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Norcia

Stadt in der umbrischen Provinz Perugia in Italien

Norcia (lateinisch Nursia) ist eine italienische Gemeinde mit 4888 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2017) in der Provinz Perugia in Umbrien und ist Mitglied der Vereinigung I borghi più belli d’Italia[2] (Die schönsten Orte Italiens).

Norcia
Wappen
Norcia (Italien)
Norcia
Staat Italien
Region Umbrien
Provinz Perugia (PG)
Koordinaten 42° 48′ N, 13° 6′ OKoordinaten: 42° 47′ 32″ N, 13° 5′ 34″ O
Höhe 604 m s.l.m.
Fläche 274 km²
Einwohner 4.888 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte 18 Einw./km²
Postleitzahl 06046
Vorwahl 0743
ISTAT-Nummer 054035
Volksbezeichnung Nursini
Schutzpatron Sankt Benedikt (21. März)
Website Norcia
Panorama von Norcia
Panorama von Norcia

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

 
Die „Sibyllinischen Berge“ hinter dem Ortsteil Castelluccio

Norcia liegt an der Grenze zu den Marken, am Fuße der „Sibyllinischen Berge“. Die Gemeinde liegt 154 km nordöstlich der Hauptstadt Rom, 95 km südöstlich der Provinz- und Regionalhauptstadt Perugia sowie 83 km westlich der Adriatischen Küste bei Porto d’Ascoli. Das weitläufige Gemeindegebiet erstreckt sich vom Tal der Nera bis zum Cima Del Redentore (2448 m) im Massiv des Monte Vettore, der die höchste Erhebung Umbriens darstellt. Ein großer Teil von Norcia gehört zum Nationalpark Monti Sibillini.

Norcia ist Mitglied in der Comunità Montana Valnerina.

Panorama der „Sibyllinischen Berge“ – Landschaft nördlich von Norcia. Karsttal Piani di Castelluccio
mit dem gleichnamigen Dorf Castellucio di Norcia hinten und dem Monte Vettore rechts im Osten der landwirtschaftlichen Ebene

GeschichteBearbeiten

Die Ursprünge des Ortes gehen auf die Zeit der Sabiner zurück. Norcia wurde im 3. Jahrhundert v. Chr. von den Römern erobert und erhielt 268 v. Chr. römisches Bürgerrecht.

Im Jahr 572 wurde Norcia von den Langobarden, deren Zentrum sich im nahen Spoleto befand, zerstört. Ihnen folgten Byzantiner und Sarazenen, so dass Norcia 890 verlassen war. Erst langsam entwickelte sich danach wieder das bürgerliche Leben, bis sich Norcia um 1200 als Kommune konstituierte. Es entwickelte sich zu einem regionalen Zentrum und Handelsplatz. Gleichzeitig wurde die heute noch erhaltene Stadtmauer errichtet.

1484 kam die Stadt nach heftigem Widerstand unter die Regierung des Kirchenstaates, unter der es blieb, bis sich am 18. September 1860 in einer Volksabstimmung eine große Mehrheit der Nursini für den Beitritt zum Königreich Italien aussprach.

 
Basilika San Benedetto, eingestürzt am 30. Oktober 2016 (Aufnahme von 2006)

Am 24. August 2016 begann eine Erdbebenserie in Mittelitalien. Das Beben vom 24. August hatte in Norcia eine Stärke von 6,2 MW;[3] weitere Beben gab es am 3. September, am 20. September und am 26. Oktober, bei dem ein großer Teil der Kirche San Salvatore zusammenbrach. Am 30. Oktober 2016 folgte um 07:41 Uhr ein weiterer Erdstoß mit einer Stärke von 6,5 MW, der die Basilika von San Benedetto zum Einsturz brachte und andere Gebäude schwer beschädigte.[4]

BevölkerungsentwicklungBearbeiten

Jahr 1861 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2016
Einwohner 9.204 9.994 9.584 10.754 8.225 7.977 5.458 4.726 4.872 4.981

Quelle: ISTAT

SehenswürdigkeitenBearbeiten

Neben der Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert mit mehreren Stadttoren gelten vor allem die Gebäude um die Piazza San Benedetto als bedeutend: die Basilika San Benedetto,[4] errichtet um 1200, das Rathaus (um 1300)[5] und La Castellina, ein festungsartiger Stadtpalast,[6] erbaut im 16. Jahrhundert nach einem Entwurf von Vignola.

Außerdem gehören auch die sich dort befindlichen Kirchen Santa Maria Argentea[7] die Kirche des heiligen Franziskus aus dem 14. Jahrhundert und die Chiesa di Sant’Agostino[8] zu den sehenswerten Kirchenbauten der Stadt.[9] Hier befindet sich ebenfalls die städtische Bibliothek. Das Erdbeben von 2016 führte zu starken Zerstörungen.[10]

Wirtschaft und landestypische ProdukteBearbeiten

 
Wurstspezialitäten aus Norcia

Für die Wirtschaft der Stadt spielt der Tourismus eine wichtige Rolle.

Norcia ist über Italien hinaus für seine Schwarzen Trüffel und Schweine-Würste bekannt. Die haltbaren Würste aus Norcia wurden früher von fliegenden Händlern in ganz Mittelitalien verkauft. Daher werden noch heute Feinkostläden in Italien als Norcineria bezeichnet.

Eine weitere Spezialität sind die Linsen aus Castelluccio di Norcia, die als IGP (Produkt mit geschützter Herkunftsbezeichnung) geführt werden.

VerkehrBearbeiten

Norcia wird durch die Staatsstraße SS 685 delle Tre Valli Umbre erschlossen, die von Spoleto kommend, hinter Norcia über die Forca Canapine (1541 m) im Trontotal die Via Salaria erreicht. Der nächste Bahnhof ist in 41 km Entfernung der von Spoleto, seit 1968 die Bahnstrecke nach Spoleto stillgelegt wurde.

PartnerstädteBearbeiten

Eng verbunden sind Norcia und Ottobeuren auch durch die Benediktinerklöster in den beiden Kommunen. Das Leben in diesen Gemeinschaften ist auf das Leben des heiligen Benedikt ausgerichtet, dessen Herkunftsort Nursia (Norcia) gewesen sein soll. Seit 1959 bestehen Kontakte zwischen Ordensbrüdern aus beiden Klöstern.

Söhne und Töchter der StadtBearbeiten

Um 480 sollen hier der heilige Benedikt, Gründer des Benediktiner-Ordens, und seine Zwillingsschwester Scholastika geboren worden sein.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Norcia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2017.
  2. I borghi più belli d’Italia. Borghipiubelliditalia.it, abgerufen am 13. August 2017 (italienisch).
  3. Geo Forschungszentrum Potsdam.
  4. a b Frankfurter Allgemeine: Benedikts Kirche in Nursia liegt in Trümmern, abgerufen am 15. November 2018.
  5. Il Palazzo Comunale, abgerufen am 15. November 2018 (italienisch).
  6. La Castellina, abgerufen am 15. November 2018 (italienisch).
  7. La Concattedrale di Santa Maria Argentea, abgerufen am 15. November 2018 (italienisch).
  8. La Chiesa di Sant’Agostino, abgerufen am 15. November 2018 (italienisch).
  9. Il Complesso Monumentale San Francesco, abgerufen am 15. November 2018 (italienisch).
  10. katholisch.de: Erdbeben zerstört Benedikt-Stadt Norcia, abgerufen am 15. November 2018.
  11. Gundolf Keil: Reguardati, Benedetto. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/ New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1226 f.