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Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans

(Weitergeleitet von Chemin de fer de Paris à Orléans)
Erster Bahnhof in Orléans
Zeitgenössische Darstellung des Eisenbahnunfalls von Versailles von A. Provost
Werbeplakat 1890

Die Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (P.O.) war ein privatrechtlich organisiertes französisches Eisenbahnunternehmen, das von 1838 bis 1934 bestand.

Inhaltsverzeichnis

Geografische LageBearbeiten

Das Netz der P.O. erstreckte sich im Gebiet der Loire und Garonne nach Orléans und Tours. Von hier führten Zweigstrecken nach Vendôme, Le Mans, zur Atlantikküste über Angers, Nantes, St. Nazaire bis Landerneau, südlich bis Villefranche, Clermont-Ferrand und Toulouse, südwestlich über Poitiers und Angoulême nach Bordeaux.

GeschichteBearbeiten

AnfängeBearbeiten

Das Unternehmen wurde 1838 in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft gegründet und war mit einem Startkapital von 40 Mio. Francs ausgestattet. Die Gesellschaft erhielt eine auf 70 Jahre verliehene Konzession, um eine Eisenbahnstrecke zwischen den Städten Paris und Orléans zu errichten und zu betreiben. In den folgenden Jahren setzte sie die Konzession um. Am 2. Mai 1843 wurde die Bahnstrecke Paris–Orléans eingeweiht.[1] Mit 114 km war sie die damals längste Eisenbahnstrecke Frankreichs.

In die Anfangszeit der Bahn fiel einer der schwersten Eisenbahnunfälle des 19. Jahrhunderts, als 1842 nach einem Achsbruch der Dampflokomotive ein Zug entgleiste und in Brand geriet. Mehr als 50 Menschen starben.

Entwicklung bis zum Ersten WeltkriegBearbeiten

Mit staatlicher Unterstützung übernahm die P.O. am 27. März 1852 mehrere konkurrierende Bahnen. Es handelte sich dabei um die:

  • Compagnie du Centre
  • Compagnie du chemin de fer de Tours à Nantes
  • Compagnie du chemin de fer d’Orléans à Bordeaux
  • 1853 folgte noch die Übernahme der Compagnie du chemin de fer de Paris à Sceaux.

Mit diesen Zusammenschlüssen hatte die P.O. fast ihre endgültige Ausdehnung erreicht. Von 1852 bis 1934 war sie so die zweitgrößte Privatbahn Frankreichs. Sie hatte ihren Verwaltungssitz in Paris. Ihr dortiger Hauptbahnhof war der Gare d’Austerlitz (ursprünglich: Gare d’Orléans).

1892 schlossen die P.O. und der französische Staat einen Vertrag über den Betrieb wirtschaftlich unrentabler Bahnstrecken. Die P.O. verpflichtete sich, den Betrieb dort aufrechtzuerhalten, der Staat garantierte den Aktionären der Gesellschaft im Gegenzug die Mindesthöhe ihrer Dividende.[2]

1907 kaufte die P.O. als erste Eisenbahngesellschaft Europas Pazifik-Dampflokomotiven für den Schnellzugdienst.[3]

Netzumfang 1912Bearbeiten

Netze Streckenlänge[2]
Hauptnetz 5116 km
Linien mit garantierter Dividende, Normalspur 2351 km
Linien mit garantierter Dividende, Schmalspur 323 km
Gesamtnetz 7790 km

EndeBearbeiten

1929 betrieb die P.O. ein Streckennetz von etwa 7500 km.[3] Relativ früh setzte die Gesellschaft Triebwagen ein. 1929 besaß sie davon 93 Stück.[3] 1934 fusionierten die P.O. und die Compagnie des chemins de fer du Midi zur Chemin de Fer de Paris à Orléans et du Midi (PO-Midi). Die neue PO-Midi mit einem Streckennetz von knapp 12.000 km löste die Compagnie des chemins de fer de Paris à Lyon et à la Méditerranée (PLM) als bis dahin größte Privatbahn Frankreichs ab. Vier Jahre später wurde der Eisenbahnbetrieb auch der PO-Midi zum 1. Januar 1938 verstaatlicht und von der neu gegründeten Société nationale des chemins de fer français (SNCF) übernommen.

Die PO-Midi bestand aber börsennotiert weiter. Ihr waren insbesondere zahlreiche Immobilien verblieben. Der französische Zweig der Bankiersfamilie Rothschild übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg deren Mehrheit und wandelte sie in eine Holding für ihre Bank- und Unternehmensbeteiligungen um. Seit September 2015 firmiert sie unter Rothschild & Co.

Siehe auchBearbeiten

LiteraturBearbeiten

  • Johann Jacob Weber (Hrsg.): Die erste Fahrt auf der Eisenbahn von Paris nach Orléans. In: Illustrirte Zeitung. Nr. 4. J. J. Weber, Leipzig 1843, S. 52–54 (Wikisource).
  • Victor von Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. Band 7. Stichwort: Paris-Orleans-Bahn. Berlin/ Wien 1914, S. 468 f.
  • Stefan Vockrodt: Die Compagnie des Chemins de fer de Paris à Orléans. In: Eisenbahnen in Paris (= Eisenbahngeschichte Spezial. 2) 2015, ISBN 978-3-937189-94-9, S. 36.

WeblinksBearbeiten

  Commons: Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. NN: Die erste Fahrt.
  2. a b Victor von Röll: Enzyklopädie des Eisenbahnwesens.
  3. a b c Stefan Vockrodt: Die Compagnie des Chemins de fer de Paris à Orléans.