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Vicki Baum

österreichische Harfenistin und Schriftstellerin
Max Fenichel: Vicki Baum (um 1930)
Vicki Baum (porträtiert von Emil Stumpp, 1930)

Vicki Baum, auch Vicky Baum, eigentlich Hedwig Baum (* 24. Januar 1888 in Wien; † 29. August 1960 in Los Angeles, Kalifornien, Vereinigte Staaten) war eine vom deutschen Reich ausgebürgerte österreichische Musikerin (Harfenistin) und eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen der Weimarer Republik. Sie emigrierte schon 1932 in die USA und nahm die amerikanische Staatsbürgerschaft an.

LebenBearbeiten

Die Tochter des jüdischen Regierungsbeamten Hermann Baum und seiner Frau Mathilde, geb. Donath, besuchte das Pädagogium und ließ sich von 1898 bis 1904 zur Harfenistin am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde ausbilden. Nach einem Engagement im Symphonieorchester des Wiener Konzertvereins kam sie 1913 als Harfenistin nach Darmstadt, wo sie als Großherzogliche Hof- und Kammermusikerin wirkte. Später war sie in Kiel (1916/17), Hannover (1917–1923) und Mannheim musikalisch tätig.

 
Berliner Gedenktafel für Vicki Baum in Berlin-Grunewald, Königsallee 45[1]

Vicki Baum war von 1909 bis 1913 mit dem Schriftsteller und Journalisten Max Prels (* 28. Juli 1878) verheiratet. Ab 1914 begann sie, nebenbei zu schreiben, zunächst inkognito.

1916 heiratete Baum den Dirigenten Richard Lert. Der Ehe entstammten die Söhne Wolfgang (* 1917, † 2009)[2] und Peter (* 1921, † 2012)[3].

Nach der Geburt des ersten Sohnes Wolfgang 1917 in Kiel zog die Familie noch im selben Jahr nach Hannover, wo Lert als erster Kapellmeister und Leiter der Oper an den Städtischen Bühnen arbeitete. Die Familie wohnte anfangs in der Dieterrichsstraße 11 im hannoverschen Stadtteil Mitte, von 1921 bis 1923 dann im Parterre der damaligen Podbielskistraße 335 (heute: Hausnummer 53) in der List.[4]

1919 veröffentlichte Baum als „Vicki Baum“ ihr erstes Werk Frühe Schatten. Von 1926 bis 1931 war sie Verlagsangestellte und Zeitschriftenredakteurin in Berlin bei Ullstein.

„Sehen Sie, ich bin Redakteurin im Ullstein-Verlag. Die Ullsteins stammen auch von Juden ab. Aber in Deutschland machen wir nicht viel Aufhebens darum, ob ein Haus von Juden abstammt. Das sind rein religiöse Fragen. Ich bin nicht religiös, also betrachte ich mich nicht als Jüdin – noch bin ich jemals als solche angesehen worden.“

Vicki Baum[5]

Mit ihrem Roman Stud. chem. Helene Willfüer wurde sie 1928 schlagartig bekannt. Der Erfolg auch ihrer weiteren Werke erklärt sich aus der Aktualität der in ihnen behandelten Probleme und den präzisen Milieuschilderungen. Ihre Romane lassen sich als spannende Unterhaltungsliteratur beschreiben, gelten aber auch als wichtiger Beitrag zur Neuen Sachlichkeit. Für die Adaption ihres Romans Hell in Frauensee als Die drei Frauen von Urban Hell schrieb sie selbst das Drehbuch. Ihre Dramatisierung des Romans Menschen im Hotel wurde am 26. Januar 1930 im Theater am Nollendorfplatz uraufgeführt.

Vicki Baum galt bei den Nazis als „jüdische Asphaltliteratin“ und wurde stark diskriminiert. Der NS-Kulturpolitiker Hans Hauptmann kritisierte in einer antisemitischen Hetzschrift 1932 die „seichten amoralischen Sensationsromane, die die »Jüdin Vicki Baum-Levy« zu schreiben pflegt“.[6] Baums Bücher fielen der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland zum Opfer. An der Universität Rostock wurden ihre Werke am 5. Mai 1933 an einem „Schandpfahl“ angebracht. Nachdem sie 1938 ausgebürgert worden war, erwarb sie im selben Jahr die amerikanische Staatsangehörigkeit und veröffentlichte weitere Werke in englischer Sprache.

Nachdem das Stück „Menschen im Hotel“ auch ins Englische übersetzt worden war, wurde es am Broadway in New York aufgeführt. Da diese Aufführungen erfolgreich waren, wurde Vicki Baum in den USA sehr bekannt. 1931 nahm sie die Einladung an, an der Verfilmung ihres wohl bekanntesten Romans Menschen im Hotel (als „Grand Hotel“) unter der Regie von Edmund Goulding mit Greta Garbo in Hollywood teilzunehmen. 1932 siedelte sie daraufhin nach Kalifornien über, wohl auch aus Hellsicht über die politischen Entwicklungen in Deutschland.[7] Durch Entgelte für Verfilmungen sowie Drehbuchbeteiligungen konnte sich Vicki Baum eine vornehme Villa in Pacific Palisades (1461 Amalfi Drive) leisten.[8] Sie lebte hier in der Nähe der ebenfalls emigrierten Geistesgrößen Thomas Mann und Lion Feuchtwanger.

1949 bereiste Vicki Baum Europa: Portugal, Frankreich, Italien, Schweiz und Belgien, nicht aber Deutschland und Österreich. Sie verstarb 1960 in Los Angeles. Ihre zahlreichen Romane, die oft verfilmt und in mehrere Sprachen übersetzt wurden, werden heute noch verlegt.

