Hauptmenü öffnen

Geldschöpfung

Prozess der Schaffung neuen Geldes

Die Geldschöpfung ist die Schaffung neuen Geldes. Buch- oder Giralgeld wird von privaten oder staatlichen Geschäftsbanken bei der Kreditvergabe oder beim Ankauf von Vermögenswerten für deren Kunden erzeugt. Bargeld wird hingegen als Teil der Geldbasis (auch Zentralbankgeld genannt) von einer Zentralbank zunächst für die Geschäftsbanken in ähnlichen Vorgängen geschaffen. Bargeld gelangt nur in öffentlichen Umlauf, wenn vorhandenes Buchgeld von Kunden einer Geschäftsbank am Schalter oder Geldautomaten abgehoben, also in Bargeld umgetauscht wird.

Hierarchie der Banken, Zentralbankgeldkonten, Buchgeldkonten

Schaffung der Geldbasis durch die ZentralbankBearbeiten

 
Frau Schmalz überweist 800 € von der Commerzbank erzeugtes Buchgeld an die LTY GmbH. Die Commerzbank muss nun 800 € Zentralbankgeld beschaffen und an die Postbank auf deren Zentralbankgeldkonto transferieren (Settlement).
 
Überweisen Kunden der Commerzbank an Kunden der Postbank und andere Kunden der Postbank an weitere Kunden der Commerzbank, so werden beim Settlement zwischen den Banken nur die verbleibenden Salden mit Zentralbankgeld beglichen.

Geschäftsbanken unterhalten – im Gegensatz zu anderen Unternehmen und Privathaushalten – Konten bei der Zentralbank. Sie benutzen die Guthaben auf diesen Konten, um Zahlungen untereinander zu tätigen. Ferner können die Guthaben auf diesen Konten von den Geschäftsbanken jederzeit in Bargeld (Banknoten oder Münzen) umgetauscht werden, falls ihre Kunden oder sie selbst Bargeld benötigen. Die Guthaben der Geschäftsbanken bei der Zentralbank zusammen mit dem Bargeld bilden die Geldbasis, auch Zentralbankgeld oder Reserven genannt.[1]

Die Zentralbank kann Zentralbankgeld schaffen, indem sie Kredite zum jeweils gültigen Leitzins und gegen die Bereitstellung entsprechender Sicherheiten an Geschäftsbanken vergibt. Auch kann sie im Rahmen ihrer Offenmarktpolitik Wertpapiere oder andere Aktiva erwerben und im Gegenzug Guthaben gewähren. In beiden Fällen erhalten Geschäftsbanken Zentralbankgeld auf ihre Konten bei der Zentralbank gutgeschrieben.[2]

Zahlen Geschäftsbanken ihre Kredite bei der Zentralbank zurück oder verkaufen Zentralbanken zuvor erworbene Wertpapiere, wird Zentralbankgeld vernichtet. Man kann sich Zentralbankgeld als Forderung gegen die Zentralbank vorstellen, die verschwindet, sobald sie zur ihr zurückkehrt. Die Geldbasis wird auf der Passivseite der Zentralbankbilanz verbucht.

Verwendung der GeldbasisBearbeiten

Sobald Geschäftsbanken wie weiter unten beschrieben Buchgeld schaffen, haben sie aus verschiedenen Gründen Bedarf an Zentralbankgeld:

  • Sie müssen zur Zeit 1 % des erzeugten Buchgeldes als Mindestreserve bei der Europäischen Zentralbank als Guthaben halten.
  • Ihre Kunden können ihr Buchgeld jederzeit in Bargeld tauschen, somit muss die Geschäftsbank zunächst ihrerseits vorhandene Zentralbankguthaben in Bargeld tauschen, um dem Wunsch ihrer Kunden nachkommen zu können. Dies geschieht zur Zeit mit ca. 10 % des Buchgeldes (Geldmenge M3 im Eurosystem).[3]
  • Überweist ein Kunde sein Buchgeld auf ein Buchgeldkonto bei einer anderen Bank, verlangt die Geschäftsbank des empfangenden Kunden Zentralbankgeld als Gegenleistung (Settlement) von der Bank des sendenden Kunden, sofern sie ihr keinen Interbankenkredit gewährt. Da sich Transaktionen zwischen Banken aber oft z. B. durch Überweisungen in Gegenrichtung aufheben (Clearing) und für den verbleibenden Saldo in der Tat Interbankenkredite zum Einsatz kommen, ist der Bedarf an Zentralbankgeld für diesen Zweck eher gering. Verhalten sich alle Geschäftsbanken und deren Kunden ähnlich, spricht man von Kreditgewährung im Gleichschritt. Im Extremfall entstehen dann gar keine Interbankensalden.

Steuerung der GeldbasisBearbeiten

 
Leitzinssätze der Europäische Zentralbank seit ihrem Bestehen und des Federal Reserve System der USA im gleichen Zeitraum
 
EURIBOR-Zinssätze seit der Einführung am 1. Januar 1999
Laufzeiten: 1 Woche (grün), 3-Monate (blau), 1-Jahr (rot)

In Zeiten konventioneller Geldpolitik beeinflusst die Zentralbank die Geldbasis indirekt, indem sie die Leitzinsen, welche Geschäftsbanken auf ihr Guthaben bzw. ihre Kredite bei der Zentralbank erhalten bzw. zahlen, hebt oder senkt. Sie befriedigt dann in der Regel den gesamten Bedarf nach Zentralbankgeld zu den gesetzten Bedingungen.[4] In Zeiten wirtschaftlicher Krise kann jedoch auch erheblich mehr Zentralbankgeld in Umlauf sein als durch die genannten Gründe bedingt, falls die Zentralbank dies für ihre geldpolitischen Ziele als sinnvoll erachtet und in großem Ausmaß Wertpapiere kauft (Quantitative Lockerung).

