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Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg

Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg

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Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung
Gründung 1996
Sitz Stuttgart, Deutschland
Leitung

Volker M. Heepen (Geschäftsführer)

Branche ÖPNV-Aufgabenträger
Website www.nvbw.de
Stand: 1. August 2018

Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH (NVBW) ist die Servicegesellschaft des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg zur Planung und Koordinierung des Schienenpersonennahverkehrs in Baden-Württemberg. Die NVBW bewirbt gemeinsam mit den baden-württembergischen Verkehrsverbünden den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) unter der Dachmarke bwegt, bis Oktober 2017 3-Löwen-Takt. Die NVBW befindet sich zu hundert Prozent in Landesbesitz.

3-Löwen-Takt-Werbung in Konstanz

Inhaltsverzeichnis

GeschichteBearbeiten

Aufgabenträger für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Baden-Württemberg ist das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg. Davon ausgenommen ist die S-Bahn Stuttgart, deren Aufgabenträger der Verband Region Stuttgart ist. Die NVBW wurde infolge des Regionalisierungsgesetzes 1996 gegründet und befindet sich im Eigentum des Landes.

Nach Untersuchungen zum Integralen Taktfahrplan, die von 1992 bis 1994 in Süddeutschland durchgeführt wurden, beschloss das Land Baden-Württemberg, ab 1996 schrittweise einen Integralen Taktfahrplan für Baden-Württemberg (ITF Baden-Württemberg) einzuführen. Demnach sollte an jedem Bahnhof im Land montags bis freitags zwischen 6 und 21 Uhr sowie samstag von 6 bis 13 Uhr ein Stundentakt angeboten werden. Von 13 bis 21 Uhr am Samstag sowie sonn- und feiertags von 6 bis 21 Uhr war ein Zwei-Stunden-Takt geplant.[1]

Mit der Regionalisierung des Schienenpersonennahverkehrs, zum 1. Januar 1996, war dieses Angebotsziel auf rund 60 Prozent der Strecken in Baden-Württemberg verwirklicht. Nach Angaben der NVBW seien 1997/1998 75 Prozent der Strecken vertaktet gewesen, 1999/2000 84 Prozent.[1] Zum Fahrplanwechsel am 10. Juli 2001 wurde das Zugangebot weiter ausgebaut und bestehende Taktlücken beseitigt. Der Realisierungsgrad des Integralen Taktfahrplans konnte damit auf 90 Prozent erhöht werden.[2]

Zwischen 1996 und 2001 wurden mehr als 250 neue Eisenbahnfahrzeuge beschafft, die jeweils zu mindestens 50 Prozent vom Land bezuschusst wurden.[1]

Die Informationskampagne 3-Löwen-Takt wurde 1999 gestartet.[1] Der Name nimmt Bezug auf das Wappen Baden-Württembergs.

Im Jahr 2008 wurde bei der NVBW zusätzlich der Geschäftsbereich Umweltverbund und Radverkehrsförderung gegründet, um das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg bei diesen Themen zu unterstützen.[3]

Am 19. Oktober 2017 ersetzte die neue Marke bwegt den Drei-Löwen-Takt.[4] Die auf fünf Jahre angelegte Kampagne kostet 16,3 Millionen Euro.[5][6] Hiervon werden 5 Millionen Euro den Eisenbahnverkehrsunternehmen für Marketing zur Verfügung gestellt.[5] Die Finanzierung des Betrags, der einem Cent je in diesem Zeitraum verkauften Fahrschein entspricht, erfolgt überwiegend aus Regionalisierungsmitteln.[5] In diesem Zeitraum erwartet das Land Einnahmen aus Fahrkartenverkäufen in Höhe von 800 Millionen Euro und zahlt 1,8 Milliarden Euro für die Verkehrsleistungen.[6] Bis 2023 sollen fast alle Fahrzeuge den neuen Schriftzug erhalten.[6] Laut NVBW war die alte Marke der Hälfte der Landesbevölkerung bekannt.[7]

AufgabengebieteBearbeiten

Zu den Hauptaufgaben der NVBW zählen vor allem die Planung, Koordination und europaweite Ausschreibung von SPNV-Leistungen in Baden-Württemberg. Darunter fallen die Verkehrs- und Infrastrukturplanung, das Qualitätsmanagement, das Vertragscontrolling sowie das Erlöscontrolling. Außerdem erfolgt die Koordination des Marketings des SPNV und ÖPNV in Baden-Württemberg unter der Marke „3-Löwen-Takt“ im Hause der NVBW.

