Hauptmenü öffnen

Geographische LageBearbeiten

Vollmerz liegt auf einer Höhe von 276 Metern über NN im Nordosten des Main-Kinzig-Kreises etwa 6 Kilometer östlich des Stadtkerns von Schlüchtern. Der Ort grenzt im Norden an den Ort Gundhelm, im Südosten an den Ort Sterbfritz, im Süden an den Ort Sannerz, im Westen an den Ort Herolz und im Nordwesten an den Ort Elm.

GeschichteBearbeiten

MittelalterBearbeiten

Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung von Vollmerz stammt aus dem Jahr 1226. Eine Wasserburg lag am Westrand des Ortes, von der aber keine Reste mehr sichtbar sind. Friedrich von Hutten trug 1303 ein Gut in Vollmerz vom Bischof von Würzburg zu Lehen. Der Ort gehörte zum Gericht Altengronau, das 1333 als Reichslehen aus einer Erbschaft vom Haus Rieneck an die Herrschaft Hanau kam. Aus dem Gericht entstand im 15. Jahrhundert das Amt Schwarzenfels der Grafschaft Hanau, ab 1459: Grafschaft Hanau-Münzenberg. 1375 vergab der Herr von Hanau der Familie Hutten den „Neuen Bau“ zu Lehen. Die Güter derer von Herolz waren 1392 dagegen ein Lehen des Klosters Fulda. Der Bischof von Würzburg verfügte 1355 über den Zehnten in Vollmerz.

NeuzeitBearbeiten

Die Grafschaft Hanau-Münzenberg schloss sich in der Reformation zunächst der lutherischen Konfession an, ab 1597 war sie reformiert. Die Kirchengemeinde gehörte zur Pfarrei Sterbfritz.

1643 wurde das Amt Schwarzenfels – und damit auch Vollmerz – als Pfand für die Rückzahlung von Schulden zusammen mit anderen Sicherheiten der Landgrafschaft Hessen-Kassel übergeben und sollte für Hanauer Schulden bürgen, die im Zusammenhang mit der Befreiung der Stadt Hanau von der Belagerung durch kaiserliche Truppen 1636 gegenüber Hessen-Kassel entstanden waren. Es gelang den Grafen von Hanau nicht mehr, dieses Pfand von Hessen-Kassel zu lösen. Der ortsansässige Kleinadel, die Herren von Degenfeld-Schonburg, konnte letztendlich 1698 hier aber seine Reichsunmittelbarkeit durchsetzten.

Während der napoleonischen Zeit stand Vollmerz ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte von 1807 bis 1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt, Departement Hanau. Anschließend fiel es an das Kurfürstentum Hessen. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, in der Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, gehörte Vollmerz zum Landkreis Schlüchtern. 1866 wurde das Kurfürstentum nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von Preußen annektiert. Mit der Hessischen Gebietsreform kam die Gemeinde am 1. Dezember 1969 zur Stadt Schlüchtern und durch die Auflösung des Kreises Schlüchtern zum Main-Kinzig-Kreis.

Vollmerz besaß eine Dorfmühle an der sogenannten Ramholzer Kinzig, auch Zimpertsmühle genannt, die im Ortsbereich lag.

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Vollmerz unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Volmundis (1226)
  • Volmutz (1355)
  • Volmuntz (1356)
  • Vollmandts (1366)
  • Folmonds (1375)
  • Volmacz (1384)
  • Fulmuntz (1392)
  • Folmelcz (1494)
  • Volmerz (1563)

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Vollmerz: Einwohnerzahlen von 1834 bis 2015
Jahr  Einwohner
1834
  
818
1840
  
776
1846
  
788
1852
  
766
1858
  
756
1864
  
718
1871
  
804
1875
  
748
1885
  
803
1895
  
800
1905
  
820
1910
  
842
1925
  
838
1939
  
769
1946
  
1.317
1950
  
1.237
1956
  
1.050
1961
  
977
1967
  
902
1970
  
876
2005
  
847
2010
  
802
2015
  
737
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 2005:[3]; 2010:[4]; 2015:[2]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 718 evangelische (= 89,41 %), 33 katholische (= 4,11 %), 52 jüdische (= 6,48 %) Einwohner
• 1961: 864 evangelische (= 88,43 %), 100 katholische (= 10,24 %) Einwohner

PolitikBearbeiten

Im Ortsbeirat sind die CDU und die SPD vertreten. Bei den Kommunalwahlen 2006 erlangte die CDU die Mehrheit der Stimmen und verfügt so über die Mehrheit im Ortsbeirat. Ortsvorsteher ist Bruno Friedrich (CDU).

SehenswürdigkeitenBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Durch Vollmerz führen die Landesstraße 3207 und die Bahnstrecke Flieden–Gemünden. Diverse Buslinien der Verkehrsgesellschaft Region Fulda mbH verbinden Vollmerz mit Schlüchtern, Sterbfritz, Altengronau und Jossa.

PersönlichkeitenBearbeiten

  • Ulrich von Hutten (1488–1523), deutscher Dichter und Humanist, geboren auf Burg Steckelberg
  • Theodore Levitt (1925–2006), Wirtschaftswissenschaftler, geboren in Vollmerz

LiteraturBearbeiten

  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis (= Hanauer Geschichtsblätter. Bd. 40). Selbstverlag des Hanauer Geschichtsvereins und der Wetterauischen Gesellschaft für die Gesamte Naturkunde zu Hanau, Hanau 2003, ISBN 3-935395-02-7, S. 173 f.
  • Rudolf Knappe: Mittelalterliche Burgen in Hessen. 800 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. 2. Auflage. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 1995, ISBN 3-86134-228-6, S. 377.
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. Bd. 14, ISSN 0342-2291). Elwert, Marburg 1926, S. 486.
  • Literatur über Vollmerz in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Vollmerz, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Einwohnerzahel 2015 Ortsteilen. (PDF; 83 kB) In: Internetauftritt. Stadt Schlüchtern, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018.
  3. Einwohnerzahel 2005 Ortsteilen. (PDF; 83 kB) In: Internetauftritt. Stadt Schlüchtern, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018.
  4. Einwohnerzahel 2010 Ortsteilen. (PDF; 83 kB) In: Internetauftritt. Stadt Schlüchtern, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018.