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Der Flughafen Sylt (IATA: GWT, ICAO: EDXW) ist der Verkehrsflughafen der deutschen Nordseeinsel Sylt. Er liegt zwei Kilometer östlich des Zentrums des Hauptortes Westerland auf dem Gebiet der Gemeinde Sylt, Ortsteil Tinnum, auf 8 Metern ü. NN.

Flughafen Sylt
Flughafen Sylt Logo.svg
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Kenndaten
ICAO-Code EDXW
IATA-Code GWT
Koordinaten

54° 54′ 48″ N, 8° 20′ 26″ OKoordinaten: 54° 54′ 48″ N, 8° 20′ 26″ O

8 m (26 ft) über MSL
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 2 km östlich von Westerland
Straße Flughafenstraße 1
Basisdaten
Eröffnung 1918
Betreiber Flughafen Sylt GmbH
Fläche 240 ha
Terminals 2
Passagiere 125.000 (2018)
Flug-
bewegungen
7.892[1] (2016)
Beschäftigte circa 65
Start- und Landebahnen
06/24 1696 m × 45 m Asphalt
14/32 2120 m × 45 m Asphalt
Webseite
flughafen-sylt.de
Flughafengebäude

Inhaltsverzeichnis

Fluggesellschaften und ZieleBearbeiten

Die Zahl der Flugbewegungen und angeflogenen Ziele variiert stark je nach Saison. So ist der Flugplan im Winterhalbjahr gegenüber dem Sommerhalbjahr deutlich ausgedünnt. Dabei kommen vorrangig Kurz- und Mittelstrecken-Flugmuster (z. B. DHC-8-400, A319 oder A320) zum Einsatz, vereinzelt auch Typen wie die Boeing 757 oder 737. Es werden vorwiegend Ziele in Deutschland angeflogen. Doch auch in der Schweiz wird Zürich von Swiss bedient. Zum Einsatz kommen hier Embraer E190 sowie neuere Flugzeuge vom Typ Airbus A220.

Fluggesellschaften & Ziele 2019
Fluggesellschaften Ziele Flugzeugtyp Frequenz
Lufthansa München & Frankfurt A320-Familie, CRJ900, Embraer-E-Jets bis zu 4× / Woche
Eurowings Düsseldorf & Stuttgart A320-Familie & Bombardier Dash-8 Q400 je nach Saison täglich
Swiss Zürich A220-100/-300 und selten auch A320-Familie je nach Saison bis zu
Rhein-Neckar-Air Mannheim & ab Juni 2019 Kassel Dornier D328 bis zu 3× / Woche
Condor Düsseldorf A320-Familie & 757-300 Freitags & Sonntags
SyltAir Hamburg Kleinflugzeuge wie Cessna 404 jeden Tag außer Samstags
Easyjet[2] Berlin-Tegel A320-Familie Samstags

GeschichteBearbeiten

Der Flughafen wurde unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs errichtet. Als treibende Kraft für die Entwicklung in den Anfangsjahren wirkte zuallererst der sich in den Anfangsjahren der Weimarer Republik stark entwickelnde Fremdenverkehr. Vor allem Westerland zählte damals zu den beliebtesten Seebädern Deutschlands. Als förderlich wirkte auch der Umstand, dass der Zugang zur Insel auf dem Seeweg durch die Neuordnung der Deutsch-Dänischen-Grenze im Zuge der Volksabstimmung in Schleswig ab 1920 einen doppelten Grenzwechsel (Deutschland – Dänemark – Deutschland) erforderlich machte. Die Fährverbindung nach Munkmarsch hatte in Hoyerschleuse (gehörte ab 1920 zu Dänemark) einen natürlichen Standortnachteil im Vergleich zur Fluganreise. Die heute alltägliche Bahnanreise wurde erst mit Fertigstellung des Hindenburgdamms ab 1927 eingerichtet.

