Bezirk Laufen

Bezirk im Kanton Basel-Landschaft, Schweiz
(Weitergeleitet von Laufental)
Bezirk Laufen
Basisdaten
Staat: Schweiz
Kanton: Basel-Landschaft (BL)
Hauptort: Laufen
BFS-Nummer: 1302
Fläche: 89.56 km²
Einwohner: 19'912[1] (31. Dezember 2018)
Bevölkerungsdichte: 222 Einw. pro km²
Karte
Karte von Bezirk Laufen

Der Bezirk Laufen, auch Laufental genannt, ist einer von fünf Bezirken im Schweizer Kanton Basel-Landschaft. Der Hauptort ist Laufen. Bis 1994 gehörte der Bezirk zum Kanton Bern.

GeografieBearbeiten

 
Blick Richtung Laufental von der Burg Neu-Thierstein aus. Zu sehen sind unter anderem Laufen, Dittingen, Blauen und Brislach

Das knapp 90 km² grosse Laufental mit den dreizehn Gemeinden Blauen, Brislach, Burg im Leimental, Dittingen, Duggingen, Grellingen, Laufen, Liesberg, Nenzlingen, Roggenburg, Röschenz, Wahlen und Zwingen liegt in der Wirtschaftsregion Nordwestschweiz, einen Katzensprung[2] von Basel entfernt. Es grenzt an die Kantone Jura und Solothurn und berührt im Westen die französische Staatsgrenze.

GeschichteBearbeiten

Nach der Niederlage Napoleons Ende 1813 bei der Völkerschlacht bei Leipzig marschierten die verbündeten Armeen (Russland, Preussen, Österreich) Richtung Frankreich. In Missachtung der schweizerischen Neutralität[3] erlaubte Basel 1814 80'000 Soldaten die Überquerung der Mittleren Brücke und den Marsch durch das ehemalige Fürstbistum Basel, um gegen Napoleons Armee zu kämpfen. Diese Geste wurde am Wiener Kongress nicht vergessen und brachte dem Stand Basel unter gewissen Bedingungen die Einverleibung der neun katholischen Dörfer des Birsecks.

Für die Siegermächte galt es 1815 in Wien, zuerst einen neuen Herrscher über das herrenlose Fürstbistum zu wählen, der militärisch die Klusen und die Pässe verteidigen könnte. Gerade dieses Gebiet hatten die Franzosen 1797 als Vorwand für das Eindringen in die Schweiz genutzt. Basel war dafür nicht geeignet. Einzig Bern besass die erforderliche militärische Macht.[4] Zudem war Bern mit Biel und den südjurassischen Tälern verburgrechtet.

Der Aargau und das Waadtland, die Bern schon 1803 verloren hatte, waren bereits durch die Mediationsakte als Kantone anerkannt, und die Frage einer Entschädigung Berns erschien zweitrangig.[5] Die Herrschaft Pfeffingen gab es im Jahre 1815 schon seit mehr als zwanzig Jahren nicht mehr. Es wäre wenig sinnvoll gewesen, Duggingen und Grellingen nicht Bern zuzuordnen.[6] Das Birstal bildet eine geographische Einheit bis zum Schloss Angenstein, das für die Berner eine strategische Klus und das Eingangstor zum Jura war.

Basel wollte die Laufentaler nicht.[7] Es begnügte sich mit dem Zusammenschluss der Dörfer Biel und Benken mit dem Birseck. Ähnlich wie 1803 beim Fricktal wollte Basel keine Katholiken und nicht zu viele Bauern.[8] Bereits 1798 hatten Landschäftler drei Landvogteischlösser in Brand gesetzt[9] und deren Aufmüpfigkeit bekam Basel noch bis 1833 hart zu spüren.

Als der Jura im Jahre 1979 ein selbständiger Kanton wurde, erhielt das vom Kanton Bern isolierte und zu einer Exklave gewordene Laufental die Möglichkeit, sich einem benachbarten Kanton anzuschliessen oder bei Bern zu bleiben. Zur Wahl standen die Kantone Solothurn, Basel-Landschaft und Basel-Stadt. Der gewählte Kanton wird dem Kanton Bern gegenübergestellt. Nach der ersten Volksabstimmung vom 13. Januar 1980 kamen Basel-Landschaft (52 %) und Solothurn (32 %) in die engere Wahl, während Basel-Stadt (16 %) abfiel. Bei der zweiten Abstimmung vom 16. März 1980 ging Basel-Landschaft (65 %) als Sieger hervor, das «Aktionskomitee pro Solothurn» blieb ohne Wirkung.[10] In der Volksabstimmung am 11. September 1983, bei der es um den Entscheid pro Bern oder pro Baselland ging, stimmten fast 57 Prozent der Bevölkerung des Bezirks für den Verbleib bei Bern. Nachdem 1984 aber bekannt geworden war, dass der Kanton Bern die «Aktion bernisches Laufental» widerrechtlich mit Geld versorgt hatte, entbrannte ein jahrelanger Rechtsstreit. Letztlich verlangte das Bundesgericht die Wiederholung der Volksabstimmung und am 12. November 1989 entschieden sich die Laufentaler mit einer Mehrheit von 51,7 Prozent für die Zugehörigkeit zum Kanton Baselland. Am 1. Januar 1994, nachdem die Eidgenossenschaft als Ganzes dem Kantonswechsel zugestimmt hatte, erfolgte der Beitritt zum Kanton Basel-Landschaft.[11]

 
Herrschaftsfahne Zwingen-Laufen im Fürstbistum Basel

Politische GemeindenBearbeiten

Wappen Name der Gemeinde Einwohner
(31. Dezember 2018)
Fläche
in km² [12]
Einwohner
pro km²
  Blauen 0691 07,12 097
  Brislach 1652 09,42 175
  Burg im Leimental 0263 02,84 093
  Dittingen 0729 06,75 108
  Duggingen 1541 05,86 263
  Grellingen 1845 03,29 561
  Laufen 5619 11,40 493
  Liesberg 1129 12,46 091
  Nenzlingen 0443 03,66 121
  Roggenburg 0276 06,67 041
  Röschenz 1863 10,07 185
  Wahlen 1462 05,41 270
  Zwingen 2399 04,61 520
Total (13) 19'9120 89,56 222

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

Commons: Bezirk Laufen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  2. Katzensprung: ein kleiner Sprung.
  3. Gustav Steiner: Der Bruch der schweizerischen Neutralität im Jahre 1813. Neujahrsblatt der GGG, Basel 1924 (127 Seiten).
  4. G.-A. Chevallaz: Histoire générale de 1789 à nos jours. 1974, S. 83.
  5. Vortrag von Marco Jorio, Verein der Freunde des Domes Arlesheim, 19. April 1989.
  6. Jean-Jacques Kottelat, Basler Zeitung, 24. August 1991
  7. Adolf Walther: Rund um den Baselstab, Band 2, 1977, S. 197.
  8. Martina Lichtsteiner, Basler Zeitung, 18. März 1993
  9. Fritz Meier: Basler Heimatgeschichte. 1982, S. 559.
  10. Laufental, Kantonswechsel. In: DIJU – Lexikon des Jura. Société jurassienne d’Emulation, abgerufen am 5. Juni 2018.
  11. Das Heimweh der berntreuen Laufentaler. NZZ, 7. Oktober 2013
  12. Arealstatistik Standard – Gemeinden nach vier Hauptbereichen (15.12.2017) des Bundesamts für Statistik BFS