Die Menge des Bargelds als Teil der Geldbasis richtet sich nach dem Bargeldbedarf der Nichtbanken, also deren Abhebungen. Sie wird somit nicht von der Zentralbank beeinflusst. Je mehr bargeldloser Zahlungsverkehr genutzt wird, desto weniger Bargeld wird benötigt.

Bedeutung der GeldbasisBearbeiten

Die Zentralbankgeldmenge ist in der Regel klein im Vergleich zur in öffentlichem Umlauf befindlichen Geldmenge M3 und steht in keinem festen Verhältnis zu ihr.[5] Auch ist sie bis auf das in Kundenbesitz befindliche Bargeld kein Teil der Geldmenge M3, da Zentralbankguthaben nur zwischen Banken als Zahlungsmittel dienen. Trotzdem haben Leitzinsänderungen erhebliche Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft. So setzen sie z. B. obere und untere Grenzen für die Geldmarktzinsen (siehe EURIBOR oder LIBOR), zu denen sich Geschäftsbanken untereinander Kredite einräumen, da ein Interbankenkredit durch die Übertragung von Zentralbankgeld substituiert werden könnte. Über die mittel- bis langfristigen Ausblicke der Zentralbanken und weitere Transmissionsmechanismen wirken sich Leitzinsänderungen auch auf Spar- und Kreditzinsen längerer Laufzeit und andere Größen der Volkswirtschaft wie Lohnniveau, Inflation oder Wirtschaftswachstum aus.[6] Die Europäische Zentralbank orientiert ihre Geldpolitik primär an ihrem Inflationsziel,[7] andere Zentralbanken darüber hinaus auch an Wachstums- oder Beschäftigungszielen.

Seigniorage und MünzgewinnBearbeiten

Eine Zentralbank erwirtschaftet in der Regel durch Zinsen oder Ausschüttungen von gehaltenen Wertpapieren Gewinn, der auch als Seigniorage bezeichnet wird. Dieser Gewinn fließt dem Staat zu. Den Unterschied zwischen Herstellungskosten und Nominalwert von Banknoten bezeichnet die Zentralbank nicht als Seigniorage, da sie Bargeld jederzeit zurücknehmen würde und auf der Passivseite ihrer Bilanz führt.

Münzen werden, im Gegensatz zu Banknoten, vom Staat geprägt und an die Zentralbank zum Nennwert verkauft. Sie werden dann analog zu den Banknoten als Teil des Bargeldes in Umlauf gebracht. Dem Staat entsteht dabei ein Münzgewinn, also die Differenz zwischen Nominalwert und Herstellungskosten.

Giralgeldschöpfung durch die GeschäftsbankenBearbeiten

 
Schematische Bankbilanz: Die Großbuchstaben stehen für die genannte Position in der Bilanz, die korrespondierenden Kleinbuchstaben (z mit Index) für deren Verzinsung.

Das Geld, das Bankkunden auf Girokonten halten und täglich für Überweisungen, Lastschrift oder Barauszahlungen benutzen oder auf Sparkonten aufbewahren, ist das sogenannte Buchgeld oder Giralgeld. Das Bargeld gehört nicht zum Giralgeld.

Vergeben Geschäftsbanken einen Kredit an einen Kunden, erzeugen sie in diesem Zuge Giralgeld auf dem Girokonto dieses Kunden. Dies entspricht in der nebenstehenden schematischen Darstellung einer Bankbilanz der gleichzeitigen Vergrößerung der Kundenkredite (L) auf der Aktivseite und der Kundeneinlagen (D) auf der Passivseite, also einer Bilanzverlängerung. Kreditverträge mit Kunden stehen als Forderungen auf Rückzahlung auf der Aktivseite einer Bankbilanz. Das entstandene Buchgeld auf der Passivseite ist eine Forderung gegen die erzeugende Geschäftsbank. Wird es, z. B. bei der Tilgung eines Kredits, an die Bank zurücküberwiesen, hebt sich diese Forderung gegen die Bank selbst auf und das Geld wird somit vernichtet (Bilanzverkürzung).

Kaufen Geschäftsbanken Vermögenswerte, wie Hochhäuser, Rechenzentren oder Wertpapiere, bezahlen sie mit von ihnen erzeugtem Giralgeld, welches sie dem Verkäufer auf einem Girokonto bereitstellen. Dies entspricht in der nebenstehenden Darstellung einer gleichzeitigen Vergrößerung der Positionen A und D, also ebenfalls einer Bilanzverlängerung.[8] Verkauft eine Geschäftsbank Vermögenswerte aus ihrem Bestand, belastet der Kaufpreis das Guthaben des Käufers und das Buchgeld wird wieder vernichtet.

Die Giralgeldschöpfung ist ein Buchungsakt. Insbesondere müssen Geschäftsbanken dieses neue Geld (D) nicht vorher als Eigenkapital besessen haben, nicht als Kundeneinlagen in ihrer Bilanz gehalten haben und nicht von der Zentralbank oder anderen Geschäftsbanken leihen. Sie müssen allerdings in der Folge dieser Giralgeldschöpfung die Mindestreserveanforderungen der Zentralbank einhalten sowie die Mindesteigenkapitalanforderungen für Kreditrisiken erfüllen.

