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Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer

Weltweites politisches Bündnis der 20 ökonomisch stärksten Länder der Welt
Dieser Artikel befasst sich mit einem Zusammenschluss wichtiger Industrie- und Schwellenländer. Zu weiteren Bedeutungen von G20 und Gruppe der 20 siehe G20 (Begriffsklärung).
Mitglieder der G20 (blau koloriert)
Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel in Hangzhou 2016

Die G20 (Abkürzung für Gruppe der 20 oder Gruppe der Zwanzig) ist ein seit 1999 bestehender informeller Zusammenschluss aus 19 Staaten und der Europäischen Union, der die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer repräsentiert. Die G20 soll als Forum für die Kooperation und Konsultation in Fragen des internationalen Finanzsystems dienen.

An den Treffen der G20 nehmen die Staats- und Regierungschefs der G20-Länder, die Finanzminister und Zentralbankchefs der G8 und elf weiterer Staaten, darunter die O-5, sowie die EU-Präsidentschaft (wenn diese zu diesem Zeitpunkt nicht von einem G7-Staat geführt wird), der Präsident der Europäischen Zentralbank, der Geschäftsführende Direktor (Managing Director) des Internationalen Währungsfonds, der Vorsitzende des Internationalen Währungs- und Finanzausschusses (IMFC), der Präsident der Weltbank und der Vorsitzende des Development Committees der OECD teil.

Am 30. November 2016 übernahm Deutschland die G20-Präsidentschaft für ein Jahr. Es richtet am 7. und 8. Juli den G20-Gipfel in Hamburg 2017 aus. Schwerpunktthemen der deutschen Präsidentschaft sollen der aufkommende Protektionismus, die Entwicklung Afrikas und die Gesundheitspolitik sein.[1]

Inhaltsverzeichnis

MitgliederBearbeiten

Vier der 19 Mitgliedsstaaten gehören der Europäischen Union an: Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien. Zusätzlich ist die Europäische Union Mitglied. Durch die EU werden zahlreiche weitere Staaten in der G20 indirekt vertreten, was der G20 zusätzliche Legitimation verleiht.

In den in der G20 direkt oder indirekt vertretenen Staaten leben zwei Drittel der Weltbevölkerung. Sie erwirtschaften über 85 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) und bestreiten rund drei Viertel des Welthandels (Stand Ende 2016).[2]

Land bzw.
Staatenverbund
Bevölkerung BIP (Nominal) Region
Mio. Prozent Mio. US$ Prozent Region
Europa  Europäische Union 510,0 7,0 17.577.691 25,0 Europa
Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 322,2 4,5 15.094.025 21,7 Angloamerika
China Volksrepublik  Volksrepublik China 1.367,4 19,9 7.298.147 10,5 Ostasien
Japan  Japan 127,1 1,9 5.869.471 8,4 Ostasien
Deutschland  Deutschland* 82,2 1,3 3.577.031 5,1 Europa
Frankreich  Frankreich* 66,3 1,0 2.776.324 4,0 Europa
Brasilien  Brasilien 204,8 2,9 2.492.908 3,6 Lateinamerika
Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich* 64,6 0,9 2.417.570 3,5 Europa
Italien  Italien* 60,6 0,9 2.198.730 3,2 Europa
Russland  Russland 142,4 2,1 1.850.401 2,7 Europa/Asien
Kanada  Kanada 36,0 0,5 1.736.869 2,5 Angloamerika
Indien  Indien 1.293,0 17,1 1.676.143 2,4 Südasien
Australien  Australien 23,6 0,3 1.488.221 2,1 Ozeanien
Mexiko  Mexiko 120,2 1,6 1.154.784 1,7 Lateinamerika
Korea Sud  Südkorea 51,5 0,7 1.116.247 1,6 Ostasien
Indonesien  Indonesien 237,5 3,5 845.680 1,2 Südostasien
Turkei  Türkei 78,7 1,3 827.000 1,2 Europa/Asien
Saudi-Arabien  Saudi-Arabien 30,0 0,4 577.595 0,8 Vorderasien
Argentinien  Argentinien 43,0 0,6 447.644 0,6 Lateinamerika
Sudafrika  Südafrika 54,0 0,7 408.074 0,6 Afrika
Summe 4.638,4 66,2 61.528.236 88,3
Welt 7.000,0 100,0 69.659.626 100,0

Bevölkerung am 1. November 2011, Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2011[3]

 * Die vier EU-Mitgliedsstaaten werden bei der Summenbildung nicht berücksichtigt, da die jeweiligen Werte schon in den Angaben zur Europäischen Union (Zeile 1) enthalten sind.

