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Ingo Wellenreuther

deutscher Politiker, MdB
Ingo Wellenreuther (2017)

Ingo Wellenreuther (* 16. Dezember 1959 in Karlsruhe) ist ein deutscher Politiker (CDU), Mitglied des Deutschen Bundestages und Sportfunktionär.

Inhaltsverzeichnis

LebenBearbeiten

Nach dem Abitur 1979 am Goethe-Gymnasium in Karlsruhe absolvierte Wellenreuther ein Studium der Rechtswissenschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Justus-Liebig-Universität Gießen, welches er 1985 mit dem ersten juristischen Staatsexamen beendete. Nach dem Referendariat legte er 1989 auch das zweite Staatsexamen ab und war anschließend als Staatsanwalt in Baden-Baden tätig. 1991 wechselte er als Richter an das Landgericht Karlsruhe. Von Februar 2000 bis April 2001 und von Februar 2002 bis September 2002 war er als Referent der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Untersuchungsausschuss „Parteispenden“ tätig und von Mai 2001 bis Januar 2002 an das Oberlandesgericht Karlsruhe abgeordnet. Seit 2002 ist Wellenreuther Vorsitzender Richter am Landgericht außer Dienst.

Ingo Wellenreuther ist evangelisch, verheiratet und hat zwei Kinder.[1] Sein Sohn Timon ist seit 2014 Fußballprofi, Nationalspieler der deutschen U21 und spielt aktuell für den Verein Willem II Tilburg in den Niederlanden.[2]

Politische LaufbahnBearbeiten

ParteiBearbeiten

Wellenreuther ist seit 2002 Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes Karlsruhe-Stadt. Er gehört seit 2003 dem Vorstand des CDU-Bezirksverbandes Nordbaden an und war von 2005 bis 2007 Mitglied des CDU-Landesvorstands von Baden-Württemberg.

KommunalpolitikBearbeiten

Wellenreuther gehörte von 1999 bis 2013 dem Gemeinderat von Karlsruhe an. 2004 und 2009 wurde er mit den jeweils meisten Stimmen aller Gemeinderatskandidaten in Karlsruhe wiedergewählt.

Für die Wahl des Oberbürgermeisters von Mannheim am 17. Juni 2007 kandidierte er nach Anfrage der CDU Baden-Württemberg[3] für die CDU und die Mannheimer Liste (ML), konnte sich jedoch mit einem Ergebnis von 32,07 Prozent der Stimmen[4] gegen den SPD-Kandidaten Peter Kurz, auf den 50,53 % der Stimmen entfielen, nicht durchsetzen.[5]

Er kandidierte 2012 bei der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe für die CDU. Zuvor hatte er sich im parteiinternen Nominierungsverfahren am 15. März 2012 mit 68,68 % gegen die Erste Bürgermeisterin Margret Mergen durchgesetzt, die 31,32 % erhielt.[6] Die Bürgermeisterwahl verlor er bereits im ersten Wahlgang am 2. Dezember 2012 mit 35,41 % der Stimmen gegenüber 55,26 % für den gemeinsamen Kandidaten von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Karlsruher Liste (KAL), Frank Mentrup.[7]

AbgeordneterBearbeiten

Seit 2002 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter anderem Mitglied des Parlamentskreises Mittelstand, der Gruppe der Vertriebenen, der Arbeitsgruppe Kommunalpolitik und des Arbeitskreises Große Städte.

Wellenreuther ist 2002 über die Landesliste Baden-Württemberg und 2005 als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Karlsruhe-Stadt in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er hier 41,3 % der Erststimmen. Er war in der 16. Wahlperiode von 2005 bis 2009 ordentliches Mitglied des Bundestags-Innenausschusses und stellvertretendes Mitglied im Bundestags-Rechtsausschuss.

Bei der Bundestagswahl am 27. September 2009 errang Wellenreuther mit 38,1 % der Erststimmen und einem Vorsprung von 11,4 Prozentpunkten vor dem Kandidaten der SPD, Johannes Jung, erneut das Direktmandat im Wahlkreis Karlsruhe-Stadt.[8] In der 17. Wahlperiode war Wellenreuther Mitglied in den folgenden Ausschüssen und Gremien des Bundestages:

Bei der Bundestagswahl am 22. September 2013 errang Wellenreuther mit 39,5 Prozent der Erststimmen und einem Vorsprung von 9,9 Prozent gegen über dem SPD-Kandidaten erneut das Direktmandat im Wahlkreis Karlsruhe-Stadt. Im 18. Bundestag ist Wellenreuther Ordentliches Mitglied im Rechtsausschuss, im Richterwahlausschuss sowie im Sportausschuss[9].