Ferner ergeben sich für die Geschäftsbanken durch die Konkurrenz mit anderen Banken Zinskosten ( ) für das erzeugte Giralgeld, wie weiter unten erklärt wird. Daneben verursacht die sichere Verwaltung von Kundenkonten in Filialen und Rechenzentren Kosten.

Zu den Geldmengen M1, M2 und M3 werden nur Verbindlichkeiten von Banken gegenüber Nichtbanken (Unternehmen, die keine Banken sind, private Haushalte und Staat) gerechnet. Verbindlichkeiten zwischen Banken, etwa Interbankensalden auf der Passivseite, zählen nicht dazu.

Bezug zum GeldschöpfungsmultiplikatorBearbeiten

In vielen veralteten Lehrbüchern wird erklärt, dass Kreditbanken als Finanzintermediäre Zentralbankgeld oder Kundeneinlagen weiterverleihen. Sie vermehren dabei die in dieser Theorie zunächst erzeugte und kontingentierte Geldbasis als Giralgeld mittels eines Geldschöpfungsmultiplikators abhängig von der Mindestreserve. Diese Vorstellung ist bei genauer Betrachtung der damit zusammenhängenden Buchführung sowie der Mechanismen der Mindestreserveerfüllung und deren Größenordnung nicht haltbar und wurde u. a. von der Bank of England und der Deutschen Bundesbank an verschiedenen Stellen zurückgewiesen.[9][10] Insbesondere entsteht die Geldbasis für den Bargeldbedarf, die Mindestreserve und das Settlement zwischen den Banken erst in Folge der Giralgeldschöpfung. Auch wird die Geldbasis in der Regel nicht kontingentiert, sondern Geschäftsbanken können sich zum gegebenen Leitzins so viel beschaffen wie für die beschriebenen Zwecke nötig (Zinssteuerung durch die Zentralbanken). Einige Zentralbanken fordern obendrein wie im nächsten Abschnitt verwiesen gar keine Mindestreserve.

MindestreserveanforderungBearbeiten

In der nebenstehenden Bilanzdarstellung bedeutet die Mindestreserveanforderung, dass die Reserven bei der Zentralbank (R) mindestens 1 % der Kundeneinlagen (D) betragen müssen. Ist das nicht der Fall, kann die Bank einen kleinen Teil ihrer Vermögenswerte (meist Wertpapiere) in den oben beschriebenen Offenmarktgeschäften bei der Zentralbank gegen weitere Reserven tauschen. Dies darf auch im Nachgang zu einer Kreditgewährung oder dem Kauf von Vermögenswerten innerhalb einer sog. Mindestreserveperiode geschehen und somit beschränkt die Mindestreserveanforderung die Giralgeldschöpfung nicht.[11]

Kauft also etwa eine Geschäftsbank ein Hochhaus mit 100 Stockwerken für von ihr selbst erzeugte 100 Millionen EUR, kann sie danach in einem Pensionsgeschäft mit der Zentralbank 1 Stockwerk gegen 1 Million EUR Zentralbankgeld zeitlich begrenzt tauschen (Rückkaufvereinbarung zum Leitzins  ) und somit die Mindestreserveanforderung erfüllen, sofern Hochhausstockwerke notenbankfähige Sicherheiten darstellen. Erweitert die Bank das Pensionsgeschäft um ein weiteres Stockwerk, erfüllt sie zusätzlich die Mindestreserveanforderung, um z. B. 100 Millionen EUR Giralgeld für Kredite neu zu schaffen. Die Mindestreserve wird von der Europäischen Zentralbank zum Leitzins verzinst ( ), damit entstehen den Geschäftsbanken durch die Mindestreservepflicht nur Verwaltungskosten.

Für Kundeneinlagen mit einer Laufzeit oder Kündigungsfrist von mehr als zwei Jahren wird im Euroraum zurzeit keine Mindestreserve verlangt. Zentralbanken einiger Länder, wie Australien, Kanada, England oder Schweden, fordern keine Mindestreserve.[12]

EigenkapitalanforderungBearbeiten

Gemäß Kapitaladäquanzverordnung (englische Abkürzung CRR) nach Basel III muss eine Bank für die Positionen auf der Aktivseite je nach Ausfallwahrscheinlichkeit bis zu 8 % Eigenkapital (Position K) reservieren, d. h. besitzen. Die Ausfallwahrscheinlichkeit der Aktiva wird meistens von Ratingagenturen bewertet. Diese Anforderung kann die Gelderzeugung gegen Risikopositionen somit auf das 12,5-Fache des Eigenkapitals einschränken. Kauft die Bank jedoch sichere Staatspapiere, ist dafür kein Eigenkapital notwendig.

