Vilvoorde

Gemeinde in Belgien

Vilvoorde (französisch Vilvorde) ist eine Stadt in Belgien (Provinz Flämisch-Brabant, Arrondissement Halle-Vilvoorde).

Vilvoorde
Vilvoorde (Flämisch-Brabant)
Vilvoorde (Flämisch-Brabant)
Vilvoorde
Staat: Belgien Belgien
Region: Flandern
Provinz: Flämisch-Brabant
Bezirk: Halle-Vilvoorde
Koordinaten: 50° 56′ N, 4° 25′ OKoordinaten: 50° 56′ N, 4° 25′ O
Fläche: 21,48 km²
Einwohner: 46.354 (1. Jan. 2022)
Bevölkerungsdichte: 2158 Einwohner je km²
Postleitzahl: 1800
Vorwahl: 02-015
Bürgermeister: Hans Bonte (Vooruit)
Adresse der
Kommunalverwaltung:
Stad Vilvoorde
Stadhuis Grote Markt
1800 Vilvoorde
Website: www.vilvoorde.be

Die Stadt hat 46.354 Einwohner (Stand 1. Januar 2022) und liegt 10 km nordöstlich von Brüssel an der Senne und am Seekanal Brüssel-Schelde. Etwa 10 % der Bevölkerung sind spanischer und ein etwa gleich großer Teil ist marokkanischer Abstammung, wenngleich vielfach in Belgien geboren.

Geschichte Bearbeiten

An der Stelle des heutigen Vilvoorde siedelten wahrscheinlich schon die Nervier und später die Römer. Erstmals urkundlich bezeugt ist der Ort 779, als König Karl, der spätere Kaiser Karl der Große, in seiner Pfalz Herstal bei Lüttich für das Kloster Chèvremont (im heutigen Chaudfontaine, Agglomeration de Liège) urkundete, zu dessen Gütern auch Filfurdo gehörte[1] Diesen Besitz in Filfurdo bestätigte 844 Kaiser Lothar I. und 897 der König Zwentibold.[2] Aus einer Urkunde Kaiser Ottos I. von 947 geht hervor, dass in villa Fillofort auch eine Kirche erbaut worden ist.[3] Die Verleihung der Stadtrechte erfolgte 1192.

Ehemaliges Schloss Vilvoorden Bearbeiten

 
Wasserschloss Vilvoorden von 1659 (Chorographia sacra Brabantiae)
 
Schloss von 1787

Das Vilvoordener Schloss ging aus einer Wasserburg hervor, die 1375 durch einen Herzog Wenzeslaus errichtet worden sein soll. Es war zuletzt ein Bau der Renaissance. Wie Abbildungen zeigen war es offenbar im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert noch als Ruine vorhanden.

Wirtschaft Bearbeiten

Vilvoorde ist eine traditionelle Industriestadt. Allerdings wurde 1997 das Renaultwerk Renault Industrie Belgique, bis dahin wichtigster Arbeitgeber, geschlossen. Der Strukturwandel wurde insbesondere durch die Ansiedlung von Medienunternehmen, zum Beispiel des regionalen Fernsehsenders Ring-TV, vorangebracht.

Verkehr Bearbeiten

Vilvoorde ist verkehrsgünstig gelegen. Durch die Stadt führt die Eisenbahn von Brüssel nach Antwerpen. Sie liegt am Seekanal Brüssel-Schelde sowie an der Ringautobahn Brüssels und an der Autobahn Brüssel – Antwerpen  Vorlage:RSIGN/Wartung/EU-E-Einbindung. Die Ringautobahn   überspannt mit einem 2 Kilometer langen Viadukt die Bahn, den Seekanal und das ehemalige Renaultwerk. Der Flughafen Brüssel-Zaventem ist nur wenige Kilometer entfernt. Diese Lage macht die Stadt heute auch für Logistikunternehmen attraktiv. Ein neues Containerterminal verstärkt dies noch.