Bei der Bundestagswahl am 24. September 2017 errang Wellenreuther mit 28,6 Prozent der Erststimmen erneut das Direktmandat für Karlsruhe-Stadt.[10] Bei der Landesvertreterversammlung der CDU Baden-Württemberg am 23. März 2017 in Sindelfingen wurde er von den Delegierten auf Platz 5 der Landesliste gewählt.[11]

Positionen und KontroversenBearbeiten

GesundheitsreformBearbeiten

Wellenreuther stimmte im Deutschen Bundestag am 2. Februar 2007 gegen die Gesundheitsreform der Großen Koalition.[12] Als Gründe nannte er insbesondere die fehlende Nachhaltigkeit und verfassungsrechtliche Bedenken an der Reform sowie die Gefahr von steigenden Beiträgen, weniger Wettbewerb und mehr Bürokratie.[13]

InternetsperrenBearbeiten

Wellenreuther unterstützte den Versuch Ursula von der Leyens, Internetseiten zur Bekämpfung der Kinderpornografie zu sperren (vgl. Gesetz zur Bekämpfung der Kinderpornografie in Kommunikationsnetzen). Er äußerte Unverständnis gegenüber Kritikern dieses Vorgehens, die ein solches Vorgehen als wirkungslos bezeichneten, und bezeichnete jedes Zögern als unverantwortlich.[14] Zensurvorwürfe wies er zurück „Es findet keine Zensur statt, da nur der Zugang zu strafbaren Inhalten gesperrt wird. Es wäre auch abwegig, wenn unser Grundgesetz schwerste Kriminalität schützen würde.“[15]

Als einziger Abgeordneter des Bundestags stimmte Wellenreuther gegen die Aufhebung des Zugangserschwerungsgesetzes.[16]

Heroin auf RezeptBearbeiten

Wellenreuther kündigte 2009 als einer von nur wenigen CDU-Bundestagsabgeordneten an, für eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes zu stimmen. Diese soll die geregelte Abgabe von Heroin an Schwerstabhängige im Rahmen einer Heroin-Therapie ermöglichen.[17] Bei der Abstimmung im Bundestag am 28. Mai 2009 stimmte Wellenreuther für die Gesetzesänderung.[18]

ComputerspieleBearbeiten

Wellenreuther setzte sich 2009 dafür ein, dass ein in der Karlsruher Schwarzwaldhalle am 5. Juni 2009 geplantes Computerspielturnier der Electronic Sports League kurzfristig durch den Veranstalter abgesagt wurde, obwohl bereits Verträge bestanden. Das Turnier war zuvor durch die lokale CDU-Fraktion und den CDU-Oberbürgermeister Heinz Fenrich unterstützt worden. In seinem Vorfeld sollte ein Eltern-LAN unter der Schirmherrschaft von Armin Laschet, Bildungsminister in Nordrhein-Westfalen, stattfinden, um den Eltern Informationen zum Thema zur Verfügung zu stellen.[5] Im Rahmen des Turniers sollte unter anderem auch Counter-Strike gespielt werden, der Eintritt war auf Über-18-Jährige beschränkt.

Im Nachhinein erklärte Wellenreuther, er habe sich, als er von der Unterstützung der Veranstaltung durch die lokale CDU erfahren habe, „sofort aufgeregt“. Er betonte, Spiele wie Counterstrike seien Killerspiele und denen möchten wir in Karlsruhe kein Forum bieten.“ Auf die Nachfrage von Journalisten, was ein Killerspiel ist, erklärte Wellenreuther: „Das erzeugt ein geiles Gefühl von Macht, dort geht es darum, so viele Menschen wie möglich umzubringen, der Spieler übt Selbstjustiz.“[5] Kritikern entgegnete er, entscheidend sei nicht, ob Killerspiele derzeit schon gesetzlich verboten sind, sondern dass nach seiner Auffassung die Stadt Karlsruhe ihre Hallen für Veranstaltungen mit Killerspielen nicht vermieten sollte.[19] Wellenreuther argumentierte, dass man das Computerspielturnier nicht brauche, um eine Aufklärungskampagne über die Gefahren von Computerspielen und Computerspielsucht zu starten; er begrüßte und unterstützte dementsprechend die von der Stadt Karlsruhe angekündigte Informationskampagne.[20] Wellenreuther stützt sich in seiner kritischen Haltung gegenüber gewalthaltigen Computerspielen auch auf wissenschaftliche Untersuchungen, wonach derartige Spiele negative Auswirkungen, wie insbesondere eine Steigerung der Aggressivität, haben können.[21] Die Ergebnisse solcher Untersuchungen sind jedoch nicht unumstritten. So hat z. B. eine Studie der Texas A&M International University ergeben, dass der Konsum gewalttätiger Videospiele Stress und Aggressionen abbaut.[22]

MitgliedschaftenBearbeiten

Seit 2002 ist er Kuratoriumsmitglied der Landesvereinigung Baden in Europa e. V. und des „Internationalen Bunds – Freier Träger der Jugend-, Sozial- und Bildungsarbeit e. V.“. Dem Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung gehört Wellenreuther seit 2007 als stellvertretendes Mitglied und seit 2009 als ordentliches Mitglied an.

Wellenreuther ist Gründungsmitglied und Vorsitzender des Vereins Karlsruher Kindertisch e. V.[23] Zweck des Vereins ist die Versorgung bedürftiger Schüler mit Mahlzeiten, insbesondere mit warmen Mittagessen.

