Schirmmütze (Bundeswehr)

Schirmmütze der Bundeswehr

Die Schirmmütze (auch: Dienstmütze[1]) ist eine der Kopfbedeckungen der Bundeswehr. Für viele Marineuniformträger[A 1] ist die Schirmmütze die gewöhnliche Kopfbedeckung zum Dienstanzug. Seltener wird die Schirmmütze von Luftwaffen-[A 1] und Heeresuniformträgern[A 1] getragen, wo meist stattdessen Barett, Bergmütze oder Schiffchen vorgezogen werden. Die Schirmmütze wird überwiegend nur zum Dienst- und Gesellschaftsanzug getragen. Die Ausführung und die Schirmapplikationen erlauben meist die Zuordnung des Soldaten zu einer Teilstreitkraft oder Dienstgradgruppe.

Schirmmütze für Heeresuniformträger der Dienstgradgruppen Leutnante, Hauptleute und für den Dienstgrad Oberfähnrich
Schirmmützen für Heeresuniformträger der Dienstgradgruppe Generale

RechtsgrundlagenBearbeiten

Die Schirmmütze ist Teil der Uniform der Bundeswehr und daher durch ihre Relevanz im Völkerrecht besonders reglementiert. Maßgebliche gesetzliche Grundlage für Trageweise und Gestaltung ist die Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten[2], die auch einige konkrete Bestimmungen über die zu tragenden Schirmmützen enthält. Konkrete Bestimmungen zur Ausführung und den Tragebestimmungen regelt die Zentralrichtlinie A2-2630/0-0-5 „Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr“,[3] die die bis 2015 maßgeblichen Bestimmungen der Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 37/10 „Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr“ inhaltlich im Wesentlichen kaum verändert fortführt.[4] Die detaillierte Ausführung beschreiben mehrere vom Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr herausgegebenen Technische Lieferbedingungen.[1][5][6][7][8]

TragebestimmungenBearbeiten

 
Heeresschirmmützen für alle Dienstgradgruppen Stand 2018[9]
 
Flottillenadmiral Markus Krause-Traudes mit der Schirmmütze für Admirale
 
Feierliches Gelöbnis: im Vordergrund rechts Feldjäger im Feldanzug mit Weißzeug und weißbezogener Schirmmütze

Gemäß der Zentralrichtlinie A2-2630/0-0-5 „Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr“[3] kann die Schirmmütze Kopfbedeckung zur Grundform und verschiedener Abwandlungen der Uniform der Bundeswehr sein. Soldaten tragen die Schirmmütze in folgender Kombination:

  • Dienstanzug:
    • Marineuniformträger (nur Marineuniform tragende Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften ab dem 30. Lebensjahr)
    • Luftwaffenuniformträger (nur Luftwaffenuniform tragende Offiziere und Unteroffiziere)
      • zur Grundform, zur abgewandelten Grundform und allen Kombinationen des blauen Dienstanzuges, aber nicht in Verbindung mit dem blauen Pullover
      • zur abgewandelten Grundform des sandfarbenen Sommeranzuges, jedoch nicht in Verbindung mit dem blauen Pullover
    • Heeresuniformträger
      • zur abgewandelten Grundform des grauen Dienstanzuges (Schirmmützen müssen selber beschafft werden, da nicht fiskalisch bereitgestellt.[A 2])
      • zur abgewandelten Grundform des grauen Dienstanzuges in Verbindung mit Weiß- oder Schwarzzeug und weißem Mützenbezug (nur Heeresuniformträger der Truppengattung Feldjägertruppe im Feldjägerdienst unabhängig vom Dienstgrad)
  • zur ergänzten Grundform des Gesellschaftsanzugs (nur männliche Offiziere und Unteroffiziere aller Uniformträgerbereiche):
  • zur abgewandelten Grundform des 5-Farb-Tarndruck-Feldanzugs (nur Heeresuniformträger der Truppengattung Feldjägertruppe im Feldjägerdienst unabhängig vom Dienstgrad in Verbindung mit Weiß- oder Schwarzzeug und weißem Mützenbezug)[4]

Gebrauch in der PraxisBearbeiten

 
Mit Ausnahmegenehmigung trugen entgegen der ZDv 37/10 selten auch Mannschaften die Schirmmütze, hier Obergefreiter Benjamin Winter in einer abgewandelten Luftwaffenuniform mit vorschriftswidrigen silberfarbenem (statt hellaltgoldenem) Streitkräfteabzeichen

