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Sorry We Missed You

Filmdrama von Ken Loach aus dem Jahr 2019

Sorry We Missed You ist ein Filmdrama von Ken Loach, das am 16. Mai 2019 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere feierte und hier im Wettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte.

Filmdaten
OriginaltitelSorry We Missed You
ProduktionslandVereinigtes Königreich, Frankreich, Belgien
OriginalspracheEnglisch
Erscheinungsjahr2019
Länge100 Minuten
Stab
RegieKen Loach
DrehbuchPaul Laverty
ProduktionRebecca O’Brien
MusikGeorge Fenton
KameraRobbie Ryan
SchnittJonathan Morris
Besetzung

HandlungBearbeiten

Ricky Turner und seine Familie kämpfen gegen die Folgen der Finanzkrise des Jahres 2008. Die Familie hat Schulden, und als der Vater einen neuen Van bekommt, bietet sich ihnen endlich die Chance, die Misere zu beenden. Er will ein Franchise als selbstständiger Fahrer eines Lieferservices betreiben und hofft, hierdurch ein wenig von seiner Unabhängigkeit zurückzuerlangen. Doch die Bedingungen in der schönen neuen Arbeitswelt sind gnadenlos. Rickys neuer Job ist härter als gedacht, aber auch die Arbeit seiner Frau Abbie als Krankenschwester ist nicht einfach.

ProduktionBearbeiten

Regie führte Ken Loach, das Drehbuch stammt von Paul Laverty.

Die Dreharbeiten fanden in Byker in Newcastle upon Tyne, hier unter anderem in der Shields Road[1], und auf dem Gelände von Team Valley in Gateshead im Nordosten von England statt.[2] In Byker hatte Loach bereits Ich, Daniel Blake gedreht, ein Stadtteil, aus dem auch Dave Johns stammt, der Hauptdarsteller des Films[3], in dem es ebenfalls um Armutsbekämpfung, den Überlebenskampf und grundlegenden Menschenrechte ging.[2] Es schien Loach eine gute Idee zu sein, ähnliche Handlungsorte zu verwenden, mit Menschen vor dem gleiche kulturellen Hintergrund.[2] Tim Lindemann von epd Film bemerkt, Loach, der zum Ende der 1980er Jahre den realistischen Stil der britischen New Wave zurück in die Kinos brachte, erzähle seit gut 50 Jahren brillant von der Härte des Lebens am unteren Ende des sozialen Spektrums, wie zuletzt im Drama Ich, Daniel Blake, die er als eine authentische Repräsentation prekärer Lebensumstände beschreibt.[4]

Die Filmmusik wird von George Fenton komponiert, mit dem Loach bereits bei mehreren seiner Filme zusammengearbeitet hatte, zuletzt bei Angels’ Share – Ein Schluck für die Engel und Ich, Daniel Blake.[5]

Der Film feierte am 16. Mai 2019 im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele von Cannes seine Premiere, wo er im Wettbewerb um die Goldene Palme konkurrierte. Im August 2019 wurde er beim Melbourne International Film Festival vorgestellt.[6] Im September 2019 soll der Film beim Toronto International Film Festival im Rahmen der Sektion Masters gezeigt und im gleichen Monat im Rahmen der Filmkunstmesse Leipzig vorgestellt werden.[7] Ende September, Anfang Oktober 2019 soll der Film beim Filmfest Hamburg vorgestellt werden.[8] Ein Kinostart in Frankreich ist am 23. Oktober 2019 geplant, in Deutschland am 14. November 2019[9], ebenso in den Niederlanden. Im Vereinigten Königreich wird der Film von Entertainment One vertrieben.[10]

RezeptionBearbeiten

KritikenBearbeiten

 
Ken Loachbei der Premiere des Films im Mai 2019 in Cannes

In der bei Screen veröffentlichten Kritikerumfrage zu den Festivalbeiträgen in Cannes erhielt er 2,5 von 4 möglichen Punkten.[11]

Andreas Busche vom Tagesspiegel schreibt, Ken Loachs Film über den Überlebenskampf einer Familie aus der unteren Mittelschicht gehöre zu seinen schönsten Arbeiten der letzten Zeit: „Unaufgeregt und frei von Klassenpathos erzählt Loach mit poröser Menschlichkeit, die sich allein dank emphatischer Alltagsbeobachtungen einstellt. Es gibt keine Krisen zu bewältigen, der Alltag selbst ist eine einzige Krisensituation. Das Geld reicht in dem Doppelverdienerhaushalt kaum aus, um über die Runden zu kommen.“[12]

