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Nach einer Gruppenvergewaltigung in Freiburg im Breisgau am 13. Oktober 2018 wurden bis zum 26. Oktober, als der Fall öffentlich wurde, acht Männer unter dringendem Tatverdacht festgenommen, sieben Syrer und ein Deutscher. Das Opfer, eine 18-jährige Frau, hatte die Tat am 14. Oktober bei der Polizei angezeigt. Zwei weitere Tatverdächtige, ein Syrer und ein Algerier, deren DNA-Spuren am Tatort gefunden wurden, wurden im November und Dezember festgenommen.[1][2][3] Ein elfter Tatverdächtiger, ein 21-jähriger Syrer, wurde am 2. April 2019 verhaftet.[4] Einen Tag später nahm die Polizei einen 33 Jahre alten tatverdächtigen Deutschen fest, der gegen Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt wurde.[5] Weiterhin wird seit Januar 2019 mit Phantombild nach einem Tatverdächtigen gesucht.[6]

Inhaltsverzeichnis

HintergrundBearbeiten

In Freiburg ereigneten sich 2018 etliche öffentlich wahrgenommene Sexualstraftaten[7] nach dem Mord an Maria Ladenburger 2016. Letzteren und die Gruppenvergewaltigung verbindet, dass es sich bei den Tätern bzw. Tatverdächtigen um bereits vorher straffällig gewordene Flüchtlinge handelt.[8] Freiburg weist seit 2001 die höchste Kriminalitätsrate im Südwesten auf.[8] Auch werden dort im Durchschnitt die bundesweit mildesten Urteile gefällt.[9] Die Polizei gab auf einer Pressekonferenz am 2. November 2018 bekannt, dass die Zahl der Sexualdelikte in Freiburg im letzten Jahr stark gestiegen sei, trotz einer verstärkten polizeilichen Präsenz. Mehr als 50 Prozent der Täter seien nichtdeutscher Herkunft.[10]

TathergangBearbeiten

Die Tat fand nahe einer Diskothek in der Hans-Bunte-Straße in Freiburg statt, die das Opfer mit einer Freundin besucht hatte. Der 21-jährige Syrer Majd H.,[11][8] der 2014 nach Deutschland gekommen war und auf einer Pressekonferenz am 2. November von der Polizei als mutmaßlicher Haupttäter in dem Fall bestätigt wurde, hatte das mit Drogen und Alkohol wehrlos gemachte Opfer in einem nahen Wäldchen vergewaltigt. Anschließend rief er mehrere Freunde hinzu, die sich an der mehrere Stunden dauernden Gruppenvergewaltigung beteiligten.[12] Dem Opfer fehlte nach der Tat eine Armbanduhr, die mutmaßlich während der Tat gestohlen wurde.[13]

TatverdächtigeBearbeiten

Der mutmaßliche Haupttäter sowie ein weiterer Tatverdächtiger wurden per DNA-Spuren identifiziert. Augenzeugen wie etwa das Clubpersonal konnten weitere Täter beschreiben. Ein Augenzeuge sprach von bis zu 15 Tätern. Die meisten wurden in Flüchtlingsunterkünften in und um Freiburg festgenommen.[12] Der Haupttäter gilt als Intensivtäter. Die Polizei räumte ein, dass bereits seit 10. Oktober ein Haftbefehl gegen ihn bestanden habe. Aus „ermittlungstaktischen“ und organisatorischen Gründen und da sein Aufenthaltsort nicht klar gewesen sei, sollte er aber erst einige Tage später festgenommen werden.[1] Gegen ihn wird wegen weiterer Delikte ermittelt, darunter eine mögliche weitere Vergewaltigung, Drogenbesitz und Drogenhandel – er wird verdächtigt, im größeren Umfang mit Marihuana gehandelt zu haben – sowie Körperverletzung.[1][14] Angebliche Verbindungen von drei Tatverdächtigen zur syrischen Kurdenmiliz YPG konnten den Ermittlern zufolge nicht verifiziert werden.[13]

StrafverfahrenBearbeiten

Im Februar 2019 hat die Staatsanwaltschaft Freiburg gegen den mutmaßlichen Haupttäter Majd H., 22, und einen 23-Jährigen Anklage vor der Jugendkammer des Landgerichts erhoben. Ihnen wird die Vergewaltigung der Frau vorgeworfen, dazu unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln und unterlassene Hilfeleistung. Majd H. werden zusätzlich Anstiftung zur Vergewaltigung vorgeworfen, außerdem zwei Fälle von gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung, einen versuchten sexuellen Übergriff und exhibitionistische Handlungen. Beide Männer müssen sich noch wegen einer zweiten schweren Sexualstraftat verantworten.

Weil den beiden Angeklagten zwei Vergewaltigungen vorgeworfen werden, hat die Staatsanwaltschaft ihre Verfahren von dem gegen die weiteren acht inhaftierten Männer abgetrennt.[15]

Im Mai 2019 sollen die Prozesse vor dem Landgericht Freiburg beginnen. Noch nie hat es dort einen Prozess mit acht Angeklagten gegeben. Außer diesen müssen Verteidiger, Dolmetscher und Staatsanwaltschaft im Schwurgerichtssaal IV Platz finden, was ist eine große logistische Herausforderung ist und zu Umbauten des Gebäudes führte.[16]

