Hauptmenü öffnen

Siemens Mobility

Ein Unternehmen des Siemens-Konzerns
(Weitergeleitet von Siemens Transportation)
Siemens Mobility GmbH

Logo
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1. August 2018
Sitz München
DeutschlandDeutschland Deutschland
Leitung Sabrina Soussan (CEO)
Michael Peter (CEO)
Karl Blaim (CFO)
Mitarbeiterzahl 28.800[1]
Umsatz 8,7 Mrd. Euro[2]
Branche Verkehrstechnik
Website Siemens Mobility
Stand: 2018

Verwaltungsgebäude der Siemens Mobility GmbH am Standort Krefeld-Uerdingen

Siemens Mobility ist eine Strategic Company des Siemens-Konzerns.[3] Seit dem 1. August 2018 ist sie als eigenständige Siemens Mobility GmbH organisiert. Der Gesellschaft ist auch das internationale Mobilitätsgeschäft des Konzerns zugeordnet. Sitz der Gesellschaft ist München. Alleiniger Gesellschafter ist die Siemens AG.

OrganisationBearbeiten

 
Spanischer Velaro
 
Desiro Classic Baureihe 5022 der ÖBB
 
Combino-Straßenbahn in Bern
 
Siemens ES64F4 in Werkslackierung von Siemens Transportation
 
Triebwagen 8 der FOTG von 1884 im Frankfurter Verkehrsmuseum

Innerhalb der Siemens Mobility gibt es vier Business Units:[4]

  • Mobility Management: Signal- und Leittechnik für den Bahnverkehr; Straßenverkehrssteuerungs- und informationssysteme, Parkraum-Management sowie elektronische Bezahl- und Mautsysteme
  • Turnkey Projects & Electrification: Planung und Errichtung schlüsselfertiger Bahn-Gesamtanlagen; Bahnelektrifizierung
  • Rolling Stock: Fahrzeuge für den Schienenverkehr: Regional-, Intercity- und Hochgeschwindigkeitstriebzüge, U-Bahnen, Straßen- und Stadtbahnen, Reisezugwagen, Fahrzeuge für den fahrerlosen Betrieb und Lokomotiven
  • Customer Services: Instandhaltungs- und Serviceleistungen für Fahrzeuge und Infrastruktur

GeschichteBearbeiten

Seit Gründung des Geschäftsbereichs Verkehrstechnik der Siemens AG im Jahr 1989 wurde der Bereich mehrfach umorganisiert.
Siehe auch: Geschichte der Siemens AG

Im Geschäftsjahr 1996/97 erwirtschaftete der Unternehmensbereich Verkehrstechnik (VT) einen Verlust von 177 Millionen DM. Der Umsatz war auf 4,1 Milliarden zurückgegangen, der Auftragseingang auf einen Rekordwert von 7,1 Milliarden DM angestiegen.[5]

Ab Ende 2000 / Anfang 2001 trat das Unternehmen unter der Bezeichnung Transportation Systems auf, um die internationale Verständlichkeit zu verbessern. Auch die Geschäftsgebiete erhielten dabei englische Bezeichnungen: Automation Railways (Betriebsführungssysteme Fernverkehr), Automation Mass Transit (Betriebsführungssysteme Nahverkehr), Electrification (Bahnelektrifizierung), Turnkey Systems (Gesamtanlagen), Locomotives (Lokomotiven) und Trains (Triebzüge).[6]

Im Geschäftsjahr 2002 erzielte der Bereich mit 17.100 Mitarbeitern einen Umsatz von 4,367 Milliarden Euro. Das EBIT lag bei 247 Millionen Euro. Der Auftragseingang lag bei 5,247 Milliarden Euro einschließlich eines Rekordauftrags für die Lieferung von 1.200 Desiro-UK-Regionaltriebzügen in Höhe von 1,6 Milliarden Euro[7]. Infolge von Garantieansprüchen aus den Combino-Straßenbahn-Fahrzeugen verbuchte die Sparte im zweiten Quartal 2004 einen operativen Verlust von 289 Millionen Euro; die Sonderbelastungen wurden auf insgesamt 364 Millionen Euro beziffert[8].

Vom 1. Januar 2008 bis zum 30. September 2011 war die in Mobility (MO) umbenannte Division ein Teil des Siemens Sektor Industry. Ab dem 1. Oktober 2011 wurde das Geschäft auf die beiden Divisionen Rail Systems (RL) und Mobility and Logistics (MOL) aufgeteilt und Teil des neu gegründeten Siemens-Sektors Infrastructure & Cities. Zum 1. Oktober 2014 wurde die übergeordnete Sektor-Ebene abgeschafft und der Unternehmensbereich tritt wieder gemeinsam unterm dem Namen Mobility auf.

