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Elm (Schlüchtern)

Stadtteil von Schlüchtern

Elm ist ein Stadtteil von Schlüchtern im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Zu Elm gehören der Weiler Habertshof und die Burg Brandenstein.

Elm
Koordinaten: 50° 21′ 37″ N, 9° 33′ 21″ O
Höhe: 229 m ü. NHN
Einwohner: 1210 (31. Dez. 2015)[1]
Eingemeindung: 1. Dezember 1969
Postleitzahl: 36381
Vorwahl: 06661
Elms Dorfmitte mit Blick auf die evangelische Kirche
Elms Dorfmitte mit Blick auf die evangelische Kirche

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

Elm liegt auf einer Höhe von 229 m über NHN, im Nordosten des Main-Kinzig-Kreises, an der Grenze zum Landkreis Fulda, im Bergwinkel, am Südhang des Landrückens. Die Gemarkung Elm liegt im Naturpark „Hessischer Spessart“, der im Norden der Gemarkung an den Naturpark „Hessische Rhön“ angrenzt. Die Entfernung zur Innenstadt von Schlüchtern beträgt etwa 2,5 km.

GewässerBearbeiten

Durch Elm hindurch fließen der Elmbach, der in Hutten entspringt und in Schlüchtern in die Kinzig mündet, sowie der Schwarzbach, der in Gundhelm entspringt und in den Elmbach mündet.

Im westlichen Ortsbereich lag an einem vom Schwarzbach abgeleiteten und in den Elmbach mündenden Betriebsgraben die Untere Mühle, im nördlichen Ortsbereich an einem vom Elmbach abgeleiteten Betriebsgraben die Obermühle.

NachbarorteBearbeiten

Elm grenzt im Norden an den Ort Rückers, im Osten an den Ort Hutten, im Südosten an den Ort Gundhelm, im Süden an die Orte Vollmerz und Herolz, im Westen an Schlüchtern und im Nordwesten an den Ort Klosterhöfe.

GeschichteBearbeiten

TerritorialgeschichteBearbeiten

Die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahr 795, als am 8. Juni Araho seinen ganzen Besitz im Dorf dem Kloster Fulda übergab. Am 14. Juli des gleichen Jahres schenkte Raho seinen Besitz am Bifang an der Elm und am 14. Juli 796 Folco seinen ebenfalls dem Kloster Fulda. Die Kirche des Ortes – erstmals erwähnt 1167 – gehörte dem Kloster Schlüchtern, einer Filiale des Klosters Fulda. Den Herren von Hanau gelang es ab dem 14. Jahrhundert das Kloster Schlüchtern und seinen Besitz in ihr Herrschaftsgebiet einzugliedern. Hier war Elm dem Amt Brandenstein zugeordnet. In der Reformation wurde die Grafschaft Hanau-Münzenberg reformiert, so auch die Gemeinde in Elm. Im Jahr 1602 gehört die dortige Kirche zusammen mit Breitenbach zur Pfarrei Kressenbach.

1717 wurde das Amt Brandenstein von Hanau an den Landgrafen von Hessen-Kassel für ein Darlehen über 100.000 Gulden verpfändet. Da das Pfand nie mehr ausgelöst wurde und nach dem Tod des Grafen Johann Reinhard III. von Hanau 1736 Landgraf Friedrich von Hessen-Kassel die Grafschaft Hanau-Münzenberg und damit auch das Amt Brandenstein und Elm erbte, blieb der Ort bei Hessen-Kassel. 1803 wurde die Landgrafschaft zum Kurfürstentum Hessen erhoben. Während der napoleonischen Zeit stand das Amt Brandenstein – und damit auch Elm – ab 1806 unter französischer Militärverwaltung, gehörte 1807–1810 zum Fürstentum Hanau und dann von 1810 bis 1813 zum Großherzogtum Frankfurt. Anschließend fiel es wieder an das Kurfürstentum Hessen zurück. Nach der Verwaltungsreform des Kurfürstentums Hessen von 1821, im Rahmen derer Kurhessen in vier Provinzen und 22 Kreise eingeteilt wurde, ging das Amt Brandenstein im neu gebildeten Kreis Schlüchtern auf. Seit dem 1. Dezember 1969 ist Elm ein Ortsteil der Stadt Schlüchtern

