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Stadt ohne Mitleid

Film von Gottfried Reinhardt (1961)

Stadt ohne Mitleid ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1961 nach dem Roman Das Urteil von Manfred Gregor. Regie führte Gottfried Reinhardt. Der amerikanische Originaltitel Town Without Pity ist auch Titel eines Liedes von Gene Pitney, das dem Film als Soundtrack dient. Thema des Trauerspiels ist die erbarmungslose Doppelmoral und der Verfolgergeist in einer Kleinstadt.

Filmdaten
Deutscher TitelStadt ohne Mitleid
OriginaltitelTown Without Pity
ProduktionslandUSA/Deutschland/Schweiz
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr1961
LängeDE 98 / US 105 Minuten
Stab
RegieGottfried Reinhardt
DrehbuchGeorg Hurdalek
ProduktionEberhard Meichsner,
Gottfried Reinhardt
MusikDimitri Tiomkin
KameraKurt Hasse
SchnittWerner Preuss
Besetzung

HandlungBearbeiten

Vier amerikanische Soldaten, stationiert in einer deutschen Kleinstadt, vergewaltigen die 16-jährige Schülerin Karin Steinhof. Deren Freund Frank Borgmann wird bei dem Versuch, seiner Freundin zu Hilfe zu eilen, bewusstlos geschlagen. In der darauffolgenden Verhandlung vor dem Militärgericht versucht der Verteidiger der Soldaten, Major Steve Garrett, die drohende Todesstrafe abzuwenden.

Ereignislüstern warten Prozesszuschauer und Stadtbevölkerung auf ein hartes Urteil für die Täter, folgen aber gespannt auch den freizügigen Einzelheiten über Karins Privatleben, die im Verhör zutage kommen. Die Journalistin Inge Körner beobachtet das Geschehen und kommentiert die Filmhandlung als Erzählerin.

Major Garrett appelliert an die Anklage und den Vater von Karin Steinhof, gegen ein Schuldbekenntnis der Soldaten die Forderung nach der Höchststrafe fallen zu lassen, und kündigt an, das Mädchen andernfalls einem harten Verhör auszusetzen, dem sie nicht gewachsen sein werde. Das Angebot gilt allerdings nur für drei der vier Verdächtigen. Die Anklage lehnt ab.

In Karins erstem Verhör verzichtet Strafverteidiger Major Steve Garrett noch darauf, sie zu befragen. Als die Zeugenaussagen von Frau Kulig und dem Nachbarn Schmidt aber ein freizügiges Leben von Karin zu beweisen suchen, ist sie gezwungen, erneut in den Zeugenstand zu treten. In diesem Verhör wird Karin gezwungen, sich zu rechtfertigen, und sie verstrickt sich in Widersprüche. Zum einen werden Lügen gegenüber ihren Eltern aufgedeckt, zum anderen die Falschaussage, sie sei von den Vergewaltigern gewaltsam entkleidet worden. Ihr Vater reagiert fassungslos entrüstet und die Stadtbevölkerung hämisch und schadenfroh.

Karins Freund Frank Borgmann versucht mit ihr auf dem Krad die Stadt zu verlassen, um sie dem Gerede zu entziehen. Er wird aber von der Polizei nach einer Verfolgungsjagd angehalten und festgenommen, weil er für die Flucht Geld von seiner Mutter entwendet hat. Karin läuft weg, angewidert von den auf sie gerichteten Augen der anwesenden Menschen, und nimmt sich später im Fluss das Leben.

MusikBearbeiten

Die Filmmusik wurde von Dimitri Tiomkin geschrieben, einem renommierten Filmkomponisten, der u. a. für seine Filmmusik und das Titellied des Films Zwölf Uhr mittags mit dem Academy Award für die beste Filmmusik und den besten Song ausgezeichnet worden war. Gemeinsam mit Ned Washington schrieb er auch das Titellied zum Film, das von Gene Pitney aufgenommen wurde und zu dessen erster Single avancierte, die die Top 40 der US-Charts erreichte. Pitney nahm unter dem Titel Bleibe bei mir auch eine deutsche Ausgabe von Town without Pity auf.