Im November 2012 erwarb Siemens für 1,7 Milliarden Britische Pfund Invensys Rail.[9] Siemens erwarb damit auch Kompetenzen zum Bau von ETCS-Streckenausrüstung.[10]

Gescheiterte Fusion mit AlstomBearbeiten

Im September 2017 gaben Siemens AG und Alstom S.A. bekannt, ihre jeweiligen Bahntechnikaktivitäten zusammenlegen zu wollen. Dabei sollte die börsennotierte Alstom S.A. den Kern einer fusionierten Siemens-Alstom S.A. bilden. Siemens wollte an diesem erweiterten börsennotierten Unternehmen knapp über 50 Prozent und damit die Kontrolle über das fusionierte Unternehmen übernehmen.

In Vorbereitung der Fusion wurde die Division Mobility zum 1. August 2018 samt zugehörigen Konzernfunktionen wie Personal, Controlling etc., aus der Siemens AG herausgelöst. Seitdem agiert sie als eigenständige Siemens Mobility GmbH[11] und sollte im weiteren Verlauf der Fusion auf Alstom übergehen. Zunächst blieb sie aber vollständig im Besitz der Siemens AG.

Am 6. Februar 2019 untersagte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager die Fusion, da sich diese negativ auf den Binnenwettbewerb und somit letztlich auch auf die Verbraucher auswirken würde.[12] Die geplante Fusion konnte nicht vollendet werden. Somit bleibt die Siemens Mobility GmbH als 100%-Tochter der Siemens AG Teil des Siemenskonzerns.

SchienenfahrzeugeBearbeiten

Bereits 1879 präsentierte Werner von Siemens auf der Berliner Gewerbeausstellung die erste elektrische Lokomotive. 1881 wurde die von Siemens gebaute, erste elektrische Straßenbahn in Berlin-Lichterfelde eröffnet, bevor 1882 mit dem Elektromote der erste Vorläufer des Oberleitungsbusses folgte. Aus diesen Anfängen kristallisierte sich ein selbstständiger Geschäftsbereich heraus.

Siemens & Halske baute unter anderem den elektrischen Antrieb der ersten kommerziell betriebenen Straßenbahn-Triebwagen der Lokalbahn Mödling–Hinterbrühl (SB Tw 1–15) und der Frankfurt-Offenbacher Trambahn-Gesellschaft (FOTG) sowie die elektrischen Bestandteile der Streckentechnik. Der mechanische Teil und die Wagenkästen der Triebwagen und Beiwagen der FOTG wurde von der Waggonfabrik P. Herbrand & Cie in Köln-Ehrenfeld hergestellt.

NahverkehrBearbeiten

Im Bereich Mass Transit werden Stadtbahn- und Straßenbahnzüge (wie CitySprinter, VAL, Combino, Avanto, Avenio und ULF) sowie Fahrzeuge für S-Bahnen und U-Bahnen angeboten. Auch Großkabinen für verschiedene H-Bahn-Systeme gehören zum Produktportfolio.

LokomotivenBearbeiten

Der Bereich Locomotives stellte beispielsweise Lokomotiven der Baureihen 152 und 189 der DB AG her. Heute werden in Europa vor allem die zwei Lokfamilien VECTRON und VECTRON DE angeboten.

TriebzügeBearbeiten

Der Bereich Trains bietet eine Palette von Triebzügen für den Regional- und Hochgeschwindigkeitsbereich an.

Siemens TS war am Bau der Hochgeschwindigkeitszüge InterCityExpress (ICE 1 und ICE 2) für die Deutsche Bahn AG beteiligt. Seit 2007 verbindet der im Werk in Krefeld-Uerdingen (einst Waggonfabrik Uerdingen/ DUEWAG) produzierte Velaro E die spanischen Städte Barcelona und Madrid. Im November 2005 wurde ein Vertrag über die Lieferung von 60 Hochgeschwindigkeitszügen für China unterschrieben. Diese Züge basieren auf der Velaro-Platform und werden ab dem vierten Zug größtenteils in China produziert. Des Weiteren wird seit 2008 eine an die lokalen Gegebenheiten (z. B. Außentemperatur bis −50 °C, Breitspur, höherer Führerstand) angepasste Variante als Siemens Velaro RUS in Russland auf der Bahnstrecke Sankt Petersburg–Moskau sowie zwischen Moskau und Nishnij Nowgorod eingesetzt.

Ein weiteres eingetragenes Warenzeichen ist der Desiro, der bei verschiedenen britischen Bahngesellschaften wie z. B. bei South West Trains im Einsatz ist. Im Jahr 2006/2007 wurden auch Züge für Suvarnabhumi Airport Rail Link in Bangkok gebaut. In Deutschland verkehrt der Desiro Classic als Baureihe 642 (Dieselversion) bei verschiedenen Bahnverkehrsunternehmen sowie als Desiro Mainline – ein elektrischer Triebzug für den Regionalverkehr. Diese Classic-Version wurde und wird in für die Länder angepassten Versionen hergestellt, z. B. für Österreich, Rumänien, Ungarn, Bulgarien und Griechenland.