 

Beispiel zu Eigenkapitalquoten auf Basis von 8 % nach Basel III je nach Risikohöhe (Rating) der Aktiva:

Bonitätsstufe nach CRR 1 2 3 4 5 6 7
Ratingcode Standard & Poor’s AAA bis AA- A+ bis A- BBB+ bis BBB- BB+ bis BB- B+ bis B- CCC+
und darunter
unbeurteilt
Ratingcode Moody’s Aaa bis Aa3 A1 bis A3 Baa1 bis Baa3 Ba1 bis Ba3 B1 bis B3 Caa1
und darunter
unbeurteilt
Risikogewichtung der 8 % 0 % 20 % 50 % 100 % 100 % 150 % 100 %
Eigenkapital erforderlich 0 % 1,6 % 4 % 8 % 8 % 12 % 8 %

Neues Eigenkapital kann eine Bank aufnehmen, indem sie z. B. neue Aktien emittiert. Gekauft werden diese Aktien mit Buchgeld, das letztlich vom Bankensystem selbst erzeugt wurde, aber den Käufern gehört. So ist mittelfristig eine Ausweitung der Geldmenge bei genügend Vertrauen in die Bank seitens des Kapitalmarktes möglich. Jedes neue Eigenkapital kann wie beschrieben als Basis für ein Vielfaches an risikobehafteten Aktiva und damit auch neuem Buchgeld auf der Passivseite verwendet werden.

Bargeldabhebung und ÜberweisungBearbeiten

Hebt ein Kunde einen Teil seiner Einlagen (D) von seinem Girokonto ab, vermindert sich für die Bank auf der Passivseite die Position D. Auf der Aktivseite tauscht sie Zentralbankreserven (R) bei der Zentralbank gegen Banknoten und Münzen ein und händigt sie dem Kunden z. B. an einem Geldautomaten aus. Dadurch vermindert sich auch R um den abgehobenen Betrag.

Droht eine Geschäftsbank durch den beschriebenen Vorgang die geforderte Mindestreserve zu unterschreiten, muss sie neue Verbindlichkeiten gegenüber der Zentralbank (P) zum Leitzins   eingehen, um im Gegenzug ihre Reserven (R) zu erhöhen. Die Geschäftsbanken zahlen so für das gesamte im Umlauf befindliche Bargeld den Leitzins an die Zentralbank. Die Zentralbank wiederum führt ihre Gewinne wie oben beschrieben regelmäßig an den Staat ab. Bargeld ist für den Nutzer weder mit positiven noch mit negativen Zinsen verbunden. Es ist allerdings der Inflation unterworfen.

Überweist ein Kunde einen Teil seiner Einlagen zu einem Kunden einer anderen Bank, vermindert sich für die überweisende Bank ebenfalls die Position D auf der Passivseite. Die Bank des empfangenden Kunden wird diesem aber nur eine neue Verbindlichkeit (Einlage) auf ihrer Passivseite gewähren, sofern ihr die überweisende Bank Reserven (R) in gleicher Höhe auf ihr Konto bei der Zentralbank transferiert (siehe Bild oben). Alternativ kann sie der überweisenden Bank einen Interbankenkredit einräumen. Für die überweisende Bank vermindert sich also auf der Aktivseite entweder die Position R oder der Interbankensaldo M. Für die Bank des empfangenden Kunden gilt das Gegenteil. Der Interbankensaldo kann selbstverständlich auch negativ werden und erscheint dann auf der Passivseite der Bankbilanz.

Betrachtung der ZinsenBearbeiten

Betrachtet man die Buchungen, wie oben geschehen, größtenteils ohne Zinsen oder Vereinbarungen über Laufzeit und Sicherheiten, wird nicht ersichtlich welche Anreize und Beschränkungen dahinter stehen.

Die von der Zentralbank gesetzten Leitzinsen sind in der vereinfachten Bankbilanz mit   angegeben. Diese steuern, wie aus den Graphen im vorigen Abschnitt ersichtlich, durch direkte Substitutionsmöglichkeit effektiv die Interbankenzinsen. Es gilt annähernd

 

Nun ist es für jede Geschäftsbank profitabel Kunden anderer Banken mit einem Zinssatz   dazu zu bewegen ihre Einlagen (D) zu ihr zu überweisen. Dadurch entstehen der Bank natürlich Kosten (zusätzliches D mit Zinssatz  ) auf der Passivseite. Jedoch entsteht mit der Überweisung gleichzeitig eine Forderung gegen die Bank des überweisenden Kunden, also ein positiver Interbankensaldo (zusätzliches M mit Zinssatz  ) auf der Aktivseite. Offensichtlich lohnt sich dieses Geschäft für eine Bank solange   kleiner bleibt als   weniger der Kosten für die Verwaltung der entstandenen Konten. Es sollte sich also bei Banken, die im Wettbewerb miteinander stehen, ein Einlagenzins einstellen nahe[13]

 

Somit werden in einem Umfeld konkurrierender Geschäftsbanken die Leitzinsen über die Interbankenzinsen bis zu den Spar- und Einlagezinsen weitergegeben. Bei erhöhten Einlagezinsen   ist es natürlich nicht ratsam für eine Bank Kredite gegen geringere Kreditzinsen   anzubieten oder Vermögenswerte mit einer geringeren Rendite   zu kaufen als  . Der Grund ist, dass, wie oben beschrieben, mit den vergebenen Krediten (L) oder erworbenen Vermögenswerten (A) auf der Aktivseite, Kundeneinlagen (D) auf der Passivseite gewährt werden. Zudem muss sich die Bank das Kreditausfallrisiko (siehe unten) vergüten lassen. Auch für Kredite fallen Verwaltungskosten an und schließlich möchte die Bank auch einen Gewinn verzeichnen, also ist

 

Das zusätzliche Buchgeld (D), das die Zinszahlung auf Einlagen erforderlich macht, kann die Bank ebenso durch einen Buchungsakt erzeugen. Dadurch vermindert sich das verbleibende Eigenkapital (K). Durch Zinszahlungen von Kunden werden Kundeneinlagen (D) vernichtet und das Eigenkapital der Bank steigt. Zinskritiker bemängeln, dass das geschöpfte Buchgeld nicht für Tilgung und Zinsen ausreicht. Jedoch kann die Differenz der von Banken verlangten und von Banken gezahlten Zinsen (etwa  ) von zukünftigen weiteren Geldschöpfungen bei Wirtschaftswachstum bedient werden. Reicht das Wachstum nicht aus, werden Kredite ausfallen (siehe unten). Darauf aufbauend gibt es eine Diskussion darüber, ob Wirtschaftswachstum notwendig zu Zinsen führt oder umgekehrt Zinsen zu Wachstumszwang.

