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Kellyanne Conway

US-amerikanische republikanische Campaign Managerin, Strategin und Meinungsforscherin
Kellyanne Conway im Februar 2017

Kellyanne Conway, Geburtsname Kellyanne Elizabeth Fitzpatrick (* 20. Januar 1967 in Camden, New Jersey), ist eine US-amerikanische Juristin und Meinungsforscherin. Bekannt wurde sie als republikanische Wahlkampfstrategin. Im US-Wahlkampf 2016 war sie zunächst im Team von Ted Cruz, danach wurde sie Wahlkampfmanagerin von Donald Trump. Sie ist die erste Frau als Leiterin eines erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampfs in der Geschichte der USA. Im Dezember 2016 ernannte Trump sie zu seiner Beraterin („Counselor to the President“).[1] Conway war vorher Vorstandsvorsitzende und Geschäftsführerin des von ihr gegründeten Meinungsforschungsinstituts The Polling Company Inc./Woman Trend.[2]

Inhaltsverzeichnis

HerkunftBearbeiten

Kellyanne Elizabeth Fitzpatrick wurde am 20. Januar 1967 in Camden, New Jersey als Tochter von Diane Fitzpatrick geboren.[3][4] Ihr Vater war irischer Herkunft und besaß eine kleine Logistikfirma, ihre Mutter, die italienischer Abstammung war, arbeitete als Bankangestellte. Die Eltern ließen sich scheiden, als sie drei Jahre alt war.[5]

Sie wurde von ihrer Mutter, der Großmutter und zwei unverheirateten Tanten in der Waterford Township in New Jersey erzogen und schloss ihre Schulbildung 1985 an der St. Joseph High School in Hammonton ab.

Sie gehört wie ihre Eltern der katholischen Konfession an.[3][6][7]

StudiumBearbeiten

Am Trinity College, Washington, D.C. (jetzt Trinity Washington University)[8] erwarb Conway ihren Bachelor of Arts-Abschluss in Politikwissenschaft mit dem Prädikat magna cum laude. Außerdem wurde sie in die Phi Beta Kappa-Verbindung aufgenommen.[9] 1992 erwarb sie an der juristischen Fakultät der George Washington University den Abschluss des Juris Doctor with honors („mit Auszeichnung“).[10]

KarriereBearbeiten

Nach ihrem Universitäts-Abschluss arbeitete Conway als Assistentin des Richters Richard A. Levie am Obersten Gericht des District of Columbia. Vier Jahre lang arbeitete sie außerdem als adjunct professor an der juristischen Fakultät der George Washington University.[11][12]

Später war sie in der Meinungsforschung bei der Wirthlin Group, die den Republikanern nahesteht, und bei dem konservativen Demoskopen Frank Luntz beschäftigt.

1995 machte sie sich selbständig und gründete The Polling Company, eine Firma für Marktforschung. Mit WomanTrend, einer Abteilung dieser Firma, engagierte sie sich für Frauen sowie für Marken und Unternehmen wie Vaseline, American Express, Hasbro, ABC News, Major League Baseball und das Ladies' Home Journal.[13]

Neben der Erhebung und Vermarktung von Umfrageergebnissen trat sie mit politischen Kommentaren in zahlreichen Fernsehsendern auf, darunter bei CNNFox News und Fox Business. Sie nahm als Gesprächspartner an politischen Sendungen teil wie Good Morning AmericaReal Time with Bill MaherMeet the Press und Hannity.[14][15]

Im Jahr 2012 arbeitete sie für den Republikaner Todd Akin.

 
Kellyanne Conway im Februar 2015

Im August 2015 wurde Conway Leiterin des Super-PAC für den Präsidentschaftskandidaten Ted Cruz, das von dem Hedgefonds-Manager Robert Mercer finanziert wurde. Nachdem Donald Trump sich die Nominierung als Kandidat gesichert hatte, wurde das Komitee zum Make America Number 1 PAC (informell oft Defeat Crooked Hillary PAC genannt).