Historische NamensformenBearbeiten

In erhaltenen Urkunden wurde Elm unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

  • Elmaha (795)
  • Elma (1303)
  • Elmna (1344)

BevölkerungBearbeiten

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1587: 32 Schützen, 30 Spießer
• 1633: 80 Haushaltungen
• 1812: 73 Feuerstellen, 791 Seelen
Elm: Einwohnerzahlen von 1812 bis 2015
Jahr  Einwohner
1812
  
791
1834
  
772
1840
  
746
1846
  
721
1852
  
663
1858
  
637
1864
  
638
1871
  
880
1875
  
884
1885
  
910
1895
  
910
1905
  
1.061
1910
  
1.334
1925
  
1.211
1939
  
1.203
1946
  
1.712
1950
  
1.702
1956
  
1.391
1961
  
1.299
1967
  
1.181
1970
  
1.151
2005
  
1.342
2010
  
1.283
2015
  
1.210
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]; 2005:[3]; 2010:[4]; 2015:[1]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1885: 854 evangelische (= 93,85 %), 51 katholische (= 5,60 %), 5 jüdische (= 0,55 %) Einwohner
• 1961: 1111 evangelische (= 85,53 %), 151 katholische (= 11,62 %) Einwohner

EisenbahnBearbeiten

Das Dorf hatte vor dem Bau des Distelrasen-Tunnels an der Wasserscheide von Main und Weser erhebliche Bedeutung im Eisenbahnverkehr. Der Bau der Frankfurt-Bebraer Eisenbahn wurde 1863 noch unter der Regie des Kurstaates begonnen, kam aber so recht erst nach dessen Übernahme durch Preußen in Gang. Das Königreich Preußen konnte die Strecke dann bereits 1868 bis Hanau eröffnen.

Mit den damals vorhandenen technischen Mitteln erschien ein etwa vier Kilometer langer Tunnel durch den Distelrasen für die neue Strecke als zu aufwändig und teuer. Der Landrücken zwischen Fulda und Schlüchtern wurde deshalb mit einer Spitzkehre überwunden. Der dazu erforderliche Bahnhof zum Umspannen der Lokomotiven und dem Wechsel der Fahrtrichtung wurde in Elm errichtet, was nahezu eine Verzehnfachung seiner Einwohnerzahl zur Folge hatte. Elm wurde damit zur „Eisenbahnerstadt“.

Ab 1872 schloss an die Kopfseite des bisherigen Kopfbahnhofs Elm die Bahnstrecke nach Gemünden an.

Da alle durchgehenden Züge zwischen Frankfurt/Hanau und Fulda/Berlin in Elm die Fahrtrichtung wechseln mussten, wurde dieser Vorgang bei zunehmendem Verkehr immer unbefriedigender. Da sich auch die Technik des Baus von langen Tunneln, insbesondere durch das nun zur Verfügung stehende Dynamit, erheblich verbessert hatte, entschloss man sich, unter dem Distelrasen einen Tunnel anzulegen. Baubeginn war 1909, vollendet wurde er am 14. Februar 1914, eingeweiht am 1. Mai 1914.

Mit der Eröffnung des Tunnels verlor der Bahnhof Elm im Personenverkehr schlagartig seine Bedeutung. Der Rangierbahnhof beschäftigte auch nach dem Verlust des Personenverkehrs weiter viele Menschen. Noch heute arbeiten viele Bewohner des Dorfes bei der Deutschen Bahn AG.

