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Gisela Brinker-Gabler

deutsche Literaturwissenschaftlerin

Gisela Brinker-Gabler (geb. Gabler; * 19. November 1944[1] in Hindenburg, Oberschlesien[2]) ist Professorin für Comparative Literature an der State University of New York in Binghamton, USA. Sie gilt als eine der führenden westdeutschen Pionierinnen der feministischen Literaturkritik.[3]

Inhaltsverzeichnis

Studium und BerufBearbeiten

Nach dem Studium der Germanistik, Philosophie und Pädagogik[4] promovierte Gisela Brinker-Gabler 1973 in Köln mit einer Arbeit über Ludwig Tieck.[5] Im Anschluss war sie 1974/75 als Assistant Professor für deutsche Sprache und Literatur an der University of Florida, Gainesville, USA, tätig.[4][5] Danach nahm sie Lehraufträge an der Universität-Gesamthochschule Essen (ab 1976)[4] und der Universität Köln (ab 1981)[5] wahr.

Ab Ende der 1970er Jahre gab Brinker-Gabler mehrere bahnbrechende Editionen und Lexika zu deutschsprachigen Schriftstellerinnen heraus, mit denen sie sich „außerordentliche Verdienste um die deutsche Literatur von Frauen“ erwarb.[6] Mit ihrer grundlegenden Quellenarbeit und ihrem Lesen der bestehenden, männlich dominierten Literaturhistoriographie gegen den Strich machte sie viele wenig bekannte, vergessene oder missachtete Texte von Frauen wieder zugänglich.[7] So veröffentlichte sie 1978 mit Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart eine Anthologie deutschsprachiger Lyrikerinnen. Zu diesem Zeitpunkt lagen kaum Vorarbeiten oder Auswahlkategorien für eine solche Zusammenstellung vor. In der aufschlussreichen Einleitung analysierte sie die Rahmenbedingungen, unter denen die Autorinnen geschrieben hatten, nämlich die gesellschaftlichen Erwartungen, die mangelnden Bildungsmöglichkeiten für Frauen und die kaum vorhandenen literarischen Kontakte. Anhand anti-feministischer Literatur und Zitaten führender Autoren belegte sie, dass Schriftstellerinnen nicht Ernst genommen wurden. Die Einleitung gilt als eines der besten Essays über deutsche Schriftstellerinnen.[3][8]

Im Kontext der neuen Frauenbewegung führten die großen Verlage Ende der 1970er Jahre eigene Frauenreihen ein. 1978 wurde auf Brinker-Gablers Vorschlag hin die Sachbuch-Reihe „Die Frau in der Gesellschaft – Frühe Texte“ des Fischer-Verlags etabliert.[9] Das Ziel der Reihe war nach eigener Aussage, die in den 1970er Jahren erneuerte Diskussion zu Status und Selbstverständnis der Frau auf die historische Tradition zurückzuführen.[4] Brinker-Gabler war von 1978 bis 1986 Herausgeberin der Reihe.[5]

Seit 1988 ist Brinker-Gabler Professorin für Comparative Literature an der State University of New York in Binghamton. Von 2007 bis 2010 war sie Vorsitzende des Departments.[5] 1991 war sie zudem Distant visiting professor (NEH) an der University of Minnesota, Morris.[5] 1999/2000 war sie Käthe-Leichter-Professorin an der Universität Wien.[5]

2012 veröffentlichte sie die als aufschlussreich bezeichnete Studie Image in Outline über Lou Andreas-Salomé.[10]

PersönlichesBearbeiten

Gisela Brinker-Gabler ist mit dem Chemiker Udo H. Brinker verheiratet, der ordentlicher Professor für Chemie an der Universität Wien ist. Das Ehepaar hat einen Sohn.[5]

SchriftenBearbeiten

Als AutorinBearbeiten

  • Poetisch-wissenschaftliche Mittelalter-Rezeption. Ludwig Tiecks Erneuerung altdeutscher Literatur (= Göttinger Arbeiten zur Germanistik. Nr. 309). Kümmerle, Göppingen 1980, ISBN 3-87452-491-4. Zugleich Dissertation Universität Köln von 1973.
  • mit Karola Ludwig, Angela Wöffen: Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1800–1945. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1986, ISBN 3-423-03282-0.
  • Image in Outline. Reading Lou Andreas-Salomé (= New directions in German studies. Nr. 6). Bloomsbury, London 2012, ISBN 978-1-62892-017-8.
    • Deutsche Übersetzung: Lou Andreas-Salomé - Bild im Umriss. Eine Lektüre. Königshausen und Neumann, Würzburg 2018, ISBN 978-3-8260-6298-8.

Als HerausgeberinBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gisela Brinker-Gabler: Tiecks Bearbeitungen altdeutscher Literature: Produktion, Konzeption, Wirkung. Ein Beitrag zur Rezeptionsgeschichte älterer deutscher Literatur. Köln. 1973. darin: Lebenslauf
  2. Die Deutsche Frauenbewegung: die soziale Rolle der Frau im 19. Jahrhundert und die Emanzipationsbewegung in Deutschland / hrsg. von Ingeborg Drewitz. Hohwacht, 1983. S. 159
  3. a b Ruth-Ellen Boetcher Joeres: Gisela Brinker-Gabler (Hg.), Deutsche Literatur von Frauen. In: Arbitrium. Band 8, Nr. 2, 1990, ISSN 1865-8849, S. 140–144, hier 141, doi:10.1515/arbi.1990.8.2.140.
  4. a b c d Gisela Brinker-Gabler (Hrsg.): Frauenarbeit und Beruf. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1979, ISBN 3-596-22046-7 (Informationen zur Herausgeberin und zur Reihe im Rahmentext des Buches).
  5. a b c d e f g h Wer ist Wer? Das deutsche Who's Who. LII 2015-2016. Schmidt Römhild, Lübeck 2015, S. 122.
  6. Sigrid Bauschinger: Review of Deutsche Literatur von Frauen: Vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Bd. 2: 19. und 20. Jahrhundert. In: The German Quarterly. Band 63, Nr. 3/4, 1990, S. 569–570, hier 569, doi:10.2307/406773.
  7. Sigrid Lange: Review of Deutsche Literatur von Frauen, Bd. 1: Bd. 2, ; Frauen-Fragen in der deutschsprachigen Literatur seit 1945, Amsterdam 1989 (Amsterdamer Beiträge zur neueren Germanistik, Bd. 29). In: Zeitschrift für Germanistik. Band 1, Nr. 2, 1991, S. 438–441, hier 438.
  8. Jennifer E. Michaels: Review of Deutsche Dichterinnen vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Gedichte und Lebensläufe; German Women Writers of the Twentieth Century, Elizabeth Rütschi Herrmann. In: The German Quarterly. Band 52, Nr. 4, 1979, S. 572–573, hier 572, doi:10.2307/405920.
  9. Claudia Kramatschek: „Es gibt Bücher, die im Kleinen wirken“. Ingeborg Mues. Herausgeberin und Lektorin. In: Gabriele Kalmbach (Hrsg.): Frauen machen Bücher. Ulrike Helmer, Königstein 2000, ISBN 3-89741-046-X, S. 189–192, hier 190.
  10. Agatha Schwartz: Review of Image in Outline: Reading Lou Andreas-Salomé. In: The German Quarterly. Band 86, Nr. 4, 2013, S. 493–495, hier 493.