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Frederik Obermaier

deutscher Journalist, Politikwissenschaftler und Buchautor
Frederik Obermaier (2016)

Frederik Obermaier (* 1984 in Eggenfelden) ist ein deutscher Journalist, Politikwissenschaftler und Buchautor. Er ist Mitglied des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ).[1] Schwerpunktmäßig befasst er sich mit den Themen Nahost, Terrorismus, Extremismus und Nachrichtendiensten weltweit. Er ist einer der deutschen Journalisten, die an den internationalen Offshore-Leaks-, Luxemburg-Leaks[2] und Swiss-Leaks-Enthüllungen[3] sowie an dem Projekt Der geheime Krieg über Deutschlands Rolle im US-Drohnenkrieg mitarbeiteten. Zusammen mit dem Journalisten Bastian Obermayer initiierte er 2016 die weltweiten Panama-Papers-Enthüllungen und wurde dafür 2017 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.[4][5]

Inhaltsverzeichnis

Leben und ArbeitBearbeiten

Obermaier wurde 1984 in Eggenfelden geboren und machte 2003 am Ruperti-Gymnasium in Mühldorf am Inn das Abitur. Er studierte an den Katholischen Universitäten Eichstätt und Bogotá Journalistik und Politikwissenschaft. Anschließend arbeitete er als Freier Journalist, bevor er ein Volontariat bei der Süddeutschen Zeitung absolvierte. Seit 2012 arbeitet er für die Süddeutsche Zeitung im Ressort Investigative Recherche.

Obermaier ist Autor des Buches Land am Abgrund – Staatszerfall und Kriegsgefahr in der Republik Jemen.[6] 2009 berichtete er als erster deutscher Autor über den Fall der Jemenitin Nojoud Ali, die sich im Alter von zehn Jahren von ihrem 22 Jahre älteren Mann scheiden ließ.

Für die Süddeutsche Zeitung betreute Obermaier die Recherche in den Offshore-Leaks-Dateien, die im April 2013 weltweit für Schlagzeilen sorgten.[7] Er schrieb unter anderem über die Offshore-Verwicklungen von Gunter Sachs, dem in der Folge zurückgetretenen österreichischen Banker Herbert Stepic, dem georgischen Premier Bidsina Iwanischwili und dem Sohn des DDR-Spionagechefs Markus Wolf.[8][9][10][11]

Zusammen mit Hans Leyendecker und John Goetz enthüllte Obermaier im Juni 2013, dass der britische Geheimdienst GCHQ das Unterseekabel TAT-14 angezapft hatte, das Deutschland mit Großbritannien und den USA verbindet.[12] Das Kabel sei eines von mehr als 200 Glasfaser-Kabeln, die der britische Geheimdienst GCHQ im Rahmen des geheimen Programms Tempora anzapfe und abhöre. Dabei hat der Dienst offensichtlich direkt an Knotenpunkten des Kabels bei Kommunikationsunternehmen angesetzt und musste somit nicht von außen an das Kabel gelangen. Beim Ausspähen sollen dem britischen Abhördienst zwei Telefongesellschaften behilflich gewesen sein, Vodafone und British Telecommunications (BT).

Obermaier enthüllte zusammen mit Bastian Obermayer und Volkmar Kabisch, wie Deutschlands ältester Waffenhersteller, Sig Sauer, die deutschen Ausfuhrbehörden täuschte, um illegal Waffen nach Kolumbien zu liefern.[13] Die Staatsanwaltschaft leitete daraufhin Ermittlungen ein, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stoppte vorübergehend alle Exporte des Waffenherstellers.[14]

Panama PapersBearbeiten

Obermaier initiierte und koordinierte zusammen mit Bastian Obermayer die sogenannten Panama Papers-Enthüllungen. Eine anonyme Quelle, die sich John Doe nannte, hatte den Journalisten 2,6 Terabyte interner Daten des Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca zugespielt. Obermaier und Obermayer teilten diese mit dem International Consortium of Investigative Journalists – am Ende arbeiten rund 400 Journalisten weltweit an den Recherchen.[15] Sie zeigen nach Einschätzung der beteiligten Medien legale Strategien der Steuervermeidung, aber auch Steuer- und Geldwäschedelikte, den Bruch von UN-Sanktionen sowie andere Straftaten durch Kunden von Mossack Fonseca.[16]

