Die kleinen Füchse

Film von William Wyler (1941)

Die kleinen Füchse ist ein US-amerikanisches Filmdrama von William Wyler aus dem Jahr 1941. Der Film entstand nach dem gleichnamigen Theaterstück von Lillian Hellman.

Film
Deutscher TitelDie kleinen Füchse
OriginaltitelThe Little Foxes
The Little Foxes (1941 poster).jpg
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1941
Länge 115 Minuten
Stab
Regie William Wyler
Drehbuch Lillian Hellman
Arthur Kober
Dorothy Parker
Alan Campbell
Produktion Samuel Goldwyn
Musik Meredith Willson
Kamera Gregg Toland
Schnitt Daniel Mandell
Besetzung
Synchronisation

HandlungBearbeiten

Die Südstaaten der USA im Jahr 1900: Die Fabrikantenfamilie Hubbard ist durch harte Geschäftsmethoden zu Wohlstand gekommen. Die beiden Brüder Ben und Oscar Hubbard planen nun gemeinsam mit dem Geschäftsmann William Marshall eine Beteiligung an einer Baumwollspinnerei, welche sie endgültig reich machen würde. Sie haben jedoch nicht die notwendigen finanziellen Mittel dafür, es fehlen ihnen 75.000 US-Dollar.

Doch da gibt es den Schwager der Brüder: Horace Giddens ist ein reicher Mann, der seit längerer Zeit von seiner Frau Regina, der Schwester der Hubbard-Brüder, getrennt lebt. Regina hasst ihren Ehemann, entschließt sich aber trotzdem, sich darum zu bemühen, dass ihr Mann zu ihr zurückkehrt, damit die Brüder an sein Geld kommen. So entsendet Regina ihre Tochter Alexandra, die den Vater zur Rückkehr bewegen soll.

Der schwer herzkranke Mann lässt sich erweichen und kehrt zu seiner Frau zurück. Doch das Geld will Horace nicht herausrücken, auch da er befürchtet, dass seine Tochter im Verlauf des Geschäftsdeals zu einer Heirat mit ihrem ebenso einfältigen wie verschlagenen Cousin Leo, dem Sohn von Oscar, gedrängt werden könnte. Selbst Tante Birdie – die sensible und freundliche, aber durch das hasserfüllte Familienleben zur Alkoholikerin gewordene Mutter von Leo – warnt Alexandra, dass sie durch eine Heirat mit Leo so hoffnungslos wie sie enden würde. Alexandra verliebt sich unterdessen in David Hewitt, einen jungen und klugen Zeitungsreporter, der nicht viel von der Familie Hubbard hält.

Leo arbeitet in der örtlichen Bank, wo Horace sein Aktiendepot hält. Leo verfolgt gemeinsam mit seinem Vater und Onkel die Idee, Aktienpapiere von Horace im Wert von 75.000 US-Dollar zu stehlen und diese im Herbst, wenn Horace für gewöhnlich die Aktien benötigt, wieder unbemerkt zurückzulegen. Alles scheint sich nun für die Brüder zum Besten zu wenden. Sie erhalten die Beteiligung am ersehnten Geschäft mit Mr. Marshall und benötigen nicht einmal die Hilfe von Regina.

Nach einiger Zeit besucht allerdings der inzwischen todkranke Horace wegen seines Testaments die Bank und bemerkt den Diebstahl der Aktienpapiere. Er informiert Regina über den Diebstahl, die nun ihre Brüder in der Hand hätte, doch will Horace die Affäre ohne Aufsehen beenden: Er wolle verlauten lassen, dass er Leo das Geld rechtmäßig geliehen habe und somit ist auch diese Tür für Regina verschlossen. Als Horace während eines Streits mit Regina einen Herzinfarkt erleidet, verweigert sie ihm die lebensrettende Medizin. Er will sich die Medizin selbst holen und bricht auf der Treppe zusammen.

