RhB ABe 4/16 3111–3166

Triebzüge der Rhätischen Bahn (RhB)

Die ABe 4/16 sind vierteilige elektrische Triebzüge, von denen die Rhätische Bahn (RhB) bei Stadler Rail insgesamt 56 Einheiten bestellt hat. Sie werden von der RhB seit 2020 fahrplanmässig eingesetzt. Der Roll-out fand am 15. April 2019 im Stadler-Werk Altenrhein statt.[1] Die erste Einheit wurde am 27. Juni 2019 in Landquart abgeliefert und anschliessend verschiedenen Tests unterzogen. Die RhB benennt die Züge nach dem Bündner Wappentier Steinbock als «Capricorn». Der Name wurde in einem Wettbewerb ermittelt.[2]

RhB ABe 4/16 3111–3166
RhB ABe 4/16 3111 im Bahnhof Landquart
RhB ABe 4/16 3111 im Bahnhof Landquart
Nummerierung: 3111–3166
Anzahl: 56
Hersteller: Stadler Rail
Baujahr(e): ab 2019
Achsformel: Bo’Bo’+ 2’2’+ 2’2’+ 2’2’
Spurweite: 1000 mm (Meterspur)
Länge über Kupplung: 76 432 mm
Höhe: 3 780 mm
Breite: 2 670 mm
Drehgestellachsstand: 2 000 mm (Triebdrehgestell)
1 800 mm / 2 000 mm (Laufdrehgestell)
Dienstmasse: 130 t
Höchstgeschwindigkeit: 120 km/h
Stundenleistung: 1400 kW
Dauerleistung: 1000 kW
Anfahrzugkraft: 150 kN
Treibraddurchmesser: 810 mm
Laufraddurchmesser: 685 mm / 810 mm
Stromsystem: 11 kV 16,7 Hz ~
Zugbeeinflussung: ZSI 127
Sitzplätze: 35 1. Klasse
129 2. Klasse + 18 Klappsitze
Stehplätze: 179
Fußbodenhöhe: 450 mm (Niederflur)
1053 mm (Hochflur)

GeschichteBearbeiten

Am 4. April 2015 lancierte die RhB die Ausschreibung von 27 «Flügelzügen RTZ».[3] Der Name Flügelzug wurde gewählt, weil die Züge im Prättigau und Engadin verkehren sollen und in Klosters geflügelt, also in zwei Teilzüge aufgetrennt bzw. wieder zusammengeführt werden. Bereits damals war eine Option von 19 zusätzlichen Zügen vorgesehen, welche dann Ende 2016 nachbestellt wurden.[4] Nur 6 Monate vorher waren die ursprünglich ausgeschriebenen 27 Einheiten bestellt worden.[5] Mit der Verabschiedung der neuen Strategie 2030 hat der Kanton Graubünden der RhB grünes Licht gegeben, weitere 20 Capricorn-Triebzüge zu beschaffen, womit die Anzahl auf 56 Einheiten ansteigt.[6]

EinsatzBearbeiten

Die Züge wurden in erster Linie für das Stammnetz konzipiert. Das Haupteinsatzgebiet werden die Linien Landquart–Davos(–Filisur), Landquart–Scuol, Landquart–St. Moritz, Pontresina–Scuol und Chur–Disentis sein. Auch ein Einsatz auf der S-Bahn Chur ist vorgesehen.[7] Auf der Strecke Chur–Arosa wurden mehrfach Testfahrten durchgeführt, jedoch sollen die Triebzüge im planmässigen Verkehr nicht auf dieser Linie verkehren. Am 17. Juni 2020 wurde der Triebzug 3111 als Erster in den fahrplanmässigen Betrieb genommen.[8] Er verkehrt auf der Linie Landquart–Davos–Filisur.

Am 9. Oktober 2020 wurde der erste Triebzug 3111 in Filisur auf den Namen Piz Ela getauft.[9]

AufbauBearbeiten

Der vierteilige Triebzug besteht aus einem Triebwagen, zwei Mittelwagen sowie einem Steuerwagen. Der Zug verfügt über 35 Sitzplätze in der ersten und 129 in der zweiten Klasse. Total sind somit 164 Plätze vorhanden. Der Triebwagen enthält gegenüber den ABe 4/16 3101–3105 nur Plätze der zweiten Klasse. Aus dem Abteil hinter dem Führerstand gibt es wiederum eine Glasscheibe, durch welche in den Führerstand gesehen werden kann. Der Triebwagen ist das einzige Fahrzeug, welches nicht niederflurig ist.

Die beiden Mittelwagen sind ebenfalls reine Zweite-Klasse-Wagen. In ihnen befindet sich ein Multifunktionsabteil sowie das behindertengerechte WC sowie ein weiteres, nicht behindertengerechtes.

Der Steuerwagen ist ein reiner Erste-Klasse-Wagen. Auch im Steuerwagen haben die Reisenden die Möglichkeit, durch die Scheibe dem Lokführer über die Schulter zu schauen. In den Führerständen sind Kameras mit Blick auf die Strecke installiert, deren Bilder in den Fahrgastbereich übertragen werden können.[10]

BetriebBearbeiten

Die Einheiten verfügen an den Führerstandsenden über automatische Kupplungen des Typs Schwab und ermöglichen so ein schnelles An- und Abkuppeln von zusätzlichen Triebzügen. Das Flügeln soll dann vor allem im Prättigau zum Einsatz kommen. Im Betrieb können bis zu vier Einheiten gekuppelt und gemeinsam gesteuert werden, was einen 300 Meter langen Zug mit einer Kapazität von 688 Sitzplätzen ergibt. Ab wann das Flügelzugkonzept angewendet wird, ist noch nicht bekannt.

LiteraturBearbeiten

  • Walter von Andrian: „Flügeltriebzüge“ für die RhB. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8–9. Minirex, 2016, ISSN 1022-7113, S. 400–402.

WeblinksBearbeiten

Commons: RhB ABe 4/16 3111–3166 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Roll-out Flügeltriebzug «Capricorn». Rhätische Bahn, 15. April 2019, abgerufen am 1. August 2020.
  2. GV der RhB im Zeichen des Steinbocks. Rhätische Bahn, 17. Juni 2018, abgerufen am 1. August 2020.
  3. Matthias Rellstab: RhB schreibt 27 Triebzüge aus. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 5. Minirex, 2015, ISSN 1022-7113, S. 233.
  4. Matthias Rellstab: RhB Grossauftrag noch grösser. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 1. Minirex, 2017, ISSN 1022-7113, S. 39.
  5. Walter von Andrian: „Flügeltriebzüge für die RhB“. In: Schweizer Eisenbahn-Revue. Nr. 8-9. Minirex, 2016, ISSN 1022-7113, S. 400–402.
  6. Weitere 20 Capricorn-Triebzüge für die RhB. Rhätische Bahn, 12. Juni 2020, abgerufen am 2. August 2020.
  7. Rhätische Bahn: Factsheet Flügeltriebzug RTZ. (PDF) Abgerufen am 28. Juli 2020.
  8. Neuer «Capricorn» beflügelt die Rhätische Bahn. In: südostschweiz.ch. 18. Juni 2020, abgerufen am 1. August 2020.
  9. Der erste RhB-Capricorn heisst Piz Ela. bahnonline.ch, 10. Oktober 2020, abgerufen am 10. Oktober 2020.
  10. Rhätische Bahn bestellt zusätzliche Capricorn. In: eisenbahn-magazin. Nr. 8, 2020, S. 33.