FlugzeugabsturzBearbeiten

Am 24. August 1929 stürzte im Wald zwischen Elm und Hutten ein Passagierflugzeug der Lufthansa auf dem Linienflug von Frankfurt am Main nach Berlin-Tempelhof ab. Dabei kamen der Pilot und drei weitere Passagiere ums Leben. An den Absturz erinnert noch heute ein ca. 2 Meter hohes Kreuz an der Absturzstelle.[5]

ReligionBearbeiten

Evangelische KirchengemeindeBearbeiten

Im Ort steht eine evangelische Kirche, die 1897/98 mit Hilfe von Gustav Schönermark erbaut wurde.

Ökumenischer JakobswegBearbeiten

Über Elm führt der 125 km lange Ökumenische Jakobsweg von Fulda an den Main. Die Strecke führt von Flieden kommend nach Rückers hinauf auf die Steinkammer und das Breite Feld über den Habertshof den Distelrasen hinunter nach Schlüchtern. Der Pilgerweg gehört zum Verbindungssystem der Via Regia, deren Wegenetz von der Ukraine bis nach Spanien führte.

PolitikBearbeiten

Im Ortsbeirat sind die SPD und die CDU vertreten. Bei den Kommunalwahlen 2006 erlangte die SPD mit fünf Sitzen die Mehrheit der Stimmen gegenüber der CDU mit vier Sitzen und verfügt so über die Mehrheit im Ortsbeirat. Ortsvorsteherin ist Inge Vey (SPD).

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Burg BrandensteinBearbeiten

In der Gemarkung Elm befindet sich die Burg Brandenstein, eine hochmittelalterliche Burg etwa vier Kilometer östlich des Stadtzentrums von Schlüchtern.[6]

HabertshofBearbeiten

Ein heute weitgehend unbekannter Erinnerungsort ist der außerhalb gelegene Habertshof, ein Zentrum der christlich-religiösen Neuwerk-Bewegung nach dem Ersten Weltkrieg.

MahnmalBearbeiten

 
Gedenkkreuz am Weinberg

Ein etwa acht Meter hohes Kreuz steht auf einer höher gelegenen Ebene des Weinbergs bei Elm. Es ist ein Mahnmal für die Heimatvertriebenen und gedenkt der ehemaligen deutschen Ostgebiete und des Sudetenlandes sowie vor allem der dort verbliebenen Toten. Das ursprünglich dort errichtete Kreuz wurde am Pfingstsonntag, dem 1. Juni 1952, eingeweiht, musste jedoch aufgrund starker Verwitterung im Herbst 2008 abgebaut werden. Die „Sudetendeutsche Landsmannschaft, Kreisgruppe Schlüchtern“ sorgte für eine Nachbildung, die wie das Original mit der Aufschrift: „Unseren Toten in der alten Heimat“ versehen ist und am 10. Oktober 2008 aufgestellt wurde.

Garten Hans DornBearbeiten

Auf über 4000 m² direkt im Zentrum des Dorfes hat der Landschaftsarchitekt Hans Dorn einen kunstvollen Garten geschaffen. Zu speziellen Veranstaltungen, etwa bei Ausstellungen ausgewählter Künstler, ist der Garten für die Allgemeinheit geöffnet.

VereineBearbeiten

Das „Eisenbahner-Dorf“ Elm ist bekannt für seine rege Vereinstätigkeit. Nicht nur der Eisenbahner Sportverein, sondern vor allem der 1908 gegründete Eisenbahner Musikverein Elm ist ein Teil des dörflichen Lebens.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

In nicht festgelegten Abständen findet mit großem Erfolg die sogenannte „Elmer Kulturwoche“ statt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

BildungBearbeiten

VerkehrBearbeiten

StraßeBearbeiten

Durch den Ort führt die Landesstraße 3329. Die nächste erreichbare Autobahn ist die Bundesautobahn 66.