Horace stirbt wenig später ohne ein weiteres Wort, welches Reginas Brüder von dem Diebstahl entlasten könnte. Regina kann nun ihre Brüder nach Belieben erpressen und fordert 75 Prozent der Einnahmen, mit denen sie sich endlich ihren Lebenstraum, mehr von der Welt als nur ihr Südstaatendorf zu sehen, ermöglichen kann. Alexandra ist von der Boshaftigkeit der Familie schockiert und vermutet richtigerweise, dass ihre Mutter am Tod ihres Vaters nicht unschuldig ist. Während Alexandra mit David Hewitt das Haus verlässt, bleibt Regina vereinsamt zurück.

HintergrundBearbeiten

Das Theaterstück erlebte seine Broadwayuraufführung am 15. Februar 1939 und wurde fast ein Jahr lang erfolgreich gespielt. Die Rolle der Regina spielte am Broadway Tallulah Bankhead, Frank Conroy übernahm die Rolle des Horace Giddens. Charles Dingle, Carl Benton Reid, Dan Duryea, Patricia Collinge und John Marriott wiederholten in der Verfilmung die Rollen, welche sie bereits zuvor am Broadway gespielt hatten.[1] Hinzugefügt wurde auf Wunsch der Filmemacher auch die von Hellman für den Film entworfene Figur des David Hewitt, die als Gegenstück zu den Intriganten Hubbards stehen sollte.

Bankhead interessierte sich dafür, die Hauptrolle auch in der Verfilmung zu spielen, doch ihre bisherigen Filme waren überwiegend Misserfolge gewesen. Daher wählten Produzent Samuel Goldwyn und Regisseur William Wyler lieber Bette Davis für die Hauptrolle, die sich allerdings wegen des vielen Lobes für Bankheads Darstellung sehr unsicher fühlte, an diese Leistung anknüpfen zu können. Davis sah den Charakter der Regina als komplett rücksichtslos und gierig, doch Wyler wollte die Figur femininer, kultivierter und zumindest etwas sympathisch gestalten. Das führte zu Streitigkeiten während der Dreharbeiten und am Ende stand eine Kompromissdarstellung von Regina, die weder Wyler noch Davis wirklich zufriedenstellte.[2]

Produktion[3]Bearbeiten

DrehorteBearbeiten

Belle Helene Plantation, Baton Rouge, Louisiana, USA

Samuel Goldwyn Studios - 7200 Santa Monica Boulevard, West Hollywood, California, USA

DrehdauerBearbeiten

28. April 1941 – 3. Juli 1941 (67 Tage)

SynchronisationBearbeiten

Die deutsche Synchronfassung entstand im Jahr 1974[4], passend zur deutschen Fernsehpremiere am 30. Dezember 1974 im ZDF.[5]

Rolle Schauspieler Dt. Synchronstimme
Regina Hubbard Bette Davis Tilly Lauenstein
Horace Giddens Herbert Marshall Edgar Ott
David Hewitt Richard Carlson Thomas Danneberg
Leo Hubbard Dan Duryea Horst Gentzen
Ben Hubbard Charles Dingle Friedrich W. Bauschulte
Oscar Hubbard Carl Benton Reid Heinz Petruo
Addie, Dienstmädchen der Hubbards Jessica Grayson Ursula Krieg
Cal, Horaces Dienstbote John Marriott Peter Schiff
Mr. William Marshall Russell Hicks Friedrich Schoenfelder
Mrs. Hewitt, Davids Mutter Virginia Brissac Inge Wolffberg
Julia Terry Nibert Inge Landgut
Bankkunde Tex Driscoll Manfred Meurer

KritikenBearbeiten

Beim US-amerikanischen Kritikerportal Rotten Tomatoes besitzt Die kleinen Füchse, basierend auf 14 Kritiken, eine positive Wertung von 100 %.[6]

„Bitter-sarkastisches Familiendrama aus dem Süden der Vereinigten Staaten. Der psychologische Realismus der Inszenierung besitzt scharfe Konturen und hohe Präzision; Regisseur Wyler beweist in seinem wohl besten Vorkriegsfilm ein beeindruckendes Gefühl für Bildgestaltung und Schauspielerführung.“

AuszeichnungenBearbeiten

Die kleinen Füchse erhielt insgesamt neun Oscar-Nominierungen, ging bei der Oscarverleihung 1942 jedoch völlig leer aus.

