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David Schalko

österreichischer Regisseur und Produzent

Leben und WirkenBearbeiten

Geboren in Waidhofen an der Thaya, wuchs David Schalko in Wien auf. Er bewarb sich für das Reinhardt-Seminar, wurde jedoch nicht aufgenommen. In der Folge, 1991, begann er ohne spezielle Motivation ein Studium an der Wirtschaftsuniversität Wien – „weil mein Vater Banker ist, lag Betriebswirtschaft nahe. [...] Ich hab das so lange studiert, bis sich eine Ausstiegsmöglichkeit ergab – das war die Fernsehsendung ‚Zap‘ auf Wien 1.[1] Zuvor veröffentlichte er aber noch sein erstes Buch, den Lyrikband Bluterguss und Herzinfarkt (1995 bei Kubus, Wien). Autoren wie Werner Schwab und H. C. Artmann, den er auch persönlich kannte, waren damals interessante Bezugspunkte für ihn.[1]

Über persönliche Kontakte bekam er 1996/97 die Gelegenheit, für Zap und Die Hausfreunde Konzept und Drehbuch zu schreiben, sowie Regie zu führen. Moderator von Zap wurde Robert Palfrader, den Schalko als „Stammgast“ im Café Torberg, in dem Palfrader damals Wirt war, kennenlernte.[1]

Danach, ab 1998, arbeitete Schalko als freier Werbetexter und -regisseur. In dieser Zeit schrieb er seinen ersten Roman Frühstück in Helsinki, der jedoch erst 2006 erschien – „was für ein juveniles Werk viel zu spät ist“, so Schalko.[1] Zudem drehte er auch Musikvideos und wurde im Jahr 2000 Sexkolumnist der Frauenzeitschrift Wienerin. Danach kehrte er zum Fernsehen zurück. Die von ihm 2002 konzipierte Sendung ohne Namen gewann im Jahr 2003 die Goldene Romy und einen Preis am Input-Fernsehfestival in Barcelona. Im Jahr darauf war die Sendung Finalist beim New York Television Award und Finalist beim Rose d’Or in Luzern.

2003 inszenierte Schalko gemeinsam mit Amina Handke das Stück Disco ergo sum in der Theater Gruppe 80, Außerdem zeichnete er für eine weitere wöchentliche Sendung des ORF verantwortlich: Sunshine Airlines. 2004 konzipierte er Undercover für den ORF. Er drehte in Co-Regie mit Mike Majzen den Kinofilm Nitro, der ab Mai 2006 im Kino gezeigt wurde. Außerdem erschienen bei Dröhmer einige Kurzgeschichten in unterschiedlichen Anthologien.

2005 drehte er den Fernsehfilm Heaven im Rahmen der Reihe 8 x 45, in dem Josef Hader die Hauptrolle spielt. Des Weiteren führt er Regie bei der Aufzeichnung von Josef Haders Kabarettprogramm „Hader muss weg“. Im März des Folgejahres lief im ORF die Serie Kupetzky, als deren Autor David Schalko fungierte. Im April 2006 hatte sein Theaterstück Böheimkirchen Euphorie im Wiener Rabenhof Theater Premiere. Im November 2006 ging Schalko auch in der Werbung neue Wege: der von Media Markt in Auftrag gegebene Spielfilm Dad’s Dead, der als Gratis-Give-away in den Märkten verteilt wurde und innerhalb weniger Tage in ganz Österreich vergriffen war, galt als Pionierprojekt, das auch an internationalen Werbefestivals für Aufmerksamkeit sorgte. Zudem gründete Schalko im gleichen Jahr gemeinsam mit John Lueftner und Andreas Payer die Produktionsfirma Superfilm.

2007 führte Schalko wieder im österreichischen Fernsehen Regie. Die Politsatireserie Die 4 da mit Erwin Steinhauer, Florian Scheuba, Thomas Maurer und Rupert Henning suchte sich jede Woche ein neues Genre. Seit Mai 2007 produziert Schalkos Firma Superfilm die von ihm konzipierte Late-Night-Show Willkommen Österreich. Im Herbst 2007 erschien der Erzählband Wir lassen uns gehen.

2008 entwickelte Schalko anlässlich der in Österreich und der Schweiz ausgetragenen Fußball-Europameisterschaft 2008 die Mockumentary Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister. Bei dem fiktionalen TV-Dokumentarfilm, in dem Österreich Europameister wird, führte Schalko selbst Regie. Der Film wurde 2009 mit der Goldenen Romy ausgezeichnet.