Des Weiteren betreibt die NVBW die landesweite elektronische Fahrplanauskunft „EFA-BW“ und die landesweite telefonische Fahrplanauskunft „Löwenline“ im Auftrag der baden-württembergischen Verkehrsverbünde.

Neben den oben genannten Kernaufgaben gehört die Radverkehrs- und Fußverkehrsförderung zu den Aufgaben der NVBW. Außerdem ist die Geschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) bei der NVBW angesiedelt. Weiterhin gehört die Koordination des landesweiten Fahrgastbeirates sowie das „Kompetenzzentrum Innovative Angebotsformen im ÖPNV“ und das „Kompetenzzentrum Baden-Württemberg-Tarif“ zur NVBW.

VerkehrsleistungBearbeiten

  Folgende Teile Verkehrsleistung scheinen seit 2006 nicht mehr aktuell zu sein: Verkehrsleistung; Kilometerentgelt, etc.
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Verkehrsleistung im SPNV Baden-Württemberg
(ohne S-Bahn Stuttgart, NE-Stammstrecken sowie Verkehre im Auftrag von Landkreisen und Zweckverbänden)[1]
Jahr Zugkilometer (Mio.)
1996 47,26
1997 50,89
1998 52,54
1999 53,94
2000 57,00

Vor der Regionalisierung (1996) wurden jährlich rund 42 Millionen Zugkilometer (ohne S-Bahn) in Baden-Württemberg gefahren.[1] Um 1994 wurde im baden-württembergischen Schienenpersonennahverkehr eine jährliche Leistung von 54 Millionen Zugkilometern erbracht.[8] Zwischen 1996 und 2001 stieg die Zahl der gefahrenen Zugkilometer um 36 Prozent, die Fahrgastzahlen nahmen im gleichen Zeitraum um 28 Prozent zu.[1]

Die vom Innenministerium Baden-Württemberg und dem Verband Region Stuttgart bei DB Regio und anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) im Land jährlich bestellten Zugkilometer stiegen von rund 61 Millionen 1996/1997 auf rund 81 Millionen 2004/2005.[9] 2001 war das Angebot bei 57 Millionen Zugkilometern gelegen.[1]

Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2004 wurden einerseits rund 1,6 Millionen Zugkilometer abbestellt, andererseits zusätzliche Leistungen im Umfang von 660.000 Zugkilometern angeboten. Laut Angaben des Landes seien mehr als 60 Prozent der zur Streichung vorgesehenen Züge mit weniger als 15 Fahrgästen ausgelastet gewesen. Als weitere Kriterien dienten unter anderem alternative Fahrtmöglichkeiten und die Bedienstruktur des Integralen Taktfahrplans. Durch die Netto-Einsparung von 900.000 Zugkilometern sollten rund zehn Millionen Euro jährlich eingespart werden.[8]

Der Verkehrsvertrag zwischen dem Innenministerium Baden-Württemberg und DB Regio sieht einen pauschalen Preis von 8,25 Euro pro Zugkilometer vor (2006). Laut Verkehrsclub Deutschland erhalten die anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen im Durchschnitt 7,25 Euro pro Zugkilometer,[10] diese betreiben allerdings überwiegend Strecken mit geringerem Fahrgastaufkommen und entsprechend kürzeren Zügen.

Der integrale Taktfahrplan für den SPNV in Baden-Württemberg sieht folgende Bedienungsstandards vor:

  • montags bis freitags zwischen 6 und 21 Uhr im Stundentakt
  • samstags von 6 bis 13 Uhr je nach Nachfrage im Stunden- oder 2-Stunden-Takt
  • samstags von 13 bis 21 Uhr im 2-Stunden-Takt
  • sonn- und feiertags von 7 bis 21 Uhr im 2-Stunden-Takt

Nach Angaben der NVBW sind 90 % aller SPNV-Strecken vertaktet.[11]

TarifeBearbeiten

Die Tarifgestaltung ist in Baden-Württemberg weitgehend den Verkehrsverbünden überlassen, von denen es im Land 22 gibt, für die die Landkreise verantwortlich sind. Das einzige landeseinheitliche Angebot neben dem Länderticket von DB Regio ist das „Schüler-Ferien-Ticket“.

