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Endivienjemangs met Flöns; einfache und deftige Gerichte bestimmen die Küche der Region.
Halve Hahn, im Gasthaus serviert

Die Rheinische Küche ist eine der Regionalküchen Deutschlands. Der Begriff „rheinische Küche“ umfasst regional die Gebiete des Mittel- und Niederrheins, die zum Land Nordrhein-Westfalen gehören. Aufgrund der unterschiedlichen landwirtschaftlichen Anbaugebiete und unterschiedlicher Ressourcen und Traditionen gibt es keine einheitliche rheinische Küche, sondern mehrere regionale Sonderentwicklungen, die bekanntesten sind die Küchen des Niederrheins und des Bergischen Landes sowie der Städte Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen.

Die traditionelle rheinische Küche ist gekennzeichnet durch einfache und deftige Speisen. Wichtige Bestandteile sind landwirtschaftliche Erzeugnisse wie verschiedene Gemüse, Kartoffeln, Milch, Butter und Fleisch.

Geschichte und regionaltypische BesonderheitenBearbeiten

Rheinische Küche in römischer und fränkischer ZeitBearbeiten

Die rheinische Küche wird von einigen Autoren bis zu der Esskultur im Römischen Reich zurückgeführt und gilt somit als eine der ältesten Küchen der Region. Einer der mutmasslichen Autoren des ältestens römischen Kochbuchs De re coquinaria, Marcus Gavius Apicius, lebte und wirkte wahrscheinlich im heutigen Köln und schilderte entsprechend in seiner Rezeptsammlung auch Zubereitungen aus dem Rheinland.[1] Durch die Römer kamen teilweise kostspielige Speisen und Gewürze aus anderen Regionen an den Rhein, um die Bedürfnisse an den Geschmack zu befriedigen.[1]

Aus der späteren Zeit der Völkerwanderungen und der fränkischen Ära gibt es dagegen kaum Überlieferungen und die weniger Kenntnisse über die Ernährung während dieser Zeit stammen aus archäologischen Funden aus Latrinen und ähnlichen Fundorten, dabei handelte es sich in der Regel um Knochen und Fischgräten. Zur Zeit Karls des Großen lassen sich die Ernährungsgewohnheiten und die Vorräte der auch im Rheinland anzutreffenden Königspfalzen über Reiseberichte, die Itinerare, ableiten.[1]

Die rheinische Küche vom Mittelalter bis in die NeuzeitBearbeiten

 
Muscheln rheinische Art

Die typische rheinische Küche bildete sich im Mittelalter und der Frühen Neuzeit heraus, wobei diese teilweise stark von umliegenden Regionalküchen wie der niederländischen Küche, der Küche von Flandern und der westfälischen Küche beeinflusst wurde. Den größten Einfluss hatte dabei die Rheinschiffahrt (Börtschifffahrt), über die Gerichte und Speisen aus den Niederlanden und Flandern in die Rheinregion transportiert wurden. Köln hatte Stapelrecht und war Umschlagplatz für die Waren, die über den Rhein transportiert wurden. Die Kölner Bevölkerung hatte das Recht, diese Waren zu kaufen, wodurch vor allem Nahrungsmittel und auch Gewürze aus den Niederlanden nach Köln kamen und Eingang in die Küche fanden.[2] Aus den Niederlanden wurde zum Beispiel die Vorliebe für Heringe übernommen, geräuchert oder eingelegt, besonders der Matjes-Hering erfreut sich großer Beliebtheit, ebenso der Heringsstipp, ein in Sahne eingelegter Hering. Hinzu kamen deftige Zubereitungsformen aus dem benachbarten Westfalen sowie Backwaren aus dem Bergischen Land, die sich in Köln und im weiteren Rheinland verbreiteten.[2]

Der Einfluss der französischen Küche war zu dieser Zeit gering und kam erst sehr viel später, da die als arme Regionen bekannten und landwirtschaftlich geprägten Gebiete der Eifel und des Hunsrück die Gebiete des Mittelrheins vom französisch-elsässisch geprägten Oberrhein abgrenzten. Die Fürstenhöfe der Region kannten die gehobene französische Küche zwar, dies hatte jedoch keinen Einfluss auf die bürgerliche und allgemeine Küche.[2] In die bürgerliche Küche und die Festküche zog die französische Küche erst nach 1870 und dem gewonnenen Deutsch-Französischen Krieg ein.[2]

