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Gruppe der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer

Weltweites politisches Bündnis der 20 ökonomisch stärksten Länder der Welt
Staats- und Regierungschefs beim G20-Gipfel in Hangzhou 2016

Die G20 (Abkürzung für Gruppe der 20 oder Gruppe der Zwanzig) ist ein seit 1999 bestehender informeller Zusammenschluss aus 19 Staaten und der Europäischen Union. Sie repräsentiert die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. Die G20 dient vor allem als Forum für den Austausch über Probleme des internationalen Wirtschafts- und Finanzsystems,[1] aber auch zur Koordination bei weiteren globalen Themen wie Klimapolitik, Frauenrechte, Bildungschancen, Migration und Terrorismus.[2] Zielrichtung und Wirksamkeit ihrer Beschlüsse sind umstritten.[3]

Am 1. Dezember 2017 übernahm Argentinien für ein Jahr die G20-Präsidentschaft. Zuvor hatte Deutschland den Vorsitz inne und richtete am 7. und 8. Juli 2017 den G20-Gipfel in Hamburg aus.

Inhaltsverzeichnis

MitgliederBearbeiten

 
  • G20-Mitgliedsstaaten
  • Staaten, die indirekt durch die Mitgliedschaft der EU repräsentiert werden (keine G20-Mitglieder)
  • Staaten, die zu den Gipfeltreffen eingeladen werden (permanent invitees), derzeit nur Spanien
  • Unter den 19 Mitgliedsstaaten befinden sich unter anderem die Industrieländer der G7 und die Schwellenländer der O-5. Vier Mitglieder gehören der Europäischen Union an: Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich und Italien. Zusätzlich ist die EU Mitglied, die auch die anderen EU-Länder vertritt. In den in der G20 direkt oder indirekt vertretenen Staaten leben knapp unter zwei Drittel der Weltbevölkerung. Sie erwirtschaften über 85 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts (BIP) und bestreiten rund drei Viertel des Welthandels (Stand Ende 2016).[4]

    Land bzw.
    Staatenverbund
    Bevölkerung BIP (Nominal) BIP (Kaufkraftparität) Region
    Mio. Prozent Mio. US$ Prozent Mio. US$ Prozent Region
    Europa  Europäische Union 510,0 6,9 16.518.723 22,3 20.745.301 16,4 Europa
    Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 321,4 4,4 18.569.100 25,0 19.417.144 15,3 Nordamerika
    China Volksrepublik  Volksrepublik China 1.371,2 18,7 11.218.281 15,1 23.194.411 18,3 Ostasien
    Japan  Japan 127,0 1,7 4.938.644 6,6 5.420.228 4,3 Ostasien
    Deutschland  Deutschland* 81,7 1,1 3.466.639 4,7 4.134.668 3,3 Europa
    Frankreich  Frankreich* 66,5 0,9 2.463.222 3,3 2.833.064 2,2 Europa
    Brasilien  Brasilien 207,8 2,8 1.798.622 2,4 3.216.031 2,5 Südamerika
    Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich* 65,1 0,9 2.629.188 3,5 2.905.392 2,3 Europa
    Italien  Italien* 60,7 0,8 1.850.735 2,5 2.303.108 1,8 Europa
    Russland  Russland 144,1 2,0 1.280.731 1,7 3.938.001 3,1 Europa/Asien
    Kanada  Kanada 35,8 0,5 1.529.224 2,1 1.752.910 1,4 Nordamerika
    Indien  Indien 1.311,1 17,8 2.256.397 3,0 9.489.302 7,5 Südasien
    Australien  Australien 23,8 0,3 1.258.978 1,7 1.251.416 1,0 Ozeanien
    Mexiko  Mexiko 127,0 1,7 1.046.002 1,4 2.406.199 1,9 Nordamerika
    Korea Sud  Südkorea 50,6 0,7 1.411.246 1,9 2.029.706 1,6 Ostasien
    Indonesien  Indonesien 257,6 3,5 932.448 1,3 3.257.123 2,6 Südostasien
    Turkei  Türkei 78,7 1,1 857.429 1,2 2.082.079 1,6 Europa/Asien
    Saudi-Arabien  Saudi-Arabien 31,5 0,4 639.617 0,9 1.796.205 1,4 Vorderasien
    Argentinien  Argentinien 43,4 0,6 545.124 0,7 912.816 0,7 Südamerika
    Sudafrika  Südafrika 55,0 0,7 294.132 0,4 761.926 0,6 Afrika
    Summe 4.696,0 63,9 65.094.698 87,7 101.670.798 80,3
    Welt 7.350,0 100,0 74.188.701 100,0 126.687.917 100,0

    Bevölkerung nach den Daten der Weltbank von 2015,[5] Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2016,[6] BIP nach Kaufkraftparität sind Schätzungen für das Jahr 2017.[7][8]

     * Die vier EU-Mitgliedsstaaten werden bei der Summenbildung nicht berücksichtigt, weil ihre Werte in der Zeile der Europäischen Union enthalten sind.