Neben ihren Romanen verfasste Vicki Baum auch Novellen und Dramen sowie für über 35 unterschiedliche Zeitungen und Zeitschriften zahlreiche feuilletonistische Texte, die im Januar 2018 erstmals in Buchform erschienen sind.[9]

EhrungenBearbeiten

1983 gab es im Süddeutschen Rundfunk einen zwanzigminütigen Fernsehdokumentarfilm Gisela Reichs mit dem Titel „Vicki Baum – Eine erstklassige Schriftstellerin zweiter Güte“. Der Titel verwendet eine selbstironische Wendung Vicki Baums aus ihren Memoiren, die den Titel „Es war alles ganz anders“ haben.

1999 wurde in Wien der Platz an der Wiedner Hauptstraße, Ecke Waaggasse, nach ihr „Vicki-Baum-Platz“ benannt.

Werke (Auswahl)Bearbeiten

  • 1914: Frühe Schatten. Das Ende einer Kindheit. Roman. Verlag Erich Reiss, Berlin.
  • 1920: Der Eingang zur Bühne. Ullstein, Berlin.
  • 1921: Die Tänze der Ina Raffay.
  • 1922: Die anderen Tage. Novellen. Deutsche Verlagsanstalt, Berlin.
  • 1922: Bubenreise. Eine heitere Erzählung für junge Menschen
  • 1923: Die Welt ohne Sünde
  • 1924: Ulle der Zwerg. Roman. Deutsche Verlagsanstalt, Berlin
  • 1926: Tanzpause
  • 1927: Hell in Frauensee. Ein heiterer Roman von Liebe und Hunger. Ullstein, Berlin.
  • 1927: Feme. Roman. Ullstein, Berlin.
  • 1928: Stud. chem. Helene Willfüer. Roman. Ullstein, Berlin.
  • 1929: Menschen im Hotel. Ein Kolportageroman mit Hintergründen. Ullstein, Berlin. (s. Menschen im Hotel)
  • 1930: Zwischenfall in Lohwinkel.
  • 1930: Miniaturen
  • 1930: Grandhotel. Translation by Basil Creighton, Bles, London. Theaterfassung von Menschen im Hotel. 1929.
  • 1931: Pariser Platz 13
  • 1932: Leben ohne Geheimnis
  • 1935: Das große Einmaleins / Rendezvous in Paris
  • 1936: Die Karriere der Doris Hart
  • 1937: Liebe und Tod auf Bali (Love and death on Bali). Neuausgabe Köln 2002, ISBN 3-462-03122-8 (Entgegen dem Titel handelt es sich nicht um die Liebesgeschichte, sondern eine romanhafte Schilderung des von Ritualen bestimmten Lebens eines balinesischen Dorfs und seine Vernichtung durch holländische Kolonisatoren am Anfang des letzten Jahrhunderts).
  • 1937: Der große Ausverkauf. Querido, Amsterdam 1937
  • 1939: Hotel Shanghai (Shanghai '37)
  • 1939: Die große Pause
  • 1940: The Ship and the shores/ Es begann an Bord
  • 1941: Marion lebt / Marion / Marion Alive
  • 1943: Kautschuk / Cahuchu, Strom der Tränen (The weeping wood)
  • 1943: Hotel Berlin/ Hier stand ein Hotel
  • 1944: Beyond this Journey/Schicksalsflug (deutsche Ausgabe Amsterdam 1947)
  • 1946: Mortgage on Life/ Verpfändetes Leben (deutsche Erstausgabe 1958)
  • 1949: Clarinda
  • 1951: Danger from Deer/Vor Rehen wird gewarnt (deutsche Ausgabe Berlin 1960)
  • 1953: Kristall im Lehm (The Mustard Seed)
  • 1956: Flut und Flamme (Written on water)
  • 1957: Die goldenen Schuhe (Theme for Ballet)
  • 1962: Es war alles ganz anders (Memoiren)
  • 2013: In der Ferne das Glück. Geschichten für Hollywood. Übers. Gesine Schröder. Hrsg. Wolfgang Jacobsen, Heike Klapdor. Aufbau, Berlin 2013
  • 2018: Makkaroni in der Dämmerung. Feuilletons. Hrsg. und mit einem Vorwort von Veronika Hofeneder. Edition Atelier, Wien 2018

VerfilmungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Vicki Baum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  Wikiquote: Vicki Baum – Zitate

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gedenktafel für Vicki Baum. berlin.de
  2. Virginia L. Clark: Wolfgang Lert dies, leaves TSV, national legacy. Abgerufen am 13. November 2019 (englisch).
  3. yourdressage: YourDressage.org American Dressage Legends: Peter Lert. 2. Mai 2019, abgerufen am 13. November 2019 (amerikanisches Englisch).
  4. Corinna Heins, Anne Jäger: Frauen in der List / ... Vicky Baum, Autorin (1888–1960), In: Hannoversche Geschichtsblätter, Neue Folge Bd. 60 (2006), S. 251–254; hier: S. 252
  5. Interview mit der Jewish Times, 1. Mai 1931. Zitiert nach H. Broder: Jüdischer Kalender 2009–2010. 30. August/20. Elul
  6. Zitiert in Stefanie Steinaecker: A little lower than the Angels - Vicki Baum und Gina Kaus: Schreiben zwischen Anpassung und Anspruch. University of Bamberg Press, Bamberg 2011. S. 40. Auch als Onlinetext.
  7. Werner Röder u. a. (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933, München 1983, Bd. 1 (Deutsches Biographisches Archiv (DBA) Teil: 2, Fichenummer: 0077).
  8. Concord: English: 1461 Amalfi Drive Pacific Palisades, former home of Vicki Baum. 11. November 2014, abgerufen am 13. November 2019.
  9. Makkaroni in der Dämmerung. Feuilletons Angaben zur Publikation auf der Website des Verlages