Überschussreserve

Unter Überschussreserve versteht man den Betrag, um den das Zentralbankgeldguthaben einer Geschäftsbank ihre sich aus der Mindestreserveverpflichtung ergebene Mindestreserve (Reserve-Soll) übersteigt.[1] Die Summe aus Überschussreserve plus Mindestreserve ergibt das Reserve-Ist der jeweiligen Geschäftsbank.

Die von den Geschäftsbanken gehaltene Überschussreserven waren früher sehr gering. Ab Herbst 2008 stiegen sie stark an.

Sekundärliquidität bezeichnet im Bankgeschäft die Vermögenspositionen auf der Aktivseite der Bankbilanz, die im Bedarfsfalle jederzeit bei der jeweiligen Zentralbank gegen Primärliquidität (Zentralbankgeld) getauscht oder verpfändet werden können.[2] Diese Positionen in der jeweiligen Bankbilanz gelten dann als refinanzierungsfähig.[3] Die Festsetzung der Kriterien der Refinanzierungsfähigkeit von (unterschiedlichen) Geldmarktpapieren obliegt der jeweiligen Zentralbank[4] und stellt expansives/kontraktives Instrument innerhalb der Geld-, Diskont-, Offenmarktpolitik dar.

Die Summe aus Überschussreserve und Sekundärliquidität bildet die freie Liquiditätsreserve (Lf) der jeweiligen Geschäftsbank und diese stellt nach Claus Köhler den maximalen Kreditschöpfungsspielraum für eine einzelne Bank dar[5][6][7] (unter Voraussetzung der Erfüllung der Eigenkapitalanforderungen nach dzt. Basel II/III für die Kreditinstitute des kontinentaleuropäischen Raums). Der Liquiditätsgrad einer Geschäftsbank, also die Höhe der freien Liquitätsreserve in Relation zu ihren Verbindlichkeiten (Einlagen) wird durch die Liquiditätsquote ausgedrückt.[8]

Erweiterter Liquiditätssaldo innerhalb des LiquiditätssaldokonzeptsBearbeiten

 
Liquiditätssaldo nach Claus Köhler

Im Unterschied zur monetaristischen Geldmengensteuerungstheorie (wie das Konzept der Multiplen Geldschöpfung) erweitert das Liquiditätssaldokonzept nach Claus Köhler (basierend auf den Erkenntnissen des Radcliffe Reports 1959)[9] den Liquiditätssaldo um die Sekundärliquidität des jeweiligen Kreditinstitutes, also um zusätzlich potenzielles Zentralbankgeld, das sich das jeweilige Institut (im Rahmen der entweder restriktiv oder expansiv ausgerichteten Geldpolitik der Zentralbank) durch die Hingabe eigener liquider Aktiva (Verkauf von Geldmarktpapieren, Ausnutzung des offenen Refinanzierungskontingents, Umtausch ausländischer Geldmarktanlagen) beschaffen kann.[10]

Siehe auchBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Wirtschaftslexikon Gabler: Definition Überschussreserve
  2. Alois Oberhauser: Die Steuerung der Bankenliquidität als geldpolitische Aufgabe. In: Probleme der Geldmengensteuerung. Berlin 1978, S. 130. (online)
  3. Dietrich Dickertmann: Die Finanzierung von Eventualhaushalten durch Notenbankkredit. Berlin 1972, S. 142. (online)
  4. Claus Köhler: Geldwirtschaft. Band 1. Geldversorgung und Kreditpolitik. Berlin 1977, S. 98. (online)
  5. Claus Köhler: Geldwirtschaft. Band 1. Geldversorgung und Kreditpolitik. Berlin 1977, S. 125. (online)
  6. Rüdiger Pohl: Geldbasis versus Liquiditätssaldo. In: Geldpolitik Kontrovers. Köln 1973, S. 94 ff.
  7. Wolfgang Filc, Lothar Hübl, Rüdiger Pohl (Hrsg.): Herausforderungen der Wirtschaftspolitik. Festschrift für Claus Köhler. Berlin 1988, S. 9. (online)
  8. Manfred Borchert: Geld und Kredit. Einführung in die Geldtheorie und Geldpolitik. München 2003, S. 89. (online)
  9. „Radcliffe Report 1959“: Report of the Committee on the Working of the Monetary System, Paper No. 827. London 1959.
  10. Rüdiger Pohl: Geldbasis versus Liquiditätssaldo. In: Geldpolitik Kontrovers. Köln 1973, S. 103.