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Nieder-Beerbach

Ortsteil von Mühltal im Landkreis Darmstadt-Dieburg, Hessen

Nieder-Beerbach (mundartlich: Beerwisch) ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühltal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Nieder-Beerbach
Gemeinde Mühltal
Wappen von Nieder-Beerbach
Koordinaten: 49° 47′ 28″ N, 8° 40′ 37″ O
Höhe: 223 m ü. NHN
Fläche: 8,25 km²[1]
Einwohner: 1896 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 230 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64367
Vorwahl: 06151
Blick vom Burgstall Alte Burg
Blick vom Burgstall Alte Burg

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Die erste urkundliche Erwähnung Nieder-Beerbachs erfolgte im 14. Jahrhundert.
1402 verleiht König Ruprecht das Dorf Nieder-Beerbach und die Dorenbach Konrad von Frankenstein.
1442 belehnt König Friedrich III. Philipp von Frankenstein und seine Vettern Konrad und Hans mit Nieder-Beerbach und Zubehör.
1545 belehnt Landgraf Philipp von Hessen die von Wallbrunn mit ihrem Teil an den Gefällen zu Ober- und Niederbeerbach.
1662 verkaufen die Herren von Frankenstein Nieder-Beerbach als Zubehör des vom Kaiser zu Lehen rührenden Hauses Frankenstein.
1682 belehnt Kaiser Leopold I. Landgräfin Elisabeth Dorothea als Vormünderin des Landgrafen Ernst Ludwig von Hessen mit Nieder-Beerbach, wie es zuletzt die von Frankenstein als Reichslehen innehatten.[2]

GebietsreformBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden am 1. Januar 1977 die bis dahin selbstständige Gemeinde Nieder-Beerbach mit den Gemeinden Frankenhausen, Nieder-Ramstadt und Traisa per Gesetz zur neuen Gemeinde Mühltal zusammengeschlossen.[3]

Historische NamensformenBearbeiten

In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt. (In Klammern das Jahr der Erwähnung):[2]

  • Berbach (1318)
  • Niedernbeerbach (1363)
  • Berbach (1467)
  • Nieddern Berbach (1485)
  • Nyddern Berbach (1485)
  • Berbach (1549)
  • Bernbach, under (1553)
  • Niedern Berbach; Unterbeerbach (1613)

Verwaltung und GerichteBearbeiten

Die übergeordneten Verwaltungseinheiten sind wie folgt dokumentiert:[2]

Die zuständige Gerichtsbarkeit war:[2]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

 Quelle: Historisches Ortslexikon[2]

• 1629: 26 Hausgesesse
• 1630: 7 Zweispännige, 1 Einspänniger, 11 Einläuftige
• 1961: 1156 evangelische (= 88,85 %), 125 katholische (= 9,61 %) Einwohner
Nieder-Beerbach: Einwohnerzahlen von 1829 bis 1970
Jahr  Einwohner
1829
  
552
1834
  
575
1840
  
645
1846
  
665
1852
  
665
1858
  
611
1864
  
661
1871
  
673
1875
  
691
1885
  
764
1895
  
830
1905
  
894
1910
  
905
1925
  
949
1939
  
930
1946
  
1.330
1950
  
1.306
1956
  
1.228
1961
  
1.301
1967
  
1.433
1970
  
1.376
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [2]

ErdbebenBearbeiten

Am 17. Mai 2014 um 18 Uhr 48 (MESZ) erschütterte ein Erdbeben mit dem Magnitutenwert von 4,2 auf der Richterskala Nieder-Beerbach. Das Epizentrum lag in einer Tiefe von ca. sechs Kilometern. Das Beben verursachte zahlreiche leichte Gebäudeschäden.[4]

WappenBearbeiten

Das Wappen wurde am 17. Februar 1955 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „In goldenem Schild ein schwarzer, rot bewehrter, aufrechter Bär, über sechs blaue Steinzwacken schreitend und in der Rechten ein rotes Frankensteiner Beileisen haltend.“[5]

Sehenswürdigkeiten und KulturBearbeiten

VereineBearbeiten

Nieder-Beerbach verfügt, gemessen an seiner relativ geringen Einwohnerzahl, über ein sehr ausgeprägtes und buntes Vereinsleben, das die dörfliche Gemeinschaft fördert.