Am 1. Juli 2016 gab Trump bekannt, er habe Conway als Beraterin im Hinblick auf Wählerinnen engagiert. Bereits seit November 2015 hatte er mit Katrina Pierson eine Frau als Sprecherin für seine Wahlkampagne beschäftigt.

Am 17. August 2016 wurde Conway Trumps leitende Wahlkampfmanagerin.[16] Seit dessen Sieg gilt sie als erste Frau in Amerika, die erfolgreich eine Präsidentschaftskampagne geleitet hat.

KritikBearbeiten

„Alternative Fakten“Bearbeiten

Hauptartikel: Alternative Fakten

Im Januar 2017 erklärte Conway in der Sendung Meet the Press im Zusammenhang mit der Diskussion zu den Zuschauerzahlen bei Trumps Amtseinführung, was ihr Gesprächspartner Chuck Todd als Unwahrheit („falsehood“) bezeichne, seien nur „Alternative Fakten“ („alternative facts“) gewesen, auf die Pressesprecher Sean Spicer hingewiesen habe.[17] Dafür wurde sie heftig kritisiert. Die konservative Zeitschrift American Thinker dagegen nahm sie in Schutz, da der Ausdruck alternative facts im Rechtswesen üblich sei. Auch in anderen Zusammenhängen sei der Ausdruck geläufig, etwa im Zusammenhang mit der Parabel von den Blinden und dem Elefanten.[18] Andererseits wurde in einem Artikel des britischen Guardian berichtet, dass eine Suche nach diesem Ausdruck in mehreren juristischen Datenbanken erfolglos geblieben war.[19]

Erfundener Terroranschlag „Bowling-Green-Massaker“Bearbeiten

Am 2. Februar 2017 rechtfertigte Conway in einem Interview mit Chris Matthews beim Nachrichtensender MSNBC die von Trump erlassene Executive Order 13769, durch die Menschen aus sieben muslimisch geprägten Ländern in Nordafrika und dem Nahen Osten die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert wurde, mit dem „Bowling-Green-Massaker“, das Conway zufolge 2011 von zwei Irakern durchgeführt worden sein soll. Tatsächlich hat es gar nicht stattgefunden.[20] Zwar wurden 2011 in Bowling Green zwei Iraker, Mohanad Shareef Hammadi und Waad Ramadan Alwan,[21] festgenommen und 2013 wegen „umfangreicher terroristischer Aktivitäten gegen US-Soldaten im Irak“ zu Haftstrafen verurteilt. Diese Aktivitäten bestanden aus dem Versuch, Waffen in den Irak zu senden, die dort dann gegen US-Soldaten eingesetzt werden sollten.[22] Einen Terroranschlag in Bowling Green haben sie aber weder verübt noch geplant.[23][24][25][26] Zudem handelte es sich bei diesem Vorgang um eine Sting-Operation des FBI.[27][28]

Das Interview führte zu starker Kritik. So verzeichnete etwa Twitter rund 363.000 Tweets mit dem Hashtag „Bowling Green Massacre“. Conway erklärte am Morgen nach dem Interview, dass ihr ein Versprecher unterlaufen sei.[20] Sie habe von „Bowling Green terrorists“ und "plot" (Verschwörung) sprechen sollen.[29][30][31] Tatsächlich verwendete Conway die „Massaker“-Formulierung aber noch in zwei weiteren Interviews.[32][33]

Kommerzielle WerbungBearbeiten

Im Februar 2017 zog Conway erneut öffentliche Kritik auf sich, nachdem sie in einem Interview mit Fox News dazu aufgefordert hatte, Produkte aus der Modelinie von Trumps Tochter Ivanka Trump zu kaufen: „Los, kaufen Sie Ivankas Zeug. […] Ich mach jetzt mal kostenlos Werbung: Kaufen Sie alle es noch heute, Sie finden es im Internet.“[34] Von Kritikern wurde Conways Verhalten als unethische Verquickung von kommerziellen Interessen und politischer Macht bzw. als Lehrbuchbeispiel für Missbrauch einer Regierungsfunktion bezeichnet. Pressesprecher Spicer erklärte, Conway sei deswegen „ein Rat erteilt“ worden.[35]