In den Wirtschaftswissenschaften ist die eben erklärte sogenannte Zinsweitergabe (engl.: interest rate pass-through) als Teil der erwähnten Transmissionsmechanismen Gegenstand der Forschung. So funktioniert die Anpassung der Einlage- und Kreditzinsen an geänderte Leitzinsen in einigen Ländern der Europäischen Währungsunion schneller und vollständiger als in anderen.[14]

In der vereinfachten Bankbilanz ist nur ein Zinssatz für alle Kundeneinlagen genannt, obwohl dort sehr unterschiedliche Posten zusammengefasst sind. So bekommt man für Einlagen auf einem Girokonto, im Widerspruch zur Theorie der Zinsweitergabe, in der Regel keine Zinsen, für Tagesgeld jedoch wohl. Offensichtlich ist für eine Bank entscheidend, ob zu erwarten ist, dass der Kunde die Zahlungsmittelfunktion des Geldes betont oder ob er es als Wertaufbewahrung den besten Zinsangeboten   zuführt.

Die Reserven der Geschäftsbanken haben genau genommen drei verschiedene Zinssätze: Die Mindestreserve wird mit dem Hauptrefinanzierungssatz verzinst, Überschussreserven mit dem Einlagesatz und evtl. von Banken gehaltenes Bargeld kann natürlich keine Zinsen bringen.

Im deutschen Sprachraum werden die mit der Kreditgewährung entstehenden Verbindlichkeiten auf der Passivseite der Bankbilanz oft als Teil der Refinanzierung aus Fremdmitteln genannt. Im Falle von Sichteinlagen auf Girokonten zahlen die Geschäftsbanken darauf aber meist keine Zinsen und erzeugen diese Einlagen für ihre Kunden selbst.

Durch Interbankenkredite entstehen dem gesamten Bankensektor kaum Kosten, denn alle Interbankensalden addieren sich zu Null und die Zinskosten für Banken mit negativem Saldo sind die Gewinne derjenigen mit positivem Saldo.

Liquiditäts- und Zinsänderungsrisiken für BankenBearbeiten

Erzeugt eine Geschäftsbank täglich verfügbares Giralgeld auf ihrer Passivseite im Gegenzug zu längerfristigen Kreditverträgen auf ihrer Aktivseite, betreibt sie sog. Fristentransformation. Die Bank profitiert in der Regel davon, da langfristige Zinsen meist höher sind als kurzfristige (siehe Zinsstruktur). Sie trägt aber damit einhergehend Liquiditäts- und Zinsänderungsrisiken.

Es müssten z. B. langfristig gebundene Posten auf der Aktivseite einer Bank schnell zu ungünstigen Preisen verkauft werden, wenn diese Bedingungen zusammentreffen:

  • Mehr Kunden als erwartet wollen Geld abheben oder zu anderen Banken überweisen.
  • Es besteht kein Vertrauen der anderen Banken zur Gewährung von Interbankenkrediten (schlechte Bonität).
  • Auch von der Zentralbank kann mangels Sicherheiten kein Zentralbankgeld mehr beschafft werden.

Ein Teil des Risikomanagements der Geschäftsbanken ist es somit Spar- oder Termineinlagen mit Fristen einzuwerben, die zu ihren Kreditverträgen und Vermögenswerten passen.[15] Bei der Zinsgestaltung für diese Finanzprodukte ist der Ausblick auf die zukünftige Geldpolitik der Zentralbank von Bedeutung.

KreditausfallBearbeiten

Wird ein Kredit von einem Bankkunden nicht bedient und fällt aus, so kann die Bank das vormals im Gegenzug erzeugte Buchgeld natürlich nicht einfach wieder vernichten, da es durch Bezahlvorgänge endgültig zu anderen Kunden transferiert wurde. Für die Bank schlägt sich daher der nach Verwertung der Sicherheiten verbleibende Verlust der Aktivseite in vermindertem Eigenkapital nieder.

Fallen einer Bank zu viele Kredite aus, erfüllt sie nicht mehr die Eigenkapitalvorschriften der Finanzaufsicht und kann somit zur Abwicklung gezwungen werden. Dabei kann es für Kunden zum Verlust ihrer Einlagen kommen, denn sie stellen Verbindlichkeiten der Bank dar, die in das Insolvenzverfahren einbezogen werden. In früheren Zeiten kam es in diesen Situationen dann zu sogenannten Schalterstürmen (englisch bank run), bei denen viele Einleger ihr Geld am Schalter in bar verlangten oder zu sicheren Instituten transferieren wollten. Heute gibt es in den meisten Ländern eine gesetzliche Einlagensicherung. Diese sichert in allen EU-Mitgliedstaaten Einlagen bis zu einer Höhe von 100.000 € pro Person ab indem sie Kreditinstitute dazu verpflichtet an gemeinschaftlichen, umlagefinanzierten Entschädigungseinrichtungen teilzunehmen.

