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Wichtige Leitzinsen (Stand: 1. August 2019)
Zinssatz Höhe
Europäische Zentralbank (gültig ab: 16. März 2016)
Einlagesatz (deposit facility) −0,40 %
Hauptrefinanzierungssatz (main refinancing operations) 0,00 %
Spitzenrefinanzierungssatz (marginal lending facility) 0,25 %
Schweizerische Nationalbank (gültig ab: 13. Juni 2019)
SNB policy rate −0,75 %
Federal Reserve System (gültig ab: 1. August 2019)
Federal-Funds-Rate-Zielband 2 bis 2,25 %
Primary Credit Rate 3,00 % (gültig ab: 20. Dezember 2018)
Bank of Japan (gültig ab: 19. Dezember 2008)
Diskontsatz (basic discount/loan rate) 0,30 %
Bank of England (gültig ab: 2. August 2018)
Official Bank Rate 0,75 %
Chinesische Volksbank (gültig ab: 23. Oktober 2015)
Diskontsatz (one-year lending rate) 4,35 %

Eine Einlagefazilität ist eine Möglichkeit für Geschäftsbanken im Euroraum, kurzfristig nicht benötigtes Geld bei der Europäischen Zentralbank (EZB) anzulegen. Als Verzinsung erhalten bzw. zahlen sie den von der Zentralbank vorgegebenen Einlagesatz. Es handelt sich somit um ein Wahlrecht zur Geldanlage, welches von der Zentralbank gewährt wird und stellt ein wichtiges geldpolitisches Instrument der EZB dar.

Die Einführung der Einlagefazilität durch die Europäische Zentralbank hat in Deutschland in ihrer Funktion die Diskontpolitik der Deutschen Bundesbank ersetzt.

Inhaltsverzeichnis

DurchführungBearbeiten

Die Initiative zu Einlagegeschäften geht von den Geschäftsbanken aus. Sind diese für Transaktionen mit der EZB zugelassen, so können sie bei der Zentralbank kurzfristig nicht benötigtes Geld anlegen. Aufgrund der kurzen Fristigkeit solcher Geschäfte bezeichnet man diese Form der Finanzierung auch als Übernachtanlage oder Overnight-Money.

Hat die Bank am Tagesende offene Habensalden auf den ESZB-Konten, werden diese automatisch zu Einlagefazilitäten. Als Preis für die Inanspruchnahme der Einlagefazilität erhalten bzw. zahlen sie den Einlagesatz (teilweise auch Einlagefazilitätssatz).

Einlagefazilitäten werden dauerhaft und in unbegrenztem Volumen angeboten; daher bezeichnet man sie auch als ständige Fazilität.

EinordnungBearbeiten

Der Einlagesatz wird üblicherweise als einer der drei Leitzinsen der EZB bezeichnet. Der Zinssatz wird vom EZB-Rat festgelegt und bildet die Untergrenze des Zinskorridors. In der Regel liegt er dabei immer einen Prozentpunkt unter dem Hauptrefinanzierungssatz. Davon wich die EZB jedoch kurz nach der Euroeinführung und während der Finanzkrise ab 2007 ab. Die Einlage ist das Gegenstück der Spitzenrefinanzierungsfazilität. Längerfristige Liquidität wird den Banken vor allem über das Hauptrefinanzierungsinstrument zur Verfügung gestellt.

Mit dem Übergang der Zuständigkeit für die Geldpolitik auf die EZB hat die Einlagefazilität die früheren Rediskontkontingenten abgelöst.

Bedeutung für den GeldmarktBearbeiten

Die Einlagefazilität erfüllt vor allem zwei Funktionen:

Die erste Bedeutung dieses Instruments liegt darin, dass die Geschäftsbanken von sich aus jederzeit Liquidität anlegen und damit Liquiditätsüberschüsse vermeiden können.

Zweitens hat die Einlagefazilität eine geldpolitische Bedeutung: Grundsätzlich können Geschäftsbanken auch über den Geldmarkt (Interbankenmarkt) Übernachtanlagen tätigen. Allerdings müssen dort getätigte Übernachtanlagen zwangsläufig teurer (das heißt höher verzinst) sein als die Einlagefazilität, da ansonsten auf dem Interbankenmarkt keine Geschäfte zustande kommen. Daher bildet der Einlagesatz die untere Grenze der für Übernachtanlagen erhobenen Zinsen. Erhöht (senkt) die EZB den Einlagesatz, so werden auch die Geschäftsbanken ihren Zins für Übernachtanlagen erhöhen (senken) – folglich dient der Einlagesatz auch zur Durchsetzung der Zinspolitik am Markt.

WeblinksBearbeiten