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Manfred Baldus (Rechtswissenschaftler, 1963)

deutscher Rechtswissenschaftler

LebenBearbeiten

Von 1983 bis 1988 studierte Baldus Rechtswissenschaft, Politologie und Philosophie an den Universitäten Trier, Bonn, Paris und an der FU Berlin. Nach seiner ersten juristischen Staatsprüfung 1988 leistete er 1990 Zivildienst am Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg. Von 1991 bis 1993 nahm er als Promotionsstipendiat der Stiftung Volkswagenwerk am Graduiertenkolleg für Rechtsgeschichte der Universität Frankfurt teil. 1993 bis 1995 leistete er seinen juristischen Vorbereitungsdienst, den er mit dem Assessorexamen abschloss. Während des Referendariats promovierte Baldus 1994 an der Universität Frankfurt zum Thema Die Einheit der Rechtsordnung – Bedeutungen einer juristischen Formel in Rechtstheorie, Zivil- und Staatsrechtswissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts.

Baldus war von 1996 bis 1998 Habilitationsstipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft. 1998 habilitierte Baldus an der Universität Frankfurt mit dem Thema Transnationales Polizeirecht – Verfassungsrechtliche Grundlagen und einfach-gesetzliche Ausgestaltung polizeilicher Eingriffsbefugnisse in grenzüberschreitenden Sachverhalten für Öffentliches Recht einschließlich des Europarechts, Rechtstheorie und Neuere Rechtsgeschichte. Es folgten von 1998 bis 1999 Tätigkeiten als Assistent an der Juristischen Fakultät der Universität Rostock, 2000 bis 2003 als Oberassistent an der Universität der Bundeswehr Hamburg und währenddessen Lehrstuhlvertretungen an den Universitäten Frankfurt und Kiel. Außerdem war er 1999 Gastprofessor in Paris.

Baldus wurde 2003 zum Universitätsprofessor an der neuerrichteten Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt ernannt. Er hat dort den Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Neuere Rechtsgeschichte inne. 2008 lehnte Baldus einen Ruf an die Deutsche Hochschule der Polizei ab. Von 2015 bis 2016 war Baldus zudem Leiter der Expertenkommission zur Evaluierung der Thüringer Polizeistrukturreform unter Einbeziehung der Struktur und Arbeitsweise des Landeskriminalamtes. Aktuell ist er Vorsitzender der Untersuchungskommission gemäß Ethikkodex der Universität Erfurt[1][2]

Baldus ist seit 2008 Mitglied des Thüringer Verfassungsgerichtshofs. Seine Amtszeit wurde 2012 um weitere fünf Jahre und im März 2018 um weitere sieben Jahre verlängert. Zuletzt erfolgte die Wahl auf Vorschlag der Fraktionen der Parteien CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke.[3] Dabei erhielt er im Thüringer Landtag in einer politisch schwierigen Situation 77 von 85 Stimmen.[4]

Mitgliedschaften und AuszeichnungenBearbeiten

Baldus ist Mitglied in der Vereinigung der Deutschen Staatsrechtslehrer und in dem Arbeitskreis Innere Sicherheit.

2001 wurde er mit dem 1. Preis der Polizei-Führungsakademie 1999 für hervorragende Abhandlungen aus dem Bereich der Inneren Sicherheit für seine erwähnte Habilitationsschrift ausgezeichnet.

2003 wurde er mit dem Preis für Gute Lehre im Studium Fundamentale des Jahres 2003 der Universitätsgesellschaft Erfurt e. V. und des Studierendenrates der Universität Erfurt ausgezeichnet. Weitere Auszeichnungen für gute Lehre erhielt er beispielsweise durch die Studierendenschaft der Staatswissenschaftlichen Fakultät im Wintersemester 2016/2017 sowie im Sommersemester 2017 mit jeweils zweiten Plätzen.[5]

ProzessvertretungBearbeiten

Im Jahr 2002 übernahm Baldus die Prozessvertretung in der mündlichen Verhandlung eines Normenkontrollverfahrens, das dem Bundesverfassungsgericht durch das Amtsgericht Hamburg vorgelegt wurde.[6][7] Im zugrundeliegenden Fall wandte Baldus sich gegen das Verbot des Doppelnamens für Kinder durch § 1616 Abs. 2 und 3 BGB a. F. und wollte erreichen, dass sein Kind einen aus seinem Namen und dem seiner Ehefrau, die ihren Nachnamen nach der Eheschließung behielt, gebildeten Doppelnamen tragen darf. Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts entschied das Anliegen jedoch abschlägig.[8]

Sportliche KarriereBearbeiten

Vor seiner wissenschaftlichen Laufbahn war Baldus als Fußballer aktiv und absolvierte in der Saison 1983/84 der Verbandsliga Rheinland (damals vierthöchste Spielklasse im deutschen Fußball) insgesamt 21 Pflichtspiele für den VfB Wissen.[9] Außerdem spielte er auch mehrfach für die deutsche A-Jugend-Nationalmannschaft des Deutschen Fußball-Bundes.[10]

Publikationen (Auswahl)Bearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Untersuchungskommission gemäß Ethikkodex auf uni-erfurt.de (zuletzt abgerufen am 15. Juni 2019).
  2. Überblick über Kommissionen auf der Seite des Rats der Sozial- und WirtschaftsDaten (abgerufen am 15. Juni 2019).
  3. Drucksache 6/5434 des Thüringer Landtages (abgerufen am 20. März 2018).
  4. Verfassungsrichter vom Landtag gewählt auf sueddeutsche.de (abgerufen am 20. März 2018).
  5. Preis für gute Lehre auf uni-erfurt.de (abgerufen am 7. Dezember 2018).
  6. Vorträge/ Mitwirkung an öffentlichen Veranstaltungen. Abgerufen am 9. November 2018.
  7. Rechtsanwalt Thomas Fuchs, Heidelberg: BVerfG, Mitteilung vom 30. 1. 2002 – 10/02. Abgerufen am 9. November 2018.
  8. RZ-Online GmbH: RZ-Online. Abgerufen am 9. November 2018.
  9. Spielerprofil beim VfB Wissen. Abgerufen am 24. Juni 2012.
  10. Lebenslauf. Abgerufen am 14. Juli 2016.