Bahnhof Landquart

Bahnhof in der Schweiz

Der Bahnhof Landquart ist ein Berührungsbahnhof im Schweizer Kanton Graubünden an der SBB-Strecke Sargans–Chur und den schmalspurigen Strecken der Rhätischen Bahn nach Davos und Chur(–Thusis). Er liegt in der Gemeinde Landquart.

Landquart
Empfangsgebäude Landquart
Empfangsgebäude Landquart
Daten
Lage im Netz Berührungsbahnhof
Bauform Durchgangsbahnhof
IBNR 8509002
Eröffnung 1. Juli 1858
Lage
Stadt/Gemeinde Landquart GR
Kanton Graubünden
Staat Schweiz
Koordinaten 760978 / 203995Koordinaten: 46° 58′ 3″ N, 9° 33′ 15″ O; CH1903: 760978 / 203995
Höhe (SO) 523 m
Eisenbahnstrecken
Liste der Bahnhöfe in der Schweiz

GeschichteBearbeiten

 
Altes Bahnhofsgebäude von Landquart (Sicht von der RhB Seite)

Der Bahnhof wurde am 1. Juli 1858 in Betrieb genommen, als die Strecke Chur–Rheineck in Betrieb ging. Er erlebte noch während der Bauzeit der Strecke einen Besitzerwechsel, denn die Südostbahn, die die Strecke zu bauen begonnen hatte, ging am 1. Mai 1858 in den Besitz der Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) über. Der Bahnhof lag damals fast auf freiem Feld weit ausserhalb der eigentlichen Hauptsiedelung der Gemeinde Igis. In der Nähe befanden sich nur einige Fabriken, die die Wasserkraft des Flusses Landquart ausnützten.

Seit 1859, mit der Eröffnung der Strecke Sargans-Rapperswil-Rüti (ZH), waren Züge Richtung Zürich möglich, die allerdings den Umweg durch das Glatttal nehmen und in Rapperswil eine Spitzkehre befahren mussten. 1875 wurde die Linksufrige Zürichseebahn in Betrieb genommen, womit direkte Züge nach Zürich möglich wurden.

Zum Umsteigebahnhof wurde der Bahnhof 1889, als die Schmalspurbahn Landquart–Davos AG (LD) eröffnet wurde, die von Landquart nach Davos führte. Aus dieser Linie entstand später die Rhätische Bahn. Da es sich um eine Schmalspurbahn handelt, mussten in Landquart die Güter umgeladen und auch umgestiegen werden. Zeitgleich wurde hier am Endpunkt der LD eine Werkstätte erbaut, aus der die Hauptwerkstätte der Rhätischen Bahn hervorging. Seit 1896 ist Chur auch auf schmaler Spur erreichbar.

Seit 1902 gehört der Bahnhof den Schweizerischen Bundesbahnen.

Am 30. Oktober 1975 stiess ein Schlafwagen­zug, mit dem die SBB zwischen Chur und Landquart Bremsversuchsfahrten für die Deutsche Bundesbahn (DB) unternahmen, mit einem aus Tankwagen bestehenden Güterzug zusammen. Der Unfall forderte ein Menschenleben.[1] Wegen eines Missverständnisses wurde das Einfahrsignal für den Versuchszug auf Rot gestellt, obwohl die Bremskraft für einen Halt nicht ausreichte. Die erst zwei Jahre alte Lokomotive Re 4/4 II 11282 des Versuchszugs brannte aus und musste abgebrochen werden.

Mit der Eröffnung des Vereinatunnels 1999 durch die RhB wurde der Bahnhof noch wichtiger. Denn ab diesem Zeitpunkt führte der schnellste Weg vom Unterland ins Engadin über Landquart und nicht mehr über Chur. Mit Umsetzung der Bahn 2000 wurde die Verknüpfung von SBB und RhB nochmals verbessert.

Der Bahnhof entwickelte sich zu einem wichtigen Güterumschlagplatz, denn hier werden die Güter zwischen der RhB und SBB umgeladen. Auch etliche Industriebetriebe siedelten sich in der Nähe dieses Bahnhofes an. Von hier aus werden auch die Anschlussgleise der SBB von Zizers bedient, die mit dem Zementwerk und der Umschlaghalle für Getränke (z. B. Valser Wasser) für grosse Tonnage sorgen.

Dank des Bahnhofs ist der Ortsteil Landquart heute grösser als der eigentliche Hauptort Igis der gleichnamigen Gemeinde.

GebäudeBearbeiten

 
Der Güterschuppen des Bahnhof Landquart, südlich ist ihm eine gedeckte Umladerampe angebaut
 
Die beiden ehemaligen Bahnwärterhäuser

Anfänglich wurde nur ein provisorisches Bahnhofsgebäude erbaut. Die Pläne des Provisoriums stammen von J. J. Breitinger.[2] Das endgültige Bahnhofsgebäude konnte 1867 bezogen werden. Auch dieses wurde nach den Entwürfen von J. J. Breitinger erbaut, die im September 1857 von der Direktion abgesegnet wurden. Die Bauleitung hatte der Baumeister Hatz aus Chur, der mit dem Bau im Juni 1867 begann und ihn noch im selben Jahr beendete. Südlich des Bahnhofgebäudes steht der grosse Güterschuppen. Das Verkaufslokal im Bahnhofgebäude würde mit dem Neubau auf der anderen Seite der RhB-Gleise aufgehoben.