Im Herbst 2009 erschien sein Roman Weiße Nacht, in dem ein naiver junger Mann in den Bann eines charismatischen Politikers (anspielend auf Jörg Haider, der am 11. Oktober 2008 bei einem Alleinunfall starb[2]), gerät. Das Werk wurde von Kritikern als „Parabel auf den Rechtsruck in Österreich“[3] interpretiert. Die Hauptfigur ist nach Aussage Schalkos Stefan Petzner nachempfunden.[4][5] Petzner verklagte den Czernin-Verlag, in dem das Buch erschien, wegen angeblicher Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte[6][7], scheiterte aber.[8] Auch seine Berufung am Oberlandesgericht Wien hatte keinen Erfolg.[9] Weiße Nacht ist auch als Hörbuch auf CD erschienen, gelesen von Christian Kracht.[10]

2009 schrieb und drehte Schalko zusammen mit Josef Hader den Zweiteiler Aufschneider. 2010 erhielt Schalko dafür die Goldene Romy in der Kategorie „Beste Regie“. 2013 wurde Aufschneider für den Grimme-Preis nominiert. 2010 verfilmte Schalko den Roman Wie man leben soll von Thomas Glavinic, der 2011 in den Kinos anlief. Der Film, den er gemeinsam mit Thomas Maurer schrieb, spielt im Studentenmilieu der 90er Jahre. Die experimentelle Erzählweise, die sehr assoziativ unterschiedliche Erzählstile vermengt, polarisierte sehr stark und wurde von der Kritik nicht sehr positiv aufgenommen. 2011 drehte Schalko auch die Miniserie Braunschlag. Die Serie rund um die fingierte Marienerscheinung in einem maroden Waldviertler Dorf lief von September bis November 2012 erstmals im ORF und erreichte dienstags rund eine Million Zuschauer. Braunschlag lief bei der internationalen Cologne Conference in der Kategorie „10 weltweit wichtigste Arbeiten“, war bei der Rose d’Or in der Kategorie „Best Sitcom“ nominiert und erhielt beim österreichischen Film- und Fernsehpreis Romy den „Spezialpreis der Jury“.

2013 erschien sein Roman Knoi, der von der Kritik unterschiedlich aufgenommen wurde.[11]

2014 heiratete David Schalko die Filmeditorin Evi Romen, mit der er zwei Töchter hat.[12]

Im selben Jahr drehte er den Achtteiler Altes Geld für den ORF. Die Serie wurde im März 2015 zuerst als DVD veröffentlicht. Die Dreharbeiten waren überschattet vom Tod des Hauptdarstellers Gert Voss. Altes Geld ist der zweite Teil der „Trilogie der Gier“. Während die Kritiken im deutschen Feuilleton durchwegs euphorisch waren („Altes Geld ist die gemeinste, lustigste, beste Serie seit Helmut Dietl“, schrieb zum Beispiel die Welt), geriet die Fernsehausstrahlung im ORF zu einer Quotentalfahrt. 2015 erwarben die ITV Studios in Los Angeles die Remakerechte an Altes Geld. Von Braunschlag ist ebenfalls eine US-Adaption beim ABC Network in Arbeit.

2015 hatte Schalkos Singspiel Kimberly am Schauspiel Köln Premiere.

In Thomas Glavinics Roman Der Jonas-Komplex zählt Schalko – obwohl er ihn nicht häufig sieht – zu den besten Freunden des Erzählers.[13]

2016 drehte er den Fernsehfilm Höhenstraße als Wiener Beitrag der ORF Landkrimireihe, der das aktuelle Thema Rassismus und Einwanderung auf sehr polarisierende Weise behandelt.

2017 entstand für den Hessischen Rundfunk unter der Regie von Michael Sturminger der Fernsehfilm Toulouse. Er basiert auf dem gleichnamigen Theaterstück von Schalko, das am 2. Oktober 2018 im Hessischen Staatstheater Wiesbaden[14] zur Uraufführung gebracht wurde. Am 11. April 2019 folgte die österreichische Erstaufführung im Theater in der Josefstadt[15].

Im April 2018 veröffentlichte Schalko den Roman Schwere Knochen.[16] Die fiktive Geschichte spielt in der Nachkriegszeit und handelt von vier Verbrechern aus dem KZ Dachau und Mauthausen, welche die Unterwelt Wiens nach dem Krieg unter sich aufteilen.[17]

Anfang 2018 drehte er mit „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ ein Remake des Fritz Lang Klassikers M (1931) für das Fernsehen, das auf der Berlinale 2019 Weltpremiere feierte.[18]

FilmografieBearbeiten

Regie | Drehbuch | KonzeptBearbeiten

FernsehsendungenBearbeiten

KurzfilmeBearbeiten

  • 1998: Der Brief (mit Alf Poier | Regie)
  • 2006: Heaven (Folge der Fernsehfilmserie 8 x 45, 45 min | Drehbuch, Regie)
  • 2007: Dad’s Dead (Werbefilm, 40 min | Drehbuch, Idee)

