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Blücher (Adelsgeschlecht)

Adelsgeschlecht
Wappen derer von Blücher

Die Blücher entstammen dem Mecklenburgischen Uradel mit gleichnamigem Stammsitz Blücher bei Boizenburg an der Elbe.

GeschichteBearbeiten

Das Geschlecht tritt erstmals urkundlich im Jahr 1214 mit dem Ministerialen des Bistums Ratzeburg Ulrich de Bluchere auf.[1] Mit diesem beginnt auch die Stammreihe. Die Blücher sind im Ratzeburger Zehntregister von 1230 als Magnaten erkennbar und waren in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts u. a. im Besitz der Güter Büttelkow, Lehsen und Tüschow in Mecklenburg. Zum alten Familienbesitz gehörte auch Wietow. Ein Ulrich von Blücher wird 1256 als Bischof von Ratzeburg, 1291 werden Hermann von Blücher und 1356 Wipert von Blücher als Bischöfe von Ratzeburg genannt. Ab 1293 werden die Blüchers auch als Grundbesitzer in Pommern bekannt (u. a. 1577–1731 mit einem Anteil von Plathe). Danach kamen Besitzungen in Brandenburg hinzu. Bis 1945 blieben Familienzweige auf Gütern in Mecklenburg und Böhmen ansässig, ab 1759 auf Fincken, ab 1779 auf den drei benachbarten Höfen Wasdow, Bobbin und Quitzenow, ab 1869 auf Gut Jürgenstorf.

Ein Zweig der Familie wurde 1777 zu dänischen Grafen von Blücher-Altona. Der Zweig Blücher-Finken wurde 1815 in den preußischen Grafenstand erhoben.

Fürsten Blücher von WahlstattBearbeiten

 
Fürstliches Wappen Blücher von Wahlstatt

Der wohl bekannteste Zweig geht auf den preußischen Feldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher zurück, einen der drei siegreichen Befehlshaber der Schlacht bei Waterloo. Nach der Einnahme von Paris am 30. März 1814 schenkte ihm der preußische König Friedrich Wilhelm III. die Güter um Krieblowitz in Niederschlesien und erhob ihn am 3. Juni 1814, am Tag der Siegesparade in Berlin, in den erblichen Grafenstand. Nach dem Sieg bei Waterloo am 18. Juni 1815 erhielt er die persönliche Fürstenwürde als Fürst von Wahlstatt sowie das Palais Blücher in Berlin.

Dem Enkel des Marschalls, Graf Gebhard Bernhard Carl von Blücher, wurde von König Wilhelm I. von Preußen am 18. Oktober 1861, an seinem Krönungstag zu Königsberg, die Fürstenwürde mit der Anrede Durchlaucht, erblich in Primogenitur, als die an den Feldmarschall anknüpfende verliehen, während die Agnaten den Titel Graf bzw. Gräfin Blücher von Wahlstatt trugen. Eine Bedingung der Vererbung war der ungeteilte Besitz der Fideikommisse Krieblowitz, Wahlstatt, Strachwitz und seines Palais Blücher am Pariser Platz in Berlin. Der zweite Fürst erwarb 1832 Schloss Raduň in Mährisch-Schlesien. Diese Linie zählt seither zum Hochadel, gegenwärtiger „Chef des Hauses“ ist Nikolaus Fürst Blücher von Wahlstatt (* 1932).