Außerdem ist Wellenreuther Mitglied der überparteilichen Europa-Union Deutschland, die sich für ein föderales Europa und den europäischen Einigungsprozess einsetzt.

Karlsruher Sport-Club (KSC)Bearbeiten

Ingo Wellenreuther war ab 1997 Vorsitzender des Wahlausschusses des Karlsruher SC. Am 24. September 2010 wurde er vom Amtsgericht Karlsruhe, auf Vorschlag des verbliebenen Vizepräsidenten Rolf Hauer, zum Notpräsidenten bestimmt. Beide standen dem Verein bis zu einer Außerordentlichen Mitgliederversammlung im November vor, in deren Rahmen Wellenreuther zum Präsidenten des Clubs gewählt wurde.[24]

In seiner Funktion als Karlsruher Stadtrat brachte sich Wellenreuther 2008 mit dem Vorschlag zur Prüfung eines autobahnnahen Standortes in die Diskussion um den Neubau des Wildparkstadions ein. Die Stadt Karlsruhe als Bauherr hatte sich nach weiteren Verhandlungen auf den Standort Wildpark festgelegt, der KSC als Mieter des Stadions diesen Vorschlag voll mitgetragen. Am 18. November 2016 unterzeichnete Wellenreuther in seiner Funktion als KSC-Präsident zusammen mit Oberbürgermeister Frank Mentrup die Verträge zum Stadionneubau.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Ingo Wellenreuther – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Über mich (Memento des Originals vom 24. September 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ingo-wellenreuther.de
  2. Willem II. Abgerufen am 8. September 2017 (niederländisch).
  3. Stephan Wolf: Tritt Wellenreuther in Mannheim für die CDU an?@1@2Vorlage:Toter Link/www.morgenweb.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf morgenweb.de, abgerufen am 30. August 2009
  4. Amtl. Endergebnis Stadtbezirke PDF, online.
  5. a b c Mathias Hamann/Spiegel Online: POSSE-Schließbefehl für "Counterstrike" vom 3. Juni 2009
  6. OB-Wahl in Karlsruhe: CDU nominiert Ingo Wellenreiter
  7. Frank Mentrup Wahlsieger, nicht Wunderheiler
  8. http://www1.karlsruhe.de/Stadtentwicklung/afsta/Wahlen/Wahlabend-Netmodul/2009-btw/erst/bundestag-2009-erst-gesamt.php
  9. Mitglieder Sportausschuss - 18. Bundestag (Memento des Originals vom 27. September 2016 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundestag.de Bundestag online, abgerufen am 20. September 2014
  10. Der Bundeswahlleiter: Ergebnisse Karlsruhe-Stadt - Der Bundeswahlleiter. Abgerufen am 25. September 2017.
  11. CDU Baden-Württemberg: Dr. Wolfgang Schäuble ist Spitzenkandidat für die Bundestagswahl. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 8. September 2017; abgerufen am 8. September 2017.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.cdu-bw.de
  12. Abstimmungsergebnis der Sitzung des Deutschen Bundestages am 2. Februar 2007 PDF-Datei; 176 kB (Memento vom 1. Juli 2007 im Internet Archive)
  13. Pressemitteilung von Wellenreuther vom 7. Februar 2007 (Memento vom 10. Oktober 2007 im Internet Archive)
  14. Pressemitteilung von Wellenreuther vom 13. Februar 2009: Internetanbieter müssen Kinderpornoseiten sperren! (Memento des Originals vom 3. Januar 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ingo-wellenreuther.de
  15. Pressemitteilung von Wellenreuther vom 17. April 2009: Wellenreuther: Wichtiger Schritt im Kampf gegen Kinderpornographie im Internet gelungen! (Memento des Originals vom 3. Januar 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ingo-wellenreuther.de
  16. Wellenreuther im Bundestag gegen Verzicht auf Netzsperren bei Kinderpornographie (Memento des Originals vom 3. Januar 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/ingo-wellenreuther.de, Pressemitteilung Wellenreuthers vom 2. Dezember 2011
  17. Welt-Online, Claudia Ehrenstein, 28. Mai 2009: Drogenpolitik-Für Junkies gibt es Heroin bald auf Rezept
  18. Plenarprotokoll 16/224 des Deutschen Bundestages vom 28. Mai 2009 Abstimmungsverhalten
  19. ka-news.de, 14. Mai 2009: Wellenreuther zu "Killerspiel"-Diskussion: "Baitinger sagt bewusst die Unwahrheit!"
  20. Antwort von Ingo Wellenreuther auf abgeordnetenwatch.de vom 27. Mai 2009 auf die Frage von Christian Schwarz
  21. Antwort von Ingo Wellenreuther auf abgeordnetenwatch.de vom 24. Juli 2009 auf die Frage von Marko Vasilj
  22. Violent Video Games Help Relieve Stress, Depression, Says TAMIU Professor vom 17. Juni 2010 (englisch)
  23. Website des Karlsruher Kindertisch e. V. [1]
  24. Wellenreuther neuer Präsident. In: Karlsruher SC Online, 18. November 2010 (Archivlink (Memento des Originals vom 20. November 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.ksc.de)