Im Juli 1919 wurde dann – als zweite Linienflugverbindung der Deutschen Luftreederei – eine Linienflugverbindung auf der Strecke BerlinHamburg–Sylt geschaffen. Damit gehört der Sylter Flughafen zu den Flughäfen mit der längsten Linienflug-Tradition in Deutschland. Obwohl der Flughafen nur im Sommer angeflogen wurde und die Flugzeuge damals nur drei bis fünf Passagiere aufnehmen konnten, zählte der Sylter Flughafen im Jahr 1925 bereits 2560 Fluggäste.

Ende der 1920er Jahre wurde der Flughafen zunächst nach Nordosten von 17 ha auf 37 ha vergrößert. In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre wurde der Flugplatz aufgrund seiner strategischen Bedeutung zu einem Fliegerhorst mit drei sternförmig angelegten Start- und Landebahnen ausgebaut, die Gesamtfläche betrug nun 85 ha.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Insel zur Festung ausgebaut und so kam mit dem Fremdenverkehr auch der zivile Flugbetrieb ganz zum Erliegen. Im April 1940 lagen in Vorbereitung des Unternehmens Weserübung Teile von mehreren Geschwadern hier.

Die folgende Tabelle zeigt eine Auflistung ausgesuchter fliegender aktiver Einheiten (ohne Schul- und Ergänzungsverbände) der Luftwaffe der Wehrmacht, die hier zwischen 1939 und 1945 stationiert waren.

Von Bis Einheit[3]
September 1939 April 1940 Stab, II./KG 26 (Stab und II. Gruppe des Kampfgeschwaders 26)
Oktober 1939 Februar 1940 II./ZG 1 (II. Gruppe des Zerstörergeschwaders 1)
März 1940 März 1940 I.(Jagd)/LG 2 (I. (Jagd-) Gruppe des Lehrgeschwaders 2)
April 1940 April 1940 I./ZG 76
April 1940 April 1940 Stab, I., II./KG 30
April 1940 April 1940 Teile der III./LG 1 (III. Gruppe des Lehrgeschwaders 1)
August 1940 August 1940 Teile der I./JG 77 (I. Gruppe des Jagdgeschwaders 77)
Oktober 1940 April 1941 2./JG 54 (2. Staffel des Jagdgeschwaders 54)
Mai 1941 Mai 1941 1./JG 52
Juli 1941 August 1941 6./JG 53
Januar 1944 November 1944 IV./NJG 3 (IV. Gruppe des Nachtjagdgeschwaders 3)
September 1944 Dezember 1944 III./NJG 3
Mai 1945 Mai 1945 IV./JG 3

Auch in den Jahren nach dem Krieg wurde der Flughafen bis 1961 ausschließlich zum militärischen Flugbetrieb durch die Siegermächte genutzt, die den Platz zunächst als Airfield B.170 bezeichneten. Ab Mitte Juli 1945 diente die RAF Sylt zunächst für knapp zweieinhalb Jahre als Basis für Waffentrainingskurse von Staffeln anderer RAF-Stations. Erst als der Fliegerhorst der Bundeswehr übertragen wurde, wurden Teile des Flughafens auch wieder zu zivilen Zwecken mitgenutzt. Von 1961 bis 2005 war auf dem militärischen Teil des Sylter Flughafens die Marinefliegerlehrgruppe stationiert, wo die militärische und fachliche Ausbildung der Mannschaften und Unteroffiziere der Marinefliegergeschwader der Bundesmarine stattfand.

Neben Bedarfslinienflügen von und nach Hamburg, Kiel und Flensburg entwickelte sich in den 1960er Jahren auch eine Fluglinie Berlin–Sylt–Berlin, welche anfangs als Charterstrecke vom Reisebüro Germania und später als subventionierte Linie von British Airways erfolgreich betrieben wurde. Die Einwohner des damaligen West-Berlin nutzten die Flugverbindung sehr rege, da sie so die mühsame Anreise durch das Staatsgebiet der DDR vermeiden konnten. Bis zum Mauerfall gehörte die so genannte „Mittagsmaschine“, die in den Sommermonaten täglich gegen 13 Uhr auf Sylt eintraf und etwa eine Stunde später zum Rückflug nach Berlin startete, zu einer festen Größe im Luftverkehr über der Insel.

