bayrischen und preußischen Truppen erst in Kissingen stattfand.[13]

Zwischen 1911 und 1915 wurden Geroda und Platz wohl von einem Feuerteufel heimgesucht: Am 16. Juli 1911 wurde mehr als ein Drittel des Marktes von Platz eingeäschert, 23 Häuser mit 34 Wohnungen wurden zerstört, Mensch oder Vieh kam nicht zu Schaden. Am 31. Dezember 1914 brannte die Eisenschmiede von Geroda nieder. Am 4. Januar 1915 schließlich raubten die Flammen Geroda drei Scheunen und das Schindeldach des Kirchturms. 1920 konnte das neue Kirchturmdach eingeweiht werden.[14]

Mindestens seit dem 19. Jahrhundert waren jüdische Familien im Ort ansässig, die im Jahre 1907 eine Synagoge errichteten. Diese wurde beim Novemberpogrom 1938 durch SA-Männer verwüstet, woran eine Gedenktafel erinnert.[15] 1910 wurde der jüdische Friedhof eingerichtet.

EingemeindungenBearbeiten

Im Zuge der bayerischen Gemeindereformen ging das Marktrecht des ehemaligen Marktes Platz am 1. Juli 1971 (Tag der Eingemeindung[16]) auf die neue Gemeinde Geroda über.

PolitikBearbeiten

MarktgemeinderatBearbeiten

Der Marktgemeinderat von Geroda hat 9 Mitglieder einschließlich des Bürgermeisters.
Freie Wählergemeinschaft Geroda: 2 Sitze
Parteilose Wählergemeinschaft Platz: 2 Sitze
Unabhängige Wählergemeinschaft Geroda/Platz: 5 Sitze
(Stand: Kommunalwahl am 16. März 2014)

BürgermeisterBearbeiten

Erster Bürgermeister ist Alexander Schneider. Seine Stellvertreter sind Steffen Schneider (Zweiter Bürgermeister) und Fred Hilsdorf (Dritter Bürgermeister).

WappenBearbeiten

BlasonierungBearbeiten

Durch eine eingeschweifte silberne Spitze, darin ein schwebendes schwarzes Tatzenkreuz, gespalten von Blau und Rot; vorne ein mit drei Ringen belegter silberner Schrägbalken, hinten ein gekrümmter silberner Fisch.

WappengeschichteBearbeiten

1971 wurde aus der ehemaligen Gemeinde Geroda und dem Markt Platz der Markt Geroda gebildet. Geroda gehörte his 1803 zur Abtei Fulda, worauf im Wappen das fuldische Tatzenkreuz hinweist. Der Markt Platz gehörte dagegen zum Hochstift Würzburg. Die Grundherrschaft in beiden Gemeinden lag beim Würzburger Juliusspital. Dieses veranlasste 1802 die Markterhebung der Gemeinde Platz. Im Wappen weist der silberne Schrägbalken in Blau mit den drei blauen Ringen auf das Juliusspital hin. Das Wappen des Spitals ist auch das Wappen seines Gründers Bischof Julius Echter von Mespelbrunn (1573–1617). Der silberne Fisch ist dem Familienwappen der Freiherrn von der Tann entnommen. Das Wappen verlieh die Regierung von Unterfranken am 10. Dezember 1980.

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BaudenkmälerBearbeiten

MuseenBearbeiten

  • Privatmuseum von Christina Dietrich und Karl Engelhardt[17]

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • Mitte Juni findet die Geröder Droohdeseldour und der Geröder Walking Lauf statt.
  • Am dritten Wochenende im Oktober findet die Geröder Kirchweih statt. Die Kirmes wird von der Kirmesgesellschaft Geroda-Platz e. V. organisiert und mit traditionellen Volkstänzen und einer Kirchenparade gefeiert.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Geroda – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 10. Juli 2019 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Alle Orte in der Gemeinde Geroda. In: Bayerische-Landesbibliothek-Online.de. Abgerufen am 5. September 2018.
  3. Reitzenstein, Wolf-Armin von.: Lexikon fränkischer Ortsnamen : Herkunft und Bedeutung ; Oberfranken, Mittelfranken, Unterfranken. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59131-0.
  4. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 6–7.
  5. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 8–11.
  6. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 13–15.
  7. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 18.
  8. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 31.
  9. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 19–20.
  10. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 30.
  11. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 34.
  12. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 34.
  13. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. Ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 36–38.
  14. Hans Schödel: Geschichte der Pfarrgemeinde Geroda- Platz. ein Beitrag zur Heimatgeschichte. Brückenau 1927, S. 41–42.
  15. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 142
  16. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 426.
  17. Stephanie Elm: Kleines Privatmuseum in Geroda. In: Saale-Zeitung (inFranken.de). 2. September 2018, abgerufen am 5. September 2018.