Frankenhausen (Mühltal)

Ortsteil von Mühltal im Landkreis Darmstadt-Dieburg, Hessen

Frankenhausen (im lokalen Dialekt: Fronkehaise)[2] ist ein Ortsteil der Gemeinde Mühltal im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Frankenhausen
Gemeinde Mühltal
Wappen von Frankenhausen
Koordinaten: 49° 47′ 8″ N, 8° 42′ 27″ O
Höhe: 316 m ü. NHN
Fläche: 2,4 km²[1]
Einwohner: 717 (30. Jun. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 299 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64367
Vorwahl: 06167
Luftaufnahme von Frankenhausen (oben Mitte) (2010)
Luftaufnahme von Frankenhausen (oben Mitte) (2010)
Evangelische Kirche (2016)

Frankenhausen liegt im vorderen Odenwald im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald im Granitgebiet.

GeschichteBearbeiten

Erstmals urkundlich erwähnt wird das Dorf im Jahre 1315 als Frankenhuse in einer Abgabenliste (Regesten der Landgrafen von Hessen, Nr. 16524), in der die Abgaben einzelner Orte für Graf Wilhelm von Katzenelnbogen aufgezählt werden. Der entsprechende Passus in dieser Urkunde lautet übersetzt: „In Frankenhausen fallen jährlich zwei Malter Weizen und drei Malter Hafer und 20 (?) Käse(?) an“.

Eine weitere Erwähnung erfolgt 1402 als Franckenhusen. Die Schreibweise Franckenhausen findet sich 1545.

1571 steht das zum Amt Auerbach gehörige Dorf Frankenhausen dem Landgrafen von Hessen unmittelbar zu.[3]

Im Dreißigjährigen Krieg fiel der Ort wüst und wurde erst 1650 wieder besiedelt.[4] Von 1709 bis 1715 wurde die evangelische Kirche erbaut. Die Schule folgte 1778. Sie diente lange Zeit als Dorfgemeinschaftshaus, bis 2011 das neue Dorfgemeinschaftshaus eingeweiht wurde. Inzwischen befindet sich die ehemalige Schule im Privatbesitz.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Frankenhausen:

»Frankenhausen (L. Bez. Reinheim) luth. Filialdorf; liegt 212 St. von Reinheim in einem weiten Thale und zum Theil auf beiden Seiten eines Wiesengrundes. Man findet 38 Häuser und 285 Einw., die bis auf 2 Kath. lutherisch sind, und unter diesen 15 Bauern, 25 Gewerbetreibende und 2 Tagelöhner, Die etwas erhaben liegende Kapelle wurde 1710 und das Schulhaus 1690 gebaut.«[5]

GebietsreformBearbeiten

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Januar 1977 die bis dahin selbstständige Gemeinde Frankenhausen mit den Gemeinden Nieder-Ramstadt, Nieder-Beerbach und Traisa kraft Landesgesetz zur neuen Gemeinde Mühltal zusammengeschlossen.[6] Für Frankenhausen wurde wie für dir übrigen ehemals selbständigen Gemeinden ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[7] Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Nieder-Ramstadt.

Territorialgeschichte und VerwaltungBearbeiten

Frankenhausen lag im Gerichtsbezirk der Zent Oberramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“ eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtieren und Knechten für Feldzüge bereitzustellen. Frankenhausen gehörte zum „Oberramstädter Reiswagen“, dem auch noch die Orte Ober-Ramstadt mit seinen Mühlen sowie den deutschen Einwohnern in Hahn und Wembach, Asbach, Dilshofen, Ober-Modau und Nieder-Modau angehörten. Die gesamte Zent Oberramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.[8][9]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Frankenhausen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[3][10][11]

GerichteBearbeiten

Frankenhausen gehörte zum Zentgericht Oberramstadt. 1630 wird ein Untergericht Zwingenberg genannt. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das „Hofgericht Darmstadt“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Frankenhausen das Amt Lichtenberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz, zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten:[3]

EinwohnerentwicklungBearbeiten

• 1629: 009 Hausgesesse[3]
• 1791: 162 Einwohner[9]
• 1800: 251 Einwohner[13]
• 1806: 186 Einwohner, 26 Häuser[12]
• 1829: 285 Einwohner, 38 Häuser[5]
• 1867: 297 Einwohner, 45 Häuser[14]
Frankenhausen: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2018
Jahr  Einwohner
1791
  