Dem folgten Pauschalflugreisen sowie Linienflugziele in alle Regionen Deutschlands. In dieser Zeit konnten Verkehrsflugzeuge unterschiedlichster Bauart auf Sylt beobachtet werden. Im Jahre 1971 überließ die Bundeswehr das eigentliche Flugbetriebsgelände zusammen mit einigen Gebäuden der inzwischen gegründeten Sylter Flughafen GmbH & Co. 1990 wurde zur dringend nötig gewordenen Kapazitäts- sowie Qualitätsverbesserung auf einem neuen Standort ein neues Abfertigungsgebäude mit integriertem Kontrollturm, ein neues Instrumentenanflugsystem mit entsprechender Anflugbefeuerung sowie eine Rettungs- und Fahrzeughalle errichtet. Die Flugsicherungseinrichtungen wurden später durch ein Radarsystem und neueste Flugdatenverarbeitung ergänzt.

Seit 1998 ist der neue Betreiber des Flughafens, durch eine Firmenumstrukturierung, die SFG Sylter Flughafen GmbH & Co. Betriebs- und Service-KG.

Ende der militärischen Nutzung

Zum 1. Dezember 2005 endete die Nutzung des militärischen Teils des Flughafens durch die Marinefliegerlehrgruppe. Nach Abzug der letzten Angehörigen des Nachkommandos im März 2006 wird der gesamte Flughafen ausschließlich zivil genutzt. Seit Herbst 2011 werden schrittweise die Kasernen, Werkstätten und Hangars auf dem ehemals militärischen Nordteil des Areals abgerissen. Diese Arbeiten sind bis dato nur zum Teil abgeschlossen – um den Erhalt einiger prägender Gebäude wie des (mittlerweile nun abgerissenen) Englischen Kinos oder der von den Rettungsdiensten der Insel genutzten Halle 28, gab und gibt es auf der Insel rege Diskussionen.

Air Berlin flog bis zur Insolvenz 2017 ganzjährig von Sylt täglich nach Düsseldorf. Außerhalb der Haupturlaubersaison (Oktober bis April) wurde lediglich eine Verbindung von Düsseldorf aus geflogen. Außerdem wurden saisonale Routen nach München, Stuttgart, Nürnberg und Zürich bedient.

Aktueller AusbaustandBearbeiten

Auf dem Gelände des Flughafens befinden sich zwei räumlich getrennte Abfertigungsgebäude (Terminal 1 und Terminal 2). Während von Terminal 1 nahezu alle Linienverbindungen abgefertigt werden, wird Terminal 2 vor allem für den regionalen Luftverkehr – z. B. zu den Nachbarinseln, sowie für Charterflüge und für alle Flüge der lokalen Fluggesellschaft Sylt Air – sowie für die Allgemeine Luftfahrt genutzt.

Seit der letzten Erweiterung des Abflugbereiches von Terminal 1 um einen zusätzlichen Wartebereich mit insgesamt drei Flugsteigen können nun bis zu drei Maschinen mit zusammen bis zu 500 Passagieren nahezu gleichzeitig abgefertigt werden. Im Ankunftsbereich stehen zwei Gepäckbänder zur Verfügung.

FluggastzahlenBearbeiten

Einen deutlichen Aufschwung erlebte der Flughafen ab dem Jahr 2005. Durch die stark gestiegene Zahl an innerdeutschen Verbindungen und den Einsatz größerer Flugzeuge stieg die Zahl von 48.000 Fluggästen im Jahr 2004 auf 217.000 Fluggäste im Jahr 2011. Im Jahr 2014 lag die Passagierzahl, ähnlich wie im Vorjahr, bei 175.000; damit war dieser nördlichste Flughafen Deutschlands nach dem Flughafen Lübeck-Blankensee der meistfrequentierte Flughafen in Schleswig-Holstein. Inzwischen wurde in Lübeck jeglicher Linienflugbetrieb eingestellt.

