Uffe Ellemann-Jensen

dänischer Politiker

Uffe Ellemann-Jensen (* 1. November 1941 in Haarby, Assens auf Fünen; † 18. Juni 2022[1]) war ein dänischer Politiker der liberalen Venstre.[2] Er war von 1982 bis 1993 Außenminister Dänemarks. Von 1984 bis 1998 war er Vorsitzender der Venstre und von 1995 bis 2000 Vorsitzender der Europäischen Liberalen, Demokraten und Reformer.

Uffe Ellemann-Jensen (2009)

LebenBearbeiten

Uffe Ellemann-Jensen war der Sohn des Journalisten und Venstre-Abgeordneten Jens Peter Jensen (1922–1993) und der Edith Ellemann. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Birkerød auf Seeland leistete Uffe Ellemann-Jensen Wehrdienst und blieb dem Artillerieregiment der Krone danach auch als Reserveoffizier verbunden. Von 1962 bis 1969 studierte er Politikwissenschaft an der Universität Kopenhagen. Noch vor seinem Abschluss als candidatus politices begann er 1967 als Journalist zu arbeiten, zunächst für Berlingske Aftenavis, wo er 1969–70 die Wirtschaftsredaktion leitete, dann von 1970 bis 1975 für das Nachrichtenprogramm des DR-Fernsehen. Dort präsentierte er unter anderem als Moderator die Wahlsendung zur dramatischen Folketingswahl 1973. 1975 wurde er für ein Jahr Chefredakteur der Wirtschaftszeitung Dagbladet Børsen und zugleich Direktor des Børsen-Verlags.[3]

1977 wurde er für die rechtsliberale Venstre-Partei im westlichen Wahlkreis von Århus Amt erstmals ins Parlament (Folketing) gewählt, dem er neun Legislaturperioden lang bis 2001 angehörte. Von 1978 bis 1982 war Ellemann-Jensen Venstres politischer Berichterstatter im Folketing, von 1978 bis 1981 Aufsichtsratsmitglied der dänischen Nationalbank.

In der konservativ geführten Regierung von Poul Schlüter war er von 1982 bis 1993 Außenminister. Von 1984 bis 1998 war er außerdem Vorsitzender seiner Partei. Ellemann-Jensen vertrat wirtschaftsliberale Positionen und war ein ausgesprochener Befürworter der Europäischen Union und der NATO. Nach dem Ende des Kalten Krieges setzte er sich besonders für die Unabhängigkeit der drei baltischen Republiken von der Sowjetunion ein. Dänemark war der erste EG-Staat der diplomatische Beziehungen zu Estland, Lettland und Litauen aufnahm. Das knappe Nein in der dänischen Volksabstimmung über den Vertrag von Maastricht 1992 bedeutete eine Niederlage für Ellemann-Jensen und seine Partei. Er konnte jedoch im Edinburgh-Abkommen vier Ausnahmeregeln vom Maastricht-Vertrag für Dänemark aushandeln (in den Bereichen Sicherheits- und Verteidigungspolitik, Justiz und Inneres, Wirtschafts- und Währungsunion sowie Unionsbürgerschaft). Mit diesen sogenannten Opt-outs fand der Vertrag dann in einem zweiten Referendum 1993 eine klare Mehrheit.[4]

In den Jahren 1995 bis 2000 stand Ellemann-Jensen der Föderation der europäischen Liberalen (ELDR) vor. Zudem war er von 1993 bis 2002 Vorstandsmitglied, ab 1994 stellvertretender Vorsitzender des grönländischen Fischereiunternehmens Royal Greenland. Von 1996 bis 1999 gehörte er dem Vorstand der dänischen Nationalbank an.[4]

Ellemann-Jensen war zweimal verheiratet, seine zweite Ehefrau Alice Vestergaard (* 1937) ist ebenfalls Journalistin, war Chefredakteurin der Sonntags-B.T. und Leiterin der Kopenhagen-Redaktion von TV 2. Seine Tochter Karen (* 1969) und sein Sohn Jakob (* 1973) sind ebenfalls Venstre-Politiker und waren Minister.[5]

SchriftenBearbeiten

  • De nye Millionærer, 1971 („Die neuen Millionäre“)
  • Det afhængige Samfund, 1972 („Die abhängige Gesellschaft“)
  • Hvad gør vi ved Gudenåen? Et forureningsproblem i økonomisk belysning, 1973 („Was tun mit der Gudenå? Umweltverschmutzung aus wirtschaftlicher Perspektive“)
  • Den truede velstand, 1974 („Der bedrohte Wohlstand“)
  • Økonomi, 1975 („Wirtschaft“)
  • Da Danmark igen sagde ja til det fælles, 1987 („Als Dänemark erneut Ja zur Gemeinschaft sagte“)
  • Et lille land, og dog, 1991 („Ein kleines Land, und dennoch...“)
  • Olfert Fischer i Golfen, 1991, („Olfert Fischer am Golf“)
  • Din egen dag er kort, 1996 („Dein eigener Tag ist kurz“)
  • Rent ud sagt – indfald og udfald, 1997 („Unverblümt – Einfälle und Ausfälle“)
  • Sådan set, 1997 („So gesehen“) zusammen mit Erik Werner
  • EU – derfor, 1998 („EU – deshalb“)
  • Ude med Snøren. Fisk og mennesker jeg har mødt, 2001 („Draußen mit der Angel. Fische und Menschen, die ich getroffen habe“)
  • Østen for solen. Et helt europa, 2002 („Östlich der Sonne. Ein ganzes Europa“)
  • Fodfejl. Da Danmark svigtede under den kolde krig, 2004 („Fußfehler. Dänemarks Versagen im Kalten Krieg“)
  • Det lysner i øst. Vejen til et helt Europa, 2006 („Es tagt gen Osten. Der Weg zu einem einigen Europa“)
  • Nu gik det lige så godt, men så gik verden af lave, 2010 („Es ging recht gut, aber dann geriet die Welt aus den Fugen“)

AuszeichnungenBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Uffe Ellemann-Jensen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Emma Klinker Stephensen: Uffe Ellemann-Jensen bisættes (da) In: nyheder.tv2.dk. 28. Juni 2022. Abgerufen am 28. Juni 2022.
  2. Jens Ringberg: NEKROLOG Det ville være synd at sige, at Uffe Ellemann-Jensen i sin ministertid levede et stille liv. Danmarks Radio (19. Juni 2022).
  3. Uffe Ellemann-Jensen, Fhv. medlem af Folketinget, Venstre. Folketinget
  4. a b Uffe Ellemann-Jensen, (f. 1941). In: danmarkshistorien.dk, Aarhus Universitet.
  5. Blå bog: Jakob Ellemann-Jensen bliver minister. In: Jyllands-Posten. 2. Mai 2018, (jyllands-posten.dk) abgerufen am 31. März 2018.
  6. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB).
  7. Merete Harding, Helge Larsen: Uffe Ellemann-Jensen. In: Svend Cedergreen Bech, Svend Dahl (Hrsg.): Dansk biografisk leksikon. Begründet von Carl Frederik Bricka, fortgesetzt von Povl Engelstoft. 3. Auflage. Band 4: Dons–Frijsh. Gyldendal, Kopenhagen 1980, ISBN 87-01-77392-5 (dänisch, biografiskleksikon.lex.dk).