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LebenBearbeiten

Nach der Matura absolvierte Gujer von 1982 bis 1984 ein Volontariat bei der deutschen Tageszeitung Mannheimer Morgen.[2] Anschliessend studierte Gujer Geschichte, Politikwissenschaft und Slawistik an den Universitäten Freiburg im Breisgau und Köln.

Seine Tätigkeit bei der Neuen Zürcher Zeitung begann er 1986 als Praktikant und freier Mitarbeiter.[1] Von 1989 bis 1992 war er Korrespondent in der DDR beziehungsweise den neuen Bundesländern, von 1992 bis 1995 in Israel, von 1995 bis 1998 in Moskau für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten und ab 1998 Deutschland-Korrespondent in Berlin.[3] Von Juli 2013 bis März 2015 leitete er das Auslandressort der NZZ. Seit dem 11. März 2015 ist er Chefredaktor der NZZ und verantwortet darüber hinaus zusammen mit dem CEO Felix Graf die Geschäftsführung der NZZ AG.[1][4]

Politische LeitlinienBearbeiten

Gujer betrachtet die NZZ als das Leitmedium in der Schweiz, wie er in einem Interview mit der Weltwoche betonte. Sie präge die politischen und gesellschaftlichen Debatten im Land.[5] Die NZZ solle einen bürgerlich-liberalen Standpunkt vertreten,[6] welcher für die Rechte des Individuums einsteht.[7] „Zeitungen, die in ihrer Haltung beliebig sind, haben keine Zukunft“, so Gujer bei seinem Amtsantritt.[8] Zugleich hält er es für die Aufgabe der NZZ, Stimmen aus unterschiedlichen politischen Lagern eine Plattform zu bieten: „Ohne den Meinungsstreit, in dem man dem Gegenüber mit Respekt begegnet, verkümmert die öffentliche Sache.“[9]

Er betrachtet einen zunehmend konfrontativen Ton in der öffentlichen Auseinandersetzung mit Sorge und fordert, über Gräben hinweg zur Verständigung fähig zu bleiben und die „polarisierenden Kräfte mit ihren Feindbildern in die Schranken zu weisen“.[9] Angesichts des aufgeheizten Meinungsklimas hätten die Medien eine besondere Aufgabe. Sie seien die Instanz, die Fakten prüfen und einordnen könne. Deshalb sei Glaubwürdigkeit so wichtig im Journalismus und für die NZZ das oberste Gut.[10] Dazu gehöre auch die Bereitschaft zur Selbstkritik. Dem Magazin Der Spiegel sagte er, die Medienbranche müsse ehrlicher mit sich werden: „Sind wir wirklich willens, Pro und Kontra zu berücksichtigen? Sind wir bereit, unsere eigene Haltung infrage zu stellen?“[11]

Unter seiner Ägide wird ihm von Medienbeobachtern eine Verschiebung des politischen NZZ-Profils nach Rechts attestiert.[12] Gujer selbst bestreitet dies und spricht von „Profilschärfung.“[13]

Projekte der NZZBearbeiten

Im Juni 2016 führte Gujer NZZ Global Risk ein. Der Premium-Newsletter soll Schweizer KMU mittels wöchentlichen Risikoanalysen von Auslandkorrespondenten dabei helfen, den Einfluss politischer Entwicklungen auf ihr Unternehmen einzuschätzen. Ergänzt wird das Angebot durch eine jährlich stattfindende Konferenz zu den Chancen und Risiken einer bestimmten Länderregion.[14]

Des Weiteren hat Gujer die Etablierung der NZZ in Deutschland vorangetrieben. Seit April 2017 schreibt er den wöchentlichen Deutschland-Newsletter Der andere Blick, der Teil des im Juli 2017 lancierten NZZ-Angebots für Deutschland, NZZ Perspektive, ist.[15]

BuchautorBearbeiten

Gujer ist Buchautor zu nachrichtendienstlichen Themen[16] und zur deutschen Aussenpolitik.[17][18][19] Er ist Mitglied des Gesprächskreises Nachrichtendienste in Deutschland[20] und wurde als Strategieexperte vom Schweizerischen Nachrichtendienst des Bundes konsultiert.[21]

Gujer ist mit der NZZ-Journalistin Claudia Schwartz verheiratet.