Die Schirmmütze ist nach Zentralrichtlinie A2-2630/0-0-5 (ausgenommen die Varianten für den Feldjägerdienst) ausdrücklich nicht Teil des Ausstattungssolls für Heeres- und Luftwaffenuniformträger. Zum Dienstanzug ist die Schirmmütze für alle Heeresuniformträger dennoch ausdrücklich zugelassen, wenn nicht explizit durch Vorgesetzte anders befohlen. Die alleinige Trageerlaubnis aus der ZDv 37/10 für Teilselbsteinkleider- und Selbsteinkleider entfällt mit der Zentralrichtlinie A2-2630/0-0-5.[10] Heeresuniformträger können die Schirmmütze in jeder denkbaren Anzugart durch andere Kopfbedeckungen ersetzen.[4] Insgesamt ist die Schirmmütze im Heer daher sehr selten und wird meist durch Bergmütze oder Barett ersetzt. Selbst im Feldjägerdienst, wo die Schirmmütze mit weißem Bezug dienstlich ausgegeben werden kann und wo sie früher analog zur Kopfbedeckung der deutschen Polizeiuniformen beispielsweise bei Verkehrskontrollen oder im Ordnungsdienst häufig getragen wurde, ist die Schirmmütze mittlerweile eine selten gewordene Kopfbedeckung.

Auch im Fall der Luftwaffenuniformträger ist das Tragen der Schirmmütze in keiner der oben beschriebenen Anzugarten die einzige zulässige Kopfbedeckung. Sie wird nicht dienstlich geliefert. Luftwaffenuniformträger ersetzen daher die Schirmmütze durch Schiffchen oder Barett.

Für Marineuniformträger ist die Schirmmütze dagegen eine weitverbreitete Kopfbedeckung und gehört bei Mannschaften ab dem 30. Lebensjahr, Unteroffizieren und Offizieren zum Ausstattungssoll.

AusführungBearbeiten

 
Ausführung für Unteroffiziere in Marineuniform (außer Oberfähnriche zur See)

AllgemeinesBearbeiten

Da die Schirmmütze für Heeresuniform- und Luftwaffenuniformträger in der Regel nicht mehr zum Ausstattungssoll zählt, ist ihr genaues Aussehen nicht mehr in aktuellen Technischen Lieferbedingungen normiert. Daher ist die Fertigung auf die Reproduktion der früher dienstlich ausgegebenen Schirmmützen sowie den Abbildungen in der ZDv 37/10 abzustellen. Im Wesentlichen können die bis heute durch Technische Lieferbedingungen normierten Fertigungsbeschreibungen der Dienstmützen für Marineuniformträger (im Wesentlichen die TL 8405-0167[5] und TL 8405-0171[6]) oder für Feldjäger (TL 8405-0180[7] und TL 8405-0181[8]) zu Grunde gelegt werden. Auf Grund der angedeuteten lückenhaften Vorschriftenlage und fehlender Konstruktionsbeschreibungen sind die in der Truppe von Heeres- und Luftwaffenuniformträgern getragenen Ausführungen in verschiedensten Ausführungen anzutreffen. Nach Maßgabe der genannten Lieferbedingungen ist die Schirmmütze der Bundeswehr eine im Wesentlichen aus einem formprägenden Mützengestell mit halbrunden Schirm und einem daran mittels eines Bügels zu befestigenden Mützenbezug zu fertigen. Der Mützenbezug ist in dieser Variante zur Reinigung abnehmbar. Bei vielen hochwertigeren Modellen mit meist dunkleren und daher unempfindlicheren Oberstoffen gibt es aber auch fest miteinander verbundene Ausführungen.[5][6][7][8]

