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Niedernissa ist ein Ortsteil der Thüringer Landeshauptstadt Erfurt.

Niedernissa
Landeshauptstadt Erfurt
Koordinaten: 50° 57′ 1″ N, 11° 6′ 11″ O
Höhe: 269 (256–272) m
Fläche: 3,79 km²
Einwohner: 1724 (31. Dez. 2016)
Bevölkerungsdichte: 455 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1994
Postleitzahl: 99099
Vorwahl: 0361
Karte
Lage von Niedernissa in Erfurt
Dorfkirche "Zur Himmelspforte" (Lage→50.95149311.10236)
Dorfkirche "Zur Himmelspforte" (Lage→)

GeografieBearbeiten

Niedernissa liegt südöstlich der Erfurter Kernstadt am Linderbach/Pfingstbach am Übergang des Thüringer Beckens im Norden zum Steigerwald im Süden. In der Ortsflur dominiert landwirtschaftliche Nutzfläche. Im Osten liegt das Wechselholz und im Süden das Klosterholz und der Willroder Forst als Waldgebiete. Östlich des Dorfes verläuft der Peterbach, auf dessen anderer Seite das zur Gemeinde Mönchenholzhausen im Landkreis Weimarer Land gehörende Obernissa liegt. Weitere Nachbardörfer sind Urbich und Büßleben im Norden, Rohda im Südosten und Windischholzhausen im Westen. Die Entfernung zur Erfurter Altstadt beträgt etwa sieben Kilometer.

Niedernissa ist ursprünglich ein Straßendorf. Nach 1990 entstand im Osten des alten Dorfs eine große Einfamilienhaussiedlung, die für erheblichen Bevölkerungszuwachs sorgte.

GeschichteBearbeiten

Niedernissa wurde erst 1268 erstmals als Nuyseze urkundlich erwähnt. Damals war es Teil der Grafschaft Vieselbach, die Teil des Besitzes der Grafen von Gleichen war. 1339 und 1343 gelangte Niedernissa gemeinsam mit dem nahe gelegenen Urbich in den Besitz der Stadt Erfurt, in dem es über die folgenden Jahrhunderte verblieb.

1627 zerstörten kaiserliche Truppen das Dorf fast vollständig. 1802 kam Niedernissa mit dem kurmainzischen Erfurter Gebiet zu Preußen und zwischen 1807 und 1813 zum französischen Fürstentum Erfurt. 1815 kam das Dorf gemeinsam mit der Stadt Erfurt wieder in den Besitz Preußens (Landkreis Erfurt), bei dem es bis 1945 verblieb. Danach wurde der Ort Teil Thüringens, bevor das Land 1952 aufgelöst und der Bezirk Erfurt gebildet wurde.

Am 1. Juli 1950 verlor Niedernissa zum ersten Mal seine Selbstständigkeit und wurde in die damalige Gemeinde Windischholzhausen eingegliedert. Am 1. Juli 1989 wurde der Ort wieder ausgegliedert und gewann für kurze Zeit seine Selbstständigkeit zurück. Auch der Windischholzhausener Ortsteil Rohda wurde in die neu entstandene Gemeinde eingegliedert. Nach der Wiederherstellung Thüringens 1990 wurde Niedernissa (zusammen mit Rohda) im Rahmen der Kommunalreform am 1. Juli 1994 in die Stadt Erfurt eingemeindet.[1]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

  • 1843: 0166[2]
  • 1910: 0224[3]
  • 1939: 0280[4]
  • 1995: 0643
  • 2000: 1477
  • 2005: 1599
  • 2010: 1560
  • 2015: 1637[5]

Wirtschaft und VerkehrBearbeiten

Westlich des Ortes liegt ein zum Stadtteil Herrenberg gehörendes Gewerbegebiet, in dem sich verschiedene kleine Unternehmen angesiedelt haben. Auch eines der Depots der Straßenbahn Erfurt liegt unmittelbar westlich von Niedernissa.

Niedernissa liegt an der Straße von Erfurt nach Kranichfeld drei Kilometer von der Anschlussstelle Erfurt-Ost der Bundesautobahn 4 entfernt. Weitere Straßen führen nach Urbich und Rohda. An den öffentlichen Personennahverkehr der Stadt ist Niedernissa über die Stadtbahnlinie 3, die am Urbicher Kreuz etwa 500 Meter westlich des Dorfes endet, und eine Stadtbuslinie angebunden.

 
der Kanzelaltar aus Holz

SehenswertesBearbeiten

  • Die Kirche Zur Himmelspforte ist romanischen Ursprungs. Sie steht in der Nähe des Ortseingangs im Nordwesten des Dorfes. Der romanische Kirchturm trägt auf quadratischem Grundriss ein 1994 neu schiefergedecktes Dach. Gleichzeitig erhielt der Kirchturm einen neuen vergoldeten Turmknopf. Die große Kirchturmuhr ist an der Basis der Südseite des Spitzdaches, gleich darüber hängt die Schlagglocke unter einem kleinen Dach. Die drei Kirchturmglocken wurden 1633 gegossen. Ein großer zugemauerter Bogen an der Ostseite des Turms wird als Zugang zu einer abgebrochenen Apsis gedeutet. Der Haupteingang ist in der Südseite des Turms. Ein überdachter hölzerner Treppenaufgang an der Südseite des 1729 erneuerten Kirchenschiffes führt auf die Emporenetage im Inneren der Kirche. Das hohe Kirchenschiff trägt ein Krüppelwalm-Mansarddach mit je drei stehenden Dachfenstern auf der Süd- und Nordseite des Daches. Die Westseite ist ohne Fenster oder Türen. Seit einigen Jahren werden große Teile der Kirche restauriert und instand gesetzt sowie der Altar restauriert.
    Die Orgel ist derzeit (2011) unbespielbar. Sie wurde 1731 vom Erfurter Orgelbauer Johann Georg Schröter erbaut. Die Spielanlage der Orgel ist die einzige vollständig erhaltene einer Schröter-Orgel. Die Kirchgemeinde gehört mit Windischholzhausen und Urbich zum Kirchspiel Büßleben.
  • Im Westen der Rudolstädter Straße verläuft hierzu parallel die Straße Am Pfingstbach mit schönen Hofeinfahrten aus dem 18. Jahrhundert. Hier ist der alte Teil des Ortes mit der Kirche.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  2. Handbuch der Provinz Sachsen. Magdeburg, 1843.
  3. gemeindeverzeichnis.de
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Bevölkerung der Stadtteile

WeblinksBearbeiten

  Commons: Niedernissa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Infoseite von Niedernissa