SonstigesBearbeiten

Die beiden Moderatoren der MSNBC-Show Morning Joe teilten Mitte Februar 2017 mit, Conway künftig nicht mehr in ihre Sendung einzuladen. Zur Begründung sagte Moderatorin Brzezinski, jedes Mal, wenn sie Conway im Fernsehen gesehen habe, sei etwas verschoben, unangebracht oder falsch gewesen.[36]

Politische PositionenBearbeiten

Conway sieht sich als Generation X-Konservative.[37][38]

Conway lehnt Abtreibung ab. 1996 äußerte sie: „Wir sind für das Leben. Der Fötus hat uns besiegt. Wir sind mit Ultraschallbildern aufgewachsen. Wir wissen, was Leben ist, wenn wir es sehen.“[38] 2017 trat sie als Rednerin auf dem March for Life auf, einer Protestveranstaltung gegen Abtreibung und die Roe v. Wade-Entscheidung des Obersten Bundesgerichts.[39]

2014 gab sie mit anderen eine Denkschrift für die Amnesty-nahe Gruppe FWD.us heraus, in der sie Möglichkeiten zur Einbürgerung illegaler Einwanderer in den USA befürwortete.[40]

PrivatesBearbeiten

Conway ist mit George T. Conway III verheiratet[41] und hat vier Kinder.