Das Rheinland war zudem überwiegend eine katholische Region, und der starke Einfluss der katholischen Kirche und der kirchlichen Feiertage spiegelt sich auch in der rheinischen Küche wider, die nur wenige Fleischspeisen kreiert hat, zumal Fleisch ein teures Lebensmittel war. In der Regel wurde am Sonntag Fleisch gegessen, meist als Braten und hier traditionell häufig der rheinische Sauerbraten. Ansonsten gab es jahreszeitlich bedingt zu Weihnachten das Essen der sogenannten „Martinsgänse“ und zu Silvester Karpfen.

Internationale Einflüsse seit dem 20. JahrhundertBearbeiten

Im 20. Jahrhundert wurden wie überall in Deutschland verstärkt internationaler Einflüsse in die Eß- und Kochkultur aufgenommen und vor allem in der Gastronomie und Fast-Food-Kultur konnten sich auch im Rheinland zahlreiche Restaurants und Imbissbuden vor allem mit italienischen, griechischen, türkischen und chinesischen Speisen sowie Hamburger-Ketten aus den Vereinigten Staaten durchsetzen. Diese Trends haben jedoch keinen Einfluss auf die traditionelle rheinische Küche und Vermischungen der verschiedenen Kochtraditionen sind selten.

SpezialitätenBearbeiten

 
Rheinischer Sauerbraten vom Pferd à la Manes Meckenstock; Sauerbraten ist ein typisches Gericht der Rheinischen Küche.
 
Reibekuchen mit Schwarzbrot und Apfelmus

Bekannte Spezialitäten der rheinischen Küche sind beispielsweise Bergische Waffeln, die Bergische Kaffeetafel, Halver Hahn, Himmel un Ääd, Kottenbutter, Krüstchen, Kulles, Lieberhäuser Eierkuchen, Muscheln nach rheinischer Art, Panhas bzw. Pannas, Pillekuchen, Röggelchen und Rheinischer Sauerbraten.

Eine Verbindung von Elementen der rheinischen, hessischen und pfälzischen Küche mit eigenem Charakter findet sich in Rheinhessen.

Liste bekannter Spezialitäten:

GetränkeBearbeiten

 
Frisch gezapftes Kölsch

Wie in anderen Nachbarregionen werden auch im Rheinland verschiedene Biersorten getrunken. Je nach Aufenthaltsort handelt es sich dabei um die obergärig gebrauten Sorten Kölsch im Kölner Raum sowie Altbier in der Region um Düsseldorf. Hinzu kommt allerdings auch Pilsner Bier, das abseits der beiden Großstädte getrunken wird. Hinzu kommen häufig Weine vom Rhein und von der Mosel. Weitere typische alkoholische Getränke der Region sind Kräuterliköre wie der Killepitsch aus Düsseldorf oder der Kabänes aus Brühl. Überregional bekannt ist zudem der Eierlikör Verpoorten aus Bonn.

Unter den nichtalkoholischen Getränken spielen neben Wasser und Mineralwasser, etwa das Wasser der Gerolsteiner Brunnen aus der nahegelegenen Vulkaneifel, verschiedene Säfte und Schorlen sowie gerade in den letzten Jahren alkoholfreie Biermischgetränke, die unter dem Namen Fassbrause vermarktet werden, eine wichtige Rolle.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Rheinische Küche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c „Viele Köche in der rheinischen Küche.“ In: Irmgard Wolf, Manfred Engelhardt: Kleine Kulturgeschichte der Rheinlande. Verlag des General-Anzeigers Bonn, 1998; S. 231.
  2. a b c d „Viele Köche in der rheinischen Küche.“ In: Irmgard Wolf, Manfred Engelhardt: Kleine Kulturgeschichte der Rheinlande. Verlag des General-Anzeigers Bonn, 1998; S. 231.