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Heinrich Hölscher

deutscher Jurist und Politiker

Heinrich Hölscher (* 11. April 1875 in Wellingholzhausen, Provinz Hannover; † 3. Dezember 1945 in Berlin) war ein deutscher Jurist und Politiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben und BerufBearbeiten

Hölscher studierte Rechtswissenschaften. Er trat 1898 in den preußischen Justizdienst ein und arbeitete von 1906 an als Amtsrichter und Landrichter in Konitz, Westpreußen und später Hagen. 1917 wurde er zum Landgerichtsrat und 1919 zum Kammergerichtsrat befördert. Ab 1921 war Hölscher hauptamtliches Mitglied der Justizprüfungskommission im preußischen Justizministerium. Er wechselte 1923 als Ministerialrat mit der Verwendung Justizreferent ins preußische Finanzministerium und wurde 1925 Vizepräsident des Juristischen Landesprüfungsamtes. 1933 wurde er Nachfolger von Eduard Tigges als Präsident des Kammergerichts, des Oberlandesgerichts von Berlin. Er trat Ende Dezember 1942 in den Ruhestand und baute sich am Scharmützelsee in Brandenburg ein Eigenheim.

Hölscher, der seit 1945 in sowjetischer Haft als verschollen galt, wurde in Unkenntnis seines Schicksals am 7. März 1947 für tot erklärt. Nach anderer Quelle sollen er und seine Frau 1945 von eindringenden sowjetischen Truppen erschossen worden sein.[1] Tatsächlich wurde Hölscher am 9. Oktober 1945 an seinem Wohnort in Bad Saarow verhaftet. Ihm sollte am 7. Dezember 1945 vor dem Sowjetischen Militärtribunal in Berlin der Prozess wegen seiner Tätigkeit als Kammergerichtspräsident gemacht werden. Wenige Tage vor Verfahrensbeginn starb Hölscher am 3. Dezember 1945 im Spezialgefängnis Nr. 6 des NKWD in Berlin-Lichtenberg.[2]

ParteiBearbeiten

Hölscher war zunächst Mitglied der Zentrumspartei, aus der er später austrat.

Öffentliche ÄmterBearbeiten

Hölscher amtierte von 1927 bis 1932 als Staatssekretär im preußischen Justizministerium. Nach dem „Preußenschlag“ wurde er am 21. Juli 1932 zum Reichskommissar ernannt und übernahm die Leitung des Ministeriums. Am 23. März 1933 wurde er in dieser Funktion durch den Nationalsozialisten Hanns Kerrl abgelöst.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Die Protokolle des Preußischen Staatsministeriums 1817−1934/38. Band 12/2. Georg Olms Verlag, Hildesheim/Zürich/New York City 2004, ISBN 3-487-12704-0.

WeblinksBearbeiten

  • Heinrich Hölscher. In: „Akten der Reichskanzlei. Weimarer Republik“ online. Bundesarchiv, abgerufen am 2. März 2013.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Fritz Hartung: Jurist unter vier Reichen. Carl Heymanns Verlag, Köln/West-Berlin/Bonn/München 1971, ISBN 3-452-17216-3, S. 78.
  2. Klaus-Dieter Müller, Thomas Schaarschmidt, Mike Schmeitzner, Andreas Weigelt: Todesurteile sowjetischer Militärtribunale gegen Deutsche (1944–1947). Eine historisch-biographische Studie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2015, ISBN 978-3-525-36968-5, Kurzbiographien auf beiliegender CD, dort S. 275