Das in seiner Grundfarbe wie der Serge des Dienstanzuges (Hellgrau, Blaugrau, Blau für Heeres-, Luftwaffen- bzw. Marineuniformträger) ausgeführte Mützengestell ist umlaufend von einem 4 cm breiten Randband umgeben (abgesetzt in anthrazit für die Heeresuniformträger oder im selben Farbton wie die Grundfarbe des Mützengestells für Luftwaffen- und Marineuniformträger), das oben und unten durch Randbiesen (zu deren Ausführung siehe unten) begrenzt wird. Am unteren Rand des Randbandes und auf dem Mützenschirm liegt ein Sturmriemen aus schwarzem Lackleder mit 2 Schiebern (Breite 14 mm) auf, der nur noch der Zierde dient. Der Kinnriemen wird beidseitig durch Metallknöpfe (goldfarben für Marineuniformträger und Generale, sonst silberfarben) am Mützengestell gehalten. Die vorne mittig am Mützengestell angebrachte Stütze, die vom Bezug überdeckt wird, verleiht der Schirmmütze ihre charakteristische Spitzform und schafft die Fläche auf der die Kokarde (siehe unten) und das Streitkräfteabzeichen (siehe unten) am Mützenbezug fixiert werden. Das Streitkräfteabzeichen liegt an der unteren Randbiese an, wird unten teils durch den Riemen verdeckt und reicht oben deutlich über das Randband hinaus und berührt fast die Kokarde. Die auf ein Trägermaterial in der Farbe des Grundstoffs der Mütze gestickten Streitkräfteabzeichen werden unten fest auf das Randband aufgenäht, während der über das Randband reichende obere Teil mit dem Mützenbezug entweder nicht oder leicht lösbar verbunden wird, wenn ein Austausch des Mützenbezugs vorgesehen ist. Vorne unterhalb des Randbandes ist der Schirm angebracht (siehe unten). Die Naht zwischen Seitenteilen und Boden des Bezuges ist für Unteroffiziere in Luftwaffenuniform, sowie für Offiziere und Oberfähnriche in Heeres- und Luftwaffenuniform mit einer farblich abgesetzten Biese verziert (siehe unten). Der Mützenbezug ist für Luftwaffen- und Heeresuniformträger (außer der Version für den Feldjägerdienst) jeweils in der Grundfarbe des Mützengestells (grau, blaugrau) ausgeführt. Die Bezüge für Marineuniformträger und Feldjäger für den Feldjägerdienst sind weiß.[5][6][7][8][11]

SchirmBearbeiten

An der Vorderseite, unterhalb des Randbandes ist der halbrunde Schirm (Breite maximal 55 mm) angebracht.

Für Mannschaften und Unteroffiziere (außer für Oberfähnriche) ist der Schirm ein glatter schwarzer Lackschirm mit grauer Unterseite. Diese Variante des Schirms ist unbestickt.

Die Oberseite der Schirme für Offiziere und Oberfähnriche sind im selben Serge wie die übrige Mütze ausgeführt (Hellgrau, Blaugrau oder Blau für Heeres- bzw. Luftwaffen- bzw. Marineuniformträger) und entsprechend der Dienstgradgruppe und Uniformträgerbereich des Trägers bestickt (siehe unten). Die vordere Kante des Schirms für Offiziere (außer Generale) und Oberfähnriche ist in schwarzem Lackplastikmaterial (Breite: 6 mm) gefasst. Die Unterseite der Schirme für alle Offiziere (außer Generale) und Oberfähnriche ist in Rindleder ausgeführt; bei Generalen gleicht der Bezug der Unterseite der Oberseite.[5][6][7][8][11]

SchirmstickereienBearbeiten

Während Mannschaften und Unteroffiziere den Mützenschirm unbestickt wie oben beschrieben tragen, ist der Mützenschirm der Oberfähnriche (zur See) und der Offiziere abhängig von Dienstgrad bzw. Dienstgradgruppe mit verschiedenartigen Handstickereien in Form einer Eichenlaubstickerei bzw. einer halbmondförmigen Stickerei verziert. Die Stickerei verläuft am Schirmrand und ist aus Metallgespinst gefertigt. Für Generale und Marineuniformträger ist die Stickerei stets goldfarben, für alle sonstigen Heeres- und Luftwaffenuniformträger silberfarben.[4] Die Silberfarbe wird durch ein Spinnplätt mit Aluminiumdrahtanteil bewirkt. Die goldfarbenen Stickfäden erhalten ihre Farbe teils durch eine Echtgold- und Echtsilberauflage, zum Teil auch durch eine gelblackierte Silberauflage.[11]