Neben verschiedenen Sportstätten und Vereinsheimen wird in Nieder-Beerbach auch ein Walderlebnispfad rund um die Burg Frankenstein unterhalten, der den Benutzern die Nähe zwischen Mensch und Wald näherbringen soll.

Unser DorfBearbeiten

Nieder Beerbach nahm 2005 zum zweiten Mal am Wettbewerb des Landes Hessen „Unser Dorf“ teil (früher „Unser Dorf soll schöner werden“). Wie bereits bei der ersten Teilnahme, Anfang der 1990er, konnte Nieder-Beerbach hier den zweiten Platz belegen.

Kunststatt Nieder-BeerbachBearbeiten

Kunststatt Nieder-Beerbach – dies meint nicht „Stadt“, sondern „Stätte“ der Kunst, oder auch: Arbeitsstätte, Werkstatt der Kunst. Auf Initiative der Künstlerin Erika Liefland fanden sich 10 Künstler aus Nieder-Beerbach im Sommer 2002 zu einer Ausstellung zusammen und bereichern seither das Dorfbild mit ihren Werken, die in Nieder-Beerbach allgegenwärtig sind. Seitdem wird sogar am Ortseingang auf eigenen Verkehrsschildern darauf hingewiesen, dass sich der Besucher einer Kunststätte nähert.

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

  • September: Kerb[6]
  • Oktober: Oktoberfest[7]
  • November: Theateraufführung KAF, Komödie am Frankenstein (SKG Nieder-Beerbach)
  • Fastnacht: Zwei Herren- und Damen-Sitzungen (veranstaltet durch die SKG Nieder-Beerbach) und „Närrisch’im TV“ (veranstaltet durch den TV 1894 Nieder-Beerbach)

Frankenstein-Bergturnfest

Hauptartikel: Frankenstein-Bergturnfest

Auf der Wald-Sportanlage (Felsing-Anlage des Turnvereins) in der Nähe der Burg Frankenstein findet seit dem Jahr 1902 alljährlich das Frankenstein-Bergturnfest des Turngaus Main-Rhein statt.

Wirtschaft und InfrastrukturBearbeiten

Nieder-Beerbach ist durch seine Lage am Rande des Odenwalds eher ländlich geprägt. Aufgrund der Tatsache, dass die meisten Bewohner im nahe gelegenen Rhein-Main-Gebiet arbeiten, werden dort auch die meisten Geschäfte getätigt. Darunter leidet auch Nieder-Beerbachs Infrastruktur. Jedoch beginnt sich am nördlichen Ortsrand ein kleines Industriegebiet zu etablieren. Hier sind vor allem Unternehmen aus dem Handwerk und der IT-Branche angesiedelt.

Ein weiteres wichtiges Unternehmen für Nieder-Beerbach ist der im Osten liegende Steinbruch der Odenwälder Hartstein-Industrie (OHI). Die OHI wurde 1957 von der regionalen Konkurrenz, der Mitteldeutschen Hartstein-Industrie AG (MHI) erworben, die den Steinbruch noch heute betreibt. Der Nieder-Beerbacher Steinbruch ist der einzige Ort in Deutschland, an dem noch Silber gefördert wird.[8] Ebenso wird in diesem und in einem weiteren, nur wenige hundert Meter entfernten, Steinbruch in Waschenbach Gabbro gewonnen.[9]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Mühltal in Zahlen: EWZ mit NW. Gemeinde Mühltal, abgerufen am 23. November 2017.
  2. a b c d e f Nieder-Beerbach, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 17. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  3. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. Nr. 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  4. Darmstädter Echo, 19. Mai 2014, S. 1 ff.
  5. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Nieder-Beerbach vom 17. Februar 1955. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1955 Nr. 10, S. 213, Punkt 253 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  6. Darmstädter Echo, Mittwoch, 30. September 2015, S. 22
  7. Darmstädter Echo, Montag, 26. September 2016, S. 21
  8. Petra Lochmann: Silberfund im Steinbruch 9. Juni 2010 in echo-online.de (Online bei Genios)
  9. Andreas Wollny: Hessen ist ein steinreiches Land. 23. Dezember 2006 in echo-online.de, (Online im Webarchiv)