    Teilnehmer bei den GipfeltreffenBearbeiten

    An den Gipfeltreffen nehmen die Staats- und Regierungschefs sowie die Finanzminister und Zentralbankchefs der 19 Mitgliedsstaaten teil, ferner der Präsident des Europäischen Rates (wenn die EU-Präsidentschaft zu diesem Zeitpunkt nicht von einem G7-Staat geführt wird), der Präsident der Europäischen Zentralbank, der Geschäftsführende Direktor (Managing Director) des Internationalen Währungsfonds, der Vorsitzende des Internationalen Währungs- und Finanzausschusses (IMFC), der Präsident der Weltbank und der Vorsitzende des Development Committees der OECD.

    GeschichteBearbeiten

    Vorgeschichte und GründungBearbeiten

    In Reaktion auf die Asienkrise wurde auf dem Gipfel der APEC-Länder im November 1997 in Vancouver (Kanada) auf Initiative des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton eine (auch als Willard Group bezeichnete) Gruppe der 22 beschlossen. Gegenüber der heutigen G20 gehörten zu den G-22-Staaten zusätzlich Hongkong, Malaysia, Polen, Singapur und Thailand; noch nicht vertreten waren die Europäische Union, die Türkei und Saudi-Arabien. Im April 1998 fand das erste Treffen der G22 in Washington statt.

    Im Jahr 1999 wurde die Gruppe kurzzeitig zur G33 erweitert; diese hatte eine Zusammenkunft im März in Bonn und eine im April 1999 in Washington, D.C.[9] Im September 1999 wurde auf dem Treffen der G7-Finanzminister als Ersatz die G20 ins Leben gerufen. Das Gründungstreffen fand am 15./16. Dezember 1999 in Berlin statt.[10] Diese G20 ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Zusammenschluss von Entwicklungsländern, der 2003 bei der Welthandelsorganisation entstand, dann aber an Bedeutung verlor.

    ZusammenkünfteBearbeiten

    Jahr Logo Stadt Land Datum Bemerkungen
    1999 Berlin Deutschland  Deutschland 15./16.12. Gründung, bis 2008 als Finanzministertreffen
    2000 Montreal Kanada  Kanada 24./25.10.
    2001 Ottawa Kanada  Kanada 16./17.11.
    2002 Delhi Indien  Indien 22./23.11.
    2003 Morelia Mexiko  Mexiko 26./27.10.
    2004 Berlin Deutschland  Deutschland 19./21.11.
    2005 Peking China Volksrepublik  Volksrepublik China 15./16.10.
    2006 Melbourne Australien  Australien 18./19.11.
    2007 Kapstadt Sudafrika  Südafrika 17./18.11.
    2008 São Paulo Brasilien  Brasilien 8./9.11.
    2008 Washington, D.C. Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 15./16.11. „Weltfinanzgipfel“: erstes Treffen auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs angesichts der Finanzkrise ab 2007, zusätzlich mit den Niederlanden, Spanien und Tschechien; siehe Gipfel in Washington
    2009 London Vereinigtes Konigreich  Vereinigtes Königreich 1./2.04. Nachfolgetreffen des Gipfels von Washington, zusätzlich mit Spanien, Tschechien (EU-Ratsvorsitz), den Niederlanden, Äthiopien (NEPAD-Vertreter) und Thailand (ASEAN-Vorsitz)
    2009 Pittsburgh Vereinigte Staaten  Vereinigte Staaten 24./25.9. zusätzlich mit Spanien, den Niederlanden, Schweden (EU-Ratsvorsitz)
    2010 Toronto Kanada  Kanada 26./27.6. zusätzlich mit Äthiopien (NEPAD-Vertreter), Malawi (AU-Vorsitz), den Niederlanden, Spanien (EU-Ratsvorsitz) und Vietnam (ASEAN-Vorsitz); siehe Gipfel in Toronto
    2010 Seoul Korea Sud  Südkorea 11./12.11. zusätzlich mit Äthiopien (NEPAD-Vertreter), Malawi (AU-Vorsitz), Singapur, Spanien und Vietnam (ASEAN-Vorsitz)
    2011 Cannes Frankreich  Frankreich 3./4.11. zusätzlich mit Äthiopien (NEPAD-Vertreter), Äquatorialguinea (AU-Vorsitz), Singapur, Spanien und den Vereinigten Arabischen Emiraten (Golf-Kooperationsrat)
    2012 Los Cabos Mexiko  Mexiko 18./19.6.[11] zusätzlich mit Äthiopien (NEPAD-Vertreter), Benin (AU-Vorsitz), Chile, Kambodscha, Kolumbien und Spanien
    2013 Sankt Petersburg Russland  Russland 5./6.9.
    2014 Brisbane Australien  Australien 15./16.11. Gründung der Women20 (W20)
    2015 Antalya Turkei  Türkei[12] 15./16.11. zusätzlich mit Aserbaidschan, Malaysia (ASEAN-Vorsitz), Senegal (NEPAD-Vertreter), Singapur, Spanien und Simbabwe (AU-Vorsitz)[13]
    2016 Hangzhou China Volksrepublik  Volksrepublik China 4./5.9. China und die USA gaben bekannt, das Pariser Abkommen zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen zu ratifizieren; siehe G20-Gipfel in Hangzhou 2016
    2017 Hamburg Deutschland  Deutschland 7./8.7. siehe G20-Gipfel in Hamburg 2017
    2018 Buenos Aires[14] Argentinien  Argentinien 30.11./1.12. angekündigt 2016
    2019 Japan  Japan angekündigt 2017
    2020 Saudi-Arabien  Saudi-Arabien angekündigt 2017

