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Hechlingen am See

Ortsteil von Heidenheim (Mittelfranken)
(Weitergeleitet von Hechlingen)

Hechlingen am See ist ein Ortsteil des Marktes Heidenheim im mittelfränkischen Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen (Bayern).

Hechlingen am See
Wappen von Hechlingen am See
Koordinaten: 48° 58′ 41″ N, 10° 43′ 59″ O
Höhe: 468–499 m ü. NN
Fläche: 17,29 km²
Einwohner: 578 (30. Jun. 2008)
Bevölkerungsdichte: 33 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Mai 1978
Postleitzahl: 91719
Vorwahl: 09833
Hechlingen am See
Hechlingen am See

Geographische LageBearbeiten

Hechlingen liegt in der Fränkischen Alb südwestlich des Hahnenkamms im Tal der Rohrach, einem Zufluss der Wörnitz. Südlich des im Naturpark Altmühltal gelegenen Dorfs erstreckt sich der Hahnenkammsee. Im Ort stoßen die Staatsstraßen St 2284 und St 2216 aufeinander. In Ortsnähe liegt der „Enduro-Park Hechlingen“, ein Übungsgelände für Motorräder in einem ehemaligen Steinbruch. Östlich des Ortes liegt die Kapellenruine St. Katharina. IN der Nähe befinden sich zahlreiche Quellen. Im Westen erhebt sich der Rote Berg, im Süden der Hungerberg. Nördlich befindet sich die Steinerne Rinne bei Hechlingen.

Vorgeschichtliche ZeitBearbeiten

Besiedelt wurde der Ort, wie archäologische Befunde beweisen, bereits in der Mittel- und Jungsteinzeit. Aus der Hallstattzeit sind in der Hechlinger Flur mehrere Grabhügel bekannt.[1]

GeschichteBearbeiten

In der Hechlinger Gemarkung, in den „Ochsenwiesen“, wurde eine „Villa rustica“ gefunden; Hechlingen liegt etwa 10 Kilometer südlich des Limes. In Ortsnähe führte eine Alt- oder Römerstraße vorbei.[2]

Hechlingen dürfte eine Gründung der alemannisch-juthungischen Landnahme des 4. oder 5. Jahrhunderts vom Ries her sein; darauf deutet die Endung „-ingen“ des Ortsnamens hin.[3] Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort aber erst 899, als König Arnulf von Kärnten der Eichstätter Kirche Eigengut (oder Königslehen) des Cozpreht und Theotger unter anderem zu „Hachilinga“ übergab.[4] Hechlingen wird daher mit einem der ältesten bekannten bajuwarischen Adelsgeschlechtern, den Hahilinga in Verbindung gebracht. Diese werden in der Lex Baiuvariorum, in der das alte Volksrecht des baierischen Stammesherzogtums ab 635 zusammengefasst wurde, neben den Trozza, Huosi, Fagana, Anniona und dem Herzogsgeschlecht der Agilolfinger genannt und waren damit eines der sechs bayerischen Urgeschlechter. Auffälligerweise findet sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Ort Hüssingen, der sich möglicherweise auf das Adelsgeschlecht der Huosi zurückführen lässt. Heute gehört er zum ebenfalls nur wenige Kilometer entfernten Westheim, wo ein frühmerowingisches Gräberfeld gefunden wurde. Möglicherweise waren die Orte Hechlingen und Hüssingen die nordwestlichsten Außenposten der baiuwarischen Interessensphäre, während die Siedlung bei Westheim das Gegenstück auf fränkischer Seite war.[5] Robert Schuh sieht dem Ortsnamen den Personennamen „Hachil(-o, -i)“ als einem Angehörigen der Sippe Hahilinga zugrunde liegen.[6]