Nach der letzten Ausbaustufe des Abfertigungs- und Empfangsgebäudes am Terminal 1 mit nunmehr drei Flugsteigen und zwei Gepäckbändern, liegt die als maximal angesehene Passagierzahl bei etwa 250.000 Passagieren pro Jahr,[4] wobei zu beachten ist, dass der weitaus größte Teil der Passagiere an den Sommerwochenenden abgefertigt wird, an denen es bereits jetzt zu Kapazitätsengpässen kommen kann. Im Winterhalbjahr hingegen sowie an vielen Wochentagen ist der Flughafen nicht ausgelastet.

Zwischenfälle und SicherheitBearbeiten

Am 30. Mai 2008 stürzte ein aus den Niederlanden kommendes deutsches Privatflugzeug des Typs Beechcraft Bonanza mit drei Personen an Bord beim Landeanflug auf den Flughafen etwa drei Kilometer vor der Landebahn auf eine Wiese, welche direkt an ein Wohngebiet grenzt. Hierbei wurde der Pilot getötet und zwei Passagiere verletzt. Unbeteiligte kamen nicht zu Schaden.[5]

Die Vereinigung Cockpit führte den Flughafen Sylt in ihrer Flughafen-Mängelliste 2009 auf. Darin bemängelte sie vorrangig das Fehlen wichtiger technischer Ausstattungsmerkmale und Features an diesem Flugplatz.[6] Im Bericht für das Jahr 2010 wurde dem Flughafen ein ausdrückliches Lob (Mängelstern-frei) ausgesprochen, da Runway Guard Lights und das ATIS nun in Betrieb waren.

SegelflugBearbeiten

Der traditionsreiche Aeroclub Sylt nutzt ein östlich des eigentlichen Flughafenareals liegendes Gelände für den Segelflugsport. Begonnen hatte man schon in den 1920er Jahren mit Segelflügen an der Dünenkante von Wenningstedt, damals noch unter dem Dach der Deutschen Verkehrsfliegerschule. 1961 zog der Verein auf das Flughafengelände.

Flotte AeroClubSylt
Flugzeugtyp Registrierung
Schleicher ASK13 D-3670
Grob Twin Astir D-8756
Ka 8b D-0560
LS 4b D-4432
SF25C D-KHGA

Siehe auchBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Luftverkehr auf Hauptverkehrsflughäfen. Destatis.de, 28. Februar 2017, abgerufen am 10. Januar 2018.
  2. rh: Sylter Flugverkehr: Direktflug Berlin-Sylt: Easyjet fliegt ab Mai auf die Insel | shz.de. Abgerufen am 28. März 2019.
  3. Henry L. deZeng IV: Luftwaffe Airfields 1935–1945 Germany (1937 Borders), S. 693–695, abgerufen am 29. August 2014
  4. Archivlink (Memento vom 30. Januar 2011 im Internet Archive)
  5. ASN Wikibase Occurrence # 20265. Aviation Safety Network Database, 13. Juli 2010, abgerufen am 1. August 2010 (englisch).
  6. Flughafen-Mängelliste 2010. (Nicht mehr online verfügbar.) Vereinigung Cockpit e.V., archiviert vom Original am 29. Juni 2009; abgerufen am 1. August 2010: „Wir möchten auch mit Lob nicht sparen. Einige Flughäfen haben große Anstrengungen unternommen, von uns festgestellte Mängel zügig zu beheben. Stellvertretend ist hier der Flughafen Sylt/Westerland zu erwähnen, der letztes Jahr noch einen Mangelstern erhielt, aber aufgrund seiner Bemühungen dieses Jahr sternfrei ist.“   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.vcockpit.de