SchriftenBearbeiten

  • mit Celinda C. Lake, Catherine Whitney: What Women Really Want. How American Women Are Quietly Erasing Political, Racial, Class, and Religious Lines to Change the Way We Live. Free Press/Simon & Schuster, New York 2005, ISBN 0-7432-7382-6.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Kellyanne Conway – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. David Wright: Kellyanne Conway lands top WH job in Trump administration. CNN, 22. Dezember 2016, abgerufen am 23. Dezember 2016.
  2. The Polling CompanyMit dem 20. Januar 2017 trat sie vom Vorsitz zurück.
  3. a b Trump strategist Kellyanne Conway has deep roots in South Jersey. In: Press of Atlantic City, 17. Oktober 2016.  „Marie DiNatale and grandmother Antoinette DiNatale in a brick rancher just off the White Horse Pike in the working-class Atco section of Waterford Township in Camden County. She attended St. Joseph's High School, just 10 miles east down the pike in Hammonton.“ 
  4. Trump campaign manager: Obama was born in US. In: CNN, 9. September 2016. 
  5. Ronald Kessler: GOP Strategist: McCain Will Win. Newsmax. 22. September 2008.
  6. GOP Strategist: McCain Will Win. Abgerufen am 23. Januar 2017.
  7. Meet the N.J. native who's running Donald Trump's campaign. In: NJ.com, 26. September 2016. 
  8. http://www.weeklystandard.com/trinity-v.-conway/article/2006910
  9. Who Is Kellyanne Conway? Trump Aide Turns Down White House Press Secretary Post. In: International Business Times, 13. Dezember 2016. Abgerufen am 4. Februar 2017. 
  10. Evan Osnos: Kellyanne Conway’s Political Machinations. The New Yorker. 17. Oktober 2016. Abgerufen am 5. Dezember 2016.
  11. Kellyanne Conway, NNDB, http://www.nndb.com/people/204/000357130/
  12. The Polling Company: Kellyanne Conway biography. pollingcompany.com. 2016.
  13. Woman Of The Right. Abgerufen am 23. Januar 2017.
  14. Washingtonpost.com Special Report: Clinton Accused. Abgerufen am 23. Januar 2017.
  15. Washington's Sexual Awakening. Abgerufen am 23. Januar 2017.
  16. foxnews.com: Kellyanne Conway Becomes First Woman to Run GOP Presidential Campaign; Nets Yawn
  17. NBC News: Conway: Press Secretary Gave 'Alternative Facts' (englisch). Abgerufen am 23. Januar 2017.
  18. Blog: 'Alternative facts': A common legal term. Abgerufen am 12. Februar 2017.
  19. Even rightwing sites call out Trump administration over 'alternative facts'. In: The Guardian, 23. Januar 2017. 
  20. a b Bowling Green massacre Kellyane Conway, auf nytimes.com, abgerufen am 3. Februar 2017.
  21. Trump adviser cites non-existent 'massacre' defending ban, auf edition.cnn.com, abgerufen am 3. Februar 2017.
  22. Trump-Beraterin spricht von „Massaker“ durch Flüchtlinge, das es nie gab, auf welt.de, abgerufen am 3. Februar 2017.
  23. Former Iraqi Terrorists Living in Kentucky Sentenced for Terrorist Activities, justice.gov, abgerufen am 3. Februar 2017.
  24. Kellyanne Conway erfindet Bowling Green Massacre, auf spiegel.de, abgerufen am 3. Februar 2017.
  25. Conway cites bowling green massacre that never happened to defend travel ban, auf washingtonpost.com, abgerufen am 3. Februar 2017.
  26. stern.de: Trump-Beraterin erfindet Massaker, um Einreisestopp zu verteidigen
  27. In Bowling Green 'Massacre,' FBI Agents Foiled an FBI Terror Plot, Beitrag von Elizabeth Nolan Brown vom 3. Februar 2017 auf reason.com.
  28. Here's what actually happened in Bowling Green/, CNN-Meldung vom 3. Februar 2017, abgerufen am 7. Februar 2017.
  29. Conway Massaker Fake News, auf tagesschau.de, abgerufen am 3. Februar 2017.
  30. Samantha Schmidt und Lindsey Bever: "Kellyanne Conway cites ‘Bowling Green massacre’ that never happened to defend travel ban" Washington Post vom 3. Februar 2017
  31. Kellyanne Conway says her Bowling Green interview won praise — before the ‘haters’. Abgerufen am 12. Februar 2017.
  32. FAZ.net 7. Februar 2017: Trump wirft Medien Vertuschung von Terroranschlägen vor
  33. washingtonpost.com 6. Februar 2017: Kellyanne Conway’s ‘Bowling Green massacre’ wasn’t a slip of the tongue. She has said it before.
  34. „Go buy Ivanka’s stuff […] I’m going to give a free commercial here: Go buy it today, everybody; you can find it online.“ Kellyanne Conway Promotes Ivanka Trump Brand, Raising Ethics Concerns, New York Times vom 9. Februar 2017, Zugriff am 10. Februar 2017.
  35. Trump-Beraterin macht Werbung für dessen Tochter , Süddeutsche Zeitung vom 10. Februar 2017, Zugriff am 10. Februar 2017.
  36. sueddeutsche.de
  37. GEN X FILES. Hoover Institute. 31. Oktober 1997.
  38. a b Elinor Burkett: In the Land of Conservative Women. September 1996. "We're pro-life. The fetus beat us. We grew up with sonograms. We know life when we see it." Pro-Life ist der Namen und Slogan der Abtreibungsgegner in den USA. The fetus beat us ist wahrscheinlich eine Anspielung auf die gleichlautende Publikation Candace Crandalls, in der sie den Niedergang der Pro-Choice-Bewegung diagnostiziert und ihr ironisch die Feststellung zuschreibt, dass der Fötus den Kampf um die Abtreibung gewonnen habe.
  39. Eugene Scott & Sara Murray: Pence, Conway cheer on March for Life, CNN. 27. Januar 2017. 
  40. Manu Raju: New Trump campaign chief once made case to legalize undocumented immigrants, CNN. 17. August 2016. 
  41. Kellyanne Conway's husband is Trump pick for justice department post – report. In: theguardian.com. 18. März 2017, abgerufen am 19. Mai 2017 (englisch).