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Türkistan
Түркістан (kas.) | Туркестан (rus.)
Wappen
Wappen
Basisdaten
Staat: KasachstanKasachstan Kasachstan
Gebiet: Türkistan
Koordinaten: 43° 20′ N, 68° 15′ OKoordinaten: 43° 20′ 0″ N, 68° 15′ 0″ O
Fläche: 196,3 km²
 
Einwohner: 164.963 (1. Jan. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 840 Einwohner je km²
 
Zeitzone: EKST (UTC+6)
Telefonvorwahl: (+7) 72533
Postleitzahl: 161200–161205
Kfz-Kennzeichen: X, 13
 
Äkim (Bürgermeister): Raschid Ajupow
Website:
Lage in Kasachstan
Türkistan (Kasachstan)
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Türkistan (kasachisch Түркістан, russisch Туркестан Turkestan) ist eine Stadt in Kasachstan. Sie befindet sich im Süden des Landes am Fuße des Qaratau, einem Ausläufer des Tianshan rund 160 Kilometer nördlich von Schymkent. Sie ist das Verwaltungszentrum und mit 164.963 Einwohnern (Stand 1. Januar 2019) zugleich größte Stadt des Gebietes Türkistan.

Türkistan ist eine der ältesten Städte Kasachstans. Im Mittelalter war die Stadt ein Zentrum des Karawanenhandels und im 12. Jahrhundert wurde der Ort zu einem kulturellen und religiösen Zentrum der Region, was die Stadt vor allem Hodscha Ahmed Yesevi zu verdanken hatte. Im 16. Jahrhundert wählten die kasachischen Herrscher den Ort als Hauptstadt ihres Khanats. Während des Kasachisch-Dschungarischen Krieges wurde ein Großteil des historischen Türkistan zerstört und im Zuge der russischen Eroberung Zentralasiens gehörte der Ort ab 1864 zum Russischen Reich. Heute ist die Stadt ein bedeutendes touristisches Zentrum des Landes, vor allem wegen der zahlreichen Mausoleen, die sich in der Stadt und der Umgebung befinden. Das Bekannteste davon ist das Mausoleum von Hodscha Ahmad Yasawi, das seit 2003 zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört.

NamensherkunftBearbeiten

Die Stadt heißt heute Türkistan („Land der Türken“), gegründet wurde sie jedoch unter dem Namen Yasi (arabisch-persisch يسى, DMG Yasī). Eine weitere persische Bezeichnung, حضرت ترکستان, DMG Ḥażrat-i Turkistān, bezieht sich auf „den Heiligen [der Stadt] Turkestans“; auch die Alternativbezeichnung „Gesegnete Stadt Turkestans“ ist gebräuchlich.

GeografieBearbeiten

Geographische LageBearbeiten

 
Satellitenaufnahme von Türkistan

Türkistan liegt im Süden Kasachstans und ist Verwaltungszentrum des gleichnamigen Gebietes. Nördlich der Stadt ragt der Qaratau, ein nordwestlicher Ausläufer des Tianshan auf. Im Süden durchfließt der Syrdarja die Region. Der Ort liegt rund 160 Kilometer nördlich von Schymkent und 240 Kilometer nördlich der usbekischen Hauptstadt Taschkent.

KlimaBearbeiten

Türkistan weist ein semiarides Steppenklima auf, was der effektiven Klimaklassifikation Bsk entspricht. Die Sommer sind sehr heiß und sehr trocken mit einer durchschnittlichen Temperatur von über 25 °C. Die kurzen Winter sind relativ mild und bei weitem nicht von derart tiefen Temperaturen geprägt, wie es in den Steppenregionen Nordkasachstans der Fall ist. Die jährliche Niederschlagsmenge beträgt nur rund 200 mm, wobei der meiste Niederschlag im Frühling auftritt. Die Sommer in Türkistan sind extrem niederschlagsarm. Die tiefste jemals gemessene Temperatur betrug −38,6 °C (11. Februar 1969), der höchste Temperaturwert betrug 47,9 °C[2] und wurde am 30. Juli 1983 gemessen.

Türkistan
Klimadiagramm
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3
-6
Temperatur in °CNiederschlag in mm
Quelle: pogodaiklimat.ru, www.weather-atlas.com
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Türkistan
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 1,6 5,3 13,5 21,8 28,3 34,3 36,3 35,0 28,8 20,3 11,4 3,3 Ø 20,1
Min. Temperatur (°C) −7,2 −4,6 1,2 8,1 13,5 18,2 20,2 18,2 11,7 4,3 −0,4 −5,7 Ø 6,5
Temperatur (°C) −3,1 −0,3 6,5 14,8 21 26,8 28,7 26,9 20,3 12 4,5 −1,7 Ø 13,1
Niederschlag (mm) 22 26 28 23 24 5 6 3 3 10 26 27 Σ 203
Sonnenstunden (h/d) 4,5 5,5 6,4 8,2 10,9 12,7 12,9 12,4 12,5 8 5,6 3,9 Ø 8,6
Regentage (d) 5 6 8 8 7 4 3 1 2 4 7 5 Σ 60
Luftfeuchtigkeit (%) 79 73 63 50 43 33 34 32 36 51 69 79 Ø 53,4
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−7,2
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−4,6
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8,1
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34,3
18,2
36,3
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35,0
18,2
28,8
11,7
20,3
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−0,4
3,3
−5,7
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
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GeschichteBearbeiten