Zwischen 1057 und 1075 weihte der Eichstätter Bischof Gundekar II. eine Kirche zu „Hachelingun“. 1301 verpfändete König Albrecht I. den Ort mit anderen Dörfern des Amtes Sammenheim an seinen Oheim Graf Ludwig von Oettingen. 1319 erhielt das Kloster Auhausen Besitz in „Hehchelingn“ (später sind es insgesamt 6 Güter), 1334 das Kloster Heidenheim, das bereits den Meierhof besaß. Aus dem Salbuch des Klosters Heidenheim von 1400 lässt sich ablesen, dass das Kloster der bedeutendste Grundherr in Hechlingen war.[7] Ende des 14. Jahrhunderts kamen die Pappenheimer zu Besitz im Dorf. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts sind Abgaben aus dem Dorf an das nürnbergisch-burggräfliche (später ansbachisch-markgräfliche) Amt Hohentrüdingen nachweisbar; 1404 hatten die Burggrafen die Hohentrüdinger Herrschaft durch Kauf erworben. Zu dieser Zeit verlieh das Kloster Heidenheim mehrere Güter in Hechlingen zu Erbrecht; außerdem wurden 1475 und 1504 Hechlinger Besitzeinkünfte der 1423 gegründeten Kapelle zu Mariabrunn übertragen.[8] 1457 bestätigte der Eichstätter Bischof Johann die Errichtung einer Frühmesse an der St. Katharinenkapelle bei „Hachling“; die Pfarrkirche St. Lucia und Ottilie ist als eichstättisches Patronat 1458 erwähnt. 1524 vertauschte die Deutschordenskommende Oettingen ihren Besitz in Hechlingen mit dem Kloster Auhausen.[9]

1525 beteiligten sich Hechlinger Bauern an den Bauernaufständen; als diese durch Markgraf Kasimir niedergerungen waren, musste Hechlingen hohe Strafsummen leisten.[10] Nach der Reformation (in Hechlingen 1533) und der Säkularisation der Klöster Heidenheim (1537) und Auhausen (1534) hatten die an Hechlinger Grund und Boden gewonnenen Markgrafen von Brandenburg die hohe Gerichtsbarkeit und den Kirchenschutz zur Gänze und die niedere Gerichtsbarkeit über wesentliche Besitzteile des Dorfes inne; die Reichnisse waren nach wie vor an das brandenburgische Kastenamt Hohentrüdingen und an die brandenburgischen Klosterverwalterämter Heidenheim und Auhausen zu leisten; Reichnisse gingen aber auch nach Pappenheim/Treuchtlingen und an das oettingsche Amt Sammenheim (Stand 1616); die Oettinger ließen trotz der brandenburgischen Machtstellung ihren Mitanspruch auf die Hochgerichtsbarkeit in Hechlingen nie fallen. Als sogenanntes Freidorf konnte sich Hechlingen eine bäuerliche niedergerichtliche Autonomie mit dem jährlichen Ruggericht bewahren.[11] Diese Besitz- und Rechtsverhältnisse blieben im Wesentlichen bis zum Ende des Heiligen Römischen Reichs erhalten. So heißt es 1800, dass in Hechlingen 81 Untertanen zum ehemaligen ansbachischen (seit 1792 preußischen) Oberamt Hohentrüdingen gehören und 40 Untertanen „fremdherrisch“ seien.[12]

1806 fiel Hechlingen mit der ehemaligen ansbachisch-brandenburgischen Herrschaft an das Königreich Bayern. 1808 wurde ein Steuerdistrikt Hechlingen gebildet, dem auch die Hasenmühle und die Stahlmühle angehörten; dieser lag im Landgericht Heidenheim des Rezatkreises, dem Vorläufer des Regierungsbezirkes Mittelfranken. 1810 wurde Hechlingen eine Ruralgemeinde (= Landgemeinde), die auch die Balsenmühle und die Scheckenmühle mit einschloss. Durch das Gemeindeedikt von 1818 verlor die Ruralgemeinde Hechlingen diese beiden Mühlen wieder.[13] Im Zuge der Gebietsreform in Bayern verlor die Gemeinde ihre Selbständigkeit und wurde am 1. Mai 1978 mit seinen Ortsteilen Hasenmühle und Stahlmühle nach Markt Heidenheim eingemeindet.[14]

Ab etwa 1965 entwickelte sich Hechlingen vom reinen Bauerndorf zur Wohngemeinde und zum Fremdenverkehrsort. Von 1971 bis 1983/84 wurden ein Flurbereinigungsverfahren und eine Dorfsanierung durchgeführt. Mit dem Bau des Hahnenkammsees erhielt der Ortsname 1981 staatlicherseits den Zusatz „am See“. 1990 wurde dem Dorf das Prädikat „Staatlich anerkannter Erholungsort“ verliehen.[15]