Bei Generalen ist die Stickerei in Form einer 1,4 cm breiten, doppelten, gegeneinander gerichteten Eichenlaubranke ausgeführt; für Admirale beträgt die Breite 1,7 cm ist aber ansonsten identisch. Für Stabsoffiziere ist die Stickerei in Form einer 1,7 cm breiten, einfachen, gegeneinander gerichteten Eichenlaubranke ausgeführt. Die Ausführung für alle anderen Offiziere (Leutnante und Hauptleute) sowie für Oberfähnriche (zur See) ist 0,7 cm breit und zeigt einen stumpfgezackten Streifen in Form einer Kette aus 24 halbmondförmigen und an den Enden lang uns spitz auslaufenden Gliedern mit vorgelegter Kantillenstickerei.[4][11] Da die Bestickung des Mützenschirms für Marineoffiziere nach Form und Farbe Assoziationen mit dem Rand eines bekannten Butterkeks hervorrufen kann, wird diese Stickerei scherzhaft auch als „Keksrand“ bezeichnet.

MützenbiesenBearbeiten

Für Heeres- und Luftwaffenuniformträger sind die Nähte der Teile der Schirmmütze teils durch Biesen verziert. Die Deckelbiese verläuft in der Naht zwischen Deckel und Seitenteilen des Mützenbezuges um die gesamte Schirmmütze herum. Die Randbiese bildet den oberen und unteren Rand des umlaufenden Randbandes. Generale tragen eine Deckelbiese und zwei Randbiesen aus goldfarbenem Metallgespinst; alle anderen Offiziere und Oberfähnriche tragen ebensolche Randbiesen aus silberfarbenen Metallgespinst. Alle anderen Unteroffiziere in Luftwaffenuniform tragen eine goldgelbe Deckelbiese; alle anderen Unteroffiziere in Heeresuniform tragen seit 2014 eine hellaltgoldene Deckelbiese. Goldgelb wird für Luftwaffenuniformträger im Sinne einer Waffenfarbe verwendet.[4]

MützenabzeichenBearbeiten

KokardeBearbeiten

 
metallgeprägte Kokarde für Unteroffiziere (außer Oberfähnriche) und Mannschaften

Vorne, 3 cm unter dem oberen Rand der Schirmmütze wird (ggf. auf der Naht der Seitenteile) die Kokarde (Durchmesser 2,1 cm) in den Farben schwarz-rot-gold (von innen nach außen) angebracht. Für Offiziere und Oberfähnriche (zur See) ist die Kokarde handgestickt. Die Ausführung für andere Unteroffiziere und Mannschaften ist metallgeprägt. Unteroffiziere dürfen aber handgestickte Kokarden tragen, wenn sie diese selbst beschaffen.[4][12][13][2]

StreitkräfteabzeichenBearbeiten

Über der Mitte des Mützenschirms, unterhalb der Kokarde und unmittelbar über der untersten Randbiese wird auf dem Randband der Schirmmütze ein je nach Uniformträgerbereich verschiedenartiges Abzeichen angebracht, das sich in der Ausführung je nach Dienstgrad des Trägers teils unterscheidet.[4] Die Bezeichnung lautet „Abzeichen, Dienstmütze“[1] oder „Streitkräfteabzeichen“.[5][2]

Das Abzeichen für Heeresuniformträger (ca. 75 × 45 mm) stellt zwei gekreuzte, nach oben zeigende Säbel mit Eichenlaubumrandung dar. Für Luftwaffenuniformträger ist eine Doppelschwinge mit Eichenlaubumrandung abgebildet; die Maße betragen ca. 75 × 45 mm. Für Heeres- und Luftwaffenuniformträger sind die Abzeichen für Generale goldfarben und handgestickt mittels Metallgespinst ausgeführt. Alle anderen Offiziere und Oberfähnriche (zur See) in Heeres- oder Luftwaffenuniform tragen handgestickte silberfarbenen Abzeichen aus Metallgespinst. Unteroffiziere (außer Oberfähnriche) und Mannschaften in Heeres- oder Luftwaffenuniform tragen die Abzeichen als hellaltgoldfarbene Metallprägung.[2][4][1][14]

