Karibische Literatur

Die karibische Literatur ist die Literatur Westindiens, Surinams, Guayanas und Französisch-Guayanas, die in englischer, französischer, spanischer oder niederländischer Sprache sowie in den entsprechenden kreolischen Sprachen verfasst wurde. Die spanischsprachige Literatur Kubas, die auf vielfältige Weise mit der Literatur der beiden amerikanischen Halbkontinente verbunden ist, wird meist nicht der karibischen, sondern der lateinamerikanischen Literatur zugerechnet. Hingegen wird die Literatur des englischsprachigen Belize oft zur karibischen Literatur gezählt, weil die Umgangssprache der ehemaligen britischen Kolonie vom karibischen Kreolisch geprägt ist.

Von den schriftlosen Kulturen der präkolumbischen Bevölkerung der Antillen existieren aufgrund der spanischen Eroberung keinerlei Überlieferungen mehr. Nur in Guayana und Belize leben noch Ureinwohner. Im (auch in der englischen Literatur so bezeichneten) „Hinterland“ Guayanas leben neben den Nachkommen entlaufener schwarzer Sklaven auch Arawak,[1] Wapishana (die ebenfalls zur Sprachfamilie der Arawak gehören) und andere; in Belize sind mindestens 11 % der Bevölkerung Nachkommen der Maya. Nur in diesen beiden Regionen wurden einige indianische Mythen aufgezeichnet und flossen in die Literatur ein. Vor allem in Belize, aber auch in den Nachbarländern leben außerdem über 100.000 Garifuna sprechende Garinagu, Nachkommen geflohener schwarzer Sklaven und Arawak, die ursprünglich von St. Vincent stammen.

ÜberblickBearbeiten

Die Entwicklung der karibischen Literatur wurde wesentlich von der durch den Kolonialismus bestimmten Sozialstruktur geprägt. Die Lebensbedingungen waren durch die alles beherrschende Plantagenwirtschaft und Sklavenarbeit bestimmt. Verschiedene Wellen europäischer Siedler verschmolzen mit den vom 17. bis ins späte 18. Jahrhundert aus Westafrika verschleppten Sklaven zu einer rassischen und sozialen Hierarchie mit zwei Kulturmustern, zwischen denen zahlreiche Übergänge existierten: die dominante europäische Kolonialkultur, in der die „konservativen Pflanzer Gedrucktes und Geschriebenes als Träger neuer Ideen ablehnten“, und die kreolische Kultur mit Relikten der zersplitterten afrikanischen Herkunftskulturen und kolonialen Elementen.[2] Die schwarzen Sklaven und ihre Nachkommen trugen ihre aus Afrika stammenden Mythen und Erzählungen mündlich weiter, während die Angehörigen der weißen Oberschicht sich mit zunehmender Bildung an der Literatur ihrer Mutterländer orientierten. Nach der Sklavenbefreiung, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfolgte, waren es die neu entstandenen kreolischen Mittelschichten, die (zuerst in Haiti und Kuba, später in Jamaika) eine eigenständige karibische Literatur schufen, in der beide Strömungen verschmolzen. Die kreolische Literatur wollte den ehemaligen Sklaven Bildungsmaterial liefern und griff die avantgardistischen Protestbewegungen aus Europa auf, doch ihre Träger, die sich an der europäischen Literatur orientierten, überschätzten die emanzipatorische Wirkung von Literatur bei Weitem. So blieb die Literatur für die breite Masse unerreichbar.[3]

Erst kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstand in Jamaika der erste Roman mit einer schwarzen Hauptfigur. Karibische Schriftsteller traten zuerst 1956 beim ersten Congrès des écrivains et artistes noirs (Congress of Negro Writers and Artists) in Paris auf, an dem sich neben afrikanischen Autoren u. a. James Baldwin und Jean-Paul Sartre beteiligten.[4]

Seit den 1950er und 1960er Jahren fanden Dialekte und Kreolsprachen in größerem Umfang Eingang in die Literatur, gleichzeitig setzte die kubanische Revolution emanzipatorische Impulse. In den 1970er Jahren überwand die karibische Literatur die politischen und Sprachgrenzen der Karibik; zugleich wurde sie jedoch immer mehr zu einer Exilliteratur.[5] Diese Entwicklung verlief in der gesamten Karibik unabhängig vom Sprachraum in vergleichbarer Form; gemeinsam sind den Literaturen der Karibik nach wie vor das ethnologische Interesse wie der Negrismo und die Sozialkritik. Daher ist es gerechtfertigt, sie in einem Beitrag zu behandeln.

Aus den genannten Gründen sind eindeutige Identitätszuschreibungen für die modernen karibischen Autoren schwierig. Das gilt z. B. für den Träger des Nobelpreises für Literatur 1992, Derek Walcott. Walcott war Sohn eines Engländers aus Barbados, der eine afroamerikanische Mutter hatte; seine eigene Mutter stammte von einem holländischen Großgrundbesitzer und einer Farbigen aus St. Maarten ab, deren Vorfahren aus Westafrika kamen. Walcott besaß während der längsten Zeit seines Lebens die britische Staatsangehörigkeit, verstand sich aber als Kolonialbewohner; er war anglophon, lebte aber auf der Insel St. Lucia, die im Laufe der Geschichte 14-mal den Besitzer wechselte. Während in den Schulen Shakespeare gelesen wird, spricht man auf der Straße zum großen Teil Antillen-Kreolisch (Kwéyòl oder Patois), das Walton ebenfalls beherrschte. Im Gegensatz zu den meist katholischen Einwohnern von St. Lucia war er Methodist; doch sind auch die traditionellen Heiler auf der Insel noch allgegenwärtig. Doch in den Werken der schon lange in den USA lebenden und in englischer Sprache schreibenden Autoren und selbst bei den Immigranten der zweiten Generation sind die karibischen Herkunft und eine besondere Sensibilität für den drohenden Sprachverlust spürbar.[6]

Anglokaribische LiteraturBearbeiten

Während die frühe anglophone karibische Literatur durch den mühsamen Versuch der Selbstbehauptung und Identitätsgewinnung gegenüber dem Mutterland bestimmt war, kam es spätestens mit der Unabhängigkeit der (zumeist) Zwergstaaten zu einer Literaturblüte, die auch international Beachtung fand, was insbesondere für jamaikanische Autoren gilt. Auf Jamaika wurde zuerst die lokale Kreolsprache (patois) in der Literatur und auf dem Theater verwendet; hier blieben auch orale Traditionen und religiöse Gebräuche der Aschanti lebendig.

Bis 1950Bearbeiten

Michel Maxwell Philip (1829–1888), Sohn eines weißen Plantagenbesitzers auf Trinidad und einer Afroamerikanerin und später Bürgermeister von Port of Spain, verfasste 1854 den Piratenroman Emmanuel Appadocca, or, Blighted Life: A Tale of the Boucaneers, der als erster karibischer Roman in englischer Sprache gilt. Der Lehrer und Herausgeber der Jamaica Times, Thomas MacDermot (1870–1933) gilt als wichtiger Förderer der frühen jamaikanischen Literatur. Als Journalist startete schon 1899 einen wöchentlichen Kurzgeschichtenwettbewerb in der Jamaica Times, einer literarischen Wochenzeitschrift für gebildete Mittelschichten, deren Herausgeber er fast 20 Jahre lang war. Neben eigenen Romanen und Gedichten brachte er die preiswerte Buchreihe All Jamaica Library, in der lokale Autoren publizierten.