Sind zu viele oder einige sehr wichtige, systemrelevante Banken eines Wirtschaftsraumes insolvent, kann es zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems kommen: Kredit, Geldanlage und die Zahlungsmittelfunktion des Geldes stehen dann nicht mehr zur Verfügung. Die massenhafte Insolvenz sprengt möglicherweise die Sicherungssysteme. Ausgefallene Einlagen führen zu Zahlungsschwierigkeiten, Insolvenz und Arbeitslosigkeit in weiteren Wirtschaftsbereichen. Um die Wahrscheinlichkeit solcher Szenarien abzuschätzen, führen die Aufsichtsbehörden sogenannte Stresstests durch.

Begrenzung der GeldschöpfungBearbeiten

Die Menge des geschöpften Buchgeldes wird auf der einen Seite durch die Nachfrage der Kunden nach Krediten bei den gegebenen Zinsen begrenzt. Kredite mit von der Zentralbank beeinflussten Zinsen sind für Banken auf der anderen Seite prinzipiell kein knappes Gut, die Vergabe wird aber durch Profit- und Risikoabwägungen (Kreditrisiko, Liquiditätsrisiko, Zinsänderungsrisiko) der Geschäftsbanken ebenfalls begrenzt. Beim Ankauf von Vermögenswerten durch Banken bestehen ebenfalls Preisänderungs- und Ausfallrisiken, welche gegen mögliche Profite abgewogen werden müssen. Daneben gelten Regulierungen der Finanzmarktaufsicht, insbesondere Verordnungen im Rahmen von Basel III.

Weitere Einflüsse auf die GeldmengeBearbeiten

Die weiteste Geldmengendefinition der Europäischen Zentralbank, M3, erfasst nur Einlagen und verwandte Finanzprodukte mit einer Laufzeit von bis zu 2 Jahren. Laut dieser Definition entsteht nun Geld, wenn Bankverbindlichkeiten, die nicht zur Geldmenge gehören (z. B. längerfristige Termin- und Spareinlagen), in kurzfristige Bankverbindlichkeiten, die Teil der Geldmenge sind (z. B. Sichteinlagen), umgewandelt werden. Letztlich haben derartige Transaktionen ihren Ursprung in Geldschöpfungsprozessen aus der Vergangenheit, da längerfristige Bankverbindlichkeiten in der Regel aus Sichtguthaben entstanden sind.

Überweisen Käufer aus einem anderen Währungsraum Geld, getauscht in Euro, auf Konten in Ländern der europäischen Währungsunion, so entstehen bei den empfangenden Geschäftsbanken Sichteinlagen, also Geld. Dies ist bei einem Handelsbilanzüberschuss der Fall.

Kaufen Banken ihre eigenen Aktien von Nichtbanken zurück steigt die Geldmenge, da wiederum Einlagen entstehen. Die jeweils entgegengesetzten Operationen vernichten Geld in einem Währungsraum entsprechend.[16]

Die Rolle des StaatesBearbeiten

Der Staat, in Deutschland vertreten durch das Kompetenzzentrum für das Kassen- und Rechnungswesen des Bundes im Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Finanzen, unterhält – wie die Geschäftsbanken – ein Zentralbankgeldkonto (die Zentralkasse) direkt bei der Zentralbank.[17] Steuerzahlungen, also Zahlungen von Bürgern oder Unternehmen an den Staat, müssen somit von den Banken der Steuerzahler in Zentralbankgeld beglichen werden. Bei der Erklärung der Geldbasis oben wurde erwähnt, dass das Zentralbankgeld eine Forderung gegen die Zentralbank darstellt. Es wurde jedoch nicht gesagt was der Inhalt dieser Forderung ist. Seit dem weltweiten Ende des Goldstandards in den 1970er Jahren kann dies keine Forderung auf eine bestimmte Menge Goldes mehr sein. Georg Friedrich Knapp stellte schon 1905 in seinem Werk Die Staatliche Theorie des Geldes fest, dass Geld ein Geschöpf der Rechtsordnung ist: Die Forderung des Staates, dass Steuern ausschließlich in der von ihm selbst festgesetzten Währung zu leisten sind, setzt eben diese Währung in einem Staat durch. Anders ausgedrückt ist Zentralbankgeld eine Forderung gegen die Zentralbank Geldschulden aller Art und insbesondere Steuerschuld in diesem Staat begleichen zu können.

Der Staat als Teilnehmer am KapitalmarktBearbeiten

Seit Gründung der Europäischen Währungsunion ist es den teilnehmenden Staaten nicht mehr gestattet wie Geschäftsbanken Kredite direkt von der Zentralbank zu erhalten. Falls Staaten sich über ihre Steuereinnahmen hinaus Geld beschaffen wollen, können sie Staatsanleihen mit verschiedenen Laufzeiten auflegen. Diese werden zunächst von Geschäftsbanken mit Zentralbankgeld gekauft, welches sie durch Vorlage der erworbenen Anleihen als Sicherheit von der Zentralbank zum Leitzins erhalten. Durch Weiterverkauf gelangen die Anleihen teilweise in die Hände von Privaten oder anderen Anlegern. Kaufen nun Zentralbanken im Rahmen von Offenmarktgeschäften oder in großem Ausmaß in Programmen zur quantitativen Lockerung Staatsanleihen auf, ist der Unterschied zur direkten Staatsfinanzierung gering. Der Unterschied ist, dass Geschäftsbanken bei der Emission der Anleihen mitverdienen und mitbestimmen. Die Geschäftsbanken sollten eigentlich in Zusammenarbeit mit den Ratingagenturen die Bonitätsprüfung der einzelnen Staaten durchführen. Die unterschiedliche Bonität würde dann in den Zinsen auf die Anleihen der verschiedenen Staaten zum Ausdruck kommen. Jedoch signalisierte die Europäische Zentralbank in einer Rede ihres Präsidenten Mario Draghi 2012, dass sie eine Unterversorgung der Mitgliedsstaaten mit Zentralbankgeld oder gar einen Staatsbankrott nicht hinnehmen werde. In der Folge sanken die Zinsen für alle Staatsanleihen in der Währungsunion auf ein sehr niedriges Niveau.

