Hauptmenü öffnen

Rudingshain ist ein Stadtteil von Schotten im mittelhessischen Vogelsbergkreis.

Rudingshain
Stadt Schotten
Koordinaten: 50° 31′ 25″ N, 9° 10′ 29″ O
Höhe: 434 (408–441) m ü. NHN
Fläche: 12,52 km²[1]
Einwohner: 549 (2014)[2]
Bevölkerungsdichte: 44 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 63679
Vorwahl: 06044
Blick auf Rudingshain
Blick auf Rudingshain

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Der Ort liegt am Rand des Vogelsberges 5 km nordöstlich des Hauptortes. Bei Rudingshain mündet der Graswiesenbach (auch "Streitbach" genannt) in die Nidda. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3291.

Östlich von Rudingshain zieht sich auf einer Höhe von 530 bis 690 m über NN ein Naturwaldreservat im Oberwald.[3]

GeschichteBearbeiten

 
Evangelische Kirche

Der Ort „Rüdingishain“ wurde erstmals im Jahr 1466 in einem Amtsregister von Schotten urkundlich erwähnt.[4] Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich im Laufe der Geschichte. Historische Formen sind „Hruodincheim, Rudingesheim, Rüdingishain (1854), Rudingezhajn“. Gedeutet wird der Ortsname als „Hain des Rüding.“[5]

Im nahegelegenen Wald stand früher, 1,5 km östlich des Dorfes, auf dem 590 m hohen „Horst“ die Horstburg,[6] von der nur noch Mauerreste zu finden sind.[7]

Bis ins 16. Jahrhundert hatten die Dörfer Breungeshain, Michelbach und Rudingshain einen gemeinsamen Viehtrieb mit Schotten.[8]

In der Reformationszeit gehörten Rudingshain mit Betzenrod, Götzen und Michelbach zur Pfarrei Schotten.[1] Die Fachwerkkirche in der Ortsmitte wurde 1673 erbaut. Vorher gab es bereits an dieser Stelle eine Kirche. Die Schule wurde 1887 eingeweiht. Sie bestand bis 1974.

Durch Rudingshain führte der Schottenring, auf dem von 1925 bis 1955 das Rennen Rund um Schotten ausgetragen wurde.

Früher gehörte der Ort zum Landkreis Schotten und bis zur Gebietsreform in Hessen zum Landkreis Büdingen. Am 1. Dezember 1970 wurde Rudingshain in die Stadt Schotten eingegliedert.[9]

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Rudingshain lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][10]

Gerichte seit 1803Bearbeiten

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Rudingshain das Amt Schotten zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Rudingshain viel in den Gerichtsbezirk des „Landgerichts Schotten“.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolgedessen die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Schotten“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen.[17]

Mit Wirkung zum 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des Amtsgerichts Schotten[18] und Rudingshain kam zum Gerichtsbezirk des Amtsgerichts Nidda. Zum 1. Januar 2012 wurde auch das Amtsgericht Nidda gemäß Beschluss des hessischen Landtags aufgelöst[19] und Rudingshain dem Amtsgericht Büdingen zugeteilt. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt, das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

EinwohnerentwicklungBearbeiten

Rudingshain: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2014
Jahr  Einwohner
1791
  
453
1834
  
613
1840
  
606
1846
  
591
1852
  
617
1858
  
599
1864
  
568
1871
  
549
1875
  
536
1885
  
534
1895
  
533
1905
  
572
1910
  
571
1925
  
580
1939
  
589
1946
  
797
1950
  
751
1956
  
678
1961
  
630
1967
  
648
1970
  
643
2004
  
596
2010
  
584
2014
  
549
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; 1791:[12]; Einwohnerzahlen nach 2000:[2]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Rudingshain, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. a b Zahlen – Daten – Fakten. In: Internetauftritt der Stadt Schotten. Abgerufen im Juni 2018.
  3. Naturwaldreservate in Hessen I. = Mitteilungen der Hessischen Landesforstverwaltung . Bd. 24, Wiesbaden 1991, S. 32 f.
  4. Georg Landau, Beschreibung des Gaues Wettereiba. Kassel 1855. S. 219.
  5. K. Heuson, Woher stammt der Name Bösgesäß? Eine Erklärung der Ortsnamen des Kreises Büdingen. In: Heimat-Jahrbuch 1952 des Landkreises Büdingen, S. 21–25, S. 25.
  6. Horstburg, Vogelsbergkreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 15. Januar 2015). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  7. Rudolf Knappe, Zweiter Nachtrag zum Handbuch Mittelalterliche Burgen in Hessen. Marburger Correspondenzblatt zur Burgenforschung: Jahrbuch des Marburger Burgen-Arbeitskreises. Marburg. Verl. des Arbeitskreises für Europ. Burgenforschung. Bd. 3 (2001/2002), S. 97–104. S. 99.
  8. Georg Landau, Wettereiba, S. 218.
  9. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352.
  10. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  11. Die Zugehörigkeit des Amtes Schotten anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567-1604., Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604-1638. und Hessen-Darmstadt 1567-1866.
  12. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 208, 279 (online bei HathiTrust’s digital library).
  13. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, S. 9 (online bei Google Books).
  14. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 345, 422 (online bei Google Books).
  15. Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt 1830, S. 262 ff. (online bei Google Books).
  16. Der Reichsstatthalter in Hessen Sprengler: Gesetz über die Aufhebung der Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen vom 1. April 1937. In: Hessisches Regierungsblatt. 1937 Nr. 8, S. 121 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 11,2 MB]).
  17. Großherzog von Hessen und bei Rhein: Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt. 1879 Nr. 15, S. 197–211 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 17,8 MB]).
  18. Der Hessische Minister der Justiz: Zweites Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes (Ändert GVBl. II 210-16) vom 12. Februar 1968. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1968 Nr. 4, S. 41–44, artikel 1 Abs. 2 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 298 kB]).
  19. Der Hessische Minister der Justiz: Gesetz zur Änderung des Gerichtsorganisationsgesetzes vom 16. September 2011. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 2011 Nr. 4, S. 409 ff. (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 474 kB]).

WeblinksBearbeiten