Suhlendorf

Gemeinde im Landkreis Uelzen in Deutschland

Suhlendorf (plattdeutsch: Suhlnderp) ist eine Gemeinde im östlichen Landkreis Uelzen, am Rand von Wendland und Drawehn, Niedersachsen.

Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Suhlendorf
Suhlendorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Suhlendorf hervorgehoben

Koordinaten: 52° 56′ N, 10° 46′ O

Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Uelzen
Samtgemeinde: Rosche
Höhe: 62 m ü. NHN
Fläche: 61,06 km2
Einwohner: 2404 (31. Dez. 2020)[1]
Bevölkerungsdichte: 39 Einwohner je km2
Postleitzahl: 29562
Vorwahl: 05820
Kfz-Kennzeichen: UE
Gemeindeschlüssel: 03 3 60 024
Gemeindegliederung: 14 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Lüchower Str. 15
29571 Rosche
Website: www.suhlendorf.de
Bürgermeister: Hans-Heinrich Weichsel (CDU)
Lage der Gemeinde Suhlendorf im Landkreis Uelzen
Sachsen-AnhaltLandkreis CelleLandkreis GifhornLandkreis HarburgLandkreis Lüchow-DannenbergLandkreis LüneburgWriedelWriedelLandkreis HeidekreisAltenmedingenBad BevensenBad BodenteichBarum (Landkreis Uelzen)BienenbüttelEbstorfEbstorfGerdauEimkeEmmendorfGerdauGerdauHanstedt (Landkreis Uelzen)HimbergenJelmstorfLüder (Lüneburger Heide)NatendorfOetzenRätzlingen (Niedersachsen)RömstedtRoscheSchwienauSoltendieckWrestedtStoetzeSuderburgSuderburgSuhlendorfUelzenUelzenWeste (Niedersachsen)WrestedtWrestedtWriedelKarte
Über dieses Bild
Suhlendorf, Marienkirche, im August 2020

GeografieBearbeiten

Geografische LageBearbeiten

Suhlendorf liegt in der Lüneburger Heide und ist ein Unterzentrum im Ostkreis Uelzen. Suhlendorf gehört zum Uelzener Becken sowie der Ilmenauniederung und liegt unmittelbar am Rand des Drawehns.[2] Südwestlich von Suhlendorf entspringt die Wipperau, ein Nebenfluss der Ilmenau. Der Ort befindet sich direkt an der Bundesstraße B71, zwischen Uelzen und Salzwedel. Die Hansestadt Uelzen ist etwa 16 Kilometer entfernt. Bis Salzwedel sind es etwa 30 Kilometer und bis zur Kreisstadt Lüchow (Wendland) etwa 31 Kilometer. Der nächste Bahnhof (Soltendieck) ist etwa fünf Kilometer entfernt mit Zugverbindungen nach Uelzen, Salzwedel, Stendal und Berlin. Die Gemeinde Suhlendorf gehört zur Samtgemeinde Rosche.

GemeindegliederungBearbeiten

Zur Gemeinde Suhlendorf gehören die Ortschaften und heutigen Ortsteile Batensen, Dallahn, Dalldorf, Groß Ellenberg, Klein Ellenberg, Grabau, Güstau, Kölau, Molbath, Nestau, Növenthien, Rassau, Schlieckau und Wellendorf sowie Klein Malchau und St. Omer.

EingemeindungenBearbeiten

Am 1. Juli 1972 wurden die Gemeinden Batensen, Dallahn, Dalldorf, Ellenberg, Grabau, Güstau, Kölau, Molbath, Nestau, Növenthien, Rassau, Schlieckau und Wellendorf eingegliedert.[3]

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

AllgemeinBearbeiten

Die Gemeinde Suhlendorf besitzt zentrale Bedeutung für die Grundversorgung der örtlichen Bevölkerung und nimmt aufgrund der geografischen Lage eine wirtschaftliche Sonderstellung für die Grenzregion zwischen Landkreis Uelzen, Landkreis Lüchow-Dannenberg und dem Landkreis Salzwedel ein. Das Dorf verfügt über gewachsene Strukturen und war bis in die 1960er Jahre durch Landwirtschaft und Handwerk geprägt. Heute spielen vor allem ein überregional tätiger Landmaschinenhandel, Handwerksbetriebe, Logistik, Dienstleistung, Kfz-Gewerbe, Einzelhandel, Gastronomie und Hotelgewerbe sowie Unternehmen der Lebensmittelwirtschaft eine wirtschaftlich wichtige Rolle für den Ort.