162
1800
  
251
1806
  
186
1829
  
285
1834
  
277
1840
  
293
1846
  
284
1852
  
290
1858
  
276
1864
  
287
1871
  
297
1875
  
323
1885
  
338
1895
  
301
1905
  
280
1910
  
277
1925
  
286
1939
  
235
1946
  
348
1950
  
332
1956
  
283
1961
  
287
1967
  
383
1970
  
456
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
654
2013
  
751
2016
  
702
2018
  
717
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [3]; ab 2013: Website Mühltal (Webarchiv)[1]; Zensus 2011[15]

ReligionszugehörigkeitBearbeiten

• 1829: 283 lutheranische (= 99,30 %) und 3 katholische (= 0,70 %) Einwohner[5]
• 1961: 253 evangelische (= 88,15 %), 31 katholische (= 10,80 %) Einwohner[3]

PolitikBearbeiten

OrtsbeiratBearbeiten

Für Frankenhausen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Frankenhausen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung.[7] Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 ist Dirk Kaffenberger (Bündnis 90/Die Grünen) Ortsvorsteher.[16]

Wappen und FlaggeBearbeiten

WappenBearbeiten

Blasonierung:In silbernem Schilde drei grüne Eicheln aus grünem Stiel wachsend.[17]

Das Wappen wurde vom Heraldiker Georg Massoth gestaltet und am 23. Januar 1952 durch das Hessische Innenministerium mit dem Recht zur Führung eines Wappens genehmigt.[18]

Es verweist auf die frühere Zugehörigkeit zum Wildbann Dreieich.

FlaggeBearbeiten

Am 27. März 1957 wurde der Gemeinde Frankenhausen vom Hessischen Innenministerium eine Flagge mit folgender Beschreibung genehmigt: „Auf dem rot-weiß-rotem Flaggentuch in der Mittelbahn das Gemeindewappen.“ [19]

Kultur und SehenswürdigkeitenBearbeiten

BauwerkeBearbeiten

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Frankenhausen

Regelmäßige VeranstaltungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Frankenhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Mühltal in Zahlen: EWZ mit NW. Gemeinde Mühltal, archiviert vom Original; abgerufen im Juli 2019.
  2. Darmstädter Echo. 20. September 2016, S. 21.
  3. a b c d e f Frankenhausen, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. Mai 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  4. Fritz Gevert: Was unser ältestes Kirchenbuch über Frankenhausen berichtet. In: Glaube und Heimat. Evangelisches Gemeindeblatt Ober-Ramstadt, Februar 1938.
  5. a b c Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Starkenburg. Band 1. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt Oktober 1829, OCLC 312528080, S. 75 (Online bei google books).
  6. Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 7 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags).
  7. a b Hauptsatzung. (PDF; 62 kB) §; 5. In: Webauftritt. Gemeinde Mühltal, abgerufen im Februar 2019.
  8. Ferdinand Dieffenbach: Das Großherzogthum Hessen in Vergangenheit und Gegenwart. Literarische Anstalt, Darmstadt 1877, S. 254 (online bei Google Books).
  9. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 123 (Online in der HathiTrust digital library).
  10. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  11. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 1. Großherzoglicher Staatsverlag, Darmstadt 1862, DNB 013163434, OCLC 894925483, S. 43 ff. (Online bei google books).
  12. a b Verzeichnis der Ämter, Orte, Häuser, Einwohnerzahl. (1806)HStAD Bestand E 8 A Nr. 352/4. In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 6. Februar 1806.
  13. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 125 (Online in der HathiTrust digital library).
  14. Ph. A. F. Walther: Alphabetisches Verzeichniss der Wohnplätze im Grossherzogtum Hessen. G. Jonghaus, Darmstadt 1869, OCLC 162355422, S. nn (Online bei google books).
  15. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt;
  16. Ortsbeiräte. In: Rats- und Bürgerinformationssystem. Gemeinde Mühltal, abgerufen im August 2019.
  17. Frankenhausen: Wappen In: Archivinformationssystem Hessen (Arcinsys Hessen), Stand: 1952.
  18. Verleihung des Rechts zur Führung eines Wappens an die Gemeinde Frankenhausen im Landkreis Darmstadt, Reg.-Bezirk Darmstadt vom 9. Februar 1952. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1952 Nr. 6, S. 82, Punkt 105 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags).
  19. Genehmigung einer Flagge der Gemeinde Frankenhausen im Landkreis Darmstadt, Regierungsbezirk Darmstadt vom 27. März 1957. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1957 Nr. 15, S. 343, Punkt 355 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags).
  20. Darmstädter Echo. 17. September 2015, S. 20.