Baden-Württemberg-TarifBearbeiten

Bereits 2011 strebte der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann einen Landestarif (seit Dezember 2016 Baden-Württemberg-Tarif) an.[12] Nach der Erstellung eines Gutachtens im Herbst 2013 plante das Ministerium für Verkehr, bis 2015 die erste Stufe des darin empfohlenen Landestarifs zu erreichen, also einen Landestarif für den SPNV einzuführen, der auch Nahverkehrsanschlüsse am Zielort in mindestens 25 Städten[13] umfasst.[14] Die zweite Stufe – ein vollständiger Landestarif – war damals für 2019 geplant.[14]

Im Jahr 2014 wurde das Tarif-, das Vertriebs- und das Organisationskonzept erstellt.[13] 2015 wurde die Einführung des Landestarifs wegen noch bestehender Netto-Verkehrsverträge[15] auf Dezember 2018 verschoben.[16][13] Die Zielanschlussmobilität soll dann jedoch auch in der ersten Stufe schon an allen SPNV-Stationen verfügbar sein.[13] Die Stufe 2, die neben den Einzel- und Gruppenfahrkarten auch Zeitkarten umfassen soll, soll danach schrittweise bis Dezember 2021 eingeführt werden.[13]

Die Anpassung der Vertriebssysteme der Eisenbahnverkehrsunternehmen kostet etwa 10,5  Millionen €, die vollständig vom Land gezahlt werden.[13] Die laufenden Kosten werden in Stufe 1 auf 1,5  Millionen € pro Jahr geschätzt.[13]

Dieser Baden-Württemberg-Tarif soll über den Tarifen der Verkehrsverbünde stehen und deren Angebot sinnvoll ergänzen. Bei allen Fahrten über die Grenzen eines Verbundes hinaus soll künftig dieser neue Landestarif Anwendung finden, innerhalb der Verbünde gelten weiterhin deren Tarife. Bewährte Übergangstarife sollen jedoch erhalten bleiben.[17] Im Januar 2016 unterzeichneten die 22 baden-württembergischen Verkehrsverbünde eine entsprechende Absichtserklärung.[18] Ab 9. Dezember 2018 können per App und am Fahrkartenautomaten Einzelfahrscheine und Tageskarten für den BW-Tarif gelöst werden.[19]

Zur Konzeption und Organisation des Landestarifs soll die Baden-Württemberg-Tarif GmbH gegründet werden. Sie soll von den Aufgabenträgern und den Eisenbahnverkehrsunternehmen des baden-württembergischen Regionalverkehrs getragen werden.[20] Das Land soll 44 % der Unternehmensanteile erhalten, der VRS 5 %.[21] Die Verkehrsverbünde sollen über einen Kooperationsvertrag eingebunden werden. Am 21. März 2017 stimmte das Landeskabinett deren Gründung zu.[20]