BahninfrastrukturBearbeiten

Bei den Bahninfrastruktursystemen bietet Siemens Mobility als ein führendes Unternehmen ein breites Spektrum an.

ElektrifizierungBearbeiten

Für den Betrieb der Elektrolokomotiven und Straßenbahnen fertigt Siemens Mobility Bahnstromsysteme, liefert Komponenten für Fahrleitungen und bietet deren Montage an.

BahnautomatisierungBearbeiten

 
Gleismagnet für die Punktförmige Zugbeeinflussung von Siemens
 
Achszähler von Siemens

Das Stammhaus (Sitz der Leitung) des Bereichs/der Business Unit Mobility Management (vormalig: Rail Automation) ist das Siemens-Werk Braunschweig, das auf die 1873 gegründete Eisenbahnsignal-Bauanstalt Max Jüdel & Co. zurückgeht. Heute gehören folgende Produkte zu diesem Bereich:

Neben konventioneller Verkehrstechnik gibt es folgende Produkte:

  • Im Konsortium mit ThyssenKrupp: Infrastruktursysteme und Fahrzeuge für die Magnetschwebebahn Transrapid
  • Fahrerlose Züge im öffentlichen Personennahverkehr, z. B. das Produkt „VAL“ (Véhicule automatique léger) von Siemens Mobility Frankreich, oder das U-Bahn-Projekt RUBIN

DienstleistungenBearbeiten

Zu den angebotenen Dienstleistungen gehören Wartungsverträge. Der Bereich Lokvermietung (Dispolok) wurde 2006 an Mitsui & Co. Ltd. verkauft und mit dem Leasinggeschäft von Mitsui Rail Capital Europe zu MRCE Dispolok zusammengelegt. Weiterhin führt Siemens Mobility die Planung und Integration schlüsselfertiger Neubaustrecken durch. Auch Finanzierungen größerer Eisenbahnprojekte können direkt beigesteuert werden. Für Schulungen im Bereich Verkehrstechnik gibt es eine „Rail Automation Academy“ (früher „Schule für Verkehrstechnik“) in Braunschweig und Berlin, so wie und eine „Rolling Stock Academy“, die zusammen als „TS Academy“ interne und teilweise externe Schulungen anbieten. Ersatzteile für das gesamte Produktspektrum werden auf dem Internetmarktplatz Rail Mall angeboten.

StraßenverkehrstechnikBearbeiten

 
Verkehrsrechner „Sitraffic Scala“ der Stadt Köln, 2018

Das Segment Intelligent Traffic Systems (ITS) bietet Produkte und Systeme für den straßengebundenen Verkehr. In den drei Subsegmenten Urban und Interurban und „Electronic Tolling“ bietet Siemens Lösungen für die Verkehrssteuerung und das Verkehrsmanagement von ruhendem und fließendem Verkehr. Dazu gehören z. B. Lichtsignalanlagen (Ampelanlagen), Parkhaustechnik, Parkscheinautomaten, inner- und außerstädtische Steuer- und Leitzentralen (Verkehrsrechner, Netz-, Autobahn-, und Tunnelsteuerung), sowie inner- und außerstädtische Mautlösungen, Umweltmanagement und Detektion. Als Dienstleistungen bietet ITS z. B. Verkehrsplanung, -umsetzung, Wartungsservice und Training an.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Mitarbeiter Siemens nach Geschäftsbereichen, abgerufen am 9. November 2019
  2. Geschäftsbericht Siemens AG 2018, abgerufen am 9. November 2019
  3. Unternehemensstruktur Siemens AG. Siemens AG, abgerufen am 1. November 2019.
  4. Siemens AG: Unser Geschäft - Shaping connected mobility. Abgerufen am 17. November 2019.
  5. Meldung Rote Zahlen bei Siemens Verkehrstechnik. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 4/1998, S. 103, ISSN 1421-2811
  6. Meldung Siemens: Internationale Firmierung. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 2/2001, S. 57, ISSN 1421-2811
  7. Meldung Jahrespressekonferenz von Siemens Transportation Systems. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 1/2003, S. 36, ISSN 1421-2811
  8. Meldung Siemens spürt Combino-Problem. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 7/2004, S. 324, ISSN 1421-2811
  9. Proposed disposal of Invensys’s Rail Division for £1,742 million, agreement with Trustee of Invensys’s UK Pension Scheme, proposed £625 million return of capital and strategy for the more focused continuing Group. (PDF) Pressemitteilung. Invensys, 28. November 2012, archiviert vom Original am 6. Februar 2013; abgerufen am 10. Juni 2014 (englisch).
  10. Auch Deutschland mit ETCS Level 2. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 2, 2016, ISSN 1421-2811, S. 76–78.
  11. IG Metall: Fusion Siemens Mobility und Alstom. Abgerufen am 1. August 2018.
  12. EU-Kommission untersagt Bahnfusion. ORF, 6. Februar 2019, abgerufen am selben Tage.