Schon im 18. Jahrhundert gab es in Kingston feste Theatersensembles. Die Zahl der freien Schwarzen stieg im 19. Jahrhundert. Auch sie hatten Zutritt zu den Aufführungen, die zunächst jedoch meist von britischen Seeleuten und Soldaten sowie Plantagenbesitzern und ihren Familieb besucht wurden. Das Repertoire richtete sich meist nach dem von London. Auch in Georgetown (Guyana), Barbados und Antigua existierte seit dem frühen 19. Jahrhundert eine Theaterkultur, doch nur in Jamaika entwickelte sie sich unter dem Einfluss des veränderten Publikum weg von phantastischen und pittoresken hin zu aktuellen und sozialen Themen.[7]

 
Claude McKay

Eine erste Vorstellung von einer umfassenden, die Karibik einschließenden afrikanischen Identität findet sich in der anglophonen karibischen Literatur in der Lyrik des Lehrers und Katecheten Thomas R. F. Elliot (1872–1910), eines Nachkommen afrikanischer Sklaven in Guayana. Den ersten westindischen Roman (Jane’s career) mit einer schwarzen Hauptfigur schrieb 1913 der in Jamaika geborene Herbert George De Lisser (1878–1944), ein Nachkomme von Afrikanern und europäischen Juden. Aus Jamaika stammte auch der con MacDerot geförderte Dichter und Erzähler Claude McKay (1890–1948), der 1912 seinen ersten Gedichtband in Kreolsprache drucken ließ und im gleichen Jahr in die USA auswanderte, wo er zum Mitbegründer der afroamerikanischen, von sozialistischen Ideen beeinflussten Protestbewegung der 1920er Jahre wurde – der Harlem Renaissance. In den USA erschienen von ihm u. a. die Bände Harlem Shadows (1922), Banana bottom (1933) und Selected Poems (postum 1953).

1938 wurde die britische Karibik von neuen Aufständen erschüttert, was die allgemeine Politisierung vorantrieb. Von Jamaika ging in diesen Jahren eine Solidaritätsbewegung der karibischen Länder aus, die 1942 zur Gründung der literarischen Zeitschrift BIM durch Frank Appleton Collymore (1893–1980) aus Barbados führte. In dieser Zeitschrift veröffentlichte auch Derek Walcott (* 1930 in St. Lucia) seine Arbeiten. Auf Trinidad gründete der portugiesischstämmige junge Albert Gomes (1911–1978) im Jahr 1931 die Literaturzeitschrift The Beacon, die in kurzer Zeit zur Entprovinzialisierung der karibischen Literatur beitrug, bis sein Vater, der die Zeitung finanziert hatte, ihn zwang, die Schriftstellerei aufzugeben und in seiner Apotheke mitzuarbeiten. Er entwickelte sich zum Gewerkschaftler, schrieb später einen Roman und eine Autobiographie (Through a maze of colour, 1974) und war 1950–1956 erster Chief Minister des kleinen Landes.

 
Derek Walcott (2012)

Viele literarische Arbeiten im Umfeld der Gruppe um The Beacon entstanden direkt aus den antikolonialen Kämpfen der 1930er bis 1950er Jahre. Sie zeugen von starkem sozialen Engagement ihrer Autoren, so die Poems of resistance (1954), die Martin Carter (1927–1997) in der Haft in Guayana schrieb, und der sozialrealistische Roman Crown Jewel (1952) des seit 1948 in Australien lebenden Ralph de Boissiere (1907–2008), der von den sozialen Konflikten der 1930er Jahre in Trinidad handelt. Weitere wichtige sozialkritische Erzähler aus Trinidad waren der aus einer portugiesisch-kreolischen Familie stammende Alfred H. Mendes (1897–1991) mit seinem Roman Pitch Lake (1934) und der afrokaribische Essayist und marxistische Sozialtheoretiker C. L. R. James (1901–1989) mit seinem bahnbrechenden realistischen Arbeiterroman Minty Alley (1936). Doch erst Edgar Austin Mittelholzer aus Guayana (1909–1965) gelang es als erstem Autor der Karibik zahlreiche Leser in Europa zu gewinnen (mit Corentyne thunder, 1941, und A morning in the office, 1950).

Auf Jamaika brachte in den 1930er Jahren das Theater unter dem Einfluss der afrikanischen Kultur neue Themen und Formen hervor. Zu den wichtigsten Autoren gehörte die zeitweise in London lebende Dichterin, Dramatikerin und Feministin Una Marson (1905–1965), die in ihrem bedeutenden Stück Pocomania eine Frau aus der Mittelschicht darstellt, die sich von den afroreligiösen Kulten emotionale Erlebnisse und eine Steigerung ihres Lebensgefühls verspricht. Roger Mais’ Drama George William Gordon (1938) trug dazu bei, dass dieser Anführer des Morant-Bay-Aufstands von 1865 – der Sohn eines Schotten und einer Sklavin, der Händler in Kingston tätig war – vom hingerichteten Verräter zum Nationalhelden des unabhängigen Jamaika wurde. Mais kritisierte in seinem Zeitungsartikel Now we Know 1944 die Rolle der Briten im Zweiten Weltkrieg, die versuchten, die Repression in den Kolonien aufrechtzuerhalten; dafür kam er zeitweise in Haft.[8]

1950–2000Bearbeiten

Geprägt wurde Literaturentwicklung im anglophonen karibischen Raum nach dem Krieg maßgeblich durch die Radiosendung „Caribbean Voices“ der BBC unter Leitung des Iren Henry Swanzy und Una Marsons. Diese Sendungen wurden zwischen 1943 und 1958 produziert und in der gesamten Karibik ausgestrahlt. Die vielen Autoren, die am Ende der Kolonialzeit dort ihre Texte präsentieren konnten – der Buchmarkt war sehr eng, Druckkapazitäten waren knapp und teuer, das Radio bot also eine wichtige, wenn nicht die einzige Publikationschance –, mussten sich inhaltlich und formal an die Vorgaben der BBC anpassen. So betrachten manche Kenner die „Karibische Literatur“ als Konstruktion britischer Intellektueller.[9] Zu den Autoren, deren Werk durch die BBC bekannt wurde, gehört der aus Barbados stammende George Lamming (In the castle of my skin, 1953), der zeitweise in England und den USA lebte und dessen zweiter Romane The Emigrants (1954) sich mit den Versuchen der Schwarzen Migranten befasste, sich in neue soziale Kontexte zu integrieren, sowie Michael Anthony (* 1930) aus Trinidad, der zunächst Kurzgeschichten und später Lyrik, Romane und historische Sachbücher verfasste. Sein in England entstandener Roman Green Days by the River (1967) über die komplizierte Identitätsfindung der Jugendlichen in einer multiethnischen, in Arme und Reiche gespaltenen Gesellschaft wurde 2017 verfilmt. 1970 kehrte Anthony nach Trinidad zurück.[10] Der als Sohn jamaikanischer Eltern in Kanada geborene John Edgar Colwell Hearne (1926–1994) ging nach seinem Studium in England nach Jamaika, wo er – geschult an Ernest Hemingway und william Faulkner – Romane und Erzählungen mit politischem und gesellschaftlichen Hintergrund über Menschen in Extremsituationen schrieb.

 
Michael Anthony (2020)

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es jedoch auch zu einer deutlichen Hinwendung zur Kultur Afrikas. Dafür stehen die Romane des Jamaikaners Victor Stafford Reid über den Morant-Bay-Aufstand (New day, 1949), in dem er erstmals durchgängig Kreol verwendet, und über den Mau-Mau-Krieg in Kenia (The Leopard, 1958). Roger Mais’ Roman Brother Man (1954; deutsch Bruder, 1981) über die messianische Rastafari-Bewegung ist zugleich ein Beitrag zum Kampf für die Unabhängigkeit. In diesem Tusammenhang sind auch Derek Walcotts Gedichte zu nennen (u. a. In a green night, 1962). Seit den 1960er Jahren wurden in der Literatur und auf dem Theater häufig lokale Dialekte und Soziolekte verwendet. In der Folge entstand auch ein Improvisationstheater. Volkstümliche Traditionen und karibische Musikformen wie Calypso und Reggae verbanden sich mit Techniken der modernen Lyrik. Ein Vertreter des Indigenismus war der jamaikanische Anthropologe, Afrikakenner und Poet M. G. Smith (Mike Smith, 1921–1993), der lange in den USA und im Vereinigten Königreich lebte und lehrte und neben vielen anderen Werken eine empirische Studie über die Rastafari-Bewegung verfasste.[11]

Viele Autoren versuchten, mit Kurzzeitverträgen als Dozenten der University of the West Indies zu überleben, die ihre Hauptquartier in Mona (Jamaika) und Niederlassungen in 17 der heute selbstständigen Staaten oder britischen Überseeterritorien hat. Mit fortschreitender Internationalisierung emigrierten immer mehr anglophone Autoren zuerst nach London, dann häufiger nach New York oder Toronto, wo sich anglokaribische Kolonien gebildet hatten. Dazu gehören Jan Carew (1920–2012) aus Guayana, der durch den Roman Black Midas (1958) bekannt wurde, der ebenfalls aus Guayana stammende Vertreter des Magischen Realismus Wilson Harris (1921–2018) sowie Oscar Dathorne (1934–2007) aus Guayana, der zum Mitbegründer der Black studies in den USA wurde. Ebenfalls emigrierten der Romanautor und Journalist Geoffrey Drayton (* 1924) aus Barbados, die Erzählerin Jamaica Kincaid (* 1949) aus Antigua, die Schriftstellerin und Schauspielerin Pauline Melville (* 1948) und die Lyrikerin Grace Nichols (* 1950) – beide aus Guayana –, der Lyriker Kamau Brathwaite (1930–2020) und der Schriftsteller und kanadische Bürgerrechtler Austin Clarke (1934–2016) – beide aus Barbados; schließlich der bereits genannte Derek Walcott, der sich vom Preisgeld des Literaturnobelpreises jedoch endlich den Traum erfüllen konnte, ein Haus in seiner Heimat St. Lucia zu kaufen.[12]

Earl Lovelace (* 1965) ist tief in den Traditionen Trinidads verwurzelt; seine Romane behandeln das konfliktreiche postkoloniale Leben einfacher Menschen. In Trinidad bildete sich auch eine indokaribische Literatur heraus, deren Autoren meist aus Familien von Vertragsarbeitern oder muslimischen Migranten stammten. Ismith Khan (1925–2002), ein Enkel paschtunischer Zuwanderer, trug mit seinen nach seiner Auswanderung in die USA verfassten Romanen, in denen afrikanische, indische und karibische Mythen verschmelzen, wesentlich zur Identitätsbildung der indokaribischen Community bei. Seine Bücher (u. a. The Jumbie Bird, 1961) gründen in den Erfahrungen seiner Kindheit und in den Kulturkonflikten des Landes.

Anglokaribische Autoren in der DiasporaBearbeiten

 
Sir V. S. Naipaul in Dhaka (2016)

Viele der genannten Autoren werden von der Literaturkritik heute als Briten, US-Amerikaner und Kanadier betrachtet. Zu den frühen Vertretern der anglokaribischen Autoren in Großbritannien gehörte der 1950 aus Trinidad eingewanderte Samuel Selvon (Sam Selvon), der Sohn einer indischen Familie, dessen berühmtestes Werk der in kreolisiertem Englisch geschriebene Roman The Lonely Londoners (1956) ist. Er schrieb auch Hörspiele und Gedichte. Die gemischte Insider-Outsider-Sicht des Migranten zeichnet auch die Arbeiten des Jamaikaners Andrew Salkey (1928–1995) aus, der mit 24 Jahren nach England emigrierte, wo er lehrte und für die BBC arbeitete. Er setzte sich mit dem Verhältnis von afrikanischen Erbe und Massengesellschaft, von Geisterglauben und Christentum auseinander.

Seit den 1970er Jahren entstand in Großbritannien eine karibische Literatur der zweiten Generation. Dazu gehören der indokaribische Schriftsteller David Dabydeen (* 1955 in Guayana), die afrokaribische Autorin und Sozialarbeiterin Joan Riley (* 1958 in Jamaika), die 1985 den ersten Roman über die Erfahrungen von schwarzen Migrantinnen in England schrieb, der bekannte Kinderbuchautor Faustin Charles (* 1944 in Trinidad) und der Dichter und Dramatiker E. A. Markham (1939–2008) aus Montserrat.[13] Caryl Phillips (* 1958) aus St. Kitts, der schon in seinem Geburtsjahr die Insel verließ, lebte in England und den USA und verfasste Romane, Dramen und Essays über die karibische und afrikanische Diaspora in diesen Ländern. Seine teils auf oder nach Reisen durch Afrika und Europa entstandene Essaysammlung Colour Me English (2011) handelt von dem inneren „Aushandlungsprozess“ seiner widerstreitenden Identitäten.

Der in England lebende, von indischen Vorfahren in Trinidad abstammende und vor allem durch kritische Reiseliteratur bekannt gewordene V. S. Naipaul (1932–2018), der wegen seiner Identifikation mit den Werten der ehemaligen Kolonialherren nicht nur in seiner Heimat umstritten ist, erhielt 2001 den Nobelpreis. Seine ersten Romane behandeln noch das Leben auf seiner Heimatinsel; sein späteres Werk, für das er 2001 den Nobelpreis erhielt, reflektiert seine Entwurzelung in der Diaspora und setzt sich kritisch mit den Folgen der Dekolonisierung der Karibik, Afrikas und Asiens auseinander.

Der schönen erwähnte Edgar Mittelholzer war wohl der erste Autor, der aus der Karibik nach England auswanderte und hier in den 1950er Jahren erfolgreich wurde. Geboren in Guayana, fühlte er sich im gesamten Commonwealth zuhause. Von seinen 21 Romanen wurden einige auch ins Deutsche übersetzt. Der ebenfalls aus Guayana stammende Mike Phillips (* 1941) verfasst Romane, Rundfunk- und Fernsehsendungen sowie Fotodokumentationen über den Alltag der Black British. Seine Themen sind Ethnizität und Identität. Die Eltern von Ferdinand Dennis (* 1956) wanderten aus Jamaika aus, als er acht Jahre alt war. Sein erster Roman The Sleepless Summer (1989) genoss Kultstatus in der britisch-jamaikanischen Community. Er knüpft thematisch an den Roman The Lonely Londoners von Sam Selvon aus.

Seit 2000Bearbeiten

 
Marlon James auf dem Texas Book Festival in Austin (2014)

Zu den wenigen Autoren, die während ihres Lebens überwiegend in ihrer Heimat blieben, gehören der Historiker, Dochtrer und Sachbuchautor Howard Fergus (* 1937) von der winzigen Insel Montserrat und der ehemalige Benediktinermönch, Erzähler und Romanautor Lawrence Scott (* 1943 in Trinidad), der durch seine kunstvoll-komplexe „rokokoartige“ Prosa bekannt wurde. Er erhielt 1999 den Commonwealth Writers’ Prize in der Kategorie „bestes Buch aus Kanada und der Karibik“ für Aelred’s Sin, einen Roman über den Konflikt zwischen Homosexualität und religiöser Berufung. Auch sein historisch-fiktionaler Roman Light falling on bamboo (2012) über die moralischen Konflikte eines Malers des 19. Jahrhunderts wurde hoch gelobt. Zu den anglophonen Autoren aus der Karibik, die wegen der dort verbreiteten Homophobie in die US emigrierten, zählt der in Jamaika geborene Marlon James (* 1970), der durch seinen mit dem Man Booker Prize ausgezeichneten Roman A Brief History of Seven Killings (2014) bekannt wurde. Er behandelt Gewalt und Drogenhandel in seiner Heimatstadt Kingston. Der indokaribische Autor und sozial engagierte Journalist Kevin Baldeosingh (* 1963) aus Trinidad verfasste neben Sachbüchern auch Romane.

BelizeBearbeiten

Belize, das an Mexiko und Guatemala grenzt, ist durch die britische Kolonialherrschaft (bis 1981) ebenso geprägt wie durch afrokaribische Einflüsse und Traditionen der Maya und der Garifuna-Kultur. Hinzu kommen indische, arabische und ostasiatische Einflüsse, so dass Belize in Amerika wohl die größte ethnische und kulturelle Diversität auf engstem Raum repräsentiert.

In den 1920er Jahren veröffentlichte der Sohn eines Holzfällers und Autodidakt James Sullivan Martinez den Lyrikband Caribbean Jingles, der wegen der Verwendung der kreolischen Sprache auch heute noch als sprachinnovativ gilt.[14] In Beka Lamb (1982; dt. „Beka“) erzählt Zee Edgell (1940–2020), die als wichtigste Autorin Belizes gilt, die Geschichte eines kreolischen Mädchens zwischen Matriarchat und erwachender nationaler Bewegung während der 1950er Jahre. Glen Godfrey behandelt in The Sinner’s Bossanova (1987) den Transformationsprozess der kolonialen Gesellschaft am Beispiel eines auf einer Farm lebenden Mädchens. Kurzgeschichten und Lyrik verfasst Leo Bradley, der auch die Anthology Snapshots of Belize: An anthology of short fiction (1995) mit herausgab. Felicia Hernandez, die zeitweise in den USA lebte, schreibt vor allem für Frauen und Kinder. John Alexander Watler ist Autor des Romans Boss of Dangriga (2007).[15]

Frankokaribische LiteraturBearbeiten

Die frankophone karibische Literatur setzte im 18. Jahrhundert mit den Reiseberichten französischer Missionare, u. a. von Jean-Baptiste Labat (1663–1738), zugleich Plantagenbesitzer, dessen zynische Schilderung der Sklaven und ihrer Lage der französischen Aufklärung die Grundlage ihrer Kritik an den kolonialen Zuständen lieferte.[16]

HaitiBearbeiten

 
Charles Alexis Oswald Durand

Auf Haiti entstanden im Zuge der Sklavenaufstände und der Unabhängigkeit (1804, von Frankreich anerkannt erst 1822) die ersten Schriften schwarzer und mulattischer Autoren mit lokaler Thematik. Historiker und Politiker wie den Brüdern Ignace Nau (1808–1839) und Émile Nau (1812–1860), Thomas Madiou (1814–1884) und Joseph Saint-Rémy (1818–1856) kämpften gegen die Sklaverei in anderen Antillenstaaten und pflegten das Andenken der Revolution in Essays, Geschichtswerken und romantisch-patriotischen Gedichten.

 
Titelseite des Buches von (J.) A. Firmin: De l'égalité des races humaines (Anthropologie positive), Paris 1885. Das Bild zeigt Toussaint L'Ouverture, Anführer der erfolgreichen Sklavenrevolte 1791–1795 und Vorkämpfer der Unabhängigkeit Haitis

Für die nächste Generation romantischer Schriftsteller und Dichter steht Oswald Durand (1840–1906), ein Schuldirektor, der Gedichte nicht nur in französischer Sprache, sondern auch auf Créole schrieb. Sein Gedicht Ti zwezo nan bwa ki tape koute („Kleiner Vogel“, 1883)[17] wurde von Michel Mauléart Monton vertont und durch Harry Belafonte unter dem Titel Yellow Bird 1961 weltbekannt. Durand verfasste auch den Text der Nationalhymne Haitis. Historiker, Journalisten, Politiker und Diplomaten wie Louis-Joseph Janvier und Joseph Anténor Firmin – dieser verfasste das anthropologische Werk De l'égalité des races humaines (1885) – versuchten in dieser Zeit, durch ihre Veröffentlichungen das durch rassistische Verunglimpfung ruinierte Image des Staates aufzubessern.

Die zu Beginn des 20. Jahrhunderts – mit Auslaufen der Romantik –entstandene Gattung des Roman national – ein Vertreter war Justin Lhérisson (1873–1907) – charakterisiert auf teils satirische Art die haitianische Gesellschaft. Gleichzeitig entwickelte sich das Lodyans (von l'audience, dt. „das Publikum“) aus einer ursprünglich mündlichen kurzen Form der Erzählung zur Schriftform. Die oft humoristischen Lodyans wurden zuerst ebenfalls von Justin Lhérisson und von seinem Freund, dem Journalisten, Romancier, Dramatiker und Staatssekretär Fernand Hibbert (1873–1928) gesammelt. Auch Frédéric Marcelin (1848–1917), zeitweise Finanzminister Haitis, war wie Hibbert ein Vertreter der indigenistischen Schule (indigénisme), die den Bauern „aufs Maul schauen [,,,] und ihre Kulte begreifen“ sollten.[18] Er schildert die Verhältniss in seinem Land aus ironischer Distanz. In seinem Roman Thémistocle-Épaminondas Labasterre (1901) beschreibt er den Aufstieg eines Haitianers, der von seinen Eltern diesen antiken Namen bekam, damit er ein großer Redner und Parlamentsabgeordneter würde. Marcelins Zivilisationsideal bleibt jedoch auf Frankreich ausgerichtet; resignierend kommt er zu dem Schluss, dass das Schlechte in Haiti stets dominiert.[19]

 
Fernand Hibbert

Mit der amerikanischen Besetzung (1915–1934), gegen die Hibbert ankämpfte, führte die politisch-literarische Kritik an der Überfremdung des Landes zu einer Rückbesinnung auf das afrikanische Kulturgut, die der Gelehrte Jean Price-Mars (1876–1969), ebenfalls ein Vertreter des Indigenismus, einleitete. Die Darstellung des bäuerlichen Lebens und der zuvor tabuisierten Voodoo-Praktiken erhielt fortan einen zentralen Platz in der Literatur, so bei Philippe Thoby-Marcelin (1904–1975), der gemeinsam mit seinem Bruder Pierre Marcelin mehrere Romane (Canapé-Vert. 1944) verfasste, in denen sie die Haïtianité gegen die US-Kultur zu verteidigen suchten, und in den Romanen von Èdris Saint-Amand (1918–2004). Jacques Roumain (1907–1944), der erste Generalsekretär der Kommunistischen Partei Haitis, war Begründer eines nicht-folkloristischen Indigenismus. Sein Roman Gouverneurs de la rosée (posthum 1944; dt.: „Herr über den Tau“) stellt das dörfliche Kollektiv und seine Formen des Umgangs mit einer Dürrekatastrophe in den Mittelpunkt. Jacques Stephen Alexis (1922–1961) distanziert sich zunächst mit einer betont realistischen Erzählweise vom Indigenismus, um später zum Réalisme merveilleux, einer Variante des Magischen Realismus zu finden. Indigenismus und Negrismus mündeten so in die Négritude, die sich der Stilmittel des europäischen Surrealismus bediente, um neue Ausdrucksformen einer „neoafrikanischen“ Kultur zu entwickeln. Diese Tendenzen wirkten auf Afrika zurück.

Alexis, der in Paris zu den afrikanischen Vertretern der Négritude Kontakt hatte, führte zusammen mit dem später als Lyriker und politischen Autor bekannt gewordenen René Depestre (* 1926) im Jahr 1946 einen Studentenaufstand an, dessentwegen ihn der diktatorisch regierende Präsident Élie Lescot, der die lokalen religiösen Traditionen als Aberglauben verfolgte, ins Exil nötigte.

Depestres („Der Schlaraffenbaum“) und Alexis' Werke weisen eine Reihe gemeinsamer Merkmale auf: Sie thematisieren „politische Anliegen, gekoppelt mit Rückgriffen auf die Körperlichkeit haitianischer Menschen, auf volksnahe Traditionen wie den [...] Voodookult [...], der das Heilende, die Interdependenz aller Dinge und Lebewesen beinhaltet“ und entgehen dem Vorwurf des Exotismus, indem sie ihn in einen humanistisch-politischen Kontext einbetten.[20]

Seit den 1950er Jahren überwog eine sozialkritische bis sozialistische Perspektive in der haitianischen Literatur. Die diktatorische Herrschaft der Familie Duvalier trieb nach 1960 zahlreiche kritische Schriftsteller ins Exil. Dazu gehörten außer René Depestre die Lyriker Jean-Fernand Brierre (1909–1992), Jean Métellus (1937–2014), Ahnthony Phelps (* 1928), Josaphat-Robert Large (1942–2017), den Lyriker, Romancier und Sozialkritiker Lyonel Trouillot (* 1956)[21] und andere. Jacques Stephen Alexis wurde als Kommunist nach seiner heimlichen Rückkehr aus dem Exil nach Haiti 1961 ermordet. Der Essayist Georges Anglade (1944–2010) lebte zeitweise im kanadischen Exil; er starb beim Erdbeben 2010. Auch Dany Laferrière (* 1953) wanderte in den 1980er Jahren nach Kanada aus. Er erhielt 2014 den Internationalen Literaturpreis für seinen Roman Das Rätsel der Rückkehr.

Erst 1975 erschien auf Haiti der erste Roman in kreolischer Sprache („Dézafi“) von Frankétienne (* 1936), der auch als Maler und Musiker bekannt wurde, 1988 kurzfristig Kulturminister war und 2009 für den Nobelpreis nominiert wurde.[22]

 
Evelyne Trouillot (2011)

Evelyne Trouillot (* 1954) schreibt auf Französisch und Kreolisch; ihr vielfältiges Werk wurde mehrfach ausgezeichnet. Ihr bekanntester Roman ist wohl Rosalie l’infâme (2003), der das Schicksal einer Sklavin Ende des 18. Jahrhunderts in Anlehnung an Primo Levis Erzählung über sein Überleben in Auschwitz erzählt. Auch Kettly Mars (* 1958) schreibt auf französisch und kreolisch; ihre Themen sind Sexualität und politische Gewalt. Einer der heute meistgelesenen Romanautoren ist Gary Victor (* 1958), der auch für Theater, Radio, Fernsehen und Kino arbeitet. Louis-Philippe Dalembert (* 1962) lebt in Frankreich und beschreibt in seinen Romanen und Erzählungen das schwierige Leben Jugendlicher in Haiti oder die Identitätssuche von Geflüchtete.

Martinique, Guadeloupe, Französisch-GuayanaBearbeiten

 
Geburtshaus von Saint-John Perse in Pointe-à-Pitre (2012)

Die Literatur der übrigen frankophonen Gebiete richtete sich länger an französischen Vorbildern aus als die Haitis. Louis de Maynard de Queilhe verfasste 1835 mit Outre-Mer den ersten Roman auf Martinique, der die Auswirkungen der Ereignisse der Jahre 1829–1831 rund um die französische Julirevolution auf die Karibik aus Sicht der von Verarmung bedrohten weißen Kreolen behandelt. Die Literatur der französischen Karibik fand aber erst im Werk des aus Guadeloupe stammenden Lyrikers Saint-John Perse (1887–1975) einen ersten Höhepunkt. Dieser kehrte allerdings schon in jungem Alter 1899 mit seiner Familie nach Frankreich zurück und erhielt 1960 den Nobelpreis für Literatur. Der Erzähler, Romancier und Lyriker René Maran (1887–1960), der seine Heimat Martinique ebenfalls früh verließ und in der Pariser Kolonialverwaltung arbeitete, erhielt 1921 als erster schwarzer Schriftsteller den Prix Goncourt für seinen Roman Batouala, in dem der Kolonialismus scharf kritisiert wird. Dadurch verlor er seine Stelle.

 
Graffiti mit Porträt Aimé Césaires in Royan, Frankreich

Im Paris der 1930er Jahre begründeten karibische Autoren wie der Politiker, Essayist und Lyriker Aimé Césaire (1913–2008) aus Martinique sowie der aus Cayenne stammende Léon-Gontran Damas (1912–1978) gemeinsam mit Léopold Senghor die Bewegung der Négritude, die mit Pigments (1933) von Damas und Cahier d’un retour au pays natal (1939) von Césaire die karibische Lyrik grundlegend erneuerte.

Erst nach 1945 entstand eine Literatur, die sich intensiver mit dem Kolonialismus in der Karibik als auch mit der kolonialen Gewalt und den Befreiungsbewegungen in Afrika auseinandersetzte. Dazu zählen die Werke der beiden auf Martinique geborenen Autoren Frantz Fanon (Schwarze Haut, weiße Masken, 1952; Les damnées de la terre, 1961) und Joseph Zobel (1915–2006) (La Rue Cases-Nègres, 1950; 1983 verfilmt) sowie die Romane der in Guadeloupe geborenen Michèle Lacrosil (1911–2012). Fanon wandte sich radikal von der Négritude ab und untersuchte die Traumata und psychischen Deformationen der Kolonisierten in der Karibik wie in Algerien sowie die Formen der Gegengewalt. Auch Zobel hatte engen Kontakt zu den Senegalesen in Paris und arbeitete selbst im Senegal. Der Arzt, Forscher und militante Kämpfer für die Autonomie und die kreolische Sprache Bertème Juminer (1927–2003) lebte in Französisch-Guayana, Frankreich, Tunesien, im Senegal und auf Guadaloupe und wurde durch den autobiographischen Roman Les bâtards (1961) bekannt, in dem er die Exilsituation beschrieb. Wie Damas zeichnet er darin ein pessimistisches Bild von den schwarzen Eliten, die völlig an die französische Kultur assimiliert und daher „Bastarde“ seien. Der Autor und Politiker Serge Patient (* 1934) hingegen beschreibt in seinem historischen Roman Le nègre du gouverneur (1972) den Aufstieg eines ehemaligen Sklaven, der dank seiner Assimilationsfähigkeit in die besseren Kreise von Cayenne eindringt, bis er dem Wahn erliegt, eine weiße Frau heiraten zu können. Insgesamt ist die Sozialkritik in der Literatur Französisch-Guayanas weit weniger scharf ausgeprägt als bei den Autoren des früheren Britisch-Guayana.[23]

 
Édouard Glissant

Aus Martinique stammte der Romancier, Lyriker und Kulturtheoretiker Édouard Glissant (1928–2011), der das Konzept einer spezifischen multikulturell-karibischen Identität – der Antillanité („Antillität“) – prägte und in seinem Werk konkretisierte. In seinem Theaterstück Monsieur Toussaint setzte er sich mit dem Mythos um den haitianischen Nationalhelden Toussaint Louverture auseinander. Sein Thriller La Lézarde (1958) wirkt durch seine surrealistisch anmutende „diabolische Phantasie“.[24] Als Kosmopolit lebte er abwechselnd in New York, Paris und Martinique. Häufiger war er auch Gast in Berlin. Er gilt als der bedeutendste Autor der französischsprachigen Karibik und intellektueller Vordenker im Diskurs über die Kreolisierung der Gesellschaft. Seine Werke wurde in über zwanzig Sprachen übersetzt. Eine Éloge der kreativen kreolischen Polyphonie entwickelte auch Daniel Maximin (1947–2013) aus Guadeloupe in seiner Trilogie L’isolé soleil (1981) Soufrières und L'ïle et une nuit.

Raphaël Confiant (* 1951) ist der erste Schriftsteller Martiniques, der einen Roman in kreolischer Sprache veröffentlichte (Bitako-a 1985). Von seinen etwa 75 Büchern sind etwa 15 in kreolischer Sprache verfasst. Auch Patrick Chamoiseau (* 1953) aus Martinique, der 1992 den Prix Goncourt für seinen Roman Texaco erhielt, versuchte das Konzept der créolité mit stilistischen Mitteln und durch Einbeziehung mythischer Figuren in die Handlung sichtbar zu machen. Simone Schwarz-Bart (* 1938), die behauptet, in Guadeloupe geboren zu sein, hat dort sowie in Afrika und in Frankreich gelebt. Sie schrieb über das Exil und die Probleme karibischer Identität.

 
Maryse Condé (2008)

Die 1937 in Guadeloupe geborene Maryse Condé verließ früh ihre Heimat, studierte an der Sorbonne, arbeitete in Westafrika und den USA und lebt jetzt in Frankreich; ihre vielseitigen Arbeiten spiegeln ihre Erfahrungen aus allen diesen Regionen, mit Kolonialismus und Entkolonialisierung, mit historischen und Genderthemen.[25] 2018 erhielt sie den Literaturpreis der neuen schwedischen Akademie, der in diesem Jahr anstelle des Nobelpreises für Literatur vergeben wurde.[26] Ihr Roman Windward Heights (französisch: La Migration des cœurs, 2003) ist der geglückte Versuch, sich Wuthering Heights von Emily Brontë bei Beibehaltung der Charaktere subversiv anzueignen (sich literarisch einzuverleiben, quasi zu „kannibalisieren“) und bei Verwendung eines oralen kreolischen Stils in das kolonisierte Guadeloupe um 1900 zu versetzen. Damit bezieht sie sich parodistisch auf das Manifesto Antrofagico des brasilianischen Avantgardisten José Oswald de Souza Andrade von 1928, dessen Idee des Menschenfressers als Verzehrer, Verdauer und Ausscheider alles Anderen und auch des Eigenen bei der Interpretation brasilianischer wie postkolonialer Kunst insgesamt bis heute eine wichtige Rolle spielt.[27] Auch Condés Buch Histoire de la femme cannibale (2005) bleibt diesem Themenstrang verbunden.[28]

LiteraturpreisBearbeiten

Seit 1965 wird alle zwei Jahre der Prix Littéraire des Caraïbes von der Vereinigung französischsprachiger Schriftsteller an Schriftsteller aus Haiti, Martinique, Guadeloupe und dem französischen Guayana verliehen. Neunmal ging er bisher nach Martinique. Seit 1990 gibt es den Prix Carbet de la Caraïbe et du Tout-Monde, der u. a. auch frankokanadischen Autoren verliehen wird.

Spanischsprachige LiteraturBearbeiten

Die spanischsprachige karibische Literatur war seit den 1920er Jahren beeinflusst vom spanisch-amerikanischen Modernismo und teilweise auch von den afrokaribischen Strömungen der frankophonen Gebiete. Zu ihren wichtigsten Leistungen gehörte die Entwicklung einer eigenständigen Lyrik, der poesía negra, zu deren Vertretern (neben den Kubanern Nicolás Guillén, Emilio Ballagas und Nancy Morejón) vor allem Luis Palés Matos und Manuel de Cabral zählen.

Dominikanische RepublikBearbeiten

Politik und Kultur der Dominikanischen Republik waren lange Zeit geprägt durch die massive Abgrenzung von Haiti, das die Republik von 1822 bis 1844 besetzt hielt und durch negrophobe Tendenzen sowie den Versuch, sich wieder der Hispanidad anzunähern. Unter den Präsidenten Trujillo und Balaguer gelangte die kolonialrassistische Ideologie im 20. Jahrhundert auf einen Höhepunkt.[29] So gehörten die bedeutenden Vertreter der Literatur der seit 1844, und erneut nach 1865 unabhängigen Dominikanischen Republik der weißen Elite an.

19. Jahrhundert

Nach Salomé Ureña Díaz (1850–1898), Verfasserin gefühlsbetonter und tragischer Gedichte und Begründerin der höheren Mädchenbildung und Lehrerinnenausbildung im Lande wurde der nationale Literaturpreis benannt. Ihr Sohn, der liberale Essayist und Literaturkritiker Pedro Henríquez Ureña, wanderte nach Mexiko, später in die USA und nach Argentinien aus und beeinflusste dort das Werk von Jorge Luis Borges.

 
Grab von Manuel de Jesús Galván in der Kathedrale von Santo Domingo

Als Vorläufer des Indigenismo und Begründer der modernen dominikanischen Literatur kann der Schriftsteller, Journalist und Politiker Manuel de Jesús Galván (1834–1910) angesehen werden. Sein historischer Roman Enriquillo, leyenda histórica dominicana, dessen Handlung im frühen 16. Jahrhundert angesiedelt ist, führt Klage über das Massaker von Jaragua (1503), die Ermordung der Kazikin Anacaona sowie die 1502 eingeführte Sklaverei anprangert und schildert den teilweise erfolgreichen Widerstand des Kaziken Enriquillo (1496–1536) gegen die Spanier. Er wurde zuerst 1879, in vollständiger Fassung 1882 publiziert.

20. Jahrhundert

Vor dem Ersten Weltkrieg begann man im Land die wichtigsten Arbeiten zeitgenössischer lateinamerikanischer Schriftsteller zu rezipieren, wozu der Schriftsteller und Zeitschriftenherausgeber Federico García Godoy (1857–1924) maßgeblich beitrug.

Zu den bedeutenden dominikanischen Autoren zählen der von Walt Whitman beeinflusste avantgardistische Lyriker Héctor Incháustegui Cabral (1912–1979), der äußerst produktive und sozial engagierte Vertreter der poesía negra und Erzähler Manuel del Cabral (1907–1999), der jahrzehntelang als Diplomat im Ausland lebte, ferner die Erzählerin Hilma Contreras (1913–2006), die 2002 als erste Frau den dominikanischen Nationalpreis für Literatur erhielt, sowie der Dichter und Musiker Manuel Rueda (1921–1999) und der frühere Präsident Juan Bosch (1909–2001), der sich auch als politischer Schriftsteller und bedeutender Erzähler betätigte (La Mañosa, Roman, 1936). Ramón Francisco (* 1929) trat als Lyriker und Essayist hervor; seine Gedichte sind in die populäre Musik eingegangen. Der Dichter, Archäologe und Erzähler Marcio Veloz Maggiolo (1936–2021) war Botschafter in Mexiko, Peru und Italien. Der Dichter und Erzähler René del Risco (1937–1972) gehörte ebenso wie Miguel Alfonseca (1942–1994) zu den Akteuren des Widerstands gegen Trujillo und in der Phase des Übergangs zur Demokratie. Die Literatur im repressiven Klima der Trujillo-Diktatur wurde auch als Postumismo bezeichnet.

 
Rita Indiana Hernández
Exil und Migration

Aufgrund der verbreiteten wirtschaftlichen Perspektivlosigkeit wanderten seit den 1960er Jahren immer mehr Künstler aus der Dominikanischen Republik aus oder gingen zeitweise ins Ausland wie Enriquillo Sánchez Mulet. Julia Alvarez (* 1950) kam als Zehnjährige mit ihren Eltern aus der Dominikanischen Republik in die USA. Sie lehrte viele Jahre lang Literatur am Middlebury College in Vermont, wo sie noch heute lebt. Sie schreibt in englischer Sprache und gilt daher als amerikanische Autorin; doch ist die karibische Herkunft der Schriftsteller, die in Englisch schreiben, nicht zu verkennen. Auch Junot Díaz (* 1968) wanderte mit acht Jahren mit seiner Familie in die USA aus; er gilt mit seinem Roman „Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao“ (2007) als Vertreter des magischen Realismus. Migration ist auch ein Thema von Juan Dicent (* 1969). Er lebt in New York, verfasst Erzählungen, Gedichte und Theaterstücke und bedient sich des Sprachmixes der hispanoamerikanischen Community. Rita Indiana Hernández (* 1977) ist Verfasserin von Romanen, Kurzgeschichten und Songtexten. Sie popularisierte den Merengue in seiner ursprünglichen Form, lebt seit 2012 in Miami, schreibt aber weiterhin auf Spanisch.

Als Erzähler und Lyriker, der im Land blieb, wurden Frank Báez (* 1978) bekannt, der mit seiner Band El Hombrecito eine englisch-spanischer CD mit Musik, Literatur und grafischer Animation für die dominikanische Diaspora in New York herausgab. Pedro Antonio Valdez (* 1968) schreibt Kurzgeschichten in spanischer Sprache. In der Musik- und Filmproduktion betätigt sich Rey Emmanuel Andújar (* 1977).

Puerto RicoBearbeiten

Die spanische Kolonialmacht unterdrückte lange Zeit die Entstehung einer einheimischen Literatur. Die ersten lokalen Autoren verfassten lediglich historische Chronologien im Auftrag der Kolonialmacht. Anders als auf Kuba wurden auf Puerto Rico die Überreste der Kultur der Arawak nicht so brutal ausgelöscht; hier finden sich immer noch Kulturspuren aus der vorkolonialen Zeit. Doch erst im 20. Jahrhundert wurden oral überlieferte Lieder, Rätsel und Erzählungen der Arawak, der Afroamerikaner und der Spanier aus der frühen Kolonialzeit durch J. Alden Mason publiziert.

Als Begründer einer eigenständigen puerto-ricanischen Literatur auf der Grundlage einer oralen Überlieferung gilt der romantische Dichter, Dramatiker, Essayist und Verfasser von Biographien und historischen Romanen Alejandro Tapia y Rivera (1826–1882). Viele Intellektuelle gingen nach dem gescheiterten Aufstand gegen die spanische Kolonialherrschaft 1868 ins Ausland, so der Dichter Francisco Gonzalo Marín (1863–1897) und der Schriftsteller und Essayist Eugenio María de Hostos.

Nach der US-Invasion 1898

Bald nach der US-amerikanischen Invasion 1898, die man zunächst als Chance zur Befreiung ansah, wurde deutlich, dass die neue Regierung die gewachsene Kultur der Insel ignorierte und die Amerikanisierung vorantrieb. Dagegen erwuchs einerseits eine nationalistische Oppositionsbewegung, die zu einer Blüte einer sich als patriotisch und sozial verstehenden Literatur führte, die sich in den 1930er Jahren politisch in der Puerto Rican Nationalist Party organisierte. Dazu zählten der Dichter Clemente Soto Vélez (1905–1993), der nach dem Massaker in der Universität von Río Piedras 1935 und ungesetzlichen Tötungen von Angehörigen der Puerto Rican Nationalist Party im Jahr 1936 wegen eines angeblichen Umsturzversuchs von einem US-Bundesgericht zu mehrjähriger Haft verurteilt wurde. Seine Werke konnten erst seit den 1970er Jahren erscheinen. Seinen Dichterfreund Juan Antonio Corretjer (1908–1985) traf ein ähnliches Schicksal. Der Nationalbewegung gehörte auch die Lyrikerin Julia de Burgos (1914–1953) an. Enrique Laguerre schuf mit La llamarada (1935) einen naturalistisch-proletarischen Roman über das ländliche Puerto Rico zur Zeit der Weltwirtschaftskrise und mit La Ceiba en el Tiesto (1956) einen Roman über die massive Emigration. Die 1930er bis 1950er Jahre waren auch eine Zeit, in der die Kurzerzählung und die Essayistik im Zuge der Identitätsdiskussion zwischen nacionalistas und asimilistas (Unabhängigkeits- bzw. Beitrittsbefürwortern) sowie estadolibristas (Anhängern eines an die USA assoziierten Status) eine Blüte erfuhren.[30]

 
Das Café der Nuyorican Poets in Manhattan, East 3rd Street

Tatsächlich verließen zahlreiche Intellektuelle, Dichter und Musiker in den 1930er und 1940er Jahren die Insel, darunter der Afroamerikaner Jesús Colón (1901–1974), der in New York die gegen die Diskriminierung der Spanisch sprechenden kämpfende Bewegung der Nuyoricans begründete. Auch bereits in den USA geborene Hispano-Autoren schlossen sich dieser Bewegung an.

Zu den spanischsprachigen Autoren des 20. Jahrhunderts, die trotz der 1948 erneut einsetzenden massiven Repressionen gegen die Anhänger der Nationalbewegung in Puerto Rico verblieben, zählen der afroamerikanische Lyriker und Vertreter der poesía negra Luis Palés Matos (1898–1959) sowie die Angehörigen der sog. Generación del 50: der Lyriker, Essayist und Politiker Francisco Matos Paoli (1950–2015), die Dramatiker und Erzähler René Marqués (1919–1979) und Luis Rafael Sánchez (* 1936) – sämtlich Befürworter der völligen Unabhängigkeit. Sánchez’ bekanntestes Werk ist die Tragödie La Pasión según Antigona Pérez („Die Passion nach Antigona Pérez“, 1968), eine auf der Biographie der nationalistischen Freiheitskämpferin Olga Viscal Garriga basierende Variation des Antigone-Stoffs. Sein Roman La Guaracha del Macho Camacho (1976) setzt sich kritisch mit der Amerikanisierung Puerto Ricos und de, daraus folgenden Identitätsverlust der Insel und ihrer Einwohner auseinander. Francisco Matos Paoli, Vertreter der lyrischen Romantik wie der Moderne und Postmoderne, schrieb im Gefängnis weiter Gedichte (Luz de los Héroes, 1951); 1977 wurde er für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen.

Seit 1980

Die jüngeren Autoren lernten die Repression nicht mehr kennen; sie blieben im Land. Dazu zählen die feministische Autorin Rosario Ferré (1942–2016), deren Werke in viele Sprachen übersetzt wurden, der Essayist und Romancier Edgardo Rodríguez Juliá (* 1946) sowie der Erzähler Manuel Ramos Otero (1948–1990), der in seinem teils autobiographischen Werk offen mit seiner Homosexualität umging.

In spanischer und englischer Sprache sowie in Spanglish schreibt die Klassikerin der lateinamerikanischen Postmoderne, Giannina Braschi (* 1953), die seit 1980 im Ausland lebt. Ihre Trilogie (Yo-Yo Boing!, United States of Banana, El imperio de los sueños) ist in den drei Sprachen Puerto Ricos geschrieben. Sie kreist um das Verhältnis zu den USA und wirft die Frage auf, ob die Insel eine Kolonie, ein Staat oder eine Nation sei und untersucht die Situation der Hispanos in New York. Auch Writing Puerto Rico: Our Decolonial Moment des Lyrikers und Sozialwissenschaftlers Guillermo Rebollo Gil (* 1979) befasst sich mit den Chancen der Dekolonisierung, er schreibt jedoch nur in englischer Sprache.

In Deutschland bekannt wurde Sánchez’ Politsatire First Dog – Enthüllungen eines Präsidentenhundes (2011) über Bill Clintons Hund bekannt, der vom FBI entführt und zum Sprechen gebracht wird. Zum offiziellen Diccionario de la Real Academia Española trug er 2016 das Wort puertorriqueñidad bei.[31]

Literatur der Niederländischen Antillen und SurinamsBearbeiten

Auf den Niederländischen Antillen und in Surinam (wie auch auf Jamaika und bei den nach Sierra Leone zurückgewanderten freigelassenen Sklaven) haben sich zahlreiche mündliche Traditionen der Aschanti aus Ghana erhalten. Davon sind die Anansi-tori oder Nanzi, die Spinnengeschichten, die eng mit dem Totenritual verknüpft sind, besonders bekannt.

In beiden niederländischen Gebieten existiert neben der spanischsprachigen und niederländischen karibischen Literatur auch eine Literatur in der auf dem Spanischen basierenden kreolischen Sprache Papiamento.

Niederländische AntillenBearbeiten

 
Olga Orman aus Aruba schreibt Spinnengeschichten in Papiamento

Der wohl bedeutendste Autor der Niederländischen Antillen ist Frank Martinus Arion (1936–2015) aus Curaçao. Sein auf Niederländisch verfasster Roman Dubbelspel (1973) liegt auch in deutscher Übersetzung („Doppeltes Spiel“) vor. Carel de Haseth verfasst neben Erzählungen Lyrik in niederländischer Sprache und Papiamentu. In einer zweisprachigen Ausgabe liegt seine Novelle Sklave und Herr: Katibu di shon (2007) über den Sklavenaufstand von 1795 vor. Roland Colastica (* 1960) ist Autor von Erzählungen und Theaterstücken. Olga Orman (* 1943) aus Aruba schreibt ihre Tierfabeln und Spinnengeschichten für Erwachsene und Kinder in Papiamento.

SurinamBearbeiten

Die Literatur des multiethnischen und multireligiösen Surinam[32] setzt im 19. Jahrhundert mit drei historischen Romanen (zuerst: „Codjo, der Brandstifter“ 1903) des katholischen Missionars Henri François Rikken (1863–1908) ein. Rikken, der versuchte, die chinesischen Kontraktarbeiter zu bekehren, lernte auch Chinesisch und vertiefte sich in die kreolischen Dialekte und die oralen Überlieferungen der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Er sah keinen Konflikt zwischen diesem kulturellen Erbe und dem Christentum. Aus Surinam stammte auch der Dichter, Schriftsteller und Politiker R. Dobru (eigentlich Robin Ewald Raveles, 1935–1983), der sowohl in niederländischer Sprache als auch in der im Englischen und Portugiesischen wurzelnden Kreolsprache Sranan schrieb, die seit etwa 1945 verschriftlicht wurde.[33] Auch Edgar Cairo (1948–2000) schrieb in beiden Sprachen (Temekoe, 1969) u. a. über historische Themen. Heute ist Sranan die lingua franca zwischen allen Bevölkerungsgruppen Surinams – auch die der Hindi und Chinesisch sprechenden Menschen.

 
Karin Amatmoekrim

Anil Ramdas (1958–2012) lotet in seinem autobiographischen Roman Badal (2011) den Kulturkonflikt zwischen westlicher und karibischer Zivilisation aus, unter dem die Migranten in den Niederlanden leiden. Cynthia McLeod aus Paramaribo (* 1936) ist Autorin historischer Romane in niederländischer Sprache. Sie thematisiert die Zusammenstöße zwischen calvinistischen Kolonialbeamten, jüdischen Plantagenbesitzern, Kreolen und malayischen Arbeitern. Annel de Noré (* 1950) wurde durch ihren feministisch-psychologischen Roman De Bruine Zeemeermin (2000) bekannt. Karin Amatmoekrim (* 1976), die indonesische, chinesische, afrikanische und indianische Vorfahren hat, lebt in den Niederlanden und veröffentlichte bisher sechs Romane. Eines ihrer Themen ist die Migration der Indonesier innerhalb des niederländischen Kolonialreichs. Ihr fünfter Roman, De man van veel (2013), fußt auf der Biographie von Anton de Kom.

LiteraturBearbeiten

  • Anja Bandau, Christoph Singler: Transinsular, teanskulturell, transnational, transatlantisch: Karibische Literatur(en). In: Doerte Bischoff, Susanne Komfort-Hein: Handbuch Literatur & Transnationalität. Berlin, Boston 2019, S. 401–417.
  • Ulrich Fleischmann, Eckhard Breitinger: Literaturen der Karibik. In: Kindlers neues Literatur-Lexikon, München 1996, Bd. 19, S. 1052–1066.
  • Donald E. Herdeck, Maurice Lubin, John Figueroa u. a. (Hrsg.): Caribbean Writers: A Bio-Bibliographical Critical Encyclopedia, Washington, D.C., 1979.
  • Bruce King (Hrsg.): West Indian Literature, London 1979.
  • Reinhard Sander (Hrsg.): Der karibische Raum zwischen Selbst- und Fremdbestimmung: Zur karibischen Literatur, Kultur und Gesellschaft, Frankfurt 1984.
  • Daryl Cumber Dance (Hrsg.): Fifty Caribbean writers: A bio-bibliographical-critical sourcebook, New York 1986.
  • Alison Donnell, Sarah Lawson Welsh (Hrsg.): The Routledge Reader in Caribbean Literature, Routledge, 1996 (behandelt nur die anglokaribische Literatur)
  • Frank Birbalsingh: Passion and exile. Essays on Caribbean literature, London 1988.
  • Debra L. Anderson: Decolonizing the text. Glissantian readings in Caribbean and African-American literatures, New York 1995.
  • Ralph Ludwig: Frankokaribische Literatur, Tübingen 2007.
  • Natascha Ueckmann: Ästhetik des Chaos in der Karibik: 'Créolisation' und 'Neobarroco' in franko- und hispanophonen Literaturen, transcript, 2014.
  • Kenneth Ramchand: Act of Possession: The New World of West Indian Writing, Port of Spain 1991.
  • Kenneth Ramchand: The West Indian Short Story, in: Journal of Caribbean Literatures, Vol. 1 (1997), No. 1, S. 21–33.
  • J. Dillon Brown, Leah Reade Rosenberg (Hrsg.): Beyond Windrush. Rethinking Postwar Anglophone Caribbean Literature. Univ. of Mississippi Press, 2015.
Anthologien
  • Andrew Salkey: West Indian Stories, London 1960, 1968.
  • E. A. Markham (Hrsg.): Hinterland: Caribbean Poetry from the West Indies and Britain, 1979.
  • E. A. Markham (Hrsg.): The Penguin Book of Caribbean Short Stories, 1996.
  • Janheinz Jahn (Hrsg.): Westindien (= Moderne Erzähler der Welt, Bd. 13). 2. Auflage Tübingen/Basel 1974 (1. Aufl. unter dem Titel Jubeltag auf Jamaica. Westindien in Erzählungen der besten zeitgenössischen Autoren. Herrenalb 1965).

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Versuche deutscher Missionare, das Neue Testament in die Sprache der Arawak in Guayana zu übersetzen, fanden keine Fortsetzung. Leipziger Literatur-Zeitung, März 1824, Band 1, No. 148, S. 1182.
  2. Fleischmann/Breitinger 1996, S. 1053.
  3. Fleischmann/Breitinger 1996, S. 1053 f.
  4. James W. Ivy: First Negro Congress of Writers and Artists. In: The Crisis, vol. 63, no. 10, Dezember 1956, S. 593–600.
  5. Fleischmann/Breitinger 1996, S. 1057 f.
  6. Bandau, Singler 2019, S. 413.
  7. Susan Valladares: “Act[ing] Riotously”: Theatre and Performance in Early Nineteenth-Century Jamaica. In: The Review of English Studies. 2021, Online
  8. Martin Banham, Errol Hill, George Woodyard (Hrsg.): The Cambridge Guide to African & Caribbean Theatre. Cambridge University Press, 1994, S. 141–149; 197–202 .
  9. Susanne Freitag: Die Konstruktion anglokaribischer Literatur: Caribbean Voices 1946–1954, Diss. Hannover 2013 (online)
  10. Filminfo auf imdb.com
  11. Douglas Hall: A man divided : Michael Garfield Smith : Jamaican poet and anthropologist. 1921-1993. Kingston, Jamaica 1997.
  12. Peter-Paul Zahl: Jamaika, München 2002, S. 144.
  13. E. A. Markham: Poet, dramatist and writer who resisted any tendency to define his work as either Caribbean or British, in: Independent, 12. April 2008 [1]
  14. Beispieltext auf www.mybelize.net
  15. Autorenverzeichnis auf thelatinoauthor.com
  16. Wolfgang Bader: Martinique, Guadeloupe, Guayane: eine periphere Literaturgeschichte, online (PDF; 349 kB).
  17. Text und Musik von Ti zwzo und seines Gedichts Choucoune
  18. J. Jahn, Einführung zu Westindien, S. 16
  19. U. F.: Thémistocle-Épaminondas Labasterre, in: Kindlers Neues Literatur-Lexikon, Bd. 11, München 1996, S. 141 f.
  20. Wolfgang Binder: Die Hälfte der Nacht wiegt schwerer als ihr Schweigen.: Vermischte Schriften: Rezensionen und Nachworte zu Literatur aus den USA, Lateinamerika und der Karibik. Würzburg 1998, S. 58.
  21. Kein Ende des Klassenkampfes: Der Schriftsteller Lyonel Trouillot im Gespräch mit Barbara Wahlster, Deutschlandradio Kultur, 2. Januar 2015 [2]
  22. Leonie Meyer-Krentler: Verborgene Geschichten aus der Karibik, ZEIT online, 8. Februar 2010 [3]
  23. Frauke Gewecke: Die Karibik: zur Geschichte, Politik und Kultur einer Region, 3. Auflage, Frankfurt 2007, S. 216 f.
  24. Christian Szeps: Édouard Glissant's "La Lézarde": Between the Magical Surreal and the Fantastic. In: Journal of the Fantastic in the Arts, Vol. 15 (2004), No. 4 (60), S. 358–368.
  25. Ute Fendler: Maryse Condé: Von den afrikanischen Wurzeln bis zur karibischen Mangrove. In: Petra Petra, Dirk Naguschewski (Hrsg.): Französische Literatur der Gegenwart: ein Autorenlexikon. München 2001, S. 51–54.
  26. Alternativer Literaturpreis geht an Maryse Condé, in: zeit.de, 12. Oktober 2018.
  27. Peter W. Schulze: Strategien ‚kultureller Kannibalisierung‘: Postkoloniale Repräsentationen vom brasilianischen Modernismo zum Cinema Novo. Bielefeld: transcript 2015.
  28. Mariana Ionescu: Histoire de la femme cannibale: Du collage à l'autofiction. In: Nouvelles Études Francophones. Vol. 22, No. 1 (2007), S. 155–169.
  29. Nawal Jelb: Diaspora und Identität in der Literatur des Postkolonialismus: Eine Analyse anhand des Romans La maravillosa vida breve de Óscar Wao von Junot Díaz, Hamburg 2016, S. 23 f.
  30. Michael Rössner (Hrsg.): Lateinamerikanische Literaturgeschichte. 2. Auflage, Stuttgart, Weimar 2002, S. 196 f.
  31. Zum Begriff siehe Stefan Quast: Puertorriqueñidad: Nationale Identität, Interkulturalität und Transkulturalität im Musikleben Puerto Ricos. Göttingen 2008.
  32. Albert James Arnold, Julio Rodríguez-Luis, J. Michael Dash: A History of Literature in the Caribbean: English- and Dutch-speaking countries, 2001.
  33. Wan bon/Éen boom, Gedicht von R. Dobru in Sranan.