Stadtteile Bearbeiten

Zur Gemeinde Vilvoorde gehören folgende Ortsteile:

  • Houtem
  • Koningslo
  • Peutie

Sehenswürdigkeiten Bearbeiten

 
Die Kapelle des Heiligen Lendrik/Landry in Vilvoorde

Die Stadt besitzt mehrere Kirchen, u. a. die im 14. Jahrhundert erbaute Onze-Lieve-Vrouwe-Kerk, deren Chorgestühl von 1663 stammt, sowie die Basilika Maria Trost, die im Barockstil des 17. Jahrhunderts erbaut wurde und an ein Karmeliterkloster grenzt.

Im Parkbereich der Domäne Drie Fonteinen auf der linken Seite des Kanals nördlich des Autobahnrings wurde die barocke Lendrikkapelle wieder aufgebaut. Ursprünglich wurde sie in Ransbeek errichtet, ein Weiler knapp südlich des Autobahnrings in der Teilgemeinde Neder-Over-Heembeek in der Region Brüssel-Hauptstadt. Sie wurde 1669 dem Heiligen Saint Landry de Soignies/Landricus van Zinnik geweiht, ein fränkischer Bischof aus Mons (geboren etwa 637, gestorben um 700). Als der Weiler Ransbeek in den 1930er Jahren dem Bau einer großen Kokerei (der Cokeries de Marly) zum Opfer fiel, konnte das Vilvoorder Gemeinderatsmitglied Daniël Campion erreichen, dass die Kapelle abgetragen und 1933-1934 Stein für Stein wieder aufgebaut wurden, in dem damals ihm gehörigen Park der Domäne Drie Fonteinen. Eine Restaurierung erfolgte 1978.[4]

Der Campus Süd des Allgemeinen Krankenhauses Jan Portaels ist denkmalgeschützt.

Städtepartnerschaften Bearbeiten

Vilvoorde hat internationale Städtepartnerschaften mit:

Söhne und Töchter der Stadt Bearbeiten

Andere Persönlichkeiten, die mit Vilvoorde verbunden sind Bearbeiten

  • Ernst I. von Schönburg (* um 1456, † wohl am 26. Januar 1490 in Schloss Vilvoorden), Landesherr der Schönburgischen Herrschaften, Herr zu Glauchau auf Burg Glauchau[5] (schwere Verwundung von Ernst I. von Schönburg, kaiserlicher Hauptmann der Habsburger, durch eine Kanonenkugel bei der kaiserlichen Belagerung von Schloss Brunburg in Flämisch-Brabant am 14. Januar 1490. Gestorben im nahen Schloss Vilvorden an den Verletzungen. Beigesetzt in der Kathedrale von Antwerpen.)
  • William Tyndale (1484–1536), am 6. Oktober 1536 wurde der englische Protestant und Bibelübersetzer unter dem Vorwurf der Ketzerei in Vilvoorde hingerichtet.
  • Jan van Batenburg (1495–1538), militanter Täuferführer der Batenburger, wurde in Vilvoorde verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
  • Johan Baptista van Helmont (1580–1644), Alchimist, Physiologe und Arzt
  • Willem Verhulst, (1898-1975), flämischer Nationalist und Kollaborateur, studierte an der Gartenbauschule Vilvoorde
  • Jean-Luc Dehaene (1940–2014), belgischer Premierminister (1992–1999) und Bürgermeister von Vilvoorde (2002–2007)

Literatur Bearbeiten

Weblinks Bearbeiten

Commons: Vilvoorde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Regnum Francorum online, Diplomata Karoli I, Nr. 124.
  2. Regnum Francorum online, Diplomata Lotharis I, Nr. 86, und Diplomata Zwentiboldis, Nr. 15.
  3. Regnum Francorum online, Diplomata Ottonis I, Nr. 88.
  4. Jean-Marie Binst: Waar ligt Ransbeek en waarom is het geen fusiegemeente van de stad Brussel? Bruzz vom 30. Mai 2018, S. 28.
  5. Theodor Schön: Kriegsthaten eines Herrn von Schönburg im 15. Jahrhundert. In: Schönburgische Geschichtsblätter. Band 1, 1894/1895, S. 186.