GeschichteBearbeiten

Vorgeschichte und GründungBearbeiten

In Reaktion auf die Asienkrise wurde auf dem Gipfel der APEC-Länder im November 1997 in Vancouver (Kanada) auf Initiative des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton eine (auch als Willard Group bezeichnete) Gruppe der 22 beschlossen. Gegenüber der heutigen G20 gehörten zu den G-22-Staaten zusätzlich Hongkong, Malaysia, Polen, Singapur und Thailand; noch nicht vertreten waren die Europäische Union, die Türkei und Saudi-Arabien. Im April 1998 fand das erste Treffen der G22 in Washington statt.

Im Jahr 1999 wurde die Gruppe kurzzeitig zur G33 erweitert; diese hatte eine Zusammenkunft im März in Bonn und eine im April 1999 in Washington, D.C.[4] Im September 1999 wurde auf dem Treffen der G7-Finanzminister als Ersatz die G20 ins Leben gerufen. Das Gründungstreffen fand am 15./16. Dezember 1999 in Berlin statt.[5]

ZusammenkünfteBearbeiten

Nr. Jahr Logo Stadt Land Datum Bemerkungen
1 1999 Berlin Deutschland  Deutschland 15./16.12. Gründungstreffen
2 2000 Montreal Kanada  Kanada 24./25.10.
3 2001 Ottawa Kanada  Kanada 16./17.11.
4 2002 Delhi Indien  Indien 22./23.11.
5 2003 Morelia Mexiko  Mexiko 26./27.10.
6 2004 Berlin Deutschland  Deutschland 19./21.11.
7 2005 Peking China Volksrepublik  Volksrepublik China 15./16.10.
8 2006 Melbourne Australien  Australien 18./19.11.
9 2007 Kapstadt Sudafrika  Südafrika 17./18.11.
10 2008 São Paulo Brasilien  Brasilien 08./09.11.
11 2008 Washington, D.C.[6] Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 15./16.11. Gipfel in Washington: erstes Gipfeltreffen auf Ebene der Staats- und Regierungschefs angesichts der Finanzkrise ab 2007 („Weltfinanzgipfel“), unter zusätzlicher Beteiligung von den Niederlanden, Spanien und Tschechien. Veranstaltungsort war das National Building Museum
12 2009 London[6] Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 01./02.04. Nachfolgetreffen des Gipfels in Washington, wiederum unter zusätzlicher Beteiligung von Spanien, Tschechien (EU-Ratsvorsitz), den Niederlanden, Äthiopien (NEPAD-Vertreter) und Thailand (ASEAN-Vorsitz)
13 2009
Pittsburgh[6] Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 24./25.09. Gipfeltreffen unter zusätzlicher Beteiligung von Spanien, den Niederlanden, Schweden (EU-Ratsvorsitz)
14 2010
Toronto[6] Kanada  Kanada 26./27.06. Gipfel in Toronto: Gipfeltreffen unter zusätzlicher Beteiligung von Äthiopien (NEPAD-Vertreter), Malawi (AU-Vorsitz), Niederlande, Spanien (EU-Ratsvorsitz) und Vietnam (ASEAN-Vorsitz)
15 2010
Seoul[6] Korea Sud  Südkorea 11./12.11. Gipfeltreffen unter zusätzlicher Beteiligung von Äthiopien (NEPAD-Vertreter), Malawi (AU-Vorsitz), Singapur, Spanien und Vietnam (ASEAN-Vorsitz)
16 2011
Cannes[6] Frankreich  Frankreich 03./04.11. Gipfeltreffen unter zusätzlicher Beteiligung von Äthiopien (NEPAD-Vertreter), Äquatorialguinea (AU-Vorsitz), Singapur, Spanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (Golf-Kooperationsrat)
17 2012 Los Cabos[6] Mexiko  Mexiko 18./19.06.[7] Gipfeltreffen unter zusätzlicher Beteiligung von Äthiopien (NEPAD-Vertreter), Benin (AU-Vorsitz), Chile, Kambodscha, Kolumbien und Spanien; Hauptaugenmerk auf Finanzkrise, Eurofonds sowie einer Ressourcenerweiterung des IWF
18 2013 Moskau Russland  Russland 15./16.02. Gipfeltreffen unter zusätzlicher Beteiligung der Schweiz[8]
19 2013 Sankt Petersburg[6] Russland  Russland 05./06.09.
20 2014 Brisbane[6] Australien  Australien 15./16.11. Gründung der W20 (Womens20)
21 2015 Antalya[6] Turkei  Türkei[9] 15./16.11. Gipfeltreffen unter zusätzlicher Beteiligung von Aserbaidschan, Malaysia (ASEAN-Vorsitz), Senegal (NEPAD-Vertreter), Singapur, Spanien und Simbabwe (AU-Vorsitz)[10]
22 2016
Hangzhou[6] China Volksrepublik  Volksrepublik China 04./05.09. Gipfel in Hangzhou, bei dem China und die USA bekanntgaben, das Pariser Abkommen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu ratifizieren
23 2017
Hamburg[6] Deutschland  Deutschland 07./08.07.[11] G20-Gipfel in Hamburg 2017


