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Kanigowo

Dorf in Polen
(Weitergeleitet von Kandien)

Kanigowo [kaɲiˈgɔvɔ] (deutsch Kandien, auch Candien) ist eine Ortschaft in der Gemeinde Nidzica (Neidenburg) im Powiat Nidzicki (Neidenburger Kreis) in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Kanigowo
Kanigowo führt kein Wappen
Kanigowo (Polen)
Kanigowo
Kanigowo
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Nidzica
Gmina: Nidzica
Geographische Lage: 53° 19′ N, 20° 26′ OKoordinaten: 53° 19′ 0″ N, 20° 26′ 0″ O
Einwohner: 260
Postleitzahl: 13-121
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NNI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: OlsztynWarschau
Nächster int. Flughafen: Flughafen Warschau



Geographische LageBearbeiten

Die Ortschaft liegt in der historischen Region Ostpreußen, fünf Kilometer südlich der Stadt Neidenburg (Nidzica) und 52 Kilometer südlich von Allenstein (Olsztyn).

GeschichteBearbeiten

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1371 als Canegaw, 1496 als Candien. Die Bedeutung des prußischen Namen ist unklar, dürfte sich aber auf Ungeziefer wie Motten, Milben und sonstige bissige Geschöpfe beziehen.[1] Bereits im 15. Jahrhundert war Kandien Mittelpunkt eines Kirchspiels. Im Jahr 1785 wird Candien als ein kölmisches Dorf mit einer Kirche und 21 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet; das zum landrätlichen Kreis und Domänenamtsbezirk Neidenburg gehört.[2]

Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags stimmte die Bevölkerung im Abstimmungsgebiet Allenstein, zu dem Kandien gehörte, am 11. Juli 1920 über die weitere staatliche Zugehörigkeit zu Ostpreußen (und damit zu Deutschland) oder den Anschluss an Polen ab. In Kandien stimmten 213 Einwohner für den Verbleib bei Ostpreußen, auf Polen entfielen keine Stimmen.[3]

Am 1. Oktober 1935 wurde Kandien teilweise in das Dorf Olschau eingegliedert, das am 16. Juli 1938 in Struben umbenannt wurde.[4]

Im Jahr 1945 gehörte Kandien zum Landkreis Neidenburg im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Kandien im Januar 1945 von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde Kandien zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens von der sowjetischen Besatzungsmacht unter polnische Verwaltung gestellt. In der Folgezeit wurden die deutschen Dorfbewohner von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Kandien vertrieben.

KirchspielBearbeiten

Bis 1945 war Kandien ein evangelisches Kirchspiel. Zu diesem gehörten auch die Orte: Heidemühle, Gniadtken, Kamiontken, Pawlicken, Sablotschken, Sagsau, Saffronken, Schimiontken, Willuhnen. Bis 1809 hatte Kandien eigene Geistliche[5] und wurde danach mit dem Kirchspiel Neidenburg zusammengelegt.[6] Im 18. Jahrhundert wurde in der Kirche auch auf polnisch gepredigt.[5]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945Bearbeiten

Jahr Einwohner Anmerkungen
1816 0 85 [7]
1852 178 [8]
1858 185 davon 172 Evangelische und 13 Katholiken (keine Juden)[9]
1933 413 [4]
1939 407 [4]

WeblinksBearbeiten

FußnotenBearbeiten

  1. Rozalia Przybytek: Ortsnamen baltischer Herkunft im südlichen Teil Ostpreussens. = Nazwy miejscowe pochodzenia bałtyckiego w południowej części Prus Wschodnich. Steiner, Stuttgart 1993, ISBN 3-515-06449-4, (Hydronymia Europaea. Sonderband 1), S. 97.
    Alexander Kurschat: Litauisch-deutsches Wörterbuch = Thesaurus linguae Lituanicae. Band 2. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1970, S. 1030.
  2. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen. Königsberg/Leipzig 1785, S. 27.
  3. Herbert Marzian, Csaba Kenez: Selbstbestimmung für Ostdeutschland. Eine Dokumentation zum 50. Jahrestag der ost- und westpreussischen Volksabstimmung am 11. Juli 1920. Herausgeber: Göttinger Arbeitskreis, 1970, S. 90
  4. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Neidenburg (poln. Nidzica). (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. a b Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 467–468.
  6. Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 348.
  7. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 2: G–Ko, Halle 1821, S. 294, Ziffer 753.
  8. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 89.
  9. Adolf Schlott: Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungsbezirks Königsberg. Hartung, Königsberg 1861, S. 175, Ziffer 25.