Das Abzeichen für Marineuniformträger (ca. 55 × 45 mm) zeigt einen goldfarbenen unklaren Anker (ein Anker mit am Schäkel befestigten Tau) mit Eichenlaubumrandung. Für Offiziere und Oberfähnriche zur See ist das Abzeichen handgestickt, für alle sonstigen Marineuniformträger metallgeprägt; Unteroffiziere dürfen aber selbstbeschaffte, handgestickte Abzeichen anbringen.[4][1][14][2]

Die silberne Farbgebung der Stickfäden wird durch Aluminiumdrahtanteile erreicht; bei den goldfarbenen Fäden handelt es sich um ein Metallgespinst mit einem Anteil aus Silberdraht, der mit Echtgold belegt wird.[1]

GeschichteBearbeiten

Vorläufer in früheren deutschen StreitkräftenBearbeiten

 
Schirmmützen der Reichswehr (links) und der Wehrmacht

Vorbild der heutigen Schirmmütze in deutschen Streitkräften waren die ab 1934 in der Wehrmacht ausgegebenen Schirmmützen,[15] die ihrerseits bereits Vorläufer in der Dienstmütze der Reichswehr hatte.

BundeswehrBearbeiten

ÜbersichtBearbeiten

 
älteren Versionen der Schirmmützen für Heer, Luftwaffe und Marine vor 1959:[16] unbestickte Schirme, dunkler Bezug für die Marineausführung

Bereits zu den ersten Uniformen der Bundeswehr wurde für Offiziere die Schirmmütze ausgegeben.[15] Insbesondere Farbe und Stoffe wurden im Laufe der Zeit meist einhergehend mit Änderungen der Dienstanzüge mehrfach angepasst. Die Grundfarbe war beispielsweise bis etwa Ende der 1960er Jahre für Heeresuniformträger deutlich dunkler als der seit den 70er Jahren getragene fast hellgraue Serge, der der Farbe der heutigen Jacke des Dienstanzugs entspricht.[17] Das Randband für die Heeres- und Luftwaffenversion changierte zunächst zwischen leicht silbergrau bis kupferfarben. Der Bezug der Marineschirmmütze war bei schlechter Witterung noch blau – nur im Sommer wurde der weiße Bezug aufgezogen. Die aufwendigen Schirmstickereien wurden teils erst mit späteren Änderungen eingeführt – anfangs waren die Schirme meist unbestickt (vgl. unten). Insgesamt ähnelte aber bereits das erste Modell der heutigen Schirmmütze.[15][18] Ab etwa 1963 waren Deckelbiese und die beiden Randbiesen (außer für Offiziere und Oberfähnriche) im Heer und Luftwaffe in Waffenfarbe ausgeführt, was im Rückblick ungewöhnlich bunt erscheint; ab 1975 wurden die waffenfarbigen Paspeln (langsam) ausgesteuert.[17]

Als am 27. April 1971 der Führungsstab des Heeres nach Genehmigung durch den Bundespräsidenten für einige Truppengattungen die Einführung der ersten Barette heutiger Form veranlasste,[19] wurde beginnend im Heer und verzögert auch in der Luftwaffe die Schirmmütze langsam verdrängt. Für Heeresuniformträger ist die Schirmmütze mittlerweile sehr selten. Ihr Gebrauch ist weiter zulässig, entspricht aber nicht mehr der herrschenden Mode.

Geschichte der SchirmstickereienBearbeiten

Zunächst waren nur die Mützenschirme der Offiziere der Dienstgradgruppe der Generale bestickt. Die Stickerei war ähnlich wie heute in Form einer doppelten goldfarbenen Eichenlaubranke ausgeführt.[20] Ab 1959 trugen alle Offiziere der Marine goldfarbene Schirmstickereien.[16] Ab Mitte 1962 erhielten auch alle übrigen Offiziere Eichenlaubstickereien als Verzierung ihrer Mützenschirme.[21] Ab 1966 erhielten die neuen Dienstgrade Oberfähnrich und Oberfähnrich zur See ebenfalls das Recht, entsprechende Schirmapplikationen zu tragen.[22]

WeblinksBearbeiten

Commons: Military peaked caps of the Bundeswehr – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