Die Schweiz und die G20Bearbeiten

Obwohl sich die G20 mit Fragen des internationalen Finanzsystems befasst, wurde die Schweiz, einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt, nicht in die G20 aufgenommen. Auch nach der Größe der Volkswirtschaften, gemessen am BIP, würde die Schweiz zu den G20 gehören, ist doch das BIP der Schweiz größer als dasjenige von Südafrika und Argentinien. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, hat der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy im November 2010 die Schweiz für Vorbereitungsarbeiten zum Gipfel im November 2011 in Cannes (Frankreich) eingeladen.[12]

Die Außenminister der Schweiz und Russlands vereinbarten am 25. Oktober 2012 in Moskau, dass Russland (das 2013 die Präsidentschaft innehatte) das Know-how der Schweiz in Finanzfragen für die Vorbereitungen zum G20-Gipfel von 2013 nutzen werde.[13]

Da die G20 die Agenden der Weltpolitik prägt, ist es Ziel des Schweizer Bundesrats (Regierung), ein Dauergast der Vorbereitungstreffen der G20 zu werden. Über eine allfällige Einladung entscheidet jeweils das Vorsitzland der G20.[14]

Überwachung von PolitikernBearbeiten

Nach Dokumenten, die von Edward Snowden an die britische Zeitung The Guardian weitergegeben wurden, hat der britische Nachrichten- und Sicherheitsdienst (Government Communications Headquarters) beim G20-Treffen 2009 in London systematisch Politiker anderer Staaten ausspioniert und abgehört und plant dies für zukünftige G20- und G7-Treffen. So wurden unter anderem Mobilfunkverbindungen, E-Mails und Computer ausspioniert, mittels Keyloggern Daten teilweise auch nach dem G20-Gipfel noch weiter gewonnen und an britische Politiker weitergegeben.[15] Die Teilnehmer wurden zu diesem Zweck unter anderem in kostenlose Internetcafés gelockt.[16]

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

  Commons: G20 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutschland übernimmt G20-Vorsitz, Stern, 1. Dezember 2016
  2. Grup­pe der Zwan­zig (G20) bundesfinanzministerium.de, Stand 30. November 2016.
  3. World Economic Outlook Database, April 2012 des Internationalen Währungsfonds, Merkmale NGDPD und NGDP_RPCH
  4. worldbank.org (2011): The Korean Financial Crisis of 1997, S. 310 (pdf)
  5. www.bundesfinanzministerium.de: Gruppe der Zwanzig (G20)
  6. a b c d e f g h i j k l Geschichte der G20-Gipfel Webseite der deutschen Bundesregierung; siehe dort auch die Zusammenstellung wichtiger Gipfeldokumente
  7. Bericht auf welt.de vom 1. Juni 2012, abgerufen am 3. Juni 2012
  8. Bericht auf tagesanzeiger.ch vom 15. Februar 2013, abgerufen am 5. März 2013
  9. Die G20. Was ist die G20? deutsche Bundesregierung, abgerufen am 19. November 2014.
  10. 20 Dinge, die man über den G20-Gipfel in der Türkei wissen sollte. In: DTJ ONLINE. Abgerufen am 11. November 2015 (de-de).
  11. G20-Gipfel in Hamburg: Datum steht fest. In: ndr.de. 10. Juni 2016, abgerufen am 4. Juli 2016.
  12. Meldung von Radio DRS
  13. NZZ.ch: Meldung
  14. SRF zum Vorbereitungstreffen für Gipfel in China (abgerufen am 5. September 2016)
  15. The Guardian: GCHQ intercepted foreign politicians’ communications at G20 summits (16 June 2013), abgerufen am 16. Juni 2013.
  16. Datenspionage: Britischer Geheimdienst spionierte G20-Teilnehmer aus, Zeit Online vom 17. Juni 2013