Erste Siedlungsspuren stammen aus dem 7. Jahrhundert. Türkistan war wohl bereits ein wichtiges Handels- und religiöses Zentrum vor dem Auftreten von Chodscha Ahmed Yasawi, einem Sufi-Scheich, der etwa 1103 in Sayram geboren wurde. Yasavi widmete sich im Alter von etwa 61 Jahren der Meditation – der Legende nach verbrachte er weitere 61 Jahre in Isolation und Meditation unter der Erde. Sein kleines Grabmal wurde schon damals zum Pilgerzentrum, bevor in den 1390er Jahren Timur Lenk das Yasavi-Mausoleum errichtete, das bis heute als eines der bedeutendsten Bauwerke Kasachstans gilt. Bevor das Mausoleum fertiggestellt werden konnte, starb Timur. Die Architekten verließen Türkistan in Richtung Samarqand und Buxoro (Buchara). An der Eingangsfassade sind noch heute die alten Baugerüste sichtbar; die Fliesen fehlen. Dennoch ist Türkistan heute das wichtigste Pilgerzentrum Kasachstans. Man sagt, drei Pilgerreisen in diese Stadt seien äquivalent zur Haddsch nach Mekka.

Trotz alledem war die Stadt als reine Grenzstadt zwischen den persisch-islamischen Gebieten des Südens und den turko-mongolischen Steppengebieten des Nordens angelegt worden.

In der Zeit zwischen dem 15. und 19. Jahrhundert galt die Stadt als Hauptort des Kasachen-Khanates und füllte damit den Status einer kasachischen Hauptstadt aus. Die Stadt unterstand überwiegend den Khanaten des Südens und fiel 1863 an Russisch-Turkestan. Sie wurde Teil des Generalgouvernements Turkestan des deutschstämmigen russischen Generals Konstantin Petrowitsch (von) Kaufmann und gehörte zur Oblast Syrdarja.

Mit dem Zusammenbruch des Russischen Reiches (1917/18) war die Stadt Teil der kurzlebigen Autonomen SSR Turkestan, bevor sie 1924 in das Kasak-Kirgisische Gebiet und ab 1936 in die neu gegründete SSR Kasachstan eingegliedert wurde.

Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde zwischen dem nun unabhängigen Kasachstan und der Türkei 1990/91 beschlossen, in Türkistan eine kasachisch-türkische Moschee nebst Koranschule zu errichten. Mit der Ahmed-Yesevi-Universität wurde eine kasachisch-türkische Universität gegründet.

Seit dem 19. Juni 2018 ist Türkistan Hauptstadt und Namensgeberin des gleichnamigen Gebiets, das vorher „Südkasachstan“ hieß und Schymkent als Hauptstadt hatte.[3]

BevölkerungBearbeiten

Jahr Einwohner
1897¹ 11.253
1959¹ 38.152
1970¹ 53.965
1979¹ 66.741
1989¹ 78.285
1999¹ 85.613
Jahr Einwohner
2004 86.855
2005 88.054
2006 90.315
2007 93.256
2008 115.528
2009¹ 142.899
Jahr Einwohner
2010 146.231
2011 148.554
2012 150.595
2013 153.028
2014 155.552
2015 157.765
Jahr Einwohner
2016 159.632
2017 159.953
2018 161.251
2019 164.963

¹ Volkszählungsergebnis

PolitikBearbeiten

BürgermeisterBearbeiten

Nachfolgend die Bürgermeister der Stadt seit 1992:

  • Baqtijar Qadyrbekow (1992–1993)
  • Qalen Tatibajew (1993)
  • Sultanbek Sügirbajew (1993–1997)
  • Uälichan Qainasarow (1998–1999)
  • Ömirsaq Ametuly (1999–2003)
  • Muchit Älijew (2003–2006)
  • Äli Bektajew (2006–2008)
  • Beibit Sysdyqow (2008–2009)

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

VerkehrBearbeiten

Durch die Stadt führt die Trans-Aral-Eisenbahn, die Orenburg in Russland mit Taschkent in Usbekistan verbindet. Durch die Stadt verläuft die M32, die im Westen Kasachstans ihren Anfang hat und nach Schymkent führt.

BildungBearbeiten

In der Stadt ist die Ahmed-Yesevi-Universität beheimatet.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Türkistan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Численность населения Республики Казахстан по областям, городам и районам на 1 января 2019 года. stat.gov.kz, abgerufen am 13. Februar 2019 (russisch).
  2. Погода в Туркестане. Температура воздуха и осадки. Июль 1983 г. pogodaiklimat.ru, abgerufen am 9. August 2019 (russisch).
  3. Публичное подписание Указа «О некоторых вопросах административно-территориального устройства Республики Казахстан» (russisch) auf www.akorda.kz, abgerufen am 26. Juni 2018