Bahamas-LeaksBearbeiten

Eine unbekannte Quelle spielte Frederik Obermaier und Bastian Obermayer 38 Gigabyte an vertraulichen Unterlagen des bahamaischen Unternehmensregister zu, die am 21. September 2016 als Bahamas-Leaks veröffentlicht wurden.[17] Die Enthüllungen deckten u. a. auf, dass Neelie Kroes, Amber Rudd, William Francis Morneau, Carlos Caballero Argáez, Manuel Domingos Vicente, Hamad ibn Dschasim ibn Dschabir Al Thani, Süchbaataryn Batbold und Georg Freiherr von Waldenfels Direktoren, Präsidenten oder Sekretäre von Briefkastenfirmen auf den Bahamas waren beziehungsweise sind.[18]

Paradise PapersBearbeiten

Nach den Panama Papers initiierte und koordinierte Frederik Obermaier zusammen mit seinem Kollegen Bastian Obermayer ein weiteres internationales Rechercheprojekt: die im November 2017 veröffentlichten Paradise Papers.[19] Die Paradise Papers enthüllten die Offshore-Geschäfte von Konzernen wie Nike, Apple und Sixt sowie von Prominenten wie US-Handelsminister Wilbur Ross, Queen Elisabeth II., Bono und dem FC Arsenal-Besitzer Alischer Usmanow.[20] Die Recherchen basierten auf vertraulichen Dokumenten der Finanzdienstleister Appleby und Asiaciti Trust sowie den Unternehmensregistern von 19 Steueroasen, die der Süddeutschen Zeitung von unbekannter Seite zugespielt worden waren.[21]

Ibiza-AffäreBearbeiten

Im Mai 2019 löste Frederik Obermaier mit Bastian Obermayer, Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta und Peter Münch die sogenannte Ibiza-Affäre aus,[22] und damit eine Staatskrise in Österreich. Das SZ-Team veröffentlichte gemeinsam mit dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel die Recherche über ein heimlich aufgenommenes Video, das den damaligen österreichischen Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache innerhalb von nicht einmal 24 Stunden zum Rücktritt zwang.[23] Heinz-Christian Strache war in eine Falle getappt: Er hatte in einer Villa auf Ibiza einer vermeintlichen Nichte eines russischen Oligarchen Staatsaufträge gegen Wahlkampfunterstützung in Aussicht gestellt sowie ein offenbar illegales Parteispendensystem erläutert.[24] Im Laufe der Ibiza-Affäre zerbrach innerhalb von wenigen Tagen die damalige österreichische Regierung von Kanzler Sebastian Kurz, im September 2019 soll es Neuwahlen geben.

PublikationenBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

Otto Brenner Preis 2016

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Frederik Obermaier, Author at International Consortium of Investigative Journalists.
  2. Bastian Brinkmann, Christoph Giesen, Frederik Obermaier, Bastian Obermayer, Klaus Ott: Luxemburg-Leaks – Ärger im Steuer-Märchenland Luxemburg.
  3. , Gerard RyleIm Tresor der Mächtigen. 9. Februar 2015.
  4. Florian Klenk, Josef Redl: „Wir sind doch nicht der verlängerte Arm der Staatsanwaltschaft“. In: falter.at. Abgerufen am 12. Mai 2016.
  5. Schwäbische Zeitung: Journalist Obermaier erhält Pulitzerpreis
  6. tectum-verlag.de: Land am Abgrund – Staatszerfall und Kriegsgefahr in der Republik Jemen.
  7. Offshore Leaks – Steuerparadies in Bedrängnis, Serie der Süddeutschen Zeitung
  8. Österreichs mächtigster Banker tritt zurück. 4. April 2013.
  9. , Titus PlattnerDas System Sachs. 4. April 2013.
  10. Hans Leyendecker und Frederik Obermaier: Diskrete Geschäfte am Affenfelsen – Franz Wolf und der russische Oligarch.
  11. , Bastian ObermayerDie Spur führt nach Österreich. 1. November 2017.
  12. , Frederik ObermaierBriten schöpfen deutsches Internet ab. 24. Juni 2013.
  13. Süddeutsche Zeitung: Pistolenhersteller unter Verdacht
  14. Süddeutsche Zeitung: Ausfuhrstopp für Waffenexporteur Sig Sauer.
  15. NDR: Pulitzer-Preis für die "PanamaPapers".
  16. Süddeutsche Zeitung: Die Panama Papers – das bisher größte Datenleak. In: Süddeutsche.de. Abgerufen am 4. April 2016.
  17. What We Know So Far About the Bahamas Leaks. 22. September 2016.
  18. , Vanessa WormerDiese Politiker tauchen in den Bahamas-Leaks auf. 22. September 2016.
  19. Michael Forsythe: Paradise Papers Shine Light on Where the Elite Keep Their Money. In: The New York Times. 5. November 2017, ISSN 0362-4331 (Online [abgerufen am 16. November 2017]).
  20. Süddeutsche Zeitung: Paradise Papers. Abgerufen am 16. November 2017.
  21. Süddeutsche.de GmbH, Munich, Germany: Paradise Papers: Fragen und Antworten zur SZ-Recherche. In: Süddeutsche.de. (Online [abgerufen am 16. November 2017]).
  22. Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta, Peter Münch, Frederik Obermaier, Bastian Obermayer: Heimliche Aufnahmen belasten Österreichs Vizekanzler schwer. In: sueddeutsche.de. 2019, ISSN 0174-4917 (Online [abgerufen am 28. Mai 2019]).
  23. tagesschau.de: Video-Skandal: Österreichs Vizekanzler tritt zurück. Abgerufen am 28. Mai 2019.
  24. Leila Al-Serori, Oliver Das Gupta, Peter Münch, Frederik Obermaier, Bastian Obermayer: Heimliche Aufnahmen belasten Österreichs Vizekanzler schwer. In: sueddeutsche.de. 2019, ISSN 0174-4917 (Online [abgerufen am 28. Mai 2019]).
  25. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 17. April 2013 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.kindernothilfe.de
  26. CNN International: Home. 20. Juli 2017. Archiviert vom Original am 18. Juni 2012.
  27. medium - magazin für journalisten.
  28. 17 Journalisten der SZ ausgezeichnet. 1. November 2017.
  29. Helmut Schmidt Journalistenpreis: Die Sieger stehen fest / Von Oasen, Abzockern und Amazons Wanderarbeitern.
  30. Archivierte Kopie (Memento des Originals vom 8. April 2014 im Internet Archive)   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.informatik-saarland.de
  31. Aktuelle Meldungen - News - newsroom.de.
  32. medium - magazin für journalisten.
  33. Investigative Reporters and Editors, Inc.: Investigative Reporters and Editors - 2013 IRE Award winners.
  34. formativ.net oHG, Frankfurt am Main/Karlsruhe: DEUTSCHER JOURNALISTENPREIS Wirtschaft - Börse - Finanzen (djp).
  35. Dr. Georg Schreiber Medienpreis der AOK Bayern - Presse. Archiviert vom Original am 7. November 2017. Abgerufen am 7. Juni 2016.
  36. Gewinner 2016. 17. Oktober 2016.
  37. Bayerische Volksbanken und Raiffeisenbanken vergeben Journalistenpreise 2016 - Genossenschaftsverband Bayern (GVB).
  38. 12. Otto-Brenner-Preis. (Nicht mehr online verfügbar.) Archiviert vom Original am 4. November 2016; abgerufen am 2. November 2016.   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.otto-brenner-stiftung.de
  39. ING-DiBa vergibt zum 21. Mal den Helmut Schmidt-Journalistenpreis / Von Offshore-Akrobaten und Abgas-Schummlern.
  40. Georg von Holtzbrinck-Preis für Wirtschaftspublizistik 2016 feierlich verliehen – Verlagsgruppe Handelsblatt.
  41. Bernd Wilken - adminion: Reporter-Forum: Neuer Journalismus.
  42. Das sind die Journalisten des Jahres 2016 – Medium Magazin Beta.
  43. Nannen-Preisträger 2017.
  44. Paul Farhi: ‘Hello. This is John Doe’: The mysterious message that launched the Panama Papers.
  45. Gewinner 2017. 10. Oktober 2017.
  46. Preis für Paradise Papers. In: sueddeutsche.de. 2018, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 18. Juli 2019]).
  47. Preise für Implant-Files-Artikel. In: sueddeutsche.de. 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 18. Juli 2019]).
  48. Preise für Implant-Files-Artikel. In: sueddeutsche.de. 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 18. Juli 2019]).
  49. Recherchen zu Mordfällen prämiert. In: sueddeutsche.de. 12. April 2019, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 18. Juli 2019]).