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Hermann Grashof

Jurist und Politiker aus dem Sauerland

Hermann Grashof (* 27. Juni 1809 in Brilon; † 24. September 1867) war ein deutscher Jurist und Politiker aus dem Sauerland.

LebenBearbeiten

Hermann Grashof wurde am 27. Juni 1809 in Brilon geboren.[1] Sein Vater, Konrad Grashof war am gleichen Ort Oberförster. Seine Mutter war eine geborene Außel aus Füchten bei Neheim. Durch die Versetzungen seines Vaters wuchs Hermann Grashof in Fredeburg, Meschede und Hirschberg auf. Er besuchte von 1822 bis 1827 das Gymnasium Laurentianum in Arnsberg, später das Gymnasium in Soest. Wegen einer schweren Erkrankung konnte er weder im Sauerland noch später in Bonn das Abitur ablegen.[2]

1860 heiratete Grashof eine Tochter der Familie Vogel aus Dahlbruch.

Als Hermann Grashof am 24. September 1867 starb, wurde er von Freunden als „den besten Freund, den ich auf dieser Welt gehabt“ bezeichnet.[3]

Beruflicher WerdegangBearbeiten

Grashof studierte ab 1828 in Würzburg Rechts- und Staatswissenschaften. Daneben belegte er Philologie und ab 1830 Medizin.

In Würzburg wurde Grashof Mitbegründer der Burschenschaft Amicitia. Hierbei handelte es ich um eine Deckverbindung, welche die germanistische Richtung vertrat.[4] Wegen Verbreitung der revolutionären Flugschrift Der erste Mai wurde Grashof im Sommer 1831 zweimal verhaftet, jedoch wieder entlassen. Um weiteren Verfolgungen zu entgehen, versuchte Grashof eine Immatrikulation in Berlin, die ihm aber verweigert wurde.

Deshalb ging er 1832 nach Jena, wo er wegen Zugehörigkeit zur Burschenschaft Germania, wiederum zweimal verhaftet wurde. Als unschuldig entlassen, wechselte Grashof im Herbst 1833 zum weiteren Studium nach Göttingen. Obwohl zu den gemäßigten Burschenschaftlern gehörend, sah sich Grashof auch in Göttingen weiteren Verfolgungen ausgesetzt.[5] Im Begriff, sein Studium in Rostock zu beenden, wurde Grashof Anfang Mai 1834 im Elternhaus in Meschede von der preußischen Ministerialkommission verhaftet. Nach häufigen, über ein Jahr währenden Verhören wurde Grashof in die Festung Magdeburg verbracht.

Grashof wurde als so staatsgefährlich angesehen, dass das Berliner Kammergericht ihn am 4. August 1836 wegen des Vergehens der Majestätsbeleidigung und wegen der Teilnahme an der hochverräterischen Burschenschaft in Würzburg zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte, Vermögenskonfiskation und Tod durch das Beil verurteilte. Das Urteil wurde am 11. Dezember 1836 in 30 Jahre Festungsarrest umgewandelt. Mitinhaftiert war der mecklenburgische Mundartdichter, Fritz Reuter. Zwischen den beiden Männern entstand eine besondere Freundschaft. Reuter beschreibt Grashof in Ut mine Festungstid als „staatschen Kirl mit gele Hor, vull militörischen Anstalten, aewer man mager. Von binnen was hei en braver Mann, vull Ihr un vull Redlichkeit, mit em gor tau sihr rührsam Hart un mit 'ne Inbillung, de ümmer up Jensiet von de Festungswäll spazieren gung“.[1]

Mit der allgemeinen Amnestie bei der Thronbesteigung Friedrich Wilhelms IV. kam Grashof im August 1840 wieder frei. Das Studium konnte er jedoch nicht zu Ende führen. Er wurde Buchhalter, dann Rendant bei dem Köln-Müsener-Bergwerksverein in Lohe bei Kredenbach (Kreis Siegen). 1848 trat Grashof wieder politisch hervor und war u. a. Führer einer demokratischen Volksversammlung in Meschede. Unter seiner Führung wurde eine Petition an die beiden Nationalversammlungen (Berlin und Frankfurt) in Umlauf gesetzt, in der u. a. die Einführung einer Einkommenssteuer unter Aufhebung aller anderen Steuern, einschließlich der Zölle, Wahl der Gemeindebeamten durch die Gemeindemitglieder, Verwaltung des Vermögens der politischen und Kirchengemeinden unter Ausschluss der Beaufsichtigung des Staates, Revision der Gerichtsordnung usw. verlangt wurde. Auch im Handwerksverein trat Grashof durch verschiedene Reformvorschläge hervor. 1862 wurde er stellvertretender Direktor der Lübecker Lebensversicherungs-AG.

LiteraturBearbeiten

  • Dvorak, Helge: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft Bd. 1. 2. Auflage. Heidelberg 1999.
  • Große-Dresselhaus: Aus Hermann Grashof's "Festungstid", in: Siegener Heimat-Kalender 1969.
  • Schulte, Wilhelm: Westfälische Köpfe, 300 Lebensbilder bedeutender Westfalen. Münster 1977.
  • Schulte, Wilhelm: Volk und Staat, Westfalen im Vormärz und in der Revolution 1848/49. Regensberg und Münster 1954.
  • Patrick Ernst Sensburg: Die großen Juristen des Sauerlandes. 22 Biographien herausragender Rechtsgelehrter. 1. Auflage. F.W. Becker, Arnsberg 2002, ISBN 978-3-930264-45-2 (276 S.).

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b Schulte, Wilhelm, Westfälische Köpfe, 300 Lebensbilder bedeutender Westfalen, Münster 1977. S. 93.
  2. Schulte, Wilhelm, Westfälische Köpfe, 300 Lebensbilder bedeutender Westfalen, S. 447
  3. Schulte, Wilhelm, Westfälische Köpfe, 300 Lebensbilder bedeutender Westfalen, Münster 1977. S. 448.
  4. Dvorak, Helge, Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, Bd. 1; S. 169
  5. Dvorak, Helge, Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft, Bd. 1; S. 170