Die Familie Blücher im Zweiten WeltkriegBearbeiten

 
Todesanzeige für die gefallenen von Blücher Brüder, Juni 1941

Neben dem Generalmajor Johann-Albrecht von Blücher dienten während des Zweiten Weltkriegs unter anderem vier Brüder aus der Familie in der Wehrmacht:

  • Wolfgang Henner Peter Lebrecht Graf von Blücher, Oberleutnant (* 31. Januar 1917 in Altengottern; † 21. Mai 1941 nahe Iraklio, Kreta)
  • Leberecht Wilhelm Konstantin Wolf Axel Graf von Blücher, Gefreiter (* 13. April 1922 in Fincken; † 21. Mai 1941 nahe Iraklio)
  • Hans-Joachim Gebhard Leberecht Graf von Blücher, Jäger (* 23. Oktober 1923 in Fincken; † 21. Mai 1941 nahe Iraklio)
  • Adolf Graf von Blücher, Leutnant zur See (* September 1918; † 8. Juni 1944 in Mecklenburg)[2]

Wolfgang, Leberecht und Hans-Joachim fielen als Angehörige der Fallschirmtruppe im Laufe der Luftlandeschlacht um Kreta am 21. Mai 1941 innerhalb weniger Stunden.[3] Adolf wurde daraufhin vom Dienst in der Kriegsmarine befreit und konnte sich um das Gut seiner Familie kümmern, kam jedoch 1944 bei einem Jagdunfall ums Leben.[4]

WappenBearbeiten

  • Stammwappen (gelehnter Schild): „In Silber zwei balkenweise rote Schlüssel, die Bärte auswärts und nach oben gerichtet; auf dem hersehenden Topfhelm mit rot-silbernen Decken zwei schräggekreuzte rote Schlüssel, die Bärte auswärts und nach oben gerichtet.“
  • Grafen von Blücher-Altona: Viergeteiltes Schild mit goldgerandetem gekröntem Herzschild belegt. In diesem das Blüchersche Familienwappen. 1 und 4 in Blau ein sechsstrahliger goldener Stern, 2 u. 3 in Gold eine rote Veste mit drei Türmen.'
  • Fürst und Grafen Blücher von Wahlstatt: Viergeteiltes Schild mit silbernem Herzschild. In diesem das Blüchersche Familienwappen. 1 und 4 in Silber der preußische Adler, 2 in Gold innerhalb eines grünen Lorbeerkranzes ein gold-begrifftes Schwert und ein silberner Feldmarschallsstab gekreuzt, 3 in Gold das Eiserne Kreuz.

WappensageBearbeiten

Der Urahn der Familie Blücher war der Sage nach ein mutiger wendischer Krieger, der mit Herzog Heinrich dem Löwen nach Rhodos zog und dort wegen seiner Tapferkeit den Ritterschlag erhielt. Nach Hause zurückgekehrt, begleitete er seinen Herren, als dieser seinem von Nikolaus bedrängten Schwiegersohn, dem Fürsten Borwin von Mecklenburg, zu Hilfe kam. Auch in diesen Kämpfen zeichnete er sich durch große Tapferkeit aus. Er soll ganz allein eine Kapelle, welche die Abodriten zerstören wollten, geschützt haben. Als er, nachdem die Abodriten geflohen waren, blutend seinem Herren die Kirchenschlüssel überreichte, da nannte er ihn Bleudiger (Blutiger, davon Blücher) und verlieh ihm die Schlüssel als Wappenzeichen.

Bedeutende PersönlichkeitenBearbeiten

 
Gebhard Leberecht von Blücher, Fürst von Wahlstatt (1742–1819), preußischer Generalfeldmarschall und siegreicher Befehlshaber in der Schlacht bei Waterloo

LiteraturBearbeiten

 
Blücher Siegel im mittelalterlichen Mecklenburg

WeblinksBearbeiten

  Commons: Blücher family – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

EinzelnachweiseBearbeiten

  1. Urkundenbuch des Klosters St. Michaelis in Lüneburg
  2. Wolfgang Hausen: Deutsches Soldatenjahrbuch. Bände 48–49. Schild Verlag, 2000, S. 198 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Erinnerung an die drei Blücher-Brüder beim Onlineprojekt Gefallenendenkmäler
  4. Case File # 18, "Saving Von Blücher". battledetective.com, abgerufen am 9. Dezember 2015 (englisch).