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Treysa

Stadtteil von Schwalmstadt

Treysa, bis 1970 eine selbständige Stadt, ist seitdem der größte Stadtteil und das Verwaltungszentrum von Schwalmstadt im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.

Treysa
Koordinaten: 50° 54′ 43″ N, 9° 11′ 18″ O
Höhe: 237 m ü. NHN
Fläche: 17,75 km²[1]
Einwohner: 8563 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 482 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Postleitzahl: 34613
Vorwahl: 06691
Treysa aus der Topographia Hassiae von Matthäus Merian, 1655

Inhaltsverzeichnis

Geographische LageBearbeiten

Treysa liegt in der Landschaft Schwalm am Eder-Zufluss Schwalm. Die Altstadt liegt auf einem Höhenrücken – der etwa 35 Meter über das Talniveau (212 m ü. NN) ansteigt – an der Mündung der Wiera in die Schwalm. Zum Hochwasserschutz wurde etwas östlich des Ortskerns das Hochwasserrückhaltebecken Treysa-Ziegenhain an der Schwalm angelegt.

GeschichteBearbeiten

 
Rathaus in Treysa, Südostansicht
Der Hexenturm in Treysa
Der Hexenturm um 1900


Im 8. Jahrhundert war Treise im Besitz der Abtei Hersfeld. Die Grafen von Ziegenhain, als Vögte der Abtei, brachten Treysa im Jahr 1186 in ihren Besitz und befestigten den Ort. Das Wahrzeichen Treysas, die Martinskirche (heute Totenkirche), wurde 1230 gebaut. Treysa erhielt Stadtrechte zwischen 1229 und 1270, um 1400 entstand das Rathaus, von dessen mittelalterlichem Bau nur noch die Südwestmauer mit gotischem Bogenfries und Kreuzstockfenstern im Neubau von 1649 erhalten ist. Am Westrand der Stadt entstand noch vor 1287 ein Dominikanerkloster, dessen Kirche seit der Reformation als Stadtpfarrkirche dient. In der Steingasse wurde vor 1367 das Heilig-Geist-Hospital gegründet, dessen gotische Kapelle mit Giebeldachreiter erhalten ist. Nach dem Tod des letzten Grafen von Ziegenhain, Johann II., 1450 fiel Treysa mit der gesamten Grafschaft an die Landgrafschaft Hessen.

Im Vorfeld des Bauernkrieges kam es 1525 innerhalb der Bürgerschaft zu Unruhen, bei denen Rat und Bürgermeister abgesetzt wurden. Unter Landgraf Moritz wurde Treysa im Dreißigjährigen Krieg nach mehrmaliger Belagerung 1640 durch Brand weitgehend zerstört, so dass von den ehemals 460 Häusern nur 146 übrig waren. Der anschließende Wiederaufbau prägte das Bild Treysas als Fachwerkstadt.

ReligionBearbeiten

Im August 1945 fanden in Treysa die Verhandlungen zur Gründung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) statt („Kirchenkonferenz von Treysa“). Damit wurde ein Zusammenschluss der lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen vollzogen. Zwei weitere Kirchenversammlungen der EKD im Mai 1946 und im Juni 1947 versuchten, das Gespräch über unterschiedliche Auffassungen zum Abendmahl in Gang zu bringen und befassten sich mit der Entnazifizierung.

NeugliederungBearbeiten

Am 31. Dezember 1970 wurde Treysa in die neue Stadt Schwalmstadt eingegliedert.[3]

Von 1961 bis 2006 war die östlich der Kernstadt gelegene Harthberg-Kaserne ein Bundeswehrstandort. Dort waren u. a. das Panzerartilleriebataillon 21 und das Raketenartilleriebatallion 22 stationiert, beide mit der Fähigkeit, auch Atomsprengköpfe abzufeuern. Die Sprengköpfe waren in Sondermunitionslager Treysa östlich der Kaserne gelagert.

VerkehrBearbeiten

Treysa liegt an der Bundesstraße 454.

Der Bahnhof Treysa liegt an der Main-Weser-Bahn von Frankfurt (Main) nach Kassel. Stündlich endet der Mittelhessen-Express von bzw. nach Frankfurt (Main) in Treysa. Zusätzlich halten im Zweistundentakt ein Intercity und im Stundentakt ein Regional-Express der Linie Kassel–Frankfurt in Treysa. Durch Treysa führte auch die Bahnstrecke Leinefelde–Treysa als strategische Eisenbahnstrecke zwischen Berlin und Metz, die Teil der Kanonenbahn war. Bis 1977 bestand auch die Verbindung mit der Bahnstrecke Bad Hersfeld–Treysa (auch Knüllwaldbahn genannt) nach Bad Hersfeld.

Durch das Gebiet der Stadt führen verschiedene überregionale Radwege. Durch mehrere Stadtteile auf bestehenden und neu zur errichtenden Radwegen führt der Radweg Deutsche Einheit. Er verläuft von Wiera kommend nach Treysa und ist von hier identisch mit dem Bahnradweg Rotkäppchenland, der ab Loshausen Teil der quer durch Deutschland verlaufenden Mittelland-Route (D4) wird. Der Schwalm-Radweg, ansonsten identisch mit dem Hessischen Radfernweg R4, verlässt zwischen Loshausen und Allendorf an der Landsburg für ein paar Kilometer die gemeinsame Route, um dem Flusslauf der Schwalm zu folgen. Der Hochland-Radweg startet in Treysa, um die anderen Wege mit dem Hessischen Radfernweg R6 in Wohra zu verbinden. Im Gegensatz zur vergleichsweise guten touristischen Radverkehrsinfrastruktur entsprechen die Verhältnisse für den Alltagsradverkehr dagegen in den meisten Bereichen nicht den aktuellen Vorgaben, wie sie beispielsweise in den Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA) festgehalten sind.

LiteraturBearbeiten

  • Jürgen Hohmeyer: Treysa. Geschichte und Baudenkmäler. Wilhelm Stumpf, Treysa 1965.
  • Bettina Toson: Mittelalterliche Hospitäler in Hessen zwischen Schwalm, Eder und Fulda. Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen, Darmstadt und Marburg, 2012, ISBN 978-3-88443-319-5

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Zahlen/ Daten/ Fakten im Internetauftritt der Stadt Schwalmstadt, abgerufen im Januar 2016.
  2. „Einwohnerzahlen“ im Internetauftritt der Stadt Schwalmstadt, abgerufen im Januar 2016.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 411.

WeblinksBearbeiten