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Clearing ist ein diffuser Sammelbegriff für jegliche Art von Saldierungsverfahren und Aufrechnungs­vorgängen.[1]

Im Englischen versteht die Europäische Zentralbank unter dem Begriff Clearing das Feststellen gegenseitiger Forderungen, Verbindlichkeiten und Lieferverpflichtungen.[2] Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) versteht – ebenfalls im Englischen – unter Clearing die Übermittlung, Abstimmung und in einigen Fällen die Bestätigung von Abschlüssen sowie sonstigen für die Abwicklung bzw. für das Settlement notwendigen Angaben (z. B. Zahlungsweg, Ort und Zeit der Lieferung), eventuell auch das Settlement selbst.[3] Optional kann eine Aufrechnung und Saldierung (netting) der Geschäfte stattfinden.[4] Das Clearing wird oft von einem Clearinghaus übernommen und soll eine nachfolgende fehlerfreie Abwicklung und den Eigentumsübergang gewährleisten. Aufgrund des diffusen Begriffes Clearing ist allerdings eine Abgrenzung zwischen den Begriffen Clearing und Abwicklung nicht möglich.

Das Bretton-Woods-Währungssystem umfasste ein zwischenstaatliches Clearingsystem, im Eurosystem gibt es TARGET2 als Verrechnungssystem. Historische Beispiele für ein staatlich reguliertes Verrechnungsverfahren sind das „Zentralclearing“ im Rahmen der Nationalsozialistischen Europapläne, welches bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Bestand hatte.

Inhaltsverzeichnis

Wertpapierclearing/WertpapierabrechnungBearbeiten

Clearingstellen kommen bei Wertpapiertransaktionen im Wertpapierhandel vor allem zwei wichtige Funktionen zu: Zum einen dienen sie der Abrechnung von Wertpapiertransaktionen, zum anderen werden durch sie, je nach vertraglicher Gestaltung zwischen den Teilnehmern, auch Ausfallrisiken der Vertragspartner abgesichert.

ClearingmethodenBearbeiten

Für die Abrechnung von Wertpapieren gibt es zwei Methoden, das Nettoclearing und das Bruttoclearing:

  • Beim Nettoclearing werden die sich aus den durchgeführten Geschäften zugunsten oder zulasten eines jeden Teilnehmers ergebenden Beträge dem bei der Clearingstelle (oder Clearinghaus) für den entsprechenden Teilnehmer unterhaltenen Konto gutgeschrieben bzw. belastet. Es findet, ähnlich wie bei einem Kontokorrentkonto, eine Saldierung von Schulden und Forderungen statt, so dass nur diese Differenzen periodisch abgewickelt und abgerechnet werden.
  • Beim Bruttoclearing dagegen findet eine solche Saldierung nicht statt, stattdessen wird jedes getätigte Geschäft einzeln abgerechnet.

In der Regel findet in keinem der beiden Verfahren eine physische Verschiebung von Wertpapieren statt. Die Papiere bleiben zum Beispiel in Deutschland meist bei der Clearstream Banking AG zentralverwahrt und werden lediglich elektronisch umgebucht.

Aufbau von ClearingsystemenBearbeiten

Ein Clearingsystem ist dergestalt aufgebaut, dass es einen zentralen Vertragspartner (das Clearinghaus) und diverse Mitglieder gibt, welche meist international tätige Banken sind.

In einem Clearingsystem dürfen nur ausgewählte Institutionen Mitglied werden, welche diverse Anforderungen erfüllen müssen. Die Mitglieder sind in der Regel verpflichtet, zu Beginn der Mitgliedschaft eine Grundsicherheit in bestimmter Höhe an das Clearinghaus zu leisten (als Barsicherheit oder in Wertpapieren). Wenn nun ein Mitglied bestimmte Wertpapiere verkaufen oder kaufen möchte, so kommen die vertraglichen Beziehungen nicht direkt zwischen den Mitgliedern zustande, sondern, aufgrund der Teilnahme am Clearingsystem, wie folgt:

Das z. B. verkaufsbereite Mitglied verkauft die Wertpapiere zunächst an das Clearinghaus, welches demnach gegenüber diesem Mitglied als Käufer auftritt. Zur Sicherung von Ausfallrisiken dieses Geschäfts ist das Mitglied meist verpflichtet, auch eine variable Sicherheit für dieses Geschäft zu leisten. Aufgrund der Clearinghausregeln und der vertraglichen Beziehungen der Mitglieder ist das Clearinghaus sodann verpflichtet, die verkauften Wertpapiere an das entsprechende Mitglied zu verkaufen. Dieses Mitglied, das die Wertpapiere vom Clearinghaus kauft, muss auch für diese Verbindlichkeit eine variable Sicherheit leisten.

Die vertraglichen Beziehungen der Mitglieder untereinander gestalten sich demnach nurmehr indirekt (siehe auch Zentraler Kontrahent). Durch die Zwischenschaltung des Clearinghauses und der Leistung der Sicherheiten eines jeden Mitglieds sind die Ausfallrisiken sowohl des Geschäftes als auch des Mitglieds stets abgesichert.

Clearingstellen bzw. Abrechnungsstellen existieren auf nationaler und internationaler Ebene. Der internationale Clearingmarkt, der Verrechnungen auch über Ländergrenzen hinweg gestattet, ist zwischen den beiden Gesellschaften Euroclear (in Brüssel) und Clearstream (in Luxemburg; vormals Cedel) aufgeteilt. In der Regel sind Banken die Kunden solcher Clearingsysteme und nur Banken dazu berechtigt, Konten bei den internationalen Clearinggesellschaften zu unterhalten. Ein europäischer Clearingdienst wird von Euronext angeboten. Ein bekanntes Clearinghaus ist auch die Eurex Clearing AG. Diese Stellen sind zu unterscheiden von Clearingstellen als Schlichtungsstellen, siehe Clearingstelle.