EinwohnerzahlenBearbeiten

  • 1818: 828 Einwohner[13]
  • 1824: 826 Einwohner, 163 Wohngebäude[13]
  • 1867: 905 Einwohner, 207 Gebäude, Kirche, Schule, Brücke über die Rohrach[16]
  • 1950: 756 Einwohner, 156 Wohngebäude[13]
  • 1961: 736 Einwohner,[14] 166 Wohngebäude[17]
  • 1970: 717 Einwohner[14]
  • 1979: 717 Einwohner[18]

KircheBearbeiten

 
Evangelische Pfarrkirche St. Lucia und Ottilie

Ein erster Kirchenbau wurde wahrscheinlich 1061 geweiht. Vorher soll es aber schon eine Holzkirche gegeben haben. Die heutige evangelisch-lutherische Pfarrkirche St. Lucia und Ottilie besteht aus einem Langhaus von 1868 bis 1872 mit Emporen; der fünfgeschossige Chorturm mit Spitzhelm über vier Giebeln stammt vom Vorgängerbau von 1491. Von der neugotischen Ausstattung sind der Altar und die Kanzel von 1860 von Anselm Sickinger zu erwähnen, die aus der abgetragenen evangelischen Friedhofskapelle Kaufbeuren stammen. Die 1959 bei einer Renovierung erfolgte Stilbereinigung des Kircheninneren wurde bei einer weiteren Renovierung 1985 bis 1989 wieder zurückgenommen.[19]

SehenswürdigkeitenBearbeiten

 
Der Eingang zum Hechlinger Hohlweg
 
Katharinenkapelle
  • Die Burg Stahelsberg auf dem südlich befindlichen Schloßberg (528,3 m ü. NN[20]), von der nur noch ein Wall mit Halsgraben zu sehen ist, wird 1197 mit Rupertus von Stahelsberg erstmals erwähnt. Innerhalb des Burghofes befinden sich die Grundmauern einer Kirche des Zisterzienserinnen-Klosters Stahelsberg, das nach Zimmern im Ries verlegt wurde.
  • Die Katharinenkapelle, eine ehemalige oettingische Wallfahrtskirche, ist vor 1450 erbaut worden. Die Ruine steht auf dem östlich befindlichen Kappelbuck (Kapellenberg; 585,5 m ü. NN[21]).
  • Der Hechlinger Hohlweg, auch Schafgasse genannt, der auf den Kapellenberg führt, ist mit 250 Meter Länge und einer Tiefe von bis zu neun Meter einer der größten Hohlwege der Region.
  • Zwischen Hechlingen und Hüssingen sind die restaurierten Grundmauern eines römischen Gutshofes (villa Rustica) zu sehen.
  • Annähernd einen Kilometer nördlich von Hechlingen und südöstlich des Ortsteiles Scheckenmühle, liegt die etwa 15 Meter lange Steinerne Rinne von Hechlingen.
  • Die Blutrinne bei Hechlingen, ein keltisches Heiligtum südlich von Hechlingen

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: Hechlingen am See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Lutz, S. 18–22
  2. Lutz, S. 24f
  3. Lutz, S. 33
  4. Schuh, S. 125f.; Lutz, S. 48f
  5. Wilhelm Störmer: Die Baiuwaren. Von der Völkerwanderung bis Tassilo III. 1. Auflage. C.H. Beck, München 2002, ISBN 3-406-47981-2; ähnliche Überlegungen wurden bereits 1949 von Ernst Schwarz angestellt: Die bairische Landnahme um Regensburg im Spiegel der Völker- und Ortsnamen, S. 67
  6. Schuh, S. 126
  7. Lutz, S. 68
  8. 1250 Jahre Heidenheim, S. 99
  9. Lutz, S. 74
  10. Lutz, S. 81
  11. Historischer Atlas, S. 62
  12. Dieser Abschnitt hauptsächlich nach Schuh, S. 125f
  13. a b c d Historischer Atlas, S. 234
  14. a b c Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 731.
  15. Lutz, S. 11, 108, 145f
  16. J. Heyberger und andere: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. München 1867, Spalte 1038
  17. Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. München 1964, Spalte 785
  18. Schuh, S. 125
  19. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I: Franken. 2. Auflage, München: Deutscher Kunstverlag 1999, S. 433; Johann Schrenk/Karl Friedrich Zink: GottesHäuser. Treuchtlingen/Berlin: wek-Verlag 2008, S. 92–94
  20. Schloßberg Kartendienste des BfN
  21. Kapellenberg Kartendienste des BfN