Modern Monetary TheoryBearbeiten

Direkte Zentralbankkredite verbieten sich nicht alle Staaten der Erde. Die Modern Monetary Theory (MMT), die in Amerika und Australien zurzeit die Ansichten etablierter Wirtschaftswissenschaftler zu Staatsfinanzen herausfordert, hält Verbote dieser Art für schädlich und die einzelnen Staaten in der Europäischen Währungsunion für finanzpolitisch nicht souverän. Die MMT konstatiert, dass Zentralbank und Finanzministerium gleichermaßen Institutionen des Staates sind und dass das direkte Erzeugen von Geld durch den Staat oft eine sinnvolle Möglichkeit der Währungssteuerung sein kann. Sie sieht Staatsanleihen als ein Mittel der Geldpolitik, um die Leitzinssetzung der Zentralbank durchzusetzen, da sie überschüssige Reserven im Bankensystem stilllegen, die durch Ausgaben des Staates hinein gelangen. Sie erklärt den Zweck der Steuern, neben der Umverteilung und der Durchsetzung der Währung, als Maßnahme gegen Inflation. Steuern und Staatsanleihen auf der einen Seite und Staatsausgaben auf der anderen Seite regeln nach Ansicht der MMT zu einem großen Teil den Wert des Geldes. Jedoch hängt das Maß der nötigen Inflationsbekämpfung davon ab wie Inflationswirksam die verschiedenen Ausgaben des Staates genau sind. Die Frage ist laut MMT, ob die Investitionen inflationsneutral zusätzliche reale Ressourcen schaffen oder ob das zusätzliche Geld lediglich um vorhandene Ressourcen konkurriert, was zu Inflation führen würde. Steuern und Anleihen zusammen müssen dabei nicht gleich den Ausgaben sein, wie Politik und Teile der Wirtschaftswissenschaft bisher nahelegen. Die MMT nimmt für sich in Anspruch den seit Jahren anhaltenden Zustand der faktisch massiven Staatsfinanzierung durch die Zentralbanken in Japan, den USA und Europa bei gleichzeitig sehr geringer Inflation und niedrigen Zinsen erklären zu können.

GeschichteBearbeiten

Die Geldschöpfung war immer wesentliches Element einer Geld- und Währungspolitik. In der Geschichte des Geldes war die bestehende Geldordnung immer unterschiedlich. Erst wurde mit Primitivgeld bezahlt, später mit Münzgeld. Zusätzliches Geld wurde deshalb nur in Relation zu zusätzlichem Abbau entsprechender Edelmetalle wie Gold und Silber emittiert.

Mit Aufkommen des Münzregals war die Geldschöpfung lediglich dem Staat vorbehalten. Auf Falschgeld oder eigenständige Prägung stand eine hohe Strafe. In bestimmten Zeiten wurden mittels Münzentwertung viele Münzen geprägt. Die Emission von Banknoten veränderte an diesen Sachverhalten nichts. Fortan war es allerdings teilweise möglich, dass Zettelbanken auch über die persönlichen Einlagen Zettel oder Banknoten hinausgaben. Manche Institute sicherten sich über Gilden ab.

Außerdem entstanden Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die fortan Kredite vergaben. Das Banknotenmonopol fiel außerdem nach und nach in die Hände des Staates, sodass die Anzahl der Währungen abnahm. In der Geschichte des Geldes lösten sich Phasen intrinsischen Geldes (materiell unterpfändetes wie Gold- oder Golddevisenstandard) mit „Fiatgeld-Systemen“[18] (auch aufgrund von Kriegsfinanzierungen) zahlreich ab.

RezeptionBearbeiten

In einem Interview der FAZ aus dem Jahr 2009 interpretieren Josef Ackermann und dessen Doktorvater Hans Christoph Binswanger Johann Wolfgang von Goethes Faust. Der Tragödie zweiter Teil. Dabei beleuchten sie die Magie, die in der Geldschöpfung stecke, und die Ambivalenz des auf den Vorschlag Mephistopheles’ erschaffenen Geldes in seiner Wirkung durch die Wette auf die Zeit mit dem Risiko, Inflation auszulösen und Gier, Gewalt und Geiz, die „Gesellen Raufebold, Habebald und Haltefest“, anzulocken. Auch mit dem Wandel von Lehen, die man pfleglich behandeln muss, zum Eigentum, das man „gebrauchen, aber auch verbrauchen, ausplündern, zerstören“ kann, und den damit ausgelösten Allmachtsträumen des Menschen (in der Person des Fausts) befasse sich Goethe, der in dem Werk seine ökonomischen Erfahrungen aus zehn Jahren als Finanz- und Wirtschaftsminister am Weimarer Hof und seine umfangreichen Studien der Ökonomie verarbeite. Ackermann warnt allerdings auch, eine Rückkehr zum Goldstandard bedeute eine sehr starke Verringerung der Geldmenge und hätte gravierende Nachteile. Auch weist er darauf hin: „Aber man muss sich dabei auch bewusst sein, dass mit weniger Geldschöpfung und weniger Wachstum wahrscheinlich auch der allgemeine Wohlstand geringer sein wird.“[19]