Michael Meyns von der Gilde deutscher Filmkunsttheater schreibt, Loach stelle seinen Figuren, wie im Buch Hiob, ein Hindernis nach dem anderen in den Weg und sei gerade dadurch so hart, gesellschaftskritisch und vor allem realistisch wie nie zuvor: "Mit größter Genauigkeit beschreibt Loach die Strukturen der modernen Gig Economy, bei der Arbeitnehmern die Vorzüge der Selbstständigkeit vorgegaukelt werden, die jedoch in Wirklichkeit zu einer Reduzierung von Sozialstandards und Arbeiterrechten führt." Im neoliberalen Streben nach ständiger Optimierung und Einsparung, würden im Film alle Mittel angewandt, um Arbeitnehmer zu benachteiligen, so die mobile Krankenschwester Abbie, die etwa nicht nach Stunden bezahlt werde, sondern pro Patienten, so Meyns. Er lasse die Familie immer weiter in die Krise schlittern, Rickys Jähzorn werde immer stärker, die Arbeitszeiten der Eltern immer länger, so dass zudem die beiden Kinder immer mehr vernachlässigt werden. Schuld an dem Übel sei jedoch niemand Bestimmtes, selbst Rickys Chef beim Paketdienst sei nur Teil eines Systems, das im Streben nach Gewinnmaximierung längst die Menschlichkeit verloren hat. Auch wenn der Schauplatz von Sorry We Missed You England sein mag, könne man die Strukturen in ganz Europa finden, in allen Ländern, in denen Sozialsysteme zunehmend schwächer werden und Profitdenken längst alles überstrahlender Raison d'être geworden ist, so Meyns.[13]

AuszeichnungenBearbeiten

Der Film befindet sich in einer Vorauswahl für den Europäischen Filmpreis 2019.[14][15] Im Folgenden weitere Nominierungen.

European Film Festival Palić 2019

  • Nominierung als Bester Film für den Golden Tower (Ken Loach)[16]

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2019

WeblinksBearbeiten

  Commons: Sorry We Missed You – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Killian Fox: Interview: Dave Johns: 'I was about to pack it in when Ken Loach got in touch'. In: The Guardian, 13. August 2017.
  2. a b c Barbara Hodgson: See Ken Loach back in action in Newcastle with new film after success of I, Daniel Blake. In: chroniclelive.co.uk, 7. Januar 2019.
  3. Ken Loach im Interview: Fruchtbar. In: derFreitag, 24. November 2016.
  4. Till Lindemann: Tristes Leben, starkes Kino: Der neue britische Sozialrealismus. In: epd Film, 23. April 2019.
  5. https://filmmusicreporter.com/2019/04/17/george-fenton-scoring-ken-loachs-sorry-we-missed-you/
  6. . In: miff.com. Abgerufen am 9. Juli 2019.
  7. Marc Mensch: Viel Neues auf der Filmkunstmesse. In: Blickpunkt:Film, 20. August 2019.
  8. Erste Filme. In: filmfesthamburg.de, 30. Juli 2019.
  9. Starttermine Deutschland. In: insidekino.com. Abgerufen am 13. Juli 2019.
  10. Robert Mitchell: New Ken Loach Film, ‘Sorry We Missed You,’ Picked Up by eOne for U.K. In: Variety, 11. September 2018.
  11. Ben Dalton: Screen reveals Cannes 2019 jury grid critics. In: screendaily.com. Abgerufen am 25. Mai 2019.
  12. Andreas Busche: Neue Superhelden in Cannes. In: Der Tagesspiegel, 17. Mai 2019.
  13. https://www.programmkino.de/content/Filmkritiken/sorry-we-missed-you/
  14. Jochen Müller: Lola-Abräumer in Vorauswahl für Europäischen Filmpreis. In: Blickpunkt:Film, 20. August 2019.
  15. EFA Feature Film Selection. In: europeanfilmawards.eu. Abgerufen am 20. August 2019.
  16. http://www.palicfilmfestival.com/?page_id=53&lang=en