BeteiligungenBearbeiten

Die NVBW ist mit 10,13 % an der VDV eTicket Service GmbH & Co. KG (Köln) beteiligt.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d e f g h Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (Hrsg.): Regionalisierung des Schienenpersonennahverkehrs in Baden-Württemberg. Oktober 2001, S. 1–3, 10, 12.
  2. Meldung SPNV-Verbesserungen in Baden-Württemberg. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 6/2001, ISSN 1421-2811, S. 244 f.
  3. https://www.nvbw.de/die-nvbw/wir-ueber-uns/. Wir über uns. Homepage der NVBW. Abgerufen am 2. Januar 2017.
  4. Baden-Württemberg „bwegt“: Die neue Dachmarke für den Nahverkehr ist da. NVBW - Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH, 19. Oktober 2017, abgerufen am 20. Oktober 2017.
  5. a b c Christoph Link: Neue Nahverkehrsmarke kostet Land 16 Millionen. In: Stuttgarter Nachrichten. Band 72, 20. Oktober 2017, S. 1.
  6. a b c Christoph Link: Nahverkehrszüge in Baden-Württemberg: „Bwegt“ löst Drei-Löwen-Takt ab. In: stuttgarter-zeitung.de / stuttgarter-nachrichten.de. Stuttgarter Zeitung Verlagsgesellschaft mbH / Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH, 19. Oktober 2017, abgerufen am 21. Oktober 2017.
  7. Wir über uns / 3-Löwen-Takt. In: www.3-loewen-takt.de. NVBW – Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg mbH, archiviert vom Original am 19. Juli 2017; abgerufen am 9. September 2017.
  8. a b Meldung Baden-Württemberg streicht Zugkilometer. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 11/2004, ISSN 1421-2811, S. 517.
  9. Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: @1@2Vorlage:Toter Link/www.voev.chVortrag des Geschäftsführers der NVBW, 2005 (PDF-Datei, 474 kB)
  10. Pressemitteilung des VCD vom 15. August 2006
  11. Integraler Taktfahrplan (ITF), NVBW, abgerufen 16. Mai 2010
  12. Landtagsdrucksache 15/3236: Antrag der Abg. Karl Klein u. a. CDU und Stellungnahme des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur: Einführung eines Landestickets und Finanzierung von Verbundtarifen zwischen Verkehrsverbünden. Landtag von Baden-Württemberg, 14. März 2013, abgerufen am 13. Januar 2016 (PDF; 41,7 KiB).
  13. a b c d e f g Landtagsdrucksache 15/6980: Antrag der Abg. Jochen Haußmann u. a. FDP/DVP und Stellungnahme des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur: Stand der Einführung eines Landestickets und Auswirkungen auf Kooperationen zwischen Verkehrsverbünden. Landtag von Baden-Württemberg, 10. Juni 2015, abgerufen am 13. Januar 2016 (PDF; 190 KiB).
  14. a b Landtagsdrucksache 15/4324, Nr. 46: Zu dem Antrag der Abg. Karl Klein u. a. CDU und der Stellungnahme des Ministe riums für Verkehr und Infrastruktur (Drucksache 15/3236). Landtag von Baden-Württemberg, 16. Oktober 2013, abgerufen am 13. Januar 2016 (PDF; 1,3 MiB).
  15. Sabine Lacher: Bericht aus dem Fahrgastbeirat für den vom Land bestellten SPNV für das Jahr 2015. PRO BAHN Baden-Württemberg e.V., abgerufen am 13. Januar 2016.
  16. Alexander Ikrat: Nahverkehr in Baden-Württemberg: Landesticket lässt Jahre auf sich warten. Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH, 25. November 2015, abgerufen am 13. Januar 2016.
    Alexander Ikrat: Nahverkehr in Baden-Württemberg: Landesticket kommt erst im Dezember 2018. Stuttgarter Nachrichten Verlagsgesellschaft mbH, 25. November 2015, abgerufen am 13. Januar 2016.
  17. Absichtserklärung für Landestarif im ÖPNV. Pressemitteilung des baden-württembergische Ministerium für Verkehr und Infrastruktur vom 13. Januar 2016. In: Absichtserklärung für Landestarif im ÖPNV. Ministerium für Verkehr und Infrastruktur, 13. Januar 2016, abgerufen am 20. Oktober 2017 (deutsch).
  18. Landesticket kommt 2018. In: Stuttgarter Nachrichten. Band 72, Nr. 10, 14. Januar 2016, S. 19.
  19. dpa: So funktioniert der neue BW-Tarif für ganz Baden-Württemberg. 25. September 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  20. a b Ein Nahverkehrs-Ticket für das ganze Land. In: vm.baden-wuerttemberg.de. 21. März 2017, abgerufen am 26. März 2017 (deutsch).
  21. Benjamin Kehrer: LänderBahn Baden-Württemberg: BW-Tarif GmbH gegründet. In: Bahn-Report. Heft 1/2018, 11. Dezember 2017, S. 70.