Joseph Vilsmaier

deutscher Filmregisseur und Kameramann (1939-2020)

Joseph Rudolf Vilsmaier (* 24. Januar 1939 in München; † 11. Februar 2020 ebenda[1]) war ein deutscher Filmregisseur und Kameramann. Sein Name wird in allen Tatort-Folgen, die er als Kameramann gedreht hat, mit Josef Vilsmeier angegeben.

LebenBearbeiten

Vilsmaier besuchte ein Internat in der Nähe von Augsburg, absolvierte eine technische Ausbildung beim Filmkamerahersteller Arnold & Richter (ARRI) und studierte neun Jahre am Richard-Strauss-Konservatorium München Musik mit Schwerpunkt Klavier.[2] Anschließend war er Mitglied einer Jazz-Band.

Nachdem er einige Jahre als Techniker tätig gewesen war, stieg er 1961 zunächst als Materialassistent und Kameraassistent, dann als Kameramann in die Filmbranche ein, wo er sich rasch einen Namen machte. Hinter der Kamera wirkte er unter anderem in einigen Folgen der Fernsehserie Auf Achse (1977), einer Reihe von Tatort-Folgen sowie in den Hallervorden-Streifen Didi auf vollen Touren und Didi – Der Experte mit.

Mit seinem Regiedebüt, dem Heimatfilm Herbstmilch, in dem seine Ehefrau Dana Vávrová die Hauptrolle spielte und der ohne Filmförderung entstand[3], hatte Joseph Vilsmaier 1988 auf Anhieb Erfolg, der im Jahr 1997 durch Comedian Harmonists noch übertroffen wurde. Weniger begeistert sind hingegen die Reaktionen von einigen Filmkritikern auf seine Regieleistungen ausgefallen. Filme von Vilsmaier sind häufig als „kunstgewerblich“ oder als in ihrer Sichtweise historisch reduziert kritisiert worden. Für viele seiner Regiearbeiten war er gleichzeitig auch als Kameramann verantwortlich.

Am 21. Juni 2009 erhielt Vilsmaier den Ehren-Kamerapreis für sein Lebenswerk. Die Jury begründete diese Entscheidung mit der emotionalen Kraft in Vilsmaiers Bildern und damit, dass er Lichtstimmungen und Bildräume intuitiv erfasse.[4] Vilsmaier war 2003 eines der Gründungsmitglieder der Deutschen Filmakademie.

Mit Dana Vávrová war er von 1986 bis zu deren Tod im Februar 2009 verheiratet. Die drei gemeinsamen Töchter Janina Vilsmaier, Theresa Vilsmaier und Josefina Vilsmaier ergriffen allesamt den Beruf Schauspielerin. Während der Dreharbeiten zu Der letzte Zug, einem von Artur Brauner produzierten Film, zog sich Vilsmaier in Prag beim Einsturz eines Kameraturms Verletzungen zu, in deren Folge er nur eingeschränkt einsatzfähig war. Deshalb übernahm Vávrová die Regie für die restlichen Dreharbeiten. Vilsmaier und Vávrová wurden für Der letzte Zug beim Bayerischen Filmpreis 2006 mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet.

Joseph Vilsmaier arbeitete bis kurz vor seinem Tod als Regisseur, sein letzter Film Der Boandlkramer und die ewige Liebe mit Michael Herbig und Hape Kerkeling soll im November 2020 in die Kinos kommen.[5] Sein Archiv befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin.[6]

Joseph Vilsmaier starb im Alter von 81 Jahren. Er wurde auf dem Waldfriedhof Grünwald (Grab XX-20) beigesetzt.[7] Nach seinem Tod wurde die Auszeichnung für den besten Spielfilm des Filmfestivals Kitzbühel in Joseph-Vilsmaier-Preis umbenannt.[8]

FilmografieBearbeiten

RegisseurBearbeiten

Kinofilme:

Fernsehfilme:

Fernsehserien:

  • 2006: Siska (Episode 79: Schatten einer Frau)
  • 2006: Der Alte (Episode 320: Wenn Liebe zuschlägt)

KameramannBearbeiten

Filme:

Fernsehserien:

AuszeichnungenBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. mdr.de: Regisseur Joseph Vilsmaier gestorben | MDR.DE. Abgerufen am 12. Februar 2020.
  2. Schwerpunkt Klavier (Memento vom 24. September 2015 im Internet Archive)
  3. Sein Leben war "Fasching": Zum Tod von Joseph Vilsmaier – Nachruf auf BR.de
  4. Joseph Vilsmaier, Ehrenkameramann 2009 (Memento vom 16. Oktober 2015 im Internet Archive) deutscher-kamerapreis.de
  5. DerWesten- derwesten.de: Joseph Vilsmaier (81) ist tot: Sein letzter Film erscheint noch dieses Jahr. 12. Februar 2020, abgerufen am 12. Februar 2020.
  6. Joseph-Vilsmaier-Archiv Bestandsübersicht auf den Webseiten der Akademie der Künste in Berlin.
  7. Klaus Nerger: Das Grab von Joseph Vilsmaier. In: knerger.de. Abgerufen am 28. August 2020.
  8. Comeback des Kinos: Veronica Ferres macht jungen Filmschaffenden Mut. In: Kurier.at. 30. August 2020, abgerufen am 18. September 2020.
  9. Geh weiter, Zeit, bleib steh! in: FAZ vom 25. Juli 2012, S. 25
  10. Barbara Schuster: Kitzbühel ehrt Joseph Vilsmaier. In: blickpunktfilm.de. 28. Juli 2017, abgerufen am 18. September 2020.