KinospielfilmeBearbeiten

FernsehfilmeBearbeiten

SerienBearbeiten

ProduktionBearbeiten

TheaterBearbeiten

Prosa und LyrikBearbeiten

AuszeichnungenBearbeiten

  • 2003: Österreichischer Fernsehpreis (Goldene Romy) | Innovativstes Programmkonzept für Sendung ohne Namen
  • 2004: Österreichischer Fernsehpreis (Goldene Romy) | Beste Produktion für Sunshine Airlines
  • 2005: Fernsehpreis der Österreichischen Erwachsenenbildung für Dorfers Donnerstalk
  • 2006: Erich-Neuberg-Preis | Beste Regie für Dorfers Donnerstalk
  • 2006: Thomas-Pluch Drehbuchförderpreis für Heaven
  • 2007: New York Film Festival | Bronzemedaille für Kupetzky
  • 2009: Österreichischer Fernsehpreis (Goldene Romy) | Beste Dokumentation für Das Wunder von Wien: Wir sind Europameister
  • 2010: Erich-Neuberg-Preis | Beste Regie eines ORF-Film für Aufschneider
  • 2010: „Goldene Olive“ bei TV Festival Bar | Bester Film, bester Darsteller, bestes Drehbuch für Aufschneider
  • 2010: Österreichischer Fernsehpreis (Goldene Romy) | Beste Regie für Aufschneider
  • 2012: Cologne Conference | 10 wichtigste Arbeiten weltweit für Braunschlag
  • 2013: Indie Fest California | Awards of merit: Best leading role, Television & Humor für Braunschlag
  • 2013: Accolade Film Competition | Awards of Excellence: Television & Leading actor für Braunschlag
  • 2013: Österreichischer Fernsehpreis (Goldene Romy) | Spezialpreis der Jury für Braunschlag
  • 2015: Cologne Conference | Bester fiktionaler Beitrag für Altes Geld
  • 2016: New York Television & Film Awards | Best Mini-Series für Altes Geld
  • 2016: Ehrenpreis der Wiener Umweltschutzabteilung | Green Producing für Höhenstrasse
  • 2016: 13. Sichuan TV-Festival in Chengdu (International Gold Panda Award) | Beste Kamera für Altes Geld[21]
  • 2017: Wiesbadner Krimifestival | Deutscher Fernsehkrimipreis für Höhenstrasse

WeblinksBearbeiten

  Commons: David Schalko – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. a b c d Wolfgang Kralicek, Klaus Nüchtern: Pathologe ist ein schöner Beruf. Interview mit David Schalko, Falter 14/10, 7. April 2010, S. 24
  2. taz.de
  3. Die Presse: David Schalk (sic!): Mit der Silberrakete in die Sonne, 10. Oktober 2009
  4. David Schalko: Lachen mit Petzner - Vielen Dank für die Klage!, Der Standard, 18. Februar 2010
  5. Der Standard: Ein schwarzer Karl-May-Roman, 24. September 2009
  6. profil Nr. 3, 41. Jg., 18. Jänner 2010, S. 15
  7. Ralf Leonhard: Rechtsstreit in Österreich - Petzner will keine Romanfigur sein, 1. Februar 2010, taz.de
  8. Bericht der Tageszeitung Die Presse über den Prozess Petzner vs. Czernin Verlag.
  9. Kleinen Zeitung: Petzner mit Klage gegen Schalko erneut gescheitert
  10. http://www.wdr5.de/sendungen/buecher-das-wdr-5-literaturmagazin/s/d/13.03.2010-22.05.html
  11. David Schalko Knoi auf perlentaucher.de, abgerufen am 13. Oktober 2014
  12. David Schalko hat geheiratet (Memento vom 25. Dezember 2016 im Internet Archive). Artikel vom 29. September 2014, abgerufen am 25. Dezember 2016.
  13. Th. Glavinic: Der Jonas-Komplex. Frankfurt a. M. 2016. S. 561.
  14. Spielplan 2018/19 des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden (abgerufen am 12. April 2019)
  15. Christina Böck: Toulouse in der Josefstadt: Flirt der Feindseligkeiten. Abgerufen am 15. Mai 2019 (österreichisches Deutsch).
  16. Britta Schmeis: Krimi-Groteske : Das KZ, die Kinderstube Österreichs. In: Spiegel Online. 17. Mai 2018 (spiegel.de [abgerufen am 23. April 2019]).
  17. Sebastian Fasthuber: Ganovenroman von David Schalko: Sympathie für den Halsstich. In: Die Tageszeitung: taz. 19. Juni 2018, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 14. Oktober 2019]).
  18. Weltpremiere für Schalkos ORF-Serienevent „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ bei der Berlinale 2019. Abgerufen am 18. März 2019.
  19. ‚Willkommen Österreich‘-Erfinder starten Latenight für Bayern mit guter Quote. Artikel vom 2. Dezember 2016, abgerufen am 20. August 2017.
  20. Bayerischer Rundfunk: Neue Literatursendung: Gottschalk liest? 7. Februar 2019, abgerufen am 11. April 2019.
  21. „Altes Geld“ und „Universum“ in China ausgezeichnet. 8. November 2015, abgerufen am 11. April 2019.