Innerhalb der Volkswirtschaftslehre setzt sich die Geldtheorie mit der Theorie des Geldes und der Teil der Kredittheorie mit seiner Schöpfung auseinander. Es gibt dabei unterschiedliche Monetäre Systeme. Innerhalb von Ordnungen mit einem Münzregal oder Banknotenmonopol wird das Basisgeld automatisch durch Monopolvergabe innerhalb eines Staats per Gesetz einer Institution zugeteilt, im Regelfall der Zentralbank. Dem steht das Free Banking gegenüber, welches keinerlei Privilegien oder Restriktionen für Banken fordert. Des Weiteren unterscheidet man zwischen Mindestreserve-Systemen und Vollreserve-Systemen. Um Geldwertstabilität oder eine gezielte schwache Inflation von z. B. 2 %[20] zu gewährleisten, ist eine Geldpolitik vonnöten.[21] Die Erkenntnisse von Knut Wicksell (Wicksellscher Prozess) haben auch heute noch wesentlichen Einfluss auf geldpolitische Entscheidungen.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Hans Christoph Binswanger: Die Wachstumsspirale – Geld, Energie und Imagination in der Dynamik des Marktprozesses. Metropolis Verlag, Marburg 2006. ISBN 3-89518-554-X
  • Mathias Binswanger: Geld aus dem Nichts. Wiley, Weinheim 2015. ISBN 978-3-527-50817-4.
  • Jesús Huerta de Soto: Geld, Bankkredit und Konjunkturzyklen. Hayek Institute, Madrid 2009.
  • Joseph Huber: Monetäre Modernisierung. Zur Zukunft der Geldordnung. Metropolis Verlag, Marburg 2010.
  • Niklot Klüßendorf: „Der Kupferwechsel“ des Alchimisten Johann Steitz für die Herrschaft Schmalkalden. Ein frühneuzeitliches Projekt zur Geldschöpfung. In: Bankhistorisches Archiv. 1/1989, Zeitschrift für Bankengeschichte, Frankfurt am Main.
  • Dieter Lindenlaub: Auf der Suche nach einem Instrumentarium zur Kontrolle der Geldschöpfung. Notenbank und Banken in Deutschland im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. In: Bankhistorisches Archiv. 2/2000, Zeitschrift für Bankengeschichte, Frankfurt am Main.
  • Ann Pettifor: Die Produktion des Geldes: Ein Plädoyer wider die Macht der Banken. Hamburger Edition, Hamburg, 2018, ISBN 386854318X
  • Michael Rowbotham: Goodbye America. Globalization, Debt and the Dollar Empire. Carpenter Publishing, Charlbury/Oxfordshire, 2000, ISBN 1-897766-56-4.
  • Martin Scheytt: Theoretische Grundlagen der bankgeschäftlichen Kreditgewährung. Dissertation. Duncker & Humblot, 1962.

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Deutsche Bundesbank, Glossar, Zentralbankgeld
  2. Deutsche Bundesbank, Schülerbuch Geld und Geldpolitik, Kapitel 6, Offenmarktgeschäfte
  3. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 17
  4. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 26
  5. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 16
  6. Die Geldpolitik der EZB 2011, Seite 64
  7. Die Geldpolitik der EZB 2011, Seite 9
  8. Deutsche Bundesbank, Schülerbuch Geld und Geldpolitik, Kapitel 3, Geldschöpfung
  9. Bank of England: Money creation in the modern economy | Bank of England. 14. März 2014, abgerufen am 10. Juni 2018 (englisch).
  10. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 19f
  11. Deutsche Bundesbank, Glossar, Mindestreserve
  12. Europäische Zentralbank, Eurosystem, Was ist die Mindestreservepflicht?
  13. Xavier Freixas / Jean-Charles Rochet, Microeconomics of Banking, 1997, MIT Press ISBN 978-0-262-06193-3, The Competitive Equilibrium of the Banking Sector S. 55f, The Transmission Channels of Monetary Policiy, Endogenous Money, S. 167
  14. European Central Bank, Occasional Paper Series No. 155 / September 2014, The Retail Bank Interest Rate Pass-through, the case of the Euro area during the financial and sovereign debt crisis
  15. Deutsche Bundesbank, Schülerbuch Geld und Geldpolitik, Kapitel 3, Die Bildung von Spar- und Termineinlagen
  16. Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 20
  17. https://www.kkr.bund.de/DE/KKR/Zentralkasse/Zentralkasse_node.html
  18. Paul Terres: Die Logik einer wettbewerblichen Geldordnung. Tübingen 1999.(online) S. 42.
  19. Josef Ackermann und Hans Christoph Binswanger: Es fehlt das Geld. Nun gut, so schaff es denn! In: FAZ Online vom 30. Juni 2009.
  20. Siehe z. B. das "Ziel einer Inflationsrate von knapp zwei Prozent" bei der EZB, Stand 2015, n-tv
  21. Geschichte des ökonomischen Denkens: Paradigmenwechsel in der Volkswirtschaftslehre. ISBN 978-3-486-58522-3, S. 141.