ReaktionenBearbeiten

Der Oberbürgermeister von Freiburg, Martin Horn (parteilos), sowie der Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl, verurteilten die Tat. Gleichzeitig warnte Horn Flüchtlinge pauschal zu verurteilen.[17] Strobl forderte als Konsequenz, auch Abschiebungen nach Syrien zu prüfen sowie kriminellen Asylbewerbern ausschließlich Sachleistungen zu gewähren.[18] FDP-Landesfraktionschef Hans-Ulrich Rülke forderte Strobls Rücktritt, da Strobl versucht habe, eine Panne bei der Vollstreckung des Haftbefehls zu vertuschen.[18] Die Moderatorin Dunja Hayali forderte in einem Statement schnellere Abschiebungen der Täter und befürwortete eine Gesetzesänderung um dies möglich zumachen.[19] Der Oberbürgermeister von Tübingen, Boris Palmer, forderte darüber hinaus, gewaltbereite Asylbewerber an abgelegenen Orten unterzubringen, was die im Gesetz verankerte Wohnsitzauflage ermöglichen würde.[12] Annegret Kramp-Karrenbauer forderte im November 2018, dass Straftätern nach einer Ausweisung die Wiedereinreise nicht nur nach Deutschland, sondern auch in den gesamten Schengen-Raum auf Lebenszeit verweigert werden müsse und führte die Gruppenvergewaltigung in Freiburg als Beispiel an.[20]

Am 29. Oktober 2018 kam es in Freiburg zu drei Demonstrationen: eine der AfD/Junge Alternative sowie zwei Gegendemonstrationen.[21] SternTV widmete dem Fall am 1. November eine Sendung; Wolfgang Bosbach (CDU) und Lamya Kaddor waren hierbei zu Gast.[22]

Die Tat fand auch in den USA und Großbritannien Beachtung.[23][24][25]

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Anna Kröning: Intensivtäter soll weitere Frau vergewaltigt haben – Polizei sucht zwei Männer welt.de vom 2. November 2018
  2. Joachim Röderer: Gruppenvergewaltigung in Freiburg: Polizei nimmt neunten Tatverdächtigen fest. Badische Zeitung, 30. November 2018, abgerufen am 13. Februar 2019.
  3. Joachim Röderer: Verdächtiger springt aus Amtsgerichtsfenster und flieht – mit mehreren Knochenbrüchen. Badische Zeitung, 20. Dezember 2018, abgerufen am 13. Februar 2019.
  4. Joachim Röderer: Fall beim Hans-Bunte-Areal: Polizei nimmt elften Tatverdächtigen fest. Badische Zeitung, 2. April 2019, abgerufen am 4. April 2019.
  5. Joachim Röderer: Gruppenvergewaltigung in Freiburg: Polizei fasst zwölften Tatverdächtigen. Badische Zeitung, 4. April 2019, abgerufen am 4. April 2019.
  6. Joachim Röderer: Gruppenvergewaltigung: Polizei sucht mit Phantombild nach elftem Tatverdächtigen. Badische Zeitung, 7. Januar 2019, abgerufen am 13. Februar 2019.
  7. Ralf Deckert: Seit Mai häufen sich Sexualstraftaten schwarzwaelder-bote.de vom 15. Juni 2018
  8. a b c Rüdiger Soldt: Vergewaltigung in Freiburg: Wieder ein schreckliches Verbrechen.
  9. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart Germany: Justiz in Baden-Württemberg: Gerichte im Südwesten fällen besonders milde Urteile.
  10. Stuttgarter Zeitung, Stuttgart Germany: Freiburg: Polizeipräsident spricht von steigender Zahl von Sexualdelikten.
  11. Freiburg: Vergewaltiger Majd H. galt schon als Intensivtäter. 31. Oktober 2018.
  12. a b c Boris Palmer will gewaltbereite Asylbewerber isolieren zeit.de vom 28. Oktober 2018
  13. a b WELT: Joachim Herrmann: „Geht nicht darum, anständige und gut integrierte Syrer abzuschieben“. 4. November 2018.
  14. Freiburg: Hauptverdächtiger als Intensivtäter überwacht.
  15. Joachim Röderer: Staatsanwaltschaft erhebt erste Anklage im Fall der Freiburger Gruppenvergewaltigung. Badische Zeitung, 12. Februar 2019, abgerufen am 13. Februar 2019.
  16. Joachim Röderer: Großprozess um Gruppenvergewaltigung in Freiburg soll noch im Mai beginnen. Badische Zeitung, 27. März 2019, abgerufen am 28. März 2019.
  17. Stuttgarter Nachrichten, Stuttgart Germany: Gruppenvergewaltigung in Freiburg: OB Martin Horn warnt vor Pauschalurteilen.
  18. a b n-tv Nachrichten: Strobl: Abschiebungen nach Syrien prüfen.
  19. Dunja Hayali fordert nach Vergewaltigung in Freiburg schnellere Abschiebung der Täter. 29. Oktober 2018.
  20. Kandidatin: Kramp-Karrenbauer mit harter Linie gegen straffällige AsylbewerberBerliner Zeitung vom 8. November
  21. AfD-Sympathisanten und -Gegner gehen auf die Straße. 1. Januar 2019.
  22. Warum in dem Freiburger Fall so viel politische Brisanz steckt. 31. Oktober 2018.
  23. Merkel Ally Wants Tough Message on Sex Crimes for Refugees - The New York Times. Abgerufen am 10. November 2018.
  24. A. B. C. News: International News: Latest Headlines, Video and Photographs from Around the World -- People, Places, Crisis, Conflict, Culture, Change, Analysis and Trends.
  25. Syrian accused of raping girl 'already had a warrant for his arrest'. 31. Oktober 2018.