Medizinische VersorgungBearbeiten

Suhlendorf hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem medizinischen Versorgungszentrum mit zentraler Gemeinschaftspraxis (Allgemeinmedizin), Zahnarztpraxis, Apotheke, Pflegedienst und verschiedenen therapeutischen Angeboten entwickelt. Eine Tierarztpraxis ergänzt das medizinische Angebot.

TourismusBearbeiten

Seit den frühen 1970er Jahren hat sich Suhlendorf zu einem attraktiven Naherholungsort im Ostkreis Uelzen entwickelt. Zahlreiche Tagesgäste nutzen den Ort als Anlaufpunkt um die reizvolle und naturbelassene Endmoränenlandschaft zwischen Mühlenberg und Ilkenberg zu genießen, die zu Bewegung in freier Natur einlädt. Einen weiteren attraktiven Anziehungspunkt stellt das örtliche Handwerksmuseum am Mühlenberg dar.

MedienBearbeiten

Mit dem Bahn-Media Verlag befindet sich ein überregional tätiger Fachverlag am Ort, der auf Themen rund um den Verkehrsträger Schiene, Logistik und Wirtschaft spezialisiert ist. Zum Verlag gehört das im Jahr 2014 gegründete Bahn-Media Institut. Außerdem gibt der Verlag viermal im Jahr das Regionalmagazin Wipperau-Kurier heraus, ein Magazin für Land und Leute des Ostkreises Uelzen und des angrenzenden Wendlands.

GeschichteBearbeiten

Suhlendorf ist ein ehemaliger Rundling und wurde (gesichert) erstmals 1289 vom Kloster Oldenstadt als "Zuilendorpe" bezeichnet.[4] Ein angeblich für das Jahr 1142 genannter Beleg „Zwelendorpe“ findet sich in einer gefälschten Urkunde, die nach 1240 entstanden, aber noch dem 13. Jahrhundert zuzuordnen ist.[5] Jürgen Udolph[6] hält eine Deutung des Ortsnamens aus dem Slawischen für wenig wahrscheinlich,[7] womit der Ort vermutlich einen deutschen und nicht slawischen Ursprung hat. Der Ortsname entwickelte sich über Zuilendorpe (1289), Suwendorpe (1541) und Sulendorf (1571). Im Schenkungsregister des Abts Saracho wird Suhlendorf als Besitz des Klosters Corvey aufgeführt.[8] Weil es sich bei diesem Verzeichnis um eine Fälschung handelt, sind Bezüge zu Corvey eher zweifelhaft.

MittelalterBearbeiten

Eine wichtige Rolle in der frühen Entwicklung des Ortes hat vermutlich der Turm der alten Wehrkirche gespielt. Dieser Wehrturm wurde vermutlich nicht, wie in der Heimatliteratur häufig behauptet, im Jahr 930 errichtet, sondern stammte mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem 11. Jahrhundert, da sich erst in diesem Zeitraum das massive Mauerwerk im Burgenbau durchsetzte. Aus geschichtswissenschaftlicher Sicht war der sogenannte Wehrturm vermutlich eine Kleinburg, die von einem Burgvogt oder einer niedrigeadligen Familie verwaltet und als Wohnturm genutzt wurde. Sehr wahrscheinlich wurde diese Kleinburg innerhalb eines Sächsischen Ringwalls errichtet, die Heinrich I, Herzog von Sachsen und König des Ostfrankenreiches, in den Grenzgebieten seines Reiches zum Schutz vor Angriffen der Ungarn errichten ließ, die als Reitertrupps durchs ganze Land zogen und plünderten. Diese Annahme ist naheliegend, da der alte Ortskern von einem Ringgraben umgeben war, wie eine Zeichnung des Heimatforschers Adolf Bätge belegt.[9] Der Wehrturm befand sich damals im Grenzgebiet zwischen Bardengau und Wendland. Dieses Grenzgebiet bei Suhlendorf war Kontaktzone zwischen slawischer und deutscher (sächsischer) Besiedelung. Der Verlauf dieser Grenze stellte damals keine konkrete Linie dar, sondern ist eher als ein Raum zu verstehen, der Slawen wie auch Sachsen trennte und zugleich verband.[10] Entsprechend wurde im Raum von Suhlendorf zwischen den Stämmen Handel getrieben und friedlich zusammengelebt. Dennoch kam es auch immer wieder zu Angriffen und Überfällen. Der Suhlendorfer Wehrturm zeugt von diesen kriegerischen Auseinandersetzungen und war in diesem Grenzraum Verteidigungseinrichtung und zugleich auch ein Machtsymbol der sächsischen Herrscher gegenüber den Slawen (Wenden). Damit war Suhlendorf ein früher Handelsplatz in dieser Region und für das Gebiet des Ostkreises Uelzen zugleich auch das Tor zum Wendland und zur Altmark.