LiteraturBearbeiten

AnmerkungenBearbeiten

  1. a b c Anmerkung: Die Bundeswehr bezeichnet als Heeres- bzw. Luftwaffen- bzw. Marineuniformträger alle Soldaten, die die Uniform der jeweiligen Teilstreitkraft tragen. Der Begriff umfasst also auch Soldaten außerhalb der drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine, also beispielsweise Soldaten in der Streitkräftebasis oder im Bundesministerium der Verteidigung, vgl. Ausbildung Reserveoffzieranwärterin/ -anwärter im Wehrdienst. Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr (BAPersBw) - Der Präsident, 13. März 2014, abgerufen am 26. März 2014. Die ZDv 37/10 ist an diese neue Begriffe jedoch noch nicht angepasst. Wenn die ZDv 37/10 also Bestimmungen über die Uniform von Heer, Luftwaffe oder Marine trifft, dann sind damit gleichermaßen jeweils alle Heeres-, Luftwaffen- und Marineuniformträger gemeint.
  2. Die Beschaffung und folglich auch das Tragen ist daher im Fall der Heeresuniformträger den „Selbst- und Teilselbsteinkleidern“ vorbehalten. Selbst- und Teilselbsteinkleider sind gemäß den Bestimmungen im Bundesbesoldungsgesetz § 69 a) Offiziere mit Restdienstzeit von mehr als einem Jahr und b) auf Antrag Berufssoldaten und Soldaten auf Zeit in einer anderen Laufbahn als den Laufbahnen der Offiziere mit mindestens 8-jähriger Verpflichtungszeit und einer Restdienstzeit von mindestens vier Jahren. In der Praxis sind daher in der Regel fast ausschließlich Offiziere und Unteroffiziere Teil- oder Selbsteinkleider. Vgl. Bundesbesoldungsgesetz. §69 Dienstkleidung und Unterkunft für Soldaten. juris; Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, abgerufen am 10. Oktober 2018.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f Technische Lieferbedingungen. Abzeichen für Dienstmützen, handgestickt. TL 8455-0011. (PDF) Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, November 2000, abgerufen am 23. März 2015.
  2. a b c d e Der Bundespräsident (Hrsg.): Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten. BPräsUnifAnO. 14. Juli 1978 (PDF – Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten vom 14. Juli 1978 (BGBl. I S. 1067), die zuletzt durch Artikel 1 der Anordnung vom 31. Mai 1996 (BGBl. I S. 746) geändert worden ist).
  3. a b A2-2630/0-0-5. Zentralrichtlinie. Anzugordnung für die Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. (PDF) Zentrum Innere Führung, Abteilung Recht, Bereich RSO, 1. November 2016, abgerufen am 5. Oktober 2018.
  4. a b c d e f g h i j Zusendung der ZDv 37/10 mit Anlagen. In: FragDenStaat.de. Open Knowledge Foundation Deutschland, 13. April 2014, abgerufen am 4. August 2014 (Anfrage gem. IFG/UIG/VIG. Antwort des BMVg enthält u. a. ZDv 37/10 mit Stand vom 27. Januar 2014 und Ergänzungen 01/- und 02/2014). Im Einzelnen:
    1. Hartmut Bagger, Führungsstab der Streitkräfte I 3, Bundesministerium der Verteidigung, SKA DvZentraleBw (Hrsg.): ZDv 37/10. Anzugordnung für die Soldaten der Bundeswehr. Juli 1996. Neudruck von Oktober 2008. DSK F110100003. Bonn, Euskirchen 27. Januar 2014, S. 293 (Digitalisat [PDF; 3,1 MB; abgerufen am 4. August 2014] Neudruck Oktober 2008 ersetzt Erstausgabe von Juli 1996; zuletzt geändert am 27. Januar 2014 (Änderung Nr. 7) durch SKA DvZentraleBw).
    2. Zentrum Innere Führung. Dezernat Recht und Soldatische Ordnung (Hrsg.): Ergänzung/Änderung 01/2014 zur ZDv 37/10. Koblenz 28. Januar 2014, S. 16 (Digitalisat [PDF; 3,1 MB; abgerufen am 4. August 2014]).
    3. Zentrum Innere Führung. Dezernat Recht und Soldatische Ordnung (Hrsg.): Ergänzung/Änderung 02/2014 zur ZDv 37/10. Koblenz 28. April 2014, S. 30 (Digitalisat [PDF; 3,1 MB; abgerufen am 4. August 2014]).