CDS ClearingBearbeiten

Aufgrund der Finanzkrise ab 2007 wurden vermehrt Bestrebungen erkennbar, Clearinghäuser für diverse Arten von Finanzprodukten zu errichten bzw. den Gebrauch auszubauen. Insbesondere die Errichtung von Clearingstellen für Credit Default Swaps (CDS) rückte in den Fokus der politischen und regulatorischen Diskussion mit dem Ziel, zukünftig die Risiken dieser Produkte abzusichern.

Als weltweit erstes Clearinghaus bietet die IntercontinentalExchange seit dem 9. März 2009 das entsprechende CDS-Clearing an. Im Sommer 2009 startete ebenfalls die Deutsche Börse mit einem entsprechenden Clearingangebot. Im Winter 2009 wurde ebenfalls der Start eines CDS-Clearingangebotes der CME Group bekannt.[5]

Cashclearing / ZahlungsverkehrsabrechnungBearbeiten

Unter Cashclearing (auch Geldverrechnungsverkehr; nicht zu verwechseln mit Cash Pooling/Netting in Unternehmenskonzernen), versteht man die Abwicklung von Geldforderungen verschiedener Parteien, bevor ein Geldbetrag effektiv überwiesen wird.[6]

Hätte eine Bank z. B. Verbindlichkeiten gegenüber Teilnehmern von 50 verschiedenen Banken, müssten 50 verschiedene Banken direkt adressiert werden, um sie zu begleichen. Da es jedoch einfacher, sicherer und günstiger ist, dieses über eine zentrale Stelle abzuwickeln, wird das Cashclearing (Clearing von Geld) in der Regel von den Zentralbanken betrieben. Dabei haben alle beteiligten Kreditinstitute ein Konto bei der entsprechenden Zentralbank. Die eine Beispielbank mit den Verbindlichkeiten begleicht nun diese nicht direkt gegenüber den 50 Partnern, sondern weist die Zentralbank an, diese innerhalb der bei der Zentralbank geführten Konten glattzustellen.

Im Euroraum wurde dieses bis zum 19. November 2007 über das sogenannte RTGSplus der Deutschen Bundesbank abgewickelt, das seitdem durch das TARGET2-System des Eurosystems ersetzt wurde.[7] Ergänzt wird der Cashclearingmarkt durch die Systeme des Euro-Bankenverbandes (EBA – Euro Banking Association).

Das Clearinggeschäft steht im Verdacht, zur Geldwäsche und zur Geldverschiebung bei betrügerischem Bankrott missbraucht zu werden, da die Transaktionen dem Bankgeheimnis unterliegen und von außen nur schwer zu kontrollieren sind.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Bank of International Settlement (BIS): Clearing, settlement and depository issues. (PDF-Datei; 175 kB)
  • Michael Güntzer: Clearingprobleme. Wißner, Augsburg 1998, ISBN 3-89639-140-2 (Augsburger mathematisch-naturwissenschaftliche Schriften 26), (Zugleich: Augsburg, Univ., Diss., 1998).
  • David Loader: Clearing, Settlement and Custody. Butterworth Heinemann, Oxford u. a. 2002, ISBN 0-7506-5484-8 (Operations Management Series).
  • Rüdiger Parsche, Matthias Steinherr, Sandra Waller: Ursprungslandprinzip und Clearing bei der Mehrwertsteuer – ein makroökonomischer Ansatz. Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung, München 1996, ISBN 3-88512-289-8 (Ifo-Studien zur Finanzpolitik 61).
  • Hans-Wilhelm Ruland: Effekten. Geschäft und Technik. 3. überarbeitete Auflage. Schäffer-Poeschel, Stuttgart 2004, ISBN 3-7910-2249-0.
  • Peter von Hall: Insolvenzverrechnung in bilateralen Clearingsystemen – Die Beendigung und Verrechnung von Geschäften mit hinausgeschobenem Erfüllungszeitpunkt nach deutschem und internationalem Insolvenzrecht unter Berücksichtigung der Einführung zentraler Vertragsparteien an Börsen. Nomos, Baden-Baden 2011, ISBN 978-3-8329-6428-3.

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Reinhard Zimmermann: Aufrechnung. In: Jürgen Basedow, Klaus J. Hopt, Reinhard Zimmermann unter Mitwirkung von Martin Illmer (Hrsg.): Handwörterbuch des Europäischen Privatrechts. Mohr Siebeck, 2009 (Online beim Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht [abgerufen am 7. August 2018]). Hier Abschnitt 7.
  2. Clearing. Archiviert vom Original am 27. April 2009; abgerufen am 7. August 2018 (englisch).
  3. Francis Braeckevelt: Clearing, settlement and depository issues. In: BIS Papers No 30. Abgerufen am 7. August 2018 (PDF; 179 kB, englisch).
  4. Clearing und Settlement im Wandel (2002) (Memento des Originals vom 30. Januar 2012 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.rz.uni-potsdam.de (PDF; 65 kB)
  5. CME near landmark deal with banks on CDS clearing@1@2Vorlage:Toter Link/www.ft.com (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  6. Bundesverband Deutscher Banken: Allgemeine Darstellung der Zahlungsverkehrsabwicklung (Memento vom 24. September 2009 im Internet Archive)
  7. Spezifikationen für den elektronischen Zahlungsverkehr der Deutschen Bundesbank (Memento des Originals vom 31. März 2010 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bundesbank.de