    SchweizBearbeiten

    Obwohl sich die G20 mit Fragen des internationalen Finanzsystems befasst, wurde die Schweiz, einer der wichtigsten Finanzplätze der Welt, nicht in die G20 aufgenommen. Auch nach der Größe der Volkswirtschaften, gemessen am BIP, würde die Schweiz zu den G20 gehören, ist doch das BIP der Schweiz größer als dasjenige von Südafrika, Saudi-Arabien und Argentinien. Um diesem Umstand Rechnung zu tragen, hat der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy im November 2010 die Schweiz für Vorbereitungsarbeiten zum Gipfel im November 2011 in Cannes (Frankreich) eingeladen.[15] Die Außenminister der Schweiz und Russlands vereinbarten am 25. Oktober 2012 in Moskau, dass Russland (das 2013 die Präsidentschaft innehatte) das Know-how der Schweiz in Finanzfragen für die Vorbereitungen zum G20-Gipfel von 2013 nutzen werde.[16] Da die G20 die Agenden der Weltpolitik prägt, ist es Ziel des Schweizer Bundesrats (Regierung), ein Dauergast der Vorbereitungstreffen der G20 zu werden. Über eine allfällige Einladung entscheidet jeweils das Vorsitzland der G20.[17]

    Überwachung von PolitikernBearbeiten

    Nach Dokumenten, die von Edward Snowden an die britische Zeitung The Guardian weitergegeben wurden, hat der britische Nachrichten- und Sicherheitsdienst (Government Communications Headquarters) beim G20-Treffen 2009 in London systematisch Politiker anderer Staaten ausspioniert und abgehört und plant dies für zukünftige G20- und G7-Treffen. So wurden unter anderem Mobilfunkverbindungen, E-Mails und Computer ausspioniert, mittels Keyloggern Daten teilweise auch nach dem G20-Gipfel noch weiter gewonnen und an britische Politiker weitergegeben.[18] Die Teilnehmer wurden zu diesem Zweck unter anderem in kostenlose Internetcafés gelockt.[19]

    Siehe auchBearbeiten

    WeblinksBearbeiten

      Commons: G20 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

    EinzelnachweiseBearbeiten

    1. Geschichte der G20-Gipfel. In: g20.org; siehe dort auch die Zusammenstellung wichtiger Gipfeldokumente
    2. Von Klimaschutz über Afrika bis zur Digitalisierung. Themen des Hamburger G20-Gipfels. bundesregierung.de, abgerufen am 28. Juli 2017
    3. Vgl. Ingo Arzt: G20 und die Banken: Godzilla lebt! taz.de, 7. Juli 2017
    4. Gruppe der Zwanzig (G20). In: bundesfinanzministerium.de, Stand 30. November 2016.
    5. Bevölkerungsdaten der Weltbank. 2017, abgerufen am 27. Juni 2017 (englisch).
    6. IWF-Liste von Ländern mit ihrem nominalen BIP 2015/16. Abgerufen am 28. Juni 2017 (englisch).
    7. BIP nach Kaufkraftparität nach Schätzungen des IWF für das Jahr 2017. Abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
    8. Schätzungen des IWF für das BIP der EU. Abgerufen am 1. Juli 2017 (englisch).
    9. The Korean Financial Crisis of 1997. In: worldbank.org, 2011, S. 310 (PDF)
    10. Gruppe der Zwanzig (G20). In: bundesfinanzministerium.de
    11. Videokonferenz auf höchster Ebene. In: welt.de, 1. Juni 2012, abgerufen am 3. Juni 2012
    12. Die G20. Was ist die G20? In: bundesregierung.de. Abgerufen am 19. November 2014.
    13. 20 Dinge, die man über den G20-Gipfel in der Türkei wissen sollte. In: dtj-online.de. Abgerufen am 11. November 2015.
    14. Incidentes en el G20: ¿está preparada Buenos Aires para un evento así? In: Clarín. 7. Juli 2017, abgerufen am 12. Juli 2017.Alexandra Endres: Was anderes machen als Kapitalismus. In: Zeit online. 6. Juli 2017, abgerufen am 12. Juli 2017.
    15. Meldung von Radio DRS
    16. Moskau will die Schweiz in die G20-Vorbereitung einbeziehen. In: NZZ.ch
    17. G20-Treffen – Schweiz hat kräftig für eine Teilnahme geweibelt. In: srf.ch, abgerufen am 5. September 2016
    18. GCHQ intercepted foreign politicians’ communications at G20 summits (16 June 2013). In: The Guardian, abgerufen am 16. Juni 2013.
    19. Datenspionage: Britischer Geheimdienst spionierte G20-Teilnehmer aus. In: Zeit Online, 17. Juni 2013