FranzosenzeitBearbeiten

Diese alte Verbindung Suhlendorfs zum Wendland wurde in der sogenannten Franzosenzeit erneut deutlich, denn Suhlendorf gehörte in der Zeit der napoleonischen Verwaltung zum Kanton Bergen (an der Dumme). Das Statistisches Repertorium über das Königreich Westphalen wies im Jahr 1813 für Suhlendorf genau 184 Einwohner und 22 Häuser aus.[11]

KirchspielBearbeiten

Eine starke Entwicklung erfuhr der Ort, als mit Erlass des kirchlichen Konsistoriums in Hannover am 27. Oktober 1774 die Trennung der Kirchspiele Rosche und Suhlendorf "um der besseren Seelsorge willen" besiegelt wurde. Rund 200 Jahre bestand zwischen Rosche und Suhlendorf eine kombinierte Kirchengemeinde, die sich jedoch als problematisch erwiesen hat. Zum einen war das Kirchspiel Suhlendorf-Rosche räumlich zu groß, um ausreichend betreut zu werden, zum anderen befand sich der Dienstsitz des Pastors in Rosche, was zur Vernachlässigung der Schulaufsichtspflicht und der seelsorgerischen Aufgaben in der Gemeinde Suhlendorf führte. Durch diese Trennung wurde Suhlendorf wieder zu einem eigenständigen Kirchspiel erhoben. Den letzten eigenen Pastor vor der Zusammenlegung hatte Suhlendorf im Jahr 1534. Der erste Pastor nach der wiedererlangten Selbstständigkeit war im Jahr 1776 Friedrich Gerhard Müller.[12]

PolitikBearbeiten

GemeinderatBearbeiten

Der Rat der Gemeinde Suhlendorf setzt sich aus 13 Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

CDU SPD Grüne FDP Gesamt
2016 8 3 1 1 13 Sitze
2011 7 (51,3 %) 4 (29,2 %) 2 (13,9 %) 0 (5,5 %) 13 Sitze[13]

Letzte Kommunalwahl am 11. September 2016 [14]

Bürgermeister/VerwaltungBearbeiten

Ehrenamtlicher Bürgermeister ist Hans-Heinrich Weichsel (CDU). Die Gemeindeverwaltung befindet sich in der Schulstraße 2.

WappenBearbeiten

In rot ein silberner spitzbedachter Wehrturm, unten mit goldenem Schild, darin eine schwarze Wildsau über einer schwarzen Suhle.

ReligionenBearbeiten

Suhlendorf ist Sitz einer evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde (Kirchenkreis Uelzen, Sprengel Lüneburg). Derzeitige Pastorin der Suhlendorfer Marienkirche ist Stephanie Arnheim.

MuseenBearbeiten

 
Die Mühle
 
Handwerksmuseum in Suhlendorf

Im Handwerksmuseum wird in verschiedenen Gebäuden die Werk- und Arbeitsstätten von Schuhmacher, Töpfer, Schmied, Stellmacher, Sattler, Polsterer, Imkerei und Tierarztpraxis dargestellt. Das Museum liegt auf dem Mühlenberg in der Nähe vom ehemaligen Standort der Suhlendorfer Bockwindmühle.[15][16]

PlattdeutschBearbeiten

Noch bis weit in die 1950er und 1960er Jahre hinein war die niederdeutsche Sprache (Plattdeutsch) auch in der Gemeinde Suhlendorf die alltägliche Umgangssprache. Der in Suhlendorf geborene Pastor Werner Klipp[17] berichtet im Regionalmagazin Wipperau-Kurier[18], dass zwar nicht jedes Dorf einen eigenen Dialekt sprach, aber bestimmte Wörter bereits innerhalb der Gemeinde, je nach Ort, in einer eigenen Aussprache genutzt wurden. Obwohl man das Wort Dorf im plattdeutschen als Dörp ausspricht, wird es im Suhlendorfer Platt als Derp ausgesprochen. Der Ortsname wird dabei mit einem langen und spitzen S ausgesprochen: Sssuhlnderp. Diese besondere Betonung regte die Bevölkerung in der Umgebung zu Ökelriemels (Spottverse) an. Werner Klipp überlieferte folgenden Spottvers: „Sssüh an, sssüh an, de Sssuhlnderper SssuurSssaftSssuppSssüüpers!“