  5. a b c d e f Technische Lieferbedingungen. Mützengestell für Schirmmützen, Marine. TL 8405-0167. (PDF) Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, 27. Oktober 2008, abgerufen am 23. März 2015.
  6. a b c d e Technische Lieferbedingungen. Mützenbezug, weiß, Marine. TL 8405-0171. (PDF) Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, 29. April 2009, abgerufen am 23. März 2015.
  7. a b c d e Technische Lieferbedingungen. Mützengestell für Schirmmützen, Feldjäger, Heer. TL 8405-0180. (PDF) Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Juni 2001, abgerufen am 23. März 2015.
  8. a b c d e Technische Lieferbedingungen. Mützenbezüge für Schirmmütze, Feldjäger. TL TL8405-0181. (PDF) Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, 18. Januar 2011, abgerufen am 23. März 2015.
  9. Bundesministerium der Verteidigung, Zentrum Innere Führung: Schirmmütze Heer. (PDF) In: Fragdenstaat. 15. Januar 2018, abgerufen am 9. Februar 2018 (deu).
  10. Zentralrichtlinie A2-2630/0-0-5
  11. a b c d Technische Lieferbedingungen. Gestickte Mützenschirme. TL 8455-0012. (PDF) Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Februar 2002, abgerufen am 23. März 2015.
  12. Technische Lieferbedingungen. Kokarde aus Metall. TL 8455-0004. (PDF) Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Oktober 1999, abgerufen am 23. März 2015.
  13. Technische Lieferbedingungen. Kokarden, handgestickt. TL 8455-0010. (PDF) Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, April 1997, abgerufen am 23. März 2015.
  14. a b Technische Lieferbedingungen. Mützenabzeichen, Metall. TL 8455-0005. (PDF) Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Februar 1994, abgerufen am 23. März 2015.
  15. a b c Wilhelm Volrad von Rauchhaupt: Vom bunten Rock zum bunten Schlips. In: Rudolf Augstein (Hrsg.): Der Spiegel. Nr. 25. Hannover 20. Juni 1956 (Digitalisat [PDF; abgerufen am 12. August 2014]).
  16. a b c Bundespräsident Theodor Heuss et al.: Dritte Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten vom 8. Juni 1959. In: Bundesgesetzblatt Teil 1. Band 1959, 20 vom 19.6.1959. Bonn 8. Juni 1959, S. 281 (bgbl.de [PDF; abgerufen am 12. Mai 2015]).
  17. a b Walter Kunstwadl, Jan-Phillip Weisswange: Von der Affenjacke zum Tropentarnanzug: Die Geschichte der Bundeswehr im Spiegel ihrer Uniformen und Abzeichen. 1. Auflage. Report-Vlg, 2006, ISBN 3-932385-24-1.
  18. Der immer buntere Rock. In: Der Spiegel. Band 1981, Nr. 12. SPIEGEL-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG, 16. März 1981, S. 68 (Digitalisat [PDF; abgerufen am 5. August 2014]).
  19. Wolfgang Schmid: Schwarz – das Panzerbarett. (Nicht mehr online verfügbar.) In: www.pzaufkl.de. Wolfgang Schmid, 5. November 2005, archiviert vom Original am 13. August 2014; abgerufen am 5. August 2014.
  20. Bundespräsident Theodor Heuss et al.: Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen, die Ernennung und Entlassung sowie die Uniform der freiwilligen Soldaten vom 23. Juli 1955. In: Bundesgesetzblatt Teil 1. Band 1955, 23 vom 25.7.1955. Bonn 23. Juli 1956, S. 452 ff. (bgbl.de [PDF; abgerufen am 12. Mai 2015]).
  21. a b c Bundespräsident Heinrich Lübke et al.: Vierte Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten vom 9. August 1962. In: Bundesgesetzblatt Teil 1. Band 1962, 34 vom 17.8.1962. Bonn 9. August 1962, S. 553 (bgbl.de [PDF; abgerufen am 12. Mai 2015]).
  22. Bundespräsident Heinrich Lübke et al.: Sechste Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten vom 5. Mai 1966. In: Bundesgesetzblatt Teil 1. Band 1966, 20 vom 13.5.1966. Bonn 5. Mai 1966, S. 325 ff. (bgbl.de [PDF; abgerufen am 12. Mai 2015]).
  23. vgl. auch BW Schirmmuetzen 1958.jpg und Festakt zur Neueröffnung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr (6243130857).jpg