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Nieder-Ramstadt (im lokalen Dialekt: Nidder-Ramschd) ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühltal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Zum Ortsteil zählt der Weiler In der Mordach. Früher gehörte auch der jetzt eigenständige Mühltaler Ortsteil Trautheim zu Nieder-Ramstadt.

Nieder-Ramstadt
Gemeinde Mühltal
Wappen von Nieder-Ramstadt
Koordinaten: 49° 49′ 17″ N, 8° 41′ 59″ O
Höhe: 167 m ü. NHN
Fläche: 10,27 km²[1]
Einwohner: 5490 (30. Jun. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 535 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64367
Vorwahl: 06151
Blick auf Nieder-Ramstadt
Blick auf Nieder-Ramstadt

Inhaltsverzeichnis

GeographieBearbeiten

Nieder-Ramstadt liegt im vorderen Odenwald im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald im Granitgebiet. Durch den Ort fließt die Modau. Im Norden verläuft die Bundesstraße 449 und im Süden die Bundesstraße 426.

GeschichteBearbeiten

 
Nieder-Ramstadt, Postkarte von 1907
 
Nieder-Ramstadt mit Wingertsberg-Steinbruch im Vordergrund. Oben im Bild: Kirchberg-Lindenberg-Rücken nördlich Trautheims

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf im Jahre 1190/94, als ein Cunradus de Ramstadt als Kanoniker des St.-Andreas-Stifts in Worms bezeugt wird.[2] Durch archäologische Funde wurde aber festgestellt, dass schon die Alemannen in diesem Gebiet siedelten. Eine alemannische Siedlung aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. sowie ein spätmerowingisches Gräberfeld (um 700 n. Chr.) konnten durch zahlreiche Funde nachgewiesen werden.

Seit dem 13. Jahrhundert gehörte es zum Herrschaftsbereich der Grafen von Katzenelnbogen. Der Bischof von Würzburg verlieh 1259 den Königshof Gerau an die Grafschaft Katzenelnbogen. Im Jahr 1318 wurde Nieder-Ramstadt im Zuge eines Teilungsvertrages zwischen Graf Berthold III. (Bertolf) und Graf Eberhard II. von Katzenelnbogen erwähnt.[3] 1403 bestätigte Graf Johann IV. von Katzenelnbogen, dass er u. a. Nieder-Ramstadt von Bischof Johann von Würzburg zu Lehen trage. Durch Tod des letzten männlichen Nachkommen Philipp I. von Katzenelnbogen im Jahr 1479 gelangte es durch Erbschaft unter Heinrich III. an die Landgrafschaft Hessen.

Vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert waren die Bäcker und Müller aus Nieder-Ramstadt von überregionaler Bedeutung. 1623 wurden in der entsprechenden Zunft für den Ort 53 Meister genannt.

Der Weiler In der Mordach wurde Anfang des 18. Jahrhunderts aus vier Mühlen, der Neuen Bohlen-, der Frankenbergers- (heute Waldhof), der Glashütten- (heute Haus Burgwald) und der Zehmühle gebildet.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Nieder-Ramstadt:

»Niederramstadt (L. Bez. Reinheim) luth. Pfarrdorf; liegt auf beiden Seiten des Modaubachs, über welchen eine 1734 erbaute schöne steinerne Brücke führt, und 2 St. von Reinheim. Der Ort besteht aus 159 Häusern und 1283 Einw., die bis auf 15 Kath., 7 Reform. und 9 Juden lutherisch sind. Unter den Einwohnern sind 60 Bauern, 57 Gewerbsleute und 58 Taglöhner. Man findet hier 1 Kirche mit einem herrlichen Geläute, 1 Pfarrhaus, 2 Schulhäuser, 1 Rathhaus, 1729 erbaut, 1 kleine Erziehungs-Anstalt für Waisen weiblichen Geschlechts, 1822 errichtet, 15 Mahlmühlen, 1 Pulver-, 1 Papier- und 1 Oelmühle. Dieses Dorf trugen wahrscheinlich die Grafen von Katzenellenbogen, von dem Stifte Würzburg zu Lehen; aber an einem andern Orte wird Niederramstadt als ein Katzenellenbogensches Allodium aufgeführt. Die Kirche war Anfangs eine Mutterkirche, wurde aber im 14. Jahrhundert ein Filial von Darmstadt und erhielt erst nach der Reformation seinen eigenen Pfarrer. Aufgefundenes Mauerwerk läßt schließen daß das Dorf einst größer gewesen sey.«[4]

GebietsreformBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. April 1972 die Gemeinde Waschenbach auf freiwilliger Basis als Ortsteil eingegliedert. Am 1. Januar 1977 wurden dann die bis dahin selbstständigen Gemeinden Nieder-Ramstadt, Frankenhausen, Nieder-Beerbach und Traisa kraft Landesgesetz zur neuen Gemeinde Mühltal zusammengeschlossen.[5] Für Nieder-Ramstadt wurde wie für die übrigen ehemaligen Gemeinden ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6] Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Nieder-Ramstadt.

Historische NamensformenBearbeiten

In historischen Dokumenten ist der Ort unter folgenden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[2] Ramestat (um 1190); Ramestat (1194); Ramestat (1222); Nyder Ramstat, Nider Ramstat (1360); Nyder Ramstat (1403); Niddernramstadt (1450); Nidderramstait (1509); Niederrambstatt (1589); Ramstadt, Nieder-Ramstadt.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Frankenhausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[2][7][8]

GerichteBearbeiten

Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war:[2]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1629: 106 Hausgesesse
Nieder-Ramstadt: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2018
Jahr  Einwohner
1829
  
1.283
1834
  
1.310
1840
  
1.394
1846
  
1.498
1852
  
1.478
1858
  
1.451
1864
  
1.380
1871
  
1.331
1875
  
1.318
1885
  
1.401
1895
  
1.387
1905
  
2.021
1910
  
2.458
1925
  
2.907
1939
  
3.407
1946
  
5.041
1950
  
5.271
1956
  
5.278
1961
  
5.702
1967
  
5.712
1970
  
5.655
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2013
  
5.806
2016
  
5.663
2018
  
5.490
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2][1]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 1252 lutheranische (= 97,58 %), 7 reformierte (= 0,56 %), 9 jüdische (= 0,70 %) und 15 katholische (= 1,70 %) Einwohner[4]
• 1961: 4418 evangelische (= 77,48 %), 945 katholische (= 16,57 %) Einwohner[2]

WappenBearbeiten

Am 17. Februar 1967 wurde der Gemeinde Nieder-Ramstadt im damaligen Landkreis Darmstadt ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Im von Silber und Rot gevierten Schild in den silbernen Feldern je ein blaues Rebblatt und in den roten Feldern je eine goldene Brezel.[9]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Der größte Arbeitgeber ist die Stiftung Nieder-Ramstädter Diakonie (NRD), die Wohnungen und Werkstätten für Menschen mit körperlichen und geistigen Behinderungen betreibt und diese betreut.

Söhne und Töchter von Nieder-RamstadtBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Mühltal in Zahlen: EWZ mit NW. Gemeinde Mühltal, archiviert vom Original; abgerufen im Juli 2019.
  2. a b c d e f g Nieder-Ramstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 8. November 2017). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. WebSite von Heinrich Tischner, Bensheim – Teilungsvertrag Katzenelnbogen
  4. a b Georg W. Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg, Band 1 Oktober 1829, S. 170 (Online bei Google Books)
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. Nr. 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  6. Hauptsatzung. (PDF; 62 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Mühltal, abgerufen im Februar 2019.
  7. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  8. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Band 1. Darmstadt 1866, S. 43 ff. (online bei Google Books).
  9. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Nieder-Ramstadt im Landkreis Darmstadt vom 17. Februar 1967. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1967 Nr. 10, S. 299, Punkt 224 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 2,9 MB]).
  10. Darmstädter Echo, Montag, 8. August 2016, S. 21
  11. Darmstädter Echo, Donnerstag, 26. November 2015, S. 20