PublikationenBearbeiten

  • Kampf an neuen Fronten. Wie sich der BND dem Terrorismus stellt. Campus, Frankfurt am Main 2006.
  • Schluss mit der Heuchelei. Deutschland ist eine Großmacht. Hrsg. von Roger de Weck. Ed. Körber-Stiftung, Hamburg 2007.
  • Der andere Blick. Persönlicher wöchentlicher Newsletter mit Fokus Deutschland. NZZ, 2017.[18]

LiteraturBearbeiten

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c Neue NZZ-Leitung: Eric Gujer wird Chefredaktor. In: Neue Zürcher Zeitung. 11. März 2015, abgerufen am 11. März 2015.
  2. Neue NZZ-Leitung: Eric Gujer wird Chefredaktor. In: Neue Zürcher Zeitung. 11. März 2015, abgerufen am 11. März 2015.
  3. Wolbert K. Smidt et al. (Hrsg.): Geheimhaltung und Transparenz. Demokratische Kontrolle der Geheimdienste im internationalen Vergleich. Lit, Berlin 2007, S. 340 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. NZZ-Mediengruppe: «Der publizistische Aufwand hat zugenommen». Abgerufen am 23. Juli 2019 (englisch).
  5. Kurt W. Zimmermann: «Wir sind das Leitmedium». In: Die Weltwoche. 31. Juli 2018, abgerufen am 15. August 2018.
  6. Nordgelüste. In: SZ.de. 26. Juni 2017
  7. Interview von Marc Felix Serrao, Charlotte Theile: "Es gibt in Deutschland eine Lücke". (sueddeutsche.de [abgerufen am 11. Juli 2019]).
  8. "Es gibt in Deutschland eine Lücke"
  9. a b Eric Gujer: Der eine schreit «Lügenpresse», der andere «Nazi» | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 19. April 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 15. August 2018]).
  10. Eric Gujer: Wahrheit und andere Lügen | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 12. Dezember 2017, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 15. August 2018]).
  11. Isabell Hülsen: Misstrauen gegen Medien: «...dass ich ständig belehrt werde, was ich zu denken habe». In: Der Spiegel. 25. Februar 2018 (spiegel.de [abgerufen am 15. August 2018]).
  12. Eric Gujer | MEDIENWOCHE. Abgerufen am 23. Juli 2019.
  13. "Neue Zürcher Zeitung" - Profil geschärft - mit rechten Thesen? Abgerufen am 23. Juli 2019 (deutsch).
  14. Das Weltgeschehen in Szenarien. In: organisator.ch 1. Juni 2017
  15. Vom festen Glauben an eine «Perspektive» auf dem deutschen Markt. In: horizont.net 25. Juli 2017
  16. Eric Gujer: Kampf an neuen Fronten. Wie sich der BND dem Terrorismus stellt. (perlentaucher.de [abgerufen am 3. März 2018]).
  17. Deutschland, eine Großmacht? Abgerufen am 3. März 2018.
  18. a b Eric Gujer auf der Website der Neuen Zürcher Zeitung. 31. März 2017
  19. Eric Gujer: «Der andere Blick»: Die deutsche Migrationspolitik ist Augenwischerei | NZZ. In: Neue Zürcher Zeitung. 23. Februar 2018, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 3. März 2018]).
  20. blick.ch 7. Mai 2015
  21. Charlotte Theile: NZZ-Chef half Geheimdienst, in: Süddeutsche Zeitung, 9. Mai 2015, S. 46