PersönlichkeitenBearbeiten

 
Suhlendorf, alter Marktplatz, mit Kriegerdenkmal 1870/71, August 2020
 
Hotel Waldmühle in Suhlendorf
  • Gerhard Madaus (1890–1942), Mediziner und Industrieller, geboren in Nestau
  • Horst Hrubesch (* 1951), ehemaliger Fußballprofi und nun Trainer verschiedener deutscher Jugend-Nationalmannschaften, lebte bis 2015 auf einem Anwesen in Klein Ellenberg bei Suhlendorf.[19]
  • Wilhelm Beindorf (1887–1969), deutscher Maler, in Suhlendorf geboren
  • Adolf Bätge (1886–1958), in Suhlendorf geborener Heimatforscher
  • Philip Banse (* 1972), in Suhlendorf aufgewachsener Journalist und Podcaster

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Landesamt für Statistik Niedersachsen, LSN-Online Regionaldatenbank, Tabelle A100001G: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, Stand 31. Dezember 2020 (Hilfe dazu).
  2. Landschaftsteckbrief. 64300 Uelzener Becken. In: Bundesamt für Naturschutz. Abgerufen am 5. August 2020.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 238.
  4. B(odo) von Hodenberg: Geschichte des Klosters und Amts Oldenstadt. In: Zeitschrift des Historischen Vereins für Niedersachsen. 1852, S. 44.
  5. Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen (Hrsg.): Urkundenbuch der Bischöfe und des Domkapitels von Verden. Band 205, Bearb. von Arend Mindermann. Stade 2004.
  6. Prof. Udolph Zentrum für Namenforschung. Abgerufen am 6. August 2020.
  7. Jürgen Udolph: Slavische Ortsnamen im Kreis Uelzen. In: Angelika Lauhus und Bodo Zelinsky (Hrsg.): Slavische Forschungen. In memoriam Reinhold Olesch. Köln/Weimar/Wien 2005, S. 58.
  8. Johann Friedrich Falke (Hrsg.): Codes traditionum Corbeiensium. Leipzig/Wolfenbüttel 1752, S. Anhang S. 11 Nr. 155.
  9. Herbert Schulze: Suhlendorf. Eine Chronik. In: Gemeinde Suhlendorf (Hrsg.): Teil 1. 2. Auflage. Suhlendorf 2012, ISBN 978-3-943792-01-0, S. 55.
  10. Christian Frey: Die Grenzlandschaft als Burgenlandschaft. In: Nils Bock, Georg Jostkleigrewe, Bastian Walter (Hrsg.): Faktum und Konstrukt: Politische Grenzziehungen im Mittelalter:. Rhema-Verlag, Münster 2011, ISBN 978-3-86887-002-2, S. 139.
  11. Georg Hassel: Statistisches Repertorium über das Königreich Westphalen. Friedrich Vieweg, Braunschweig 1813, S. 107.
  12. Adolf Meyer-Immensen: Ein Pastor für 39 Dörfer! In: Der Heidewanderer. Heimatbeilage der Allgemeinen Zeitung, Uelzen. 84. Jahrgang, Nr. 52. C. Becker, Uelzen 27. Dezember 2008, S. 209–212.
  13. Ergebnis Kommunalwahl 2011
  14. http://www.suhlendorf.de/Willkommen/Gemeinderat.html
  15. Handwerksmuseum Suhlendorf (Memento des Originals vom 17. Dezember 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.heideregion-uelzen.de
  16. Flyer Handwerksmuseum Suhlendorf, Museumsverein Suhlendorf e.V.
  17. Werner Klipp: Kort Büx und Lang Strümp. esel-Verlag Elke Struckmann und Erika Lahann, Küsten 1993, ISBN 3-9803611-0-1.
  18. Werner Klipp: Suhlnderper Platt. Geschichten aus der Heimat. (PDF) In: Wipperau-Kurier. Bahn-Media Verlag GmbH & Co. KG, 2012, abgerufen am 8. August 2020.
  19. Ulrich Hartmann: Nicht nur Trainer, auch ein Freund. In: Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010, abgerufen am 8. August 2020.

WeblinksBearbeiten

Commons: Suhlendorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien