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BiografieBearbeiten

Karen Duve wuchs im Hamburger Stadtteil Lemsahl-Mellingstedt auf. Nach dem Abitur 1981 begann sie auf Wunsch ihrer Eltern eine Ausbildung zur Steuerinspektorin, die sie 1983 ohne Abschluss beendete. Sie arbeitete anschließend in verschiedenen Aushilfstätigkeiten und war 13 Jahre lang Taxifahrerin in Hamburg. Außerdem war sie als Korrektorin für eine Zeitschrift tätig. Seit 1996 ist sie freie Schriftstellerin. Sie lebt seit 2009 in der Märkischen Schweiz (Brandenburg).

Duve gehört dem wissenschaftlichen Beirat der humanistischen Giordano-Bruno-Stiftung an.[1]

VeröffentlichungenBearbeiten

Ihre erste Erzählung, Im tiefen Schnee ein stilles Heim, veröffentlichte Duve 1995. Sie ist auch Teil ihres ersten Buches Keine Ahnung mit Erzählungen bei Suhrkamp. Es folgten zwei Unterhaltungs-Lexika, das der berühmten Tiere und das der berühmten Pflanzen, in Zusammenarbeit mit Thies Völker. Gleichzeitig wurde ihr erster Roman veröffentlicht. Ihr Regenroman erzählt von einer grandios scheiternden Hausrenovierung, unberechenbaren Frauen und einer zutiefst bedrohlichen Natur. Unter dem Namen Regenfälle wurde es am LOT-Theater in Braunschweig[2] und in Berlin im Theaterdiscounter aufgeführt.[3] Ihr nachfolgender Roman Dies ist kein Liebeslied handelt von einer unerwiderten Liebe, aus der ein Scheitern des bisherigen Lebens abgeleitet wird. Bearbeitet und inszeniert von Regisseurin Wenke Hardt wurde der Roman am Berliner Theater unterm Dach und im Societaetstheater Dresden[4] aufgeführt. Die entführte Prinzessin ist ein ironischer Fantasy- und Märchenroman. Die Geschichte von der bettelarmen Prinzessin, die von dem baskarischen Prinzen Diego gefreit wird, wurde von der Kritik überwiegend positiv aufgenommen. Die Welt schrieb in einer Kritik am 26. März 2005, dass Duve mit dieser Erzählung

„… wieder einmal ihr enormes Talent zum Perspektiv- und Stilwechsel vor[führt], [sie] zeigt ungeahnte Heiterkeit, Mut zu schlichter Herzenswärme und rekonstruiert so nebenbei ihr Image als Eis-Prinzessin unter den Fräuleinwundern.“[5]

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung urteilte dagegen, dass Duve mit dieser Erzählung zu „märchen- und mädchenhafter Harmlosigkeit“ neige, und kam zu dem Schluss, dass sie mit diesem Roman ihr Erzähltalent verschwende.[6]

Es folgte 2008 der Roman Taxi, in dem sie ihre Erfahrungen im Taxigewerbe verarbeitete. Er wurde 2015 unter dem Titel Taxi von Kerstin Ahlrichs verfilmt.

In Anständig essen beschreibt Duve ihren Selbstversuch, verschiedene ethisch begründete Ernährungsformen wie biologisch, vegetarisch, vegan oder frutarisch auszuprobieren. Im Verlauf der Recherche für das Buch wurde Duve zu einer engagierten Tierschützerin und Vegetarierin.[7] Das Buch wurde überwiegend positiv rezensiert.[8] Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie durch vielfache Fernsehauftritte bekannt, in denen sie vehement für eine vegetarische Ernährung eintrat.[9] Mit dem US-amerikanischen Schriftsteller und Vegetarismus-Aktivisten Jonathan Safran Foer begab sie sich auf eine gemeinsame Lesereise.[10]

In ihrem Buch Grrrimm erzählt Duve fünf bekannte Märchen der Brüder Grimm nach. Neben Rotkäppchen unter dem Namen Grrrimm werden die Märchen Bruder Lustig, Dornröschen unter dem Titel Der geduldige Prinz, Schneewittchen als Zwergenidyll und Der Froschkönig unter dem Titel Die Froschbraut frei nacherzählt. Die vier letzten Kurzgeschichten sind bereits früher in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht worden.

Duve hat drei Kinderbücher geschrieben, zwei Geschichten um den Teddybär „Thomas Müller“, die von Petra Kolitsch illustriert wurden, und das Bilderbuch Bruno Orso fliegt ins Weltall, das Judith Zaugg illustrierte.

Neben ihren Romanen veröffentlichte sie in Anthologien und schrieb Essays und Kurzgeschichten für Zeitungen und Zeitschriften. Ihr Buch Warum die Sache schiefgeht erfuhr teilweise harsche Kritik aber auch viel Lob.[11]

In Macht verarbeitet Karen Duve aus der Sicht eines Psychopathen gesellschaftliche Trends, die sich zu einer Dystopie verdichten. Der Ich-Erzähler des Romans hält seine beruflich erfolgreiche Ehefrau im Keller gefangen, um sich aufzuwerten und um ihren Willen zu brechen. Die Hörbuch-Fassung dazu wird von Charly Hübner gelesen.[12]

Ihr Romanporträt Fräulein Nettes kurzer Sommer schildert Annette von Droste-Hülshoffs produktive Lebensjahre und erfährt viel Kritikerlob als gelungenes "Zeit- und Gesellschaftsporträt" und "niemals bildungshubernd".[13]

AuszeichnungenBearbeiten

WerkeBearbeiten

BücherBearbeiten

Veröffentlichungen in Anthologien (Auswahl)Bearbeiten

  • in: Küßt mir aus der Brust das Leben! Edition Postskriptum zu Klampen Verlag, Lüneburg 1998, ISBN 3-933156-43-2.
  • Sklavenmarkt in Tanger. (Erotische Kurzgeschichte) In: Susann Rehlein (Hrsg.): Bitte streicheln Sie hier! Eichborn, Berlin/Frankfurt am Main 2000, ISBN 3-8218-0680-X.
  • in: Anne Enderlein, Cornelia Kister (Hrsg.): Eiszeit. Aufbau Verlag, Berlin 2000, ISBN 3-7466-1631-X.
  • in: Anne Enderlein (Hrsg.): Weihnachten und andere Katastrophen. Ullstein Verlag, 2002, ISBN 3-548-25578-7.
  • in: Sabine Blau (Hrsg.): Geschichten zum Rotwerden. Piper Verlag, 2007, ISBN 978-3-492-26203-3.
  • in: Liane Dirks (Hrsg.): Das Buch vom besinnlichen November. Sanssouci-Verlag im Carl Hanser Verlag, 2007, ISBN 978-3-8363-0043-8.

Artikel (Auswahl)Bearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Heike Bartel, Elizabeth Boa (Hrsg.): Pushing at boundaries. Approaches to contemporary German women writers from Karen Duve to Jenny Erpenbeck. Rodopi, Amsterdam 2006, ISBN 1-4294-5631-0 (englisch, Konferenzschrift, Universität Nottingham 2004 (entstanden, als Karen Duve als DAAD Writer in Residence an der Universität weilte)).
  • Alexandra Boier: Zynisches Erzählen bei Karen Duve. Universität Wien, Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät, Wien 2010, urn:nbn:at:at-ubw:1-29187.63808.479760-7 (Diplomarbeit).
  • Julia Schöll: Die Rückkehr des Autors als moralische Instanz. Auktoriale Inszenierung im 21. Jahrhundert. In: Corina Caduff, Ulrike Vedder (Hrsg.): Gegenwart schreiben. Zur deutschsprachigen Literatur 2000–2015. Wilhelm Fink, Paderborn 2017, ISBN 978-3-7705-5918-3, S. 211–221.
  • Éric Leroy du Cardonnoy: Pop – Golf – Klatsch: Literatur der deutschen Jungautoren im Spiegel der Presse. Parallèles. In: Germanica. Nr. 39, 1. Dezember 2006, ISSN 0984-2632 (openedition.org [abgerufen am 17. November 2018]).
  • Peter J. Graves: Karen Duve, Kathrin Schmidt, Judith Hermann: „Ein literarisches Fräuleinwunder“? In: German Life and Letters, 55 (2)/2002, S. 196–207.
  • Heike Bartel, Elizabeth Boa (Hrsg.): Pushing at Boundaries. Approaches to Contemporary German Women Writers from Karen Duve to Jenny Erpenbeck. Rodopi, Amsterdam / New York 2006, ISBN 90-420-2051-2.
  • Stuart Taberner (Hrsg.): The novel in German since 1990. Cambridge Univ. Press, Cambridge / New York u. a. 2011, ISBN 978-0-521-19237-8, S. 165–179.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Karen Duve – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. giordano-bruno-stiftung.de
  2. kultur-port.de
  3. theaterdiscounter.de
  4. societaetstheater.de
  5. Die Welt, 26. März 2005
  6. FAZ, 24. März 2005
  7. Duve: Anständig essen. Ein Selbstversuch. Galiani Verlag, Berlin 2011.
  8. So in der Süddeutschen Zeitung, der Frankfurter Rundschau, der FAZ und der Zeit. Übersicht bei perlentaucher.de
  9. u. a. Sendung Anne Will vom 9. Januar 2011; Sendung Kölner Treff vom 14. Januar 2011; Sendung nachtstudio vom 23. Januar 2010.
  10. Martin Kotynek, Marten Rolff: Interview: Karen Duve und Jonathan Safran Foer – Fleischlos glücklich. In: sueddeutsche.de. 28. Januar 2011, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  11. Georg Diez: Der Kritiker: Bakterien, Gier und böse Männer. Spiegel online Kultur, 31. Oktober 2014, abgerufen am 25. November 2014.
  12. Kritik zum Hörbuch Macht. Popshot.over-blog.de, 24. Februar 2016, abgerufen am 7. April 2016.
  13. Andrea Diener: In die Schulbücher eingehen, das hätte sie nicht gewollt, Rezension in der FAZ vom 8. November 2018, abgerufen 8. November 2018
  14. VS Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller: Carl-Amery-Literaturpreises an Karen Duve. Abgerufen am 18. Dezember 2018.