Anlässlich des Bahnhofsumbaus für die Bahn 2000 wurde auf der Ostseite der RhB-Gleise ein neues dreigeschossiges Bahnhofsgebäude erbaut. Zugleich wurde der Bahnhofsplatz neu gestaltet. Im Erdgeschoss ist der SBB-Billetverkauf mit Reisebüro, sowie Kiosk und Bistro untergebracht. In den beiden Obergeschossen sind Büroräume eingerichtet.

Östlich der SBB-Gleise, unmittelbar bei der Brücke über die Landquart, stehen zwei ehemalige Bahnwärterhäuser. Der grosse Güterschuppen mit seiner südlich angebauten gedeckten Umladerampe lässt die Bedeutung des Bahnhofes als Umschlagbahnhof zwischen SBB und RhB erahnen.

LageBearbeiten

Der Personenbahnhof besteht aus zwei Teilen. Westlich des Bahnhofgebäudes liegen auf der Rheinseite die Bahnsteige der SBB, auf der Ostseite des Bahnhofsgebäudes die Bahnsteige der RhB. Im Osten liegt eine Siedlung, im Westen seit 2009 Outlet-Shoppingcenter und der Autobahnanschluss.

In nördlicher Richtung wird die Ausdehnung des Bahnhofes durch den Fluss Landquart begrenzt. An dessen Ufer liegt der Parkplatz, der sich an das Bahnhofsgebäude anschliesst. In südlicher Richtung dehnen sich das grosse Gleisfeld der Gütergleise, die Umschlaganlage und die Abstellgleise der RhB aus.

PublikumsanlageBearbeiten

 
Sicht von Norden auf die RhB-Gleis und Publikumsanlage
 
Sicht von Norden auf die SBB-Gleis und Publikumsanlage

Die heutige Publikumsanlage der SBB besteht aus einem Mittelbahnsteig und einem Aussenbahnsteig. Der Aussenbahnsteig liegt aber auf der vom Bahnhofsgebäude abgewandten Seite des Gleises 4, während der Mittelbahnsteig die Gleise 2 und 3 erschliesst. Das Gleis 1 ist das Durchfahrtsgleis und Bereitstellungsgleis für die Güterzüge.

Die Bahnsteige sind mit zwei Unterführungen mit dem Bahnhofsgebäude und direkt mit den Bahnsteigen der RhB verbunden. Die alte Unterführung beim Bahnhofsgebäude führt bis zur Bahnhofstrasse – also unter allen Gleisen hindurch –, während die 2005[3] fertiggestellte südliche Unterführung nur die beiden Mittelbahnsteige der RhB und SBB und den Seitenbahnsteig der SBB erschliesst.

Die Bahnanlage der RhB besteht auch aus einem langen Mittelbahnsteig und einem kurzen Seitenbahnsteig. Der Mittelbahnsteig erschliesst die Gleise 5 und 6. Hier werden die RE-Züge nach Chur und Klosters/Davos und durch den Vereinatunnel ins Engadin fahren. Am kurzen Seitenbahnsteig, der das Gleis 8 erschliesst, halten die Regionalzüge Chur-Schiers. Das dazwischen liegende Gleis 7 dient als Durchfahrgleis für Güter- und Dienstzüge und wird auch zur Erschliessung der Hauptwerkstätte benötigt.

Im Bahnhofgebäude ist die Verkaufsstelle der SBB untergebracht.

Fahrplanmässige ZügeBearbeiten

Im Bahnhof halten alle fahrplanmässigen Züge. Dies sind:

  • SBB (die Züge verkehren stündlich)
  • RhB (die Züge verkehren stündlich)
    •   Landquart–Davos Platz
    •   Disentis–Chur–Landquart–Klosters–Scuol-Tarasp
    • S 1 Rhäzüns–Schiers
    •   zweistündlich durch den Vereinatunnel nach Samedan und St. Moritz (Engadin Star)

Daneben verkehren vor allem in der Wintersaison zusätzliche Züge, die als planmässige Züge oder als Extrazüge unterwegs sind und nur an bestimmten Tagen verkehren. Selbst diese Extrazüge halten in der Regel in Landquart.

So verkehrte in der Saison 2008 zwischen 15. Dezember 2007 und 29. März 2008 an Samstagen ein TGV POS aus Paris über Zürich nach Chur und zurück. In der Saison 2002 verkehrte zwischen 15. Dezember 2001 und 13. April 2002 an Samstagen ein ICE 1 von Stuttgart über Zürich-Altstetten (Spitzkehre) nach Chur. Der Nachtzug Chur-Paris wurde als letzter fahrplanmässiger Nachtzug von Chur aus im Dezember 2007 eingestellt.

Erwähnung in der LiteraturBearbeiten

Der Bahnhof wurde in Thomas Manns Zauberberg erwähnt. Des Weiteren spielt er in Max Frischs Stiller über mehrere Seiten lang eine Rolle.

WeblinksBearbeiten

Commons: Bahnhof Landquart – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. L’accident de chemin de fer. (Le Temps – archives historiques) (Nicht mehr online verfügbar.) Journal de Genève, Genève, 1. November 1975, S. 7, archiviert vom Original am 2. Dezember 2013; abgerufen am 17. November 2013 (französisch).  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.letempsarchives.ch
  2. Werner Stutz: Bahnhöfe der Schweiz, von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Orell Füssli, Zürich u. a. 1983, ISBN 3-280-01405-0, S. 112 und 167.
  3. Baubericht der zweiten Unterführung mit Plan der Publikumsanlage (Memento des Originals vom 15. Mai 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rhb.ch (PDF; 583 kB)