BahnverkehrBearbeiten

Der Bahnhof Elm – vor dem Bau des Schlüchterner Tunnels sehr wichtig – verlor nach dem Bau dieser Abkürzung zunehmend an Bedeutung. Seit dem Sommerfahrplan 1966 gibt es dort keinen Personenverkehr mehr, im Güterverkehr kommt ihm als Betriebsbahnhof noch eine Funktion zu. Die nächsten Bahnhöfe mit Personenverkehr sind Schlüchtern und Sterbfritz. Östlich des Bahnhofs liegt die engste Bahnkurve Deutschlands auf einer Hauptbahn mit einem Radius von 260 Metern.[7]

PersönlichkeitenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Carlotto Asmus, Rolf Jirowetz: Eisenbahndreieck „Distelrasen“. Merker, Fürstenfeldbruck 1982, ISBN 3-922404-00-6.
  • Emil Blum: Der Habertshof. Werden und Gestalt einer Heimvolkshochschule. Neuwerk-Verlag, Kassel 1930.
  • Gustav Hildebrand: Gedenkkreuz in Schlüchtern-Elm an die Toten in der alten Heimat. In: Bergwinkel-Bote. Bd. 52, 2001, ZDB-ID 539060-6, S. 157–158.
  • Willi Klein: Zur Geschichte des Mühlenwesens im Main-Kinzig-Kreis (= Hanauer Geschichtsblätter. Bd. 40). Selbstverlag des Hanauer Geschichtsvereins und der Wetterauischen Gesellschaft für die Gesamte Naturkunde zu Hanau, Hanau 2003, ISBN 3-935395-02-7, S. 171–173.
  • Matthias Nistahl: Studien zur Geschichte des Klosters Schlüchtern im Mittelalter (= Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte. Bd. 65). Hessische Historische Kommission u. a., Darmstadt u. a. 1986, ISBN 3-88443-154-4, S. 158–159, 165–167, (Zugleich: Marburg, Universität, Dissertation, 1984).
  • Heinrich Reimer: Historisches Ortslexikon für Kurhessen (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. Bd. 14, ISSN 0342-2291). Elwert, Marburg 1926, S. 116.
  • Hans-Jürgen Schwarz (Hrsg.): Elmer Chronik. Die geschichtliche, soziologische und statistische Entwicklung des Stadtteils Elm. 3 Teile. s. n., Schlüchtern-Elm 1983–1985;
    • Teil 1: 100 Jahre Männerchor Elm. 1883–1983. Festtage vom 12.–15. August 1983. 1983;
    • Teil 2: 75 Jahre Eisenbahner-Musikverein Elm. 1908–1983. Festtage vom 29. Juni bis 2. Juli 1984. 1984;
    • Teil 3: Festschrift Chronik Elm. 1985.
  • Bernd Ullrich: Der Schlüchtern-Plan. Der erste praktische Versuch der Sanierung eines überbelegten Landkreises im Jahre 1949. In: Kreisausschuss des Main-Kinzig-Kreises, Amt für Kultur und Sport. Zentrum für Regionalgeschichte. Mitteilungsblatt. Bd. 31, Sonderheft, 2006, ISSN 2190-6041, S. 52–64.
  • Literatur über Elm in der Hessischen Bibliographie

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Einwohnerzahel 2015 Ortsteilen. (PDF; 83 kB) In: Internetauftritt. Stadt Schlüchtern, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018.
  2. a b c d Elm, Main-Kinzig-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Einwohnerzahel 2005 Ortsteilen. (PDF; 83 kB) In: Internetauftritt. Stadt Schlüchtern, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018.
  4. Einwohnerzahel 2010 Ortsteilen. (PDF; 83 kB) In: Internetauftritt. Stadt Schlüchtern, archiviert vom Original; abgerufen im Mai 2018.
  5. Christoph Käppeler: Tod im Elmer Loch – vor 75 Jahren. 12. Juni 2004.
  6. Burg Brandenstein
  7. Die Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung legt in § 6 Abs. 1 Mindestradien von 300 m für Hauptbahnen und 180 m für Nebenbahnen fest.