VerschiedenesBearbeiten

Die Außenaufnahmen wurden in Forchheim und Bamberg gedreht. Zu erkennen sind u. a. der Platz vor dem Rathaus und das Nürnberger Tor in Forchheim. Weitere Aufnahmen entstanden an der Fischerei in Bamberg.

Nachdem die Produzenten schon in den USA von der Motion Picture Association of America (MPAA) zu Schnitten gezwungen wurden, weil dem Film zuerst das benötigte Zertifikat vollkommen verweigert wurde,[1] wurde der Film in Deutschland zusätzlich von 105 Minuten auf 98 Minuten gekürzt.

Zeitgenössische KritikenBearbeiten

Die US-amerikanische Presse sah den im Oktober 1961 anlaufenden Film auch mit Bezug auf die gerade erst zwei Monate alte Berliner Mauer, und so schrieb die New York Times am 11. Oktober 1961:

„In einer Welt, die von der schrecklichen Symbolik eines durch Stacheldraht zerteilten Berlin auseinandergerissen wird, ist es zugleich überraschend und beruhigend zu wissen, dass ein grundsätzlich beeindruckender und wirklich ehrlicher Film wie Town Without Pity gedreht werden konnte. … Sein grundlegender Fehler, so erscheint es einem Beobachter, liege in seiner Unwirksamkeit bei der Darstellung der Wut und des Aufruhrs, die von solch einem explosiven, skandalösen Ereignis verursacht würden. Man werde nur darauf aufmerksam gemacht, dass die Bürgerschaft nicht rebelliere, sondern lediglich neugierig sei, ob aus Lüsternheit oder anderen Gründen. Die Wirkung des Films werde dadurch so verringert, dass er gelegentlich einfach eine Diskussion der Feinheiten des Gesetzes zu sein scheine und wenig anderes. Dies ist jedoch ein untergeordneter Punkt. … Mr. Reinhardts akribische Regie kennzeichnet Town Without Pity als hartes, realistisches und oft einprägsames Drama.“[2]

Der Spiegel zeigte sich in seiner Ausgabe vom 19. April 1961 weniger erfreut:

„Dank der zähen, unbeholfenen Regie Reinhardts verströmt der auf Oberflächenwirkung bedachte Film ausgiebig Langeweile. Da mehrere deutsche Tageszeitungen die vom Verleih entworfenen Inserate als anstößig zurückwiesen, soll für den Film auf ungewöhnliche Weise geworben werden: durch Postwurfsendungen (‚Schon wieder eine Vergewaltigung! – Sind unsere Töchter Freiwild?‘) an die Haushalte.“[3]

KritikenBearbeiten

„Ein spannendes, um Differenzierung bemühtes Justiz-Drama, im Mittelpunkt der Konflikt zwischen starrer Paragraphen-Treue und humaner Rechtsprechung. Trotz einiger reißerischer Momente ernsthaft und diskussionswert.“

AuszeichnungenBearbeiten

  • Christine Kaufmann erhielt für die Rolle der Karin Steinhof den Golden Globe Award als Beste Nachwuchsdarstellerin.
  • Der Titelsong von Dimitri Tiomkin und Ned Washington erhielt den Golden Globe und wurde für den Oscar nominiert.

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. "NEW FILM DENIED SEAL OF APPROVAL; Industry Censorship Acts on 'Town Without Pity'", in The New York Times, 19. Mai 1961. Abgerufen am 26. November 2018.
  2. "Town Without Pity", in The New York Times, 11. Oktober 1961. Abgerufen am 26. November 2018.
  3. "NEU IN DEUTSCHLAND: Stadt ohne Mitleid", in Der Spiegel, 19. April 1961. Abgerufen am 26. November 2018.
  4. Stadt ohne Mitleid. In: Lexikon des internationalen Films. Zweitausendeins, abgerufen am 30. April 2017.Vorlage:LdiF/Wartung/Zugriff verwendet