Trivia[8]Bearbeiten

  Die hier zu findenden Aussagen sind an anderer Stelle des Artikels besser untergebracht, falls sie ausreichend belegt sind (siehe auch die Ausführungen in den Formatvorlagen Film und Fernsehsendung, frühere Diskussionen zu dem Thema und die Empfehlungen zum Aufbau eines Artikels und zur Zurückhaltung bei Listen).
  • Bette Davis und William Wyler haben während der Dreharbeiten viel gestritten. Die Meinungsverschiedenheiten reichten von Davis' Interpretation der Rolle (Wyler meinte, sie solle sympathischer sein) über das Aussehen des Hauses (Davis fand es weitaus zu opulent für eine finanziell angeschlagene Familie) bis zu Davis' Aussehen (Wyler meinte, ihr weißes Make-up ließe sie aussehen wie eine Kabuki-Darstellerin). Schließlich verließ Davis die Produktion, kam aber zurück, als sie von Gerüchten erfahren hatte, dass sie durch Katharine Hepburn oder Miriam Hopkins ersetzt werden würde.
  • Bette Davis ließ den legendären Visagisten Perc Westmore einen weißen maskenartigen Effekt für ihr Gesicht entwickeln, um Reginas Gefühlskälte zu betonen. William Wyler hasste es und verglich es mit einer Kabuki-Maske.
  • Wyler ermutigte Bette Davis, sich den Broadway-Auftritt von Tallulah Bankhead anzusehen. Davis war nicht begeistert von dieser Idee, stimmte aber zu und bereute es sofort, als ihr klar wurde, dass sie nun gezwungen war, die Rolle auf eine ganz andere Art und Weise zu spielen. Bankhead spielte sie wie eine Kämpferin. Davis' Interpretation war die einer gefühlskalten, berechnenden und hinterhältigen Frau.
  • Teresa Wright's Filmdebüt und ihre erste Oscar-Nominierung.
  • Bette Davis war zu dieser Zeit Vertragsschauspielerin für Warner Brothers und verdiente 3.000 USD pro Woche. Als sie hörte, wieviel Warner für ihre Dienste erhielt, verlangte sie einen Teil dieser Zahlung.
  • Um seine Verluste nach dem anfänglichen Flop von Citizen Kane (1941) auszugleichen, verlieh RKO diesen Film im Jänner 1942 mit einer Doppelvorstellung gemeinsam mit „The Little Foxes“.
  • Gedreht wurde während einer der heißesten Hitzewellen seit Jahren in Los Angeles, mit Temperaturen an den Hundstagen, die regelmäßig über 100 Grad Fahrenheit (37,78 Grad Celsius) lagen.
  • Bei der Uraufführung in der Radio City Music Hall in New York stellte der Film mit über 22.000 Besuchern einen Allzeit-Besucherrekord für einen normalen Eröffnungstag in einem Theater auf.
  • Laut Samuel Goldwyn Jr., war der Grund dafür, dass Jack L. Warner Bette Davis für diesen Film verliehen hat, eine Spielschuld bei Samuel Goldwyn von 300.000 USD war, die es zu begleichen galt. Es hieß, dass alle Studio-Mogule (Jack L. Warner, Samuel Goldwyn, Harry Cohn, Louis B. Mayer, Darryl F. Zanuck und Carl Laemmle) sich nach der Arbeit zum Kartenspiel zu treffen pflegten, nachdem sie sich während des Tages gegenseitig in den Rücken gefallen waren.
  • Das zweite Jahr in Folge führte William Wyler in einem Bette Davis-Film Regie, der für den besten Film, beste Regie und beste Hauptdarstellerin bei den Academy Awards nominiert war. Im Jahr davor war es „Das Geheimnis von Malampur“. Und das zweite Jahr in Folge, ging jeder mit leeren Händen nach Hause.
  • Patricia Collinge und Teresa Wright spielten später Mutter und Tochter in Alfred Hitchcocks „Shadow of a Doubt (Im Schatten des Zweifels 1943)“.
  • Sergei M. Eisenstein zählte „Die kleinen Füchse (1941)“ zu einem seiner Lieblingsfilme.
  • Die ursprüngliche Bühnenproduktion von „The Little Foxes“ startete am National Theater in New York am 15. Februar 1939 und hatte 410 Vorstellungen. Darin war Tallulah Bankhead als Regina Giddens und Dan Duryea als Leo Hubbard zu sehen. Es gab 3 Wiederaufnahmen: Anne Bancroft (1967), Elizabeth Taylor (1981) und Stockard Channing (1997).
  • Die Rolle der Regina wurde ursprünglich Miriam Hopkins angeboten, aber Regisseur William Wyler wollte nicht mit ihr zusammenarbeiten.
  • Obwohl der Film ein großer Kassenschlager war, kam es am Ende aufgrund der Bedingungen, die die RKO mit Samuel Goldwyn aufgesetzt hatte, zu einem Verlust von 140.000 USD.
  • Das Screen Guild Theater hat eine 30-minütige Radio-Adaption des Films am 6. August 1945 gesendet, wobei Bette Davis, „Charles Dingle“ und Teresa Wright ihre Filmrollen erneut spielten.
  • Laut „Reel Facts: The Movie Book of Records“, musste Goldwyn an Warner 385.000 USD für Bette Davis Dienste zahlen.
  • Aufnahme in die Liste des American Film Institute von 1998 unter den 400 Filmen, die für die Top 100 der größten amerikanischen Filme nominiert wurden.
  • Obwohl Gerüchte im Umlauf waren, dass Samuel Goldwyn Bette Davis ersetzen wollte, nachdem sie den Dreh verlassen hatte, hätte er dies in Wirklichkeit nur ungern getan, da dies erhebliche Kosten durch die Neuaufnahme aller bereits mit einer anderen Schauspielerin gedrehten Filmszenen bedeutet hätte.
  • Herbert Marshall hatte ein Bein im Ersten Weltkrieg verloren. Die Szene, wo Horace die Treppe hinaufkrabbelt, wurde von einem Stuntman übernommen. Marshall spielte bis zu dem Moment, wenn er auf die Treppe zugeht, aber wird für einen Moment von einem Vorhang verdeckt und hier erfolgte der Wechsel.

LiteraturBearbeiten

  • Lillian Hellman: Die kleinen Füchse. Stück in 3 Akten (Originaltitel: The Little Foxes). Deutsch von Bernd Samland. Jussenhoven & Fischer, Köln o. J. [Bühnenmanuskript]

WeblinksBearbeiten

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. The Little Foxes in der Internet Broadway Database (englisch)
  2. Mike Peros: Dan Duryea: Heel with a Heart. Univ. Press of Mississippi, 2016, ISBN 978-1-4968-0993-3 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 9. September 2018]).
  3. The Little Foxes (1941) - IMDb. Abgerufen am 28. März 2021.
  4. Die kleinen Füchse. In: synchronkartei.de. Deutsche Synchronkartei, abgerufen am 13. Oktober 2017.
  5. The Little Foxes (1941) – Release Info. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 13. Oktober 2017.
  6. Die kleinen Füchse. In: Rotten Tomatoes. Fandango, abgerufen am 13. Oktober 2017 (englisch).Vorlage:Rotten Tomatoes/Wartung/„importiert aus“ fehlt
  7. Die kleinen Füchse. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 24. April 2021. 
  8. The Little